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Antidepressiva bei Herzneurose?

a=deexm hat die Diskussion gestartet


Mein Leben wird geplagt von psychosomatischen Herzbeschwerden, d.h. Herzrasen, Herzklopfen, Extrasystolen, Atemnot etc. Wenn ich aufstehe beginnt mein Herz bereits wie wild zu klopfen.

Nun will empfiehlt mir mein Psychiater das Antidepressiva "Cipralex". Ich bin grundsätzlich gegen Medikamente, doch die Herzbeschwerden nehmen mir jede Lebensqualität.

Was haltet ihr davon ein Cipralex bei einer Herzneurose einzusetzen?

Antworten
aQgwnexs


MAchst Du sonst was dagegen?

s]onnHenbsrisxe


Die Frage ist doch eher, wieso dein Herz so schnell schlägt, ist es rein weg ein Angst oder ist es umgekehrt? Cipralex ist ein sehr gutes Medikament, allerdingst macht es ein wenig unruhig, bzw kann unruhig machen, ich habe es mal vor zehn Jahren bekommen, da war es relativ neu auf dem Markt. Etwas dämpfendes kommt nicht in Frage?! Du kannst es ja probieren, wie es dir so bekommt? Jeder Stoffwechsel ist ja auch anders, aber ich würde wenn eher etwas nehmen, was dich ruhiger macht. {:(

CTha-!Tu


Grundsätzlich ist es sinnvoll, etwas gegen eine Angststörung zu tun.

Die zweitbeste Möglichkeit ist der Einsatz von Medikamenten. Escitalopram ist ein solches Medikament.

Die beste Lösung ist, eine sorgfältige und intensive Psychotherapie zu machen, denn ein Psychopharmakon kann eigentlich nur Symptome kurieren und nicht die Ursachen der Angst beseitigen. Das erfordert aber engagierte Mitarbeit und viel Zeit.

Gruss

Cha-Tu

r(azoQr^h#ead


Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Ich habe letztes Jahr nach einem Rückfall in meine Herzphobie mit Panikattacken drei Monate lang Paroxetin genommen, um erstmal wieder einen Fuss in die Tür zu bekommen und die Therapie wieder in Ruhe anlaufen lassen zu können.

Das hat bei mir super funktioniert, weil ich a) keine akuten Attacken mehr hatte b) mein allgemeiner Stresslevel viel geringer war und ich mir c) keine Sorgen mehr gemacht habe, das mich die Krankheit total in den Abgrund reißt. So kam ich wieder auf die Spur: Hey, das ist Angst und das kann man behandeln (was ich ja schon vorher kannte). Wichtig war, dass ich das vorher mit meiner Therapeutin und einem Neurologen abgestimmt habe, mit dem sie regelmäßig zusammenarbeitet. Der Neurologe hat dann auch sehr genau geguckt, welches Medikament er mir verschreibt und dann zu Paroxetin gegriffen, wie sich das genau von anderen Antidepris unterscheidet, weiß ich aber nicht.

Während der Medikation habe ich dann schon wieder intensiv mit der Verhaltenstherapeutin gearbeitet, was ich jetzt (ein Jahr später) immer noch tue. Da aber ein Therapieprinzip bei mir die Konfrontation mit der Angst ist, hat es nur Sinn, diese Situationen "in voller Pracht" zu genießen, also ohne Medikamente. Es ist bei mir ein zähes Geschäft, aber ich leide auch schon seeehr lange unter Herzphobie, die von an sich harmlosen Extrasystolen (in mehreren Erscheinungsformen) befeuert wird. Aber so langsam wirds ...

Viel Erfolg!

CUhaL-ATu


Danke für Deinen schönen Bericht und weiterhin gute und erfolgreiche Arbeit an Dir. So wie Du das beschreibst, bist Du ein willensstarker Mensch (Konfrontationstherapie ist HARDCORE-Therapie!!!), Du schaffst das!

Alles Gute

Cha-Tu

P.S. Das wäre einen eigenen Thread wert gewesen, damit die vielen Menschen, die hier voller Angst sind, das immer wieder lesen können, ohne zu suchen!

r#ahzorh?eaDd


Hallo Cha-Tu,

danke für die guten Wünsche. Wenn ich die Zeit finde, mach ich mal einen Thread dazu auf, aber das ist ja ziemliches Fass mit sehr tiefem Boden. Aber die Frage des TE war wirklich ne Steilvorlage, um auf eigene Erfahrungen zurückzugreifen.

Zu den Konfrontationen: Schwierig wirds bei mir immer dann, wenn ich bei allzu heftigen/häufigen/salvenartigen Extrasystolen im Kopf wieder vom "Angstpatienten" zum "Herzpatienten" werde. Und das passiert natürlich häufig, aber eben nicht mehr immer. Und der dann fällige gedankliche Weg vom "Herzpatienten" zurück zum "Angstpatienten" wird immer kürzer.

So, Schluss jetzt, will den Thread ja nicht kapern. Wenn ich einen eigenen dazu aufmache, würde ich mich über Deine – Cha-Tu – Beteiligung freuen.

CU, Razor

S%unflowDer_7x3


Kann nur den Beitrag von Cha-Tu unterschreiben. Wollte dasselbe schreiben.

Medikamente sollten betenfalls die Wartezeit zur Therapie überbrücken und ggf. zusätzlich zu einer Therapie genommen werden. Aber Therapie muss auf jeden Fall stattfinden, Medikamente alleine helfen nicht bzw. nicht langfristig.

@ razorhead:

Da aber ein Therapieprinzip bei mir die Konfrontation mit der Angst ist, hat es nur Sinn, diese Situationen "in voller Pracht" zu genießen, also ohne Medikamente. Es ist bei mir ein zähes Geschäft, aber ich leide auch schon seeehr lange unter Herzphobie, die von an sich harmlosen Extrasystolen (in mehreren Erscheinungsformen) befeuert wird. Aber so langsam wirds ...

Das bezieht sich aber v.a. auf Beruhigungsmittel. Mit denen bringt Konfrontation NICHTS. Ein AD gilt aber nicht zwangsläufig als ein Medikament, welches den Konfrontationserfolg minimiert. Außer natürlich, Du klammerst gedanklich SEHR an das Medikament und denkst, dass es nur deswegen besser ist.

r&azorohead


Ah, das wusste ich nicht. Das wär dann ja umso besser für mich und war wohl auch ein Grund, warum die Therapeutin auch gleich darauf gedrungen hat, unter Medis weiter zu konfrontieren.

Ich hatte das so verstanden, das die Konfrontation am besten wirkt, wenn ich dabei tatsächlich Attacken durchlebe und die Erfahrung mache, das sie a) immer wieder weggehen, obwohl ich die Situation nicht verlasse und b) deswegen auch die Erwartungsangst sinkt. Umkehrschluss von mir: Keine Attacke – keine Wirkung der Konfrontation, sondern eben eher eine Übung für später.

Und bei mir wars dann auch so, das ich zwar unter Medis Sachen gemacht habe, an die vorher gar nicht zu denken gewesen wäre – ohne jegliche Attacke. (Rennradfahren >200KM, Seilbahn fahren, alleine im Dunkeln im Baggersee, usw...). Aber nach dem Absetzen war es dann schon so, dass die Attacken allmählich wieder kamen. Der Gedanke, dass ich das gleiche aber ein paar Wochen zuvor mit Medis durchgehalten hatte, war dann sehr hilfreich und ist es bis heute (ein Jahr nach dem Absetzen).

Was heißt das nun für den TE? Eigtl. immer noch genau das, was Cha-Tu gesagt hat, oder?

CU, Razor

Smun;flo!werf_7x3


razorhead,

ein Antidepressivum schützt nicht vor einer Panikattacke!

Wenn Du keine hattest bei den Übungen: Das ist gar nicht mal so selten! Denn der Konfrontation geht (bei einer guten Therapie, das mal vorausgesetzt) ja auch eine Vorbereitungsphase voraus. Kognitive Arbeit, Vermittlung wesentlicher Wirkmechanismen,...

Es ist gar nicht so selten, dass Betroffene dann die Konfrontation starten – und es passiert NIX. Das liegt oft schon daran, dass man in dem Moment, wo man sich auf die Konfrontation einlässt, die Panik plötzlich WILL. Da greift dann genau das, was Du geschrieben hast: Man weiß, dass es wichtig ist Panik zu erleben, zuzulassen – und zu erleben, dass sie vergeht.

Geht man in die Konfrontation (mit entsprechender Vorbereitung), WILL man daher quasi Panik erleben. Gut, man hat massive Angst davor, aber entscheidet sich bewusst. Und allein dadurch, dass man irgendwie die Panik dann doch erleben will, ist die innere Haltung so anders als sonst im Alltag, wo es immer nur hieß "bitte bitte keine Panik" und wo einen die Panik so völlig umhaut.

Diese veränderte Einstellung reicht oft schon aus, den Stresspegel zu senken – und dann tut sich panikmäßig auch nicht viel.

Dass es nach dem Absetzen des AD's doch wieder Attacken kamen: Das kann sein. Denn unter ienen guten (= für den Patienten passenden AD) sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Attacke durchaus. Aber eben nur minimal.

Und: Es spielt dann oft das Wissen eine Rolle, dass man eben nichts mehr nimmt. Was für Unruhe sorgt. Daher ist es wichtig, sich immer vor Augen zu führen: ICH leiste die Arbeit, nicht das Medikament. Darum ja auch die Faustregel: Therapie ohne Medikamente geht; Medikamente ohne Therapie sind keine Dauerlösung.

Für den TE gilt daher das, was Cha-Tu schreibt.

Anders sieht es bei echten Beruhigungsmitteln (sog. Benzodiazepine, also Tavor, Valium,...) aus: Die verhindern Attacken definitiv und damit ist jegliche Konfrontationsübung Zeitverschwendung.

(Und auch andere "Sicherheitsstrategien" wie immer Handy mithaben kann eine Konfrontation viel stärker ruinieren als ein AD!)

Denn letztlich geht es darum: Aufhören, sich an vermeintliche Sicherheiten zu klammern und Panik auf jeden Fall verhindern zu wollen.

VIal/i95


Hey ich kenn dein Gefühl gut

War deshalb bei vielen Ärzten und Kardiologen aber ich bin kerngesund. Leide auch an haufigen Panickattacken. Hab nach einiger Zeit Antidepressiva bekommen die mir aber überhaupt nicht helfen sondern alles nur verschlimmern. Hab starke Brustschmerzen vorallem in der linken Brustt und kann deshalb nicht mehr einschlafen. Hab auch bald einen Termin beim Ostheopathen

Ich weiß langsam nicht mehr weiter.... :-(

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