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Herzinfarkt - was kommt danach?

Pxappxnas hat die Diskussion gestartet


Guten Morgen zusammen!

Ich (51) habe jetzt einen Langzeit-EKG umgeschnallt und kann (deswegen vielleicht) nicht schlafen. Hab im Netz mal ein bißchen gesurft und kam bei euch hier aus.

Nun möchte ich mal loswerden was mir so durch den Kopf geht:

Ich hatte jahrelang einen extrem hohen Blutdruck ohne so richtig was dagegen unternommen zu haben. Anfang der 90er Jahre war ich mehrmals stationär in Behandlung, ohne dass der hohe Blutdruck erfolgreich bekämpft wurde. Es fehlte bei mir aber auch vielleicht die entsprechende Konsequenz.

Nun hatte ich Ostermontag einen Herzinfarkt. Schon beim Aufstehen verspürte ich Schmerzen hinterm Brustbein und hatte den starken Verdacht: da kommt was! Nachmittags war meine Frau mit den Kindern zum Hallenbad gefahren; ich war alleine zuhause und habe in den Werkstatträumen (ich bin selbstständiger Handwerker) ein bißchen vor mich hin gearbeitet. Und dann knallte es: massivste Schmerzen hinterm Brustbein, als ob sich ein gewaltiger Fremdkörper in der Brust befand der alles abschnürte. Ich wußte sofort, dass wenn dies kein Angina-Pektoris-Anfall ist, dann ist der Herzinfarkt bereits eingetreten. Ich hielt es für sinnvoll mir die Uhrzeit zu notieren -es war genau 15:45 Uhr. Ich rief meinen Bruder an, der im Nachbarort wohnt, hab ihn die Situation geschildert und ihm gebeten, er möchte mich bitte ins Krankenhaus bringen. Angst hatte ich keine; ich hatte das Gefühl wir haben alles Zeit in der Welt, hab auch in mich hineingehorcht und war davon überzeugt dass mein Herz seine Arbeit verrichtet und dass er es obendrein auch noch gut macht. Um die Zeit zu überbrücken habe ich mir einen Kaffee gekocht und den Kaminofen angemacht. Die Schmerzen waren gewaltig. Ich habe mich über Stuhllehnen und Tischkanten gebeugt und gekrümmt. Um 16:05 Uhr war mein Bruder dann da und nachdem er hier sich über meine Situation informiert hatte fuhren wir zusammen zum Krankenhaus. Aber auch hier sah ich keinen Anlass zu besonderer Eile.

Wir wurden dann zur Notaufnahme geschickt, es wurde sofort ein EKG geschrieben und ich bekam eine Spritze, ich glaube es war ein blutverdünnendes Medikament. Das EKG war sehr gut, mein Blutdruck war katastrophal hoch und mein Puls, natürlich in einer solchen Situation, zu schnell. Immerhin - es gab keinerlei Hinweise auf einem Herzinfarkt. Ich wurde über Nacht auf der Intensiv-Station überwacht und am folgenden Morgen waren die Ergebnisse der Blutuntersuchungen dann da. Die besagten ganz klar - Herzinfarkt.

In der folgenden Woche bekam ich einen Stent gesetzt und wurde einige Tage später aus dem Krankenhaus entlassen. Leider hatte der behandelnde Arzt sich im Gespräch zu der Problematik bei Reha-Maßnahmen bei Selbstständigen geäußert: die Firma liegt brach, die Angestellten wissen nicht was sie tun sollen wenn der Chef nicht da ist und das Geld fließt stockend und überhaupt: er würde in meinem speziellen Fall eine Reha als nicht zwingend notwendig einstufen. Das war natürlich genau das was ich hören wollte. Donnerstags aus dem Krankenhaus entlassen - Montags danach schon wieder gearbeitet, wenn auch im Schongang und wenn ich das Gefühl hatte, dass es nicht geht, bin ich einfach ins Bett gegangen.

Ich muß am Tag acht Tabletten einnehmen: blutverdünnende Präparate, Ramipril, ASS 100 und wie sie alle heißen. Meine Blutdruckwerte sind hervorragend.

Nur das mit der Reha bereue ich zutiefst. Ich habe es nicht verarbeitet. Zur Zeit arbeite ich in der Firma alleine, die Kollegen haben Urlaub, zur Zeit ist es eh was ruhig. Aber versteht mich bitte nicht falsch - mein Beruf ist mein Hobby, ich beschäftige mich ständig damit. Ich habe keinen Stress, ich mache alles in Ruhe und es macht mir immensen Spaß, ich habe keine finanziellen Sorgen.

Ich denke dass die Symptome die ich habe, nicht vom Herzinfarkt kommen sondern Nebenwirkungen der Medikamente sind die ich nehme. So um die Mittagszeit überfallen mich immer massivste Erschöpfungszustände, manchmal so exttrem stark, dass ich Angst bekomme. Nach ein oder zwei Stunden ist es vorbei und ich kann dann den Tag wieder aufnehmen. Nachmittags arbeite ich eh wenig. Ich denke aber auch, dass wenn der Blutdruck über Jahrzehnte intolerabel hoch war und dann innerhalb einer Woche auf normale Werte gebracht wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man sich schonmal arg schlapp fühlt.

Seiddem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ist kaum über das was sich in meinem Kopf abspielt gesprochen worden. Ich will auch nicht wehleidig klingen, ich will nur dass es weitergeht. Was kommt jetzt? Rappelt es in den nächsten Wochen oder Monaten nochmal? Mein Langzeit EKG wird nicht gut ausfallen, ich merke Extrasystolen immer wieder, die ich ständig habe. Es wird leicht sein jetzt sagen zu können: ja du arbeitest ja auch viel zu viel, aber ich schließlich lebe ich davon.

Ich denke, wenn jetzt hier ein Dialog auifkommen könnte, wäre mir schon damit geholfen.

Antworten
Ckha -Txu hat geantwortet


Hallo, Pappnas,

Du klingst überhaupt nicht wehleidig.

Ich denke, Du durchleidest da etwas, das nahezu jeder Herzinfarktpatient durchleidet: Eine Situation aus Angst, dass "es" wieder passieren könnte, aber auch Unsicherheit, offene Fragen, Sorge um die Zukunft.

Man hat auf schreckliche Weise das Urvertrauen in seinen Körper verloren. Auch wie Du bei dem Infarkt reagiert hast, zeigt mir, dass Du selbst DA noch nicht so recht geglaubt hast, dass es Dir ans Leben gehen könnte. Wenn ein Infarkt auftritt: RUHIG halten und nicht den Kaminofen anmachen ;-) Nicht den Bruder anrufen und sich von ihm ins Krankenhaus fahren lassen, sondern SOFORT den Notarzt rufen. Gerade in den ersten 0-4 Stunden nach einem Infarkt können spontan schwerste Rhythmusstörungen auftreten (bis hin zum Kammerflimmern). die leider oft tödlich enden. Nicht nur die Verstopfung der Adern mit Absterben der Muskulatur ist das schlimme, sondern auch die Gefahr dieser Rhythmusstörungen.

Daher: Beim Verdacht auf Herzinfarkt, IMMER den Notarzt rufen, und zwar lieber 10mal umsonst als einmal zu spät. Ich weiss, wovon ich rede, ich habe diese Erfahrung leider schon zweimal machen müssen, beim ersten Infarkt, der fast tödlich endete, war ich 42 Jahre alt, beim zweiten war ich fünf Monate älter, er ereignete sich in der Reha-Klinik, glücklicherweise, denn wenn er zuhause passiert wäre, hätte sicherlich nicht so schnell eingegriffen werden können.

Der grösste Fehler war, dass Du keine Reha gemacht hast. Im Ideal-Fall baut eine Reha nicht nur körperlich gut auf und lehrt einen, wie man sich langsam, aber stetig steigend belasten sollte; sondern sie baut auch seelisch auf, bzw. sie legt zumindest eine kleine Grundlage, wie es seelisch weiter gehen kann. Man hat Leidensgenossen, mit denen man reden kann, man kann und darf seine Ängste zeigen und seine Fragen stellen. Ich bin damals SOOO ungern von zuhause weggegangen, aber ich habe diese 4 Reha-Wochen nicht bereut, ganz und gar nicht.

Ich denke, Du solltest viel über diese Erfahrungen reden. Du wirst vielleicht die Erfahrung machen, dass Deine Umgebung versucht, das ein wenig zu verharmlosen á la "Ist doch jetzt vorbei, es ist nochmal gut gegangen, freu Dich des Lebens". Im Prinzip haben sie ja Recht, aber eben nur "im Prinzip". Als Betroffener fühlt man sich da manchmal nicht ernst genommen und zieht sich mit seinem inneren Kummer und seiner Angst zurück. Das ist falsch. Ich habe irgendwann gelernt, zu sagen "Nein, Ihr Leute, das ist nicht vorbei. Ich freue mich ja durchaus des Lebens, aber ich war dem Tod sehr nahe, und das ist eine Erfahrung, die man nicht so einfach wegdrängen kann."

Natürlich macht man das nicht bei jedem x-beliebigen Bekannten, Nachbarn etc. Aber man sollte sich und seine Ängste schon einigen Menschen anvertrauen, denen man vertraut und denen man nahe ist. Man darf auch seine Ängste zeigen, seine Trauer, seine Unsicherheit.

Und falls man das alles nicht so recht kann, oder auf Ablehnung oder Ängsten von Freunden und Angehörigen trifft (auch die engsten Angehörigen leiden unter dem Infarkt, den ihr Mann/Vater/Partner/Freund hatte!!!), sollte man nicht scheuen, einen Psychotherapeuten zu bitten, eine zeitlang von ihm begleitet zu werden. Ich habe das damals auch gemacht, denn meine Ängste wurden immer grösser, immer massiver.

Insgesamt aber kann ich sagen: Man kann nach einem Herzinfarkt gut weiterleben. Ich musste zwar meinen Beruf aufgeben (ich war selbst Therapeut), und bin seitdem berentet, aber auch ich lebe nun seit 17 Jahren GUT mit diesen Erfahrungen. Ich lebe gerne, ich geniesse all das, was ich noch kann, habe aber auch intensiv um all das getrauert, das ich NICHT mehr kann. Ich glaube, ich lebe heute ein sinnvolleres und schöneres Leben als vor dem Infarkt.

Ich wünsche Dir alles Gute. Und wenn Fragen sind: Du kannst sie gerne hier im Forum stellen, aber auch per PN.

Cha-Tu

C?ha-Txu hat geantwortet


Ach, noch drei Nachträge:

Extrasystolen: Ja, vermutlich wirst Du Extrasystolen haben. Aber möglicherweise hattest Du die vorher auch schon. Ich hatte anscheinend IMMER schon Extrasystolen (also EKGs beweisen das), aber erst nach den Infarkten habe ich sie gemerkt. Ich habe pro Tag bis zu 4000 Extrasystolen, das tut meinem Herzen nichts, solange es keine Extrasystolen ganz bestimmter Art sind. Welcher Art Deine Extrasystolen sind, wird das EKG zeigen, und es wird auch zeigen, ob es die harmlosen sind (sie sind es meistens!) oder ob eine Gefahr besteht.

Medikamente: Nimmst Du auch einen Betablocker? Und ein Statin (z.B. Simvastatin)?

Arbeit: Wenn die Arbeit Dir Spass macht, und keinen Stress auslöst (bzw. überwiegend nur positiven Stress), ist es ganz wichtig, das weiter zu machen. Vielleicht im ersten halben Jahr etwas reduziert und langsam wieder aufbauend, aber NUR bei Arbeit, die einem negativen Stress beschert, sollte man vorsichtig sein. Ich habe meinen Beruf geliebt, aber er machte mir auch ungeheuren (negativen) Stress, weil ich bis zu 60 Stunden pro Woche gearbeitet habe und durch meine Arbeit mit schwerkranken Menschen im Dauerstress war, so gerne ich das auch gemacht habe.

Das wollte ich zu meinem obigen Beitrag noch ergänzen.

Gruss

Cha-Tu

PHappxnas hat geantwortet


Hallo Cha-Tu,

erstmal vielen, vielen Dank für die lange und ausführliche Antwort. Auch wenn ich nicht direkt darauf zurückgekommen bin, ich habe sie mehrmals durchgelesen und sie hat mir sehr geholfen.

Als ich Anfang 20 war bemerkte ich erstmals diese Extrasystolen. Ich wußte nicht was sie zu bedeuten hatten, glaubte aber dann einen Herzfehler zu haben. Ich war damals Raucher und führte sie darauf zurück. Als ich studierte wurde ich fast ein Jahr lang von heftigen Angstattacken geplagt, immer mit der Befürchtung es könnte jetzt ein Infarkt sein. Irgendwie war ich davon überzeugt, dass ich an einem Herzinfarkt sterben würde. Ob ich zur Notaufnahme ging oder zum Hausarzt an der anderen Straßenseite, das Ergebnis war immer gleich: mein Blutdruck war viel zu hoch. Die Nebenwirkungen der Medikamente die ich nehmen mußte waren verheerend. Am Haaransatz bildete sich eine gelbe Kruste die schon von Weitem zu erkennen war. Die Leute in der Straßenbahn sahen mich an, als ob ich eine tückische, ansteckende Krankheit hätte. Da dachte ich mir: da habe ich lieber einen zu hohen Blutdruck.

Gegen Ende der achtziger Jahre herrschte in meiner Familie (Eltern und Geschwister, Onkeln und Tanten) eine ganz besondere Philosophie: Beruflicher Erfolg ist alles! Jeder Bäcker ist ein sozialer Versager und ist zu verachten. Ein Onkel von mir war Bauingenieur, mega-erfolgreich und war DIE Lichtgestalt der Familie. Wenn er das Zimmer betrat starrten alle voller Bewunderung zu ihm hinauf. Er war sehr wohlhabend, erfolgreich und angesehen aber leider hatte er Probleme mit dem Herzen. Er starb im Alter von 49 Jahren bei einem Langstreckenflug an einem Herzinfarkt. Ich erinnere mich als ich, sehr zur Freude meiner Familie, mein Abitur doch noch machte und allen bei einem gemeinsamen Abendessen verkündete ich würde Archeologie studieren! Ja da ging's los: DA KANN DOCH NICHTS AUS DIR WERDEN etc. etc. Sicherlich haben die alle Recht, schließlich sind das erfahrene Leute und stattdessen studierte ich Architektur. Der größte Fehler meines Lebens.

Nun, ich hab doch noch meinen Weg gemacht. Ich bin nicht wohlhabend, einigermaßen erfolgreich, hab aber eine super-Familie.

Leider hat's mich umgehauen, am Oster-Montag. Nachwievor verspüre ich andauernd diese Extrasystolen, die auch im Krankenhaus erkannt wurden. Man hatte sie aber keine allzugroße Bedeutung zugeschrieben. Ich denke, dass sie sich seitdem wohl kaum verändert haben.

C:hax-Tu hat geantwortet


Hallo, Pappnas,

ich werde ausführlich antworten, habe aber bis Sonntag noch Besuch und kann kaum ins Netz. Nur zur Information...

LG

Cha-Tu

PSaqprpnxas hat geantwortet


Kein Problem Cha-Tu. Jetzt habe ich ein Langzeit-Blutdruckmeßgerät umgeschnallt und wie man mit solch ein Gerät vernünftig schlafen soll ist mir schleierhaft. Leider stelle ich auch fest, dass mein Blutdruck garnicht so gut ist, wie oben beschrieben. Ich benutze hier zuhause ein Handgelenk-Gerät und dies zeigte heute bei jeder Messung etwa 20mmHg weniger an als das Gerät das der Arzt mir mitgegeben hat. Beim Abendessen vorhin waren die Werte sehr hoch, aber man soll ja bekanntlich eh erst eine Stunde nach dem Essen messen, wahrscheinlich genau aus diesem Grund. Gestern um die Mittagszeit waren die Werte sehr gut. Als ich am frühen Nachmittag die Arbeit aufnahm verschlechterten sie sich, aber gut - ich arbeite ja auch im Stehen. Wie gesagt - beim Abendessen waren sie schlecht, beim Fußballspiel gestern abend dagegen grenzwertig. Bin um 1:30 Uhr aufgestanden, der letzte gespeicherte Wert war sehr gut, die erste Messung nachdem ich auf war, war sehr schlecht.

Cvha-?Txu hat geantwortet


Hallo, Pappnas,

ich lese aus Deinem Beitrag viel seelische Not. Nur über den beruflichen Erfolg definiert und "beurteilt" zu werden (wie Deine Eltern und Verwandten das anscheinend machen), macht krank. Ich finde, Deine Entscheidung, Archäologie zu studieren, war richtig, und "die alle" haben KEIN Recht, als sie Dich davor warnten. Man sollte seine Studienwahl nicht (zumindest nicht nur) davon abhängig machen, ob man später damit erfolgreich sein und viel Geld verdienen wird, sondern, ob man damit glücklich sein wird. Zwar ist es heute üblich, bei der Berufs- und Studienwahl überwiegend oder gar ausschliesslich darauf zu achten, ob der "Job" später genug Geld bringt; aber genau deshalb bleibt er auch immer nur "Job" und wird nie zum "Beruf" oder gar zur "Berufung".

Warum aber siehst Du Deine Studienwahl als grössten Fehler Deines Lebens an? Du schriebst doch, dass Du einigermassen erfolgreich bist... Und dass Du eine Superfamilie hast, ist mehr wert als eine Superposition in einem evtl. ungeliebten Beruf. Ich habe zweieinhalb Berufe, und keiner davon war "unfreiwillig", alle waren von Herzen ausgesucht und ich bin beruflich durchaus ein glücklicher und zufriedener Mensch gewesen, auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich in finanzieller Hinsicht erfolgreich gewesen war. Aber es hat zum Leben gereicht. Und zu meiner Zufriedenheit allemal!

Die Extrasystolen, die Du spürst, hast Du evtl. immer schon gehabt. Wenn Dein Arzt sie auf dem EKG gesehen und als harmlos diagnostiziert hast, kannst Du Dich darauf verlassen. Ich habe meine Extrasystolen auch nach meinen Infarkten zum ersten Mal gespürt, obwohl sie nachgewiesenermassen (alte EKGs belegen das) schon von Jugend an bei mir vorhanden waren. Ich habe sie aber nie gemerkt, erst durch die Infarkte. Man wird halt sensibler für den eigenen Körper und spürt auf einmal auch viel mehr. Körperlich und seelisch...

Miss auch nicht zu oft den Blutdruck. Ich weiss zwar, dass das anfangs fast zwanghaft gemacht wird, um die Angst vor einem erneuten Infarkt irgendwie zu kompensieren. Aber auf Dauer schadet das der Seele. Ich messe einmal pro Woche meinen Blutdruck, die Ergebnisse zeige ich alle 3 Monate meiner Ärztin, und gut ist's.

Hast Du mal daran gedacht, eine begleitende Psychotherapie zu machen? Ich kann das nur empfehlen, denn so eine plötzliche lebensbedrohliche Erkrankung steckt man seelisch nicht so einfach weg, auch wenn manche Menschen so tun, als nehmen sie das ganz locker. Ich glaube das nicht.

Schönen Gruss

Cha-Tu

J>an7x4 hat geantwortet


Ich "wage" auch mal, hier zu schreiben, wobei ich offen sagen möchte das mir das in Anbetracht der Geschichte und Kompetenz von Leuten wie Cha-Tu und anderen hier ein wenig anmaßend vorkommt; ich kann nicht wirklich mitreden. Aber ich möchte doch ein paar Zeilen dazu schreiben.

Zum einen, mein Vater hatte ja auch zwei Infarkte, der ist da irgendwie ganz anders mit umgegangen. Frag mich ob er einfach eine sorglose Frohnatur ist. 1996 war der erste, auf dem Weg zur Arbeit, da ist er dann direkt umgekehrt und zu seinem Hausarzt, der ihn aber gar nicht groß weiter behandelt hat; wohl Betablocker und das übliche, aber nicht ins KH überwiesen oder so. Dabei war das wohl ein relativ handfester Hinterwandinfarkt, aber das hat sich erst herausgestellt, als er mit dem zweiten Infarkt 2009 ins Krankenhaus ist (wozu meine Mutter ihn erst nötigen musste). Da wurden dann zwei Infarkte diagnostiziert, der alte und der neue, Herzkatheter hat ergeben dass von den Herzkrankgefäßen nur noch ein einziges so halb offen war, es war also "5 vor 12". Es folgte eine relativ aufwändige bypass-Operation, die er bestens überstanden hat; und nun fühlt er sich fitter und besser als vorher, quasi "grundsaniert", wobei mir nicht klar ist, inwieweit der Herzmuskel geschädigt ist, eine Insuffizenz vorliegt, oder er das einfach nur nicht weiss und verdrängt. Zumindest ist das post-Herzinfarkt-Resultat eher "unbeschwerte, verdrängende Frohnatur". Bin immer wieder beeindruckt wie er das macht. Aber ganz normal kanns nicht sein; er hat erst nach 10 min aufm Fahrradtrainer einen Puls von über 100 (und an besonderem trainiert-sein liegt das definitiv nicht). Kann das eine Folge der Medikamente sein (Betablocker, Statine, ACE-Hemmer)?

Sehr interessant finde ich aber die psychologischen Aspekte, die Cha-Tu erwähnt hat. Die finde ich sowohl bei mir als auch bei meinem Vater "in Reinkultur" wieder. Mein Vater ist ein Mensch, der sehr stark danach tickt "man tut halt, was im Leben von einem erwartet wird, Pflicht und Disziplin ist oberstes Gebot, und wenn man mal nicht kann, gibts ja Medikamente, mit denen man sich gefügig machen kann". Er hat sich berulich Stresssituationen ausgesetzt, die eigentlich gar nicht "sein Ding" waren (weil er eher sensibel ist und dem gar nicht wirklich gewachsen war), und anstatt das zu realisieren und die Situation zu ändern, hat er in problematischen Situationen vermehrt Betablocker und Valium als "Krücke" verwendet. Nicht so, das man wirklich von "Mißbrauch" sprechen kann, aber immerhin noch von "seelischem Verbiegen". Ich denke schon, dass die Infarkte hier zum Teil ihre Ursachen haben.

Und ich wurde letztendlich auch so erzogen.. meine Mutter ist ein sehr negativer Mensch, sie hat mir eigentlich von klein auf beigebracht "das Leben ist gefährlich, Pflicht und Unterordnung ist ganz wichtig, wage es BLOSS NICHT, aus der Reihe zu tanzen, man DARF Arbeitgeber nicht vorn Kopf stossen, Individualismus ist etwas ganz gefährliches, und DU, Jan, mit Deiner sensiblen, weichen Art, bei Dir frage ich mich eh wie Du durchs Leben kommen willst!". Tja. Ich hab mein gebündeltes Päckchen an psychologischen Problemen aus dieser Konstellation abbekommen, bin aber heilfroh, dass ich kein medikamentenbenutzender Verdränger bin, sondern die Dinge lieber offen in Angriff nehme und mir da selber nix vormache. Aber gut ist das alles nicht.

Daher, denke ich.. es ist SO WICHTIG, dass man sich über sein Selbstwertgefühl klar wird, sich nicht verbiegt, sich nicht einredet dass man irgendwie minderwertig wäre weil man irgendwelchen Anforderungen, die einem von aussen aufgedrückt werden, nicht entspricht usw usf. Das muss man aber auch erstmal durchschauen und in der Tat, wie Cha-Tu schreibt, es macht einen krank. Erst seelisch und als Folge dann auch körperlich. Schöner Mist.

Naja, so viel mal von mir dazu.

Isn-Kog xNito hat geantwortet


....was kommt nach dem Herzinfarkt?

Bei uns noch ein Sohn.

Mein Mann hatte auch lange danach immer noch Angst;

auch das Verarbeiten hat lange gedauert, ihm hat am meisten zu schaffen gemacht, dass er nun alt ist...

wahrscheinlich dann auch plötzlich der erneute Kinderwunsch, dem wir zwei Jahre nach dem Infarkt auch nachgekommen sind.

Der Infarkt war 2005, er hatte nie mehr Probleme.

Aber die Reha damals hat ihm gut getan, auch, und das ist nun böse, weil er gesehen hatte, dass es vielen Leuten schlechter ging als ihm.

Und weil ihn der dortige Psychologe von der Mangerkrankheit geheilt hat und er erkannt hat, in was für einem Hamsterrat er sich befindet.

Wenn Du Arbeitnehmer bist, hast Du doch bestimmt Anspruch auf eine Kur?

Das würde ich wirklich versuchen!!

C[oCntxo hat geantwortet


ich hatte das Gefühl wir haben alles Zeit in der Welt, hab auch in mich hineingehorcht und war davon überzeugt dass mein Herz seine Arbeit verrichtet und dass er es obendrein auch noch gut macht. Um die Zeit zu überbrücken habe ich mir einen Kaffee gekocht und den Kaminofen angemacht. Die Schmerzen waren gewaltig.

Du bist ein Parade-Beispiel dafür, dass die Verbreitung der Informationen zum Verhalten bei Herzinfarkt oder was auch immer durch Krankenhäuser, Ärzte oder Hausärzte nicht funktioniert hat.

P6appnaxs hat geantwortet


Vielen Dank für Eure hilfreichen Beiträge. @ChaTu: Eine Therapie wäre sicherlich sinnvoll, werde ich bestimmt machen, aber erstmal bei "A" anfangen.

Natürlich wurde mir von allen Seiten nahegelegt etwas mehr Sport zu treiben. Da ich Trainer einer F-Jugend Fußballmannschaft bin, darf ich wagen zu behaupten, dass ich eh nicht ganz unsportlich bin, aber wenn's denn etwas mehr sein soll... Ich hatte gehofft bei den "Alten Herren" unterzukommen, aber da wurde mir gesagt, dass dies wohl etwas zu heftig für mich wäre (ich denke die wollten mich einfach nicht haben! :) ).

Radsport sollte es sein! Ich bin unserem örtlichen Radsportverein beigetreten und habe inzwischen an die vierte Ausfahrt teilgenommen. Die erste Ausfahrt war heftig! Natürlich kannten alle meine Vorgeschichte; natürlich hieß es "wir machen extra langsam!"; natürlich wollten die alle auch richtig fahren (dafür machen die so was auch) und natürlich haben alle in den letzten zwanzig Minuten richtig in die Pedalen getreten! Es war die Hölle, ich hab gedacht ich überleb's nicht. Als ich in der Ferne die Flutlichter unserer örtlichen Sportanlage gesehen habe (das Ziel), hab ich sie mal radeln lassen - aber ohne mich. Einer bemerkte das und sah, dass ich nicht mehr dabei war und wartete bis ich ihn wieder eingeholt habe. "Wie oft hab ich dir gesagt, wenn du nicht mehr kannst: Sag Bescheid!" Tja, so ohne weiteres macht man das eben nicht.

Die weiteren Ausfahrten waren ok; die letzte wirklich gut. Jede Fahrt war ca. 45 - 50 Kilometer. Letzte Woche habe ich nicht gefahren, da war ich mit meiner Familie im Urlaub, gestern war es mit 30°C mir doch ein bißchen zu heiß. Vielleicht werde ich stattdessen kommenden Sonntag bei den Sonntagsfahrern mitfahren. Das sind die Profis! Unter 30 km/h im Schnitt läuft da nichts!

Ich habe eine zweite Langzeit-Blutdruckmessung machen lassen, da bei der ersten die Messungen doch sehr dubios waren. Die Ergebnisse der zweiten Messung waren sehr enttäuschend, mein Blutdruck ist nach wie vor viel zu hoch. Das Handgelenk Meßgerät dass ich habe (von Panasonic) zeigt nicht die richtigen Werte an. Meine Dosierung an Tabletten ist nun auf 10 Stück pro Tag erhöht worden. Insgesamt muß ich nun folgendes einnehmen:

Morgens: 1 Maxonodin 0,4; 1/2 Amlodipin 10; 1 Ramipril 5/25; 1 Bisoporol 10; 1 ASS100; 1 Clopidogrel 75, 1 Catapresan 50 (neu)

Abends: 1/2 Amlodipin 10; Ramipril 5; 1 Simvastatin 50; 1 Catapresan 50 (neu)

Natürlich werde ich die Medikamente einnehmen so wie mein Artzt sie mir verschrieben hat aber die Menge finde ich schon sehr beunruhigent. Mich würde trotzdem eure Meinung hierzu interessieren.

Meine Mutter war im Frühjahr 2005 mit Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Diagnose war: Wasser in der Lunge. Nebenbei schleppte sie noch einen stark erhöhten Blutdruck mit sich rum sowie Extrasystolen und Vorhofflimmern. Ihr wurde ein Antiarhytmika verabreicht bis sie kurz vor ihrer Entlassung aus heiterem Himmel einen Herzstillstand hatte und 14 Tage später nach mehreren Stillständen schließlich verstarb.

Der Stationsarzt bat mein Bruder und mich in seinem Büro und klärte uns darüber auf, das manchmal ein Medikament genau das Gegenteil von dem bewirkt, als das was man mit ihm erreichen will. Meine Mutter starb nicht an die Krankheit unter der sie litt, sondern an den Medikamenten mit denen man die Krankheit bekämpfen wollte. Es kann durchaus sein, dass wenn sie dieses Antiarhytmika nicht eingenommen hätte, sie noch leben würde. Ich habe massivstes Misvertrauen in Medikamente die die Herzleistung oder -frequenz irgendwie beeinflussen. Auch in Anbetracht dessen, was meinem Onkel in dem Flieger passiert war. Weiss der Geier was der hat alles schlucken müssen.

Viele Grüße

Peter

JNan7x4 hat geantwortet


Also bei dem momentanen Wetter nach einem Herzinfarkt 40-50 km Fahrrad fahren finde ich.. nun ja, mutig ;-). Ich fahr so 10 km in 40 min, das reicht doch erstmal..

P]apSpnxas hat geantwortet


Jan,

ich hatte ja auch geschrieben, dass ich bei dem momentanen Wetter garnicht fahre! ;-)

Es wird jetzt schon deutlich kühler; der Hochsommer ist wohl erstmal vorbei. Für Sonntag ist kühleres Wetter gemeldet - da würde ich schon gerne wieder fahren. Aber, wie gesagt, das ist die Profi-Gruppe, die geben Gas! Aber da ich seit Jahren Jugend-Fußball mache bin ich vielleicht doch nicht ganz so untrainiert aber überlegen sollte ich es mir schon.

Viele Grüße

Peter

J$a*n7x4 hat geantwortet


Hm, wärs nicht sinnvoll, die Frage, wieviel Sport in welcher Form, mit dem Arzt zu besprechen?

Pnapp/nas hat geantwortet


Sicherlich wird Sport in einer solchen Situation angesprochen. Alle Ärzte hier im Ort wissen, dass ich jetzt Radsport betreibe und alle Ärzte wissen, dass ich Jugendfußball mache. Ich habe jedoch nicht gefragt ob ich bei Temperaturen von über 28°C radfahren darf, und die Ärzte haben es von sich aus auch nicht gesagt, also gehe ich davon aus, dass es ok ist. Ich gehöre nicht zu den Menschen die alles bis ins kleinste Detail hinterfragen. Leider! Wenn der Arzt sagt alles ok, dann springe ich vom Tisch und flitze nach hause denn mehr wollte ich nicht hören.

Mein Bruder sagt ich bin auf Null zurückgestellt worden. So einfach sehe ich das jedoch nicht. Wie kann es sein, dass Cha-Tu nach fünf Monaten einen erneuten Herzinfarkt hatte? Wäre dies nach dem heutigen Stand der Medizin auch möglich? Wie kann es sein, dass mein Herzinfarkt bei der Einlieferung ins Krankenhaus beim EKG nicht zu erkennen war? Beim letzten Belastungs-EKG sagte der Arzt dass die Durchblutung meines Herzens gut sei. So sah das während des Infarktes anscheined auch aus!

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