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Rehabilitation nach schwerem Herzinfarkt

E!rdbe7erm;aedchexn01 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich weiß nicht so recht, ob ich in diesem Forum hier richtig bin. Falls nicht, dann bitte verschieben!

Es geht um meinen Vater, 53 Jahre alt, starker Raucher. Er hatte vor 5 Wochen einen schweren Hinterwandherzinfarkt. Dabei hatte er das Glück, dass ein befreundeter Berufsfeuerwehrmann sofort zur Stelle war und ihn versorgen konnte bis nach ca. 15min der Notarzt da war.

An diesem Tag musste er insgesamt 2mal reanimiert werden. Zwischenzeitlich ist er, laut Aussage des Arztes, einmal wach geworden und wollte sich aufsetzen. Daraufhin hat man ihn dann in ein künstliches Koma versetzt.

Man hat versucht, meinem Vater Stants zu setzen, was aber nicht funktioniert hat. Die Gefäße konnten allerdings etwas aufgedehnt werden. Er wurde auf der Intensivstation für ein paar Tage auf 34-35°C heruntergekühlt. Ein paar Tage später bekam er dann eine Lungenentzündung, mit der er lange zu kämpfen hatte. Hirnwerte waren unauffällig.

Nach zwei Wochen begann man langsam, die Sedierung zu reduzieren und nach 3 Wochen setzte man ihm einen Tubus (?) zur Beatmung am Hals ein. Mein Vater wurde jeden Tag wacher und war dann nach der Tubus-OP relativ schnell soweit, dass er schon leicht Arme und Beine bewegen sowie den Kopf drehen konnte. Er verstand alles, was man ihm sagte. Konnte mit nicken und Kopfschütteln auf Fragen antworten.

Gestern (Anfang der 5. Woche nach dem Herzinfarkt) wurde der Tubus entfernt. Er atmet nun reinen Sauerstoff über eine Maske, bekommt regelmäßig Ergo- und Physiotherapie. Auch eine Logopädin kommt täglich. Seit ein paar Tagen wird er über immer länger werdende Zeitabschnitte hinweg in eine Art "Mobilitätsstuhl gesetzt". Das klappt soweit wohl auch alles ganz gut. Danach ist er dann aber immer ziemlich fertig und schläft viel.

Vor einer Woche war ein Psychiater bei ihm, da mein Vater sehr depressiv verstimmt wirkt (Stressreaktionen sind durch die Herz- Lungenmaschine sichtbar, kaum Mimik etc.) Mir und den Pflegern fiel zudem auf, dass er sich vieles nicht merken kann.

Er bekommt Huminsulin, Heparin und Paracefan. Der Psychiater verschrieb "stimmungsaufhellende Mittel" – was genau, weiß ich nicht. Da er auf seine Umgebung immer mit starkem Stress reagiert, gibt man ihm Medikamente zur Beruhigung. Evtl. kann er sich aufgrund dessen nichts merken?

Achja: Mein Vater hat immerzu Fieber zwischen 38 und 39°C, was sich die Ärzte nicht erklären können, da die Entzündungswerte alle unauffällig sind.

Heute hatte ich ein längeres Gespräch mit der behandelnden Ärztin. Sie unterbreitete mir, dass mein Vater eigentlich schon mehr können müsste als er es jetzt tut (versucht nicht zu sprechen, bewegt sich selten). Es mache den Anschein, dass die Stimmungsaufheller wohl nicht anschlagen. Deswegen wolle man die Tage mal einen Neurologen hinzuziehen und ggf. ein MRT machen, um auszuschließen, dass das Gehirn Schaden genommen haben könnte. Das war natürlich erstmal ein ganz schöner Schock!

Mein Vater hat wohl gestern ein paar Worte gesagt, nachdem der Tubus rauskam, seitdem aber nichts mehr. Er reagiert auf Fragen immernoch mit Nicken und Kopfschütteln. Ich habe den Eindruck, dass er wirklich alles versteht, was man sagt/ fragt. Auch die Pfleger sagen immer, dass er alles gut mitmacht. Nur das Gedächtnis.. ich habe ihm bereits 5mal erklärt, was geschehen ist und bei der nächsten Nachfrage weiß er es nicht mehr.

Vielleicht hat jemand mal was ähnliches erlebt. Ich hätte so gern einen zeitlichen Rahmen, den mir ja leider niemand geben kann. Einfach wissen, dass alles okay so ist. Dass das wieder wird. Hat jemand eine Idee wegen dem dauerhaften Fieber? Warum die Antidepressiva nicht wirken? Ist es normal, dass er noch so fertig ist?

Ich habe große Angst, dass mein Papa bleibende Schäden davonträgt :(

Aber immerhin reagiert er auch auf komplexe Fragen, wollte vorgestern meiner Mutter sogar einen Kuss geben.

Es wäre sehr nett, wenn jemand antworten würde.

Danke!

Antworten
7p7erg2rexis


ich kann dir nur sagen:

mein Mitgefühl hast du und habe Zeit. Mein Onkel ging es ähnlich, das dauert und mitunter wird die Leistung reduziert sein. Fangt bitte klein an und nehmt jede Hilfe an ;-)

CLhra-TWu


Hallo, Erdbeermaennchen,

Deine Beschreibung passt sehr gut auf meine Mutter, die während der OP am Herzen einen Schlaganfall erlitten hatte. Ich denke, dass man das jetzt bei Deinem Vater neurologisch abklärt. Aber selbst wenn es ein Schlaganfall war, kann ich Dir Mut machen. Meine Mutter wurde durch Behandlung, Medikamente und Reha wieder sehr gut "hergestellt". Zwar war sie ganz leicht gehbehindert, und auf dem linken Auge sehbehindert, aber alles andere wurde gut eingestellt. Das hätte zu Beginn, also nach der OP, niemand für möglich gehalten, sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand.

Die Depressionen sind nach Herzoperationen und/oder Infarkten recht häufig. Auch ich hatte sie nach meinem ersten Infarkt. Vielleicht ist es bei Deinem Vater sogar das Durchgangssyndrom, das ist eine vorübergehende neurologische Störung, die oft nach Herzstillständen oder Operationen auftritt. Aber das ist meist nur ein Sache von einigen Tagen oder Wochen, dann ist das vorbei.

Ich wünsche Deinem Vater und Euch alles Gute

Cha-Tu

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