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Arzneimittel Arcoxia

MnishyMx3 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Mein Name ist Michele und ic bin 20 Jahre alt. Mein Arzt hat mir aufgrund das mein Ischias kaputt ist ein neues Medikament gegeben. Arcoxia heißt dieses doch ich bin Asthmatikerin und nehme Salbutamol bei einem Asthmaanfall und als ich schon 2x die Tabl. (1x tgl) eingenommen habe merkte ich das ich einen Druck auf der Lunge habe und ich es schwer habe richtig zu atmen. Als ich mir denn die Nebenwirkungen durchgelesen habe stand dort das es eine Wechselwirkung mit Salbutamol gibt. Ich habe meinem Arzt auch von der Nebenwirkung erzählt und ihn gefragt warum er mir überhaupt die Tabletten verschreiben hat denn er weis ja meine Diagnosen. Er hat mir jetzt nichts weiter dagegen Verschrieben trzd. Geht es mir immer noch nicht besser und man kriegt es denn ja auch mit der Angst zu tun wen man nicht richtig Luft bekommt und vor allem schon so einen Druck auf den Lungen hat. Ich bin Altenpflegerin und habe schon alle Möglichkeiten ausprobiert wie ich besser atmen kann aber irgendwie wird es nicht besser. Habt ihr noch ein Tipp ?

Antworten
tChe-*caUvexr


Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass deine Atemnot vom Arcoxia kommt. Eine direkte Wechselwirkung mit Salbutamol hat es auch nicht. Es ist bei Asthmatikern sogar besser verträglich als andere entzündungshemmende Schmerzmittel. Wenn ein ASthmaanfall aufgrund von Schmerzmitteln auftritt, passiert das in aller Regel auch schnell, innerhalb der ersten 1-2 Stunden nach Einnahme - nicht erst nach mehr als 24 Stunden. Wahrscheinlich hat sich dein Asthma aus anderen Gründen verschlechtert, ist ja gerade Saison.

Wenn dich der fachliche Hintergrund interessiert:

Alle klassischen entzündungshemmenden Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin u.s.w.) können bei Asthmatikern Anfälle auslösen - betroffen sind davon so zwischen 10 und 20% der Asthmatiker (ich gehöre dazu). Das ist *keine* allergische Reaktion, sondern hängt mit dem Stoffwechsel von Entzündungsbotenstoffen zusammen:

Alle entzündungshemmenden Schmerzmittel hemmen die Bildung eines schmerzfördernden Entzündungs-Botenstoffs namens Prostagalndin. Deswegen wirken sie schmerzlindernd. Wenn jetzt aber kein Prostaglandin mehr gebildet wird, häuft sich im Körper das "Vorprodukt" Arachidonsäure an. Ist wie in der Industrie: Wenn bei VW gestreikt wird, läuft bei Bosch das Lager voll, weil die Zündkerzen nicht gebraucht werden.

Der Körper kann aber mit der Arachidonsäure noch andere Dinge anstellen, d.h. er produziert aufgrund des Überangebots vermehrt andere Botenstoffe. Und einige davon (die Leukotriene) verengen die Bronchien. Deswegen kriegen manche Asthmatiker davon anfälle. Dieser Mechanismus ist bei allen klassischen entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) gleich - mit anderen Worten: Wer nach Aspirin das Pfeifen anfängt, tut das in aller Regel auch nach Diclofenac und Ibuprofen.

Und jetzt kommt das Arcoxia ins Spiel: Das gehört nämlich zu einer besonderen Gruppe der entzündungshemmenden Schmerzmittel, den Coxiben:

Prostaglandin wird im Körper von 2 verschiedenen Enzymen gebildet (COX1 und COX2). Die bisher genannten Mittel hemmen *beide* Enzyme - deswegen wird kaum noch Prostaglandin gebildet und die Vorstufe häuft sich an. Die Coxibe hemmen aber nur eines der beiden, nämlich die COX2. Dieses Enzym produziert das Schmerz-Prostaglandin, die Schemrzwirkung von Arcoxia ist also genauso gut wie bei Ibuprofen und co. (ich halte sie soagr für besser, aber das ist meine private Meinung).

Weil aber die COX1 noch zur Verfügung steht, wird nach wie vor Arachidonsäure verarbeitet, sie häuft sich nicht an, und deswegen kommt es nicht zu der vermehrten Produktion von Leukotrien. Und deswegen macht Arcoxia nur sehr selten Asthma-Anfälle. ich vertrage es zum beispiel problemlos.

Es gibt sogar eine Untersuchung, bei der man Asthma-Anfälle provoziert hat (durch Einatmen von Allergenen) und die Probanden haben mit Arcoxia nicht mehr Probleme gehabt als ohne. Eine andere Studie sagt, dass ungefähr 3% der Menschen, die auf Aspirin Anfälle kriegen, das auch auf Arcoxia tun (was mir eher viel vorkommt, ich muss mir die Studie mal noch im Original anschauen).

Die Warnhinweise in den Beipackzettel müssen natürlich trotzdem rein. Warum beim Arcoxia in der Fachinfo die Häufigkeit von Bronchospasmus mit "hoch" angegeben ist, ist mir einigermaßen schleierhaft. Ich vermute, es kommt daher, dass eben sehr viele NSAR-Asthmatiker Arcoxia bekommen, da ist dann natürich mal der eine oder andere dabei, der einen Anfall kriegt. Da werde ich mich aber bei meinem nächsten Kontakt zum Hersteller mal erkundigen.

Damit wird jetzt auch klar, warum du Arcoxia bekommen hast: Eben weil das Risiko von Anfällen da besonders gering ist. Und wenn du schon auf Arcoxia reagierst, würdest du auf alle anderen entzündungshemmenden Schmerzmittel garantiert ebenfalls reagieren, deswegen hat er dir kein anderes verschrieben. Aber wie gesagt, es ist unwahrscheinlich, dass dein Atemproblem überhaupt was mit dem Arcoxia zu tun hat.

Nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch noch ein zweites Coxib (Celecoxib), das in puncto Asthma ähnlich gut abschneidet wie Arcoxia - ist aber zur Akut-Schmerztherapie weniger gut geeignet.

Conflict of interest: Ich halte ab und an mal Vorträge, für die ich vom Hersteller des Arcoxia bezahlt werde - du musst dir also überlegen ob du mir glaubst was ich schreibe. Aber ich bin bekannt dafür, dass ich auch dort meine eigene Meinung habe ]:D

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