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Unangenehmes Ziehen nach Herzinfarkt

M+r. POrexntice hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich hatte vor drei Wochen einen Herzinfarkt und war fünf Tage im Krankenhaus. Grund ist vererbter Bluthochdruck. Habe einen Stent eingesetzt bekommen, nehme nun Medikamente und versuche die Ernährung zu optimieren.

Ich bin 40, sportlich, rauche und trinke nicht, habe kein relevantes Übergewicht. Laut Ultra-Schall-Untersuchung hat mein Herz keinerlei Schäden zurückbehalten.

Das Problem ist nun, daß sich auch jetzt immer wieder mal ein Ziehen oder Druckgefühl in der Herzgegend bemerkbar macht. Mein Arzt sagt, dies käme daher, daß sich das Herz auf die neue Situation einstellt und regeneriert, da die Ader jahrerlang nicht richtig durchlässig war, etc.

Es tut nicht weh, aber man macht sich halt sehr viele Gedanken, gerade wenn es Unstimmigkeiten an dieser Stelle gibt. Ist das normal, daß es nach dem Eingriff noch verdächtige Aktivitäten im Herzbereich gibt?

Antworten
C_ha:-Tu


Hallo, Mr. Prentice,

diese Gefühle kenne ich gut. Ich hatte selbst zwei Herzinfarkte, einen mit 42, den anderen 5 Monate später.

Ich denke, dieses unangenehme Ziehen hat zum einen als Ursache, was Dein Arzt nannte. Das Herz muss sich erholen, und es muss sich auch an diesen Stent gewöhnen, an die neue Durchblutungsqualität. Da sitzt ja jetzt ein Stück Metall, das da von Natur aus nicht hingehört, und das muss das Herz erst einmal "verkraften".

Fernerhin verändert sich die Selbstwahrnehmung nach einem Herzinfarkt. Man hört viel mehr in sich hinein, man nimmt viel mehr Dinge, gefühle, Zwicken, Ziehen wahr, das man vorher alles gar nicht gemerkt hat, man wird einfach dem eigenen Körper gegenüber sensibler.

Ich hatte diese Phase auch. Bei mir wuchs sie sich damals sogar zu einer richtigen Angststörung aus, so dass ich therapeutische Hilfe brauchte.

Wurde denn nach Deinem Infarkt schon mal wieder ein Belastungs-EKG gemacht? Falls ja, trat da dieses Ziehen auch auf? Wie sieht Dein Untersuchungsplan für die nächsten Monate/Jahre aus? Ich nehme an, Du gehst jetzt die erste Zeit regelmässig zum Kardiologen, in welchem Zeitabstand?

Ansonsten: Wenn Dir trotzdem weiterhin etwas nicht in Ordnung vorkommt, geh zum Arzt. Selbst wenn der Arzt genervt sein sollte, gehe trotzdem hin. Es geht um DEIN Herz, nicht um das des Arztes.

Gruss

Cha-Tu

M-r. Przentice


Hallo Ch-Tu,

Ein Belastungs-EKG wurde noch nicht gemacht, nur ein normales, und das ist unauffällig. Blutdruckwerte stimmen auch, seit ich die Medikamente nehme. Ich bin wieder mit dem Rad unterwegs und möchte in zwei Wochen wieder arbeiten. Bei körperlicher Betätigung ist alles in Ordnung, die "Beschwerden" kommen eher im Ruhezustand.

Zum Kardiologen war ich noch nicht, da wird mich der Arzt noch hinschicken. In zwei Wochen werden noch ein EKG und eine Blutuntersuchung gemacht. Wie genau es dann weitergeht, weiß ich noch nicht.

Frage: Wie kam es denn zu Deinem zweiten Infarkt? Ist ja durchaus beunruhigend, wenn man jeden Moment mit einem weiterem Infarkt rechnen muß.

CUhaK-Txu


Hallo,

da schreibst Du einen Satz, der beinahe vollkommene Entwarnung gibt:

die "Beschwerden" kommen eher im Ruhezustand.

Wenn diese Beschwerden nach dem Infarkt bei Belastung auftreten, ist das ein Alarmsignal (z.B. dass der Stent sich wieder verschlossen hat, das passiert manchmal, wenn auch selten). Wenn das aber ein Problem in Ruhe ist, kann man eine kardiale Ursache fast ausschliessen. Ich schreibe "fast", weil es in der Medizin, wie auch anderswo, keine 100%igen Sicherheiten gibt. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach kommen die Symptome in Ruhe nicht vom Herzen.

Frage: Wie kam es denn zu Deinem zweiten I

Das hatte wohl unterschiedliche Ursache. Erstens habe ich nach dem ersten kaum Konsequenzen gezogen, ich habe an meinem damals massiven Übergewicht nichts getan, und vor allem habe ich an meinem Stress-Job nichts getan. Aber es ist wohl auch so, dass das Risiko eines zweiten Infarkts im ersten Jahr nach dem Erstinfarkt relativ hoch ist. Darum wird heute z.B. auch standardmässig ASS gegeben.

Welche Medikamente nimmst Du denn in welcher Dosis?

Gruss

Cha-Tu

IPn-KWoAg Nito


hallo,

mein mann hatte einen vorderwandinfarkt,

es ist aber eine riesenbeule am herzen geblieben

weil er damit 24 stunden rumgelaufen ist. halt arbeiten ganz in der früh, spät wieder gekommen....

am abend habe ich ihn dann zum arzt gejagt.

wir hatten hinterher auch große angst,

ABER man muß das mal so sehen:

viele leute haben herzprobleme, wissen es aber nicht, weil ise nicht auf die idee kommen.

aber bei leuten, die schon mal kardiologisch auffällig waren,

guckt man regelmäßig genau hin,

man würde also im vergleich zu leuten, die nicht betroffen sind und nicht zur vorsorge etc. gehen und

passende medis nehmen, sofort was merken!!!

M>r.~ Pr9entice


Oh, vielen Dank für die beruhigenden Worte.

Ich nehme einmal am Tag je 1 Ass, Clopidogrel, Simvastatin

Zweimal am Tag Bisoprolol, Ramipril

Und zweimal am Tag je eine halbe Amlodipin.

Ich habe keine Ahnung, was das alles ist, aber Nebenwirkungen habe ich bis jetzt nicht festgestellt.

In-Kog Nito, verstehe ich das richtig, daß Dein Mann einen vollen Tag noch normal arbeiten war, während er schon einen Infarkt hatte?

Also ich hab´s auch nicht gleich ernst genommen. Hatte unterwegs plötzlich Schmerzen in der Brust, und dachte, das geht sicher gleich weg. An einen Infarkt habe ich überhaupt nicht gedacht. Zum Glück bin ich vorsichtshalber mal zum Notarzt, als es richtig unangenehm wurde, von dort wurde ich direkt mit Blaulicht ins Krankenhaus verfrachtet.

IVn-K og Nisto


wir sind abends mit freunden zum essen um seinen geburstag nachzufeiern.

auf dem weg zum lokal wurde ihm schlecht,

er hat dann auch nichts gegessen, die bedienung hat ihm tee gebracht.

wir sind nach hause, ich bin in's bett, er auch.

aber er ist wieder aufgestanden, er meinte, er hätte so magenschmerzen (hatte früher mal den helicobacter).

am nächsten morgen war er schon weg, in de arbeit,

ist aber wohl die ganze nacht rumgelaufen, weil ihm so schlecht war und er so magenschmerzen hatte.

hat viele tabletten geschluckt und ist viel gelaufen.

am abend kam er gegen 6 wieder und meinte, das zieht mittlerweile in die schulter.

ich habe ihn zum arzt geschickt, der machte labor und ekg, meinte,

das ist kein infarkt,

schickte ihn aber vorsichtshalber noch selbst mit dem auto in das dorfkrankenhaus, wo sie ihn gleich kassiert haben.

in der nacht dann gleich klinikum und katheter-labor.

so ganz ernst hat er das nicht genommen, er meinte zu mir auf der intensiv noch,

dass ich es aber keinem sagen soll und den termin in zwei tagen verschiebt er halt dann.....

bei ihm waren es zigaretten, jeden abend 2 l cola/1 l eis und arbeiten bis nachts um 3.

und das zig jahre lang.

und sein dad ist an einem infarkt gestorben.

MOr. Pr`enti>cxe


Ich bin´s wieder.

Nochmal zurück zum Herzinfarkt. Dieser ist, wie geschrieben, durch familiär vererbten Bluthochdruck eingetreten. Nun nehme ich brav meine verordneten Tabletten. Unter anderem einen Betablocker namens Biso Lich 5mg. Und mit dem habe ich so meine Schwierigkeiten, da bei mir Nebenwirkungen auftreten. Plötzliche Müdigkeit, Schwindelanfälle, Taubheit in den Fingern und Händen. Alles noch im Rahmen, aber ich möchte das Zeug möglichst absetzen, bevor es schlimmer wird. Gibt es Alternativen zu diesem Medikament? Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mein Leben lang mit diesen Nebenwirkungen herumzulaufen.

Andererseits wüßte ich nicht, wie ich den Bluthochdruck sonst in den Griff bekomme, da ich ja bereits vernüftig lebe (viel Bewegung, Nichtraucher, kein Alk) Könnte höchsten versuchen, noch etwas abzunehmen und besser auf die Ernährung zu achten...

Coha-fTnu


Unter anderem einen Betablocker namens Biso Lich 5mg. Und mit dem habe ich so meine Schwierigkeiten, da bei mir Nebenwirkungen auftreten. Plötzliche Müdigkeit, Schwindelanfälle, Taubheit in den Fingern und Händen. Alles noch im Rahmen, aber ich möchte das Zeug möglichst absetzen, bevor es schlimmer wird. Gibt es Alternativen zu diesem Medikament? Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mein Leben lang mit diesen Nebenwirkungen herumzulaufen.

Guten Morgen, Mr. Prentice,

zuerst einmal ganz generell: Zahlreiche klinischen Studien haben in den 80er und 90er Jahren bewiesen, dass Betablocker nach einem Herzinfarkt die Re-Infarkt-Rate DEUTLICH senken, und falls es dann doch zu einem weiterem Infarkt kommt, dass dieser milder ausfällt. Betablocker ist DAS Mittel der Wahl nach einem Herzinfarkt.

Aber ich verstehe sehr gut, dass die Nebenwirkungen Dich nerven. Wobei ich sagen muss, dass sie erfahrungsgemäss im Laufe der Zeit eher weniger als mehr werden...

Es gibt aber auch andere Betablocker als Bisoprolol, die eventuell besser vertragen werden. Wenn Du kein Asthma oder andere Lungenprobleme hast, sollte ein Versuch mit Metoprolol gestartet werden. Das ist ein alter, lang bewährter, sehr gut verträglicher Betablocker. Sollte auch dieser Versuch fehlschlagen (Du müssten das Medikament aber mindersten 8-12 Wochen probieren, bevor man sagen kann, es ist okay oder nicht), kann ein Versuch mit Nebivolol gestartet werden, ein BB neueren Typs, der ebenfalls recht gut verträglich ist, vor allem nicht (oder kaum) auf die Atmung geht.

Es gibt auch noch weitere Betablocker, die ich aus eigener Erfahrung aber nicht kenne und dazu wenig sagen kann. Ich selbst hatte 20 Jahre Metoprolol genommen, musste das dann aber absetzen, weil ich lungenkrank wurde. Ein Versuch mit Bisoprolol brachte ähnliche Nebenwirkungen, wie Du sie jetzt hast. Die Umstellung auf Nebivolol (das ich nun seit 1 Jahr nehme) verlief perfekt, ich vertrage dieses Medikament nebenwirkuns-frei.

MÖGLICHERWEISE aber liegt es bei Dir auch gar nicht am BB? Der ACE-Hemmer (Ramipril) känn nämlich auch solche Nebenwirkungen auslösen. Es wäre einen Versuch wert, das Ramipril gegen ein Sartan (z.B. Candesartan, ein A1-Hemmer, der ähnlich wie Ramipril wirkt, aber nierenschonend und nebenwirkungsärmer wirkt).

Das finden der individuell richtigen und besten Medikation ist nicht einfach. Bei mir hat es gut 1,5 Jahre "Versuche" gebraucht, bis ich stabil war.

Alles Gute!

Cha-Tu

MTr. P!ren/ticxe


Guten Abend, Cha-Tu,

Danke für die Antwort. Ich werde das mit meinem Kardiologen nochmal besprechen. Es ist auch so, daß der Arzt im Krankenhaus nur dann auf Betablocker zurückgreifen wollte, wenn der Blutdruck sich sonst nicht regulieren ließe. Als letztes Mittel sozusagen.

Die letzte Blutdruckmessung beim Hausarzt vor drei Tagen hat ergeben, daß er jetzt sogar eher zu niedrig (aber noch im akzeptablen Bereich) ist. Da denke ich mir, es ist vielleicht vertretbar, es mit einem schwächeren Ersatzmittel zu versuchen und den Betablocker ganz wegzulassen.

Ganz allgemein gefragt: Ist es denn nicht so, daß der Körper sich mit der Zeit auf Medikamente einstellt, und diese dann gar nicht mehr richtig wirken? Haben Medikamente nach 10 oder 20 Jahren immernoch ihre volle Wirkung?

Cdha-xTu


Guten Morgen.

Falls es Alternativen gibt, die milder sind als der BB, würde ich das auf jeden Fall versuchen, aber natürlich immer mit ärztlicher Begleitung.

Ganz allgemein gefragt: Ist es denn nicht so, daß der Körper sich mit der Zeit auf Medikamente einstellt, und diese dann gar nicht mehr richtig wirken? Haben Medikamente nach 10 oder 20 Jahren immernoch ihre volle Wirkung?

Das ist individuell ganz verschieden, hat auch mit dem Patienten und seiner Krankheit zu tun. Wenn eine Krankheit (wie bei mir) immer weiter fortschreitet, muss irgendwann auch die Dosis erhöht werden, das ist richtig. Falls es eine Krankheit ist, die eher stabil bleibt oder sogar besser werden kann, dann bleibt die Wirkung bzw. die Dosis bestehen. Und selbst dann kommt es auch noch auf den Patienten an. Man weiss einfach nie genau, wie das Medikament X auf den konkreten Patienten Y wirkt.

Gruss

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