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Eisensubstitution gerechtfertigt oder Alternativmedizin pur?

LJia_wLxia


The caver kennt sich aus und hat Recht. Es gibt Interessen, mit "fühlen Sie sich müde= Eisenmangel= böse= unbedingt Eiseninfusion " Geld zu machen, die seit Jahren erfolgreich sind. Die m.E. dreisteste Masche, ein Test auf bekannter Eisen-Internetseite ganz vorn bei google, wurde m.W. allerdings wieder aus dem Netz genommen. Da hatte eigentlich jeder Mensch einen dringenden Verdacht auf Eisenmangel, der den Test gemacht hat. Der Placebo-Effekt, an dem sich durch fragwürdige medizinische Diagnosen und Therapien so viel Geld verdienen lässt, wirkt auch beim Geschäft mit dem Eisen super. Eisenmangel und seine Symptome sind ernst zu nehmen und sinnvoll zu therapieren, aber die Machenschaften bestimmter selbsternannter Eisen-Experten-Seilschaften sind unter aller Kanone. Für den medizinischen Laien ist nicht mehr klar, wann Eiseninfusionen indiziert sind und wann nicht. Zu viel Eisen ist übrigens auch "böse", der Körper hat nicht ohne Grund Systeme entwickelt, Eisen in Balance zu halten oder Eisen zurückzuhalten. Davon findet man auf den bekannten Eisenverkauf-seiten" wenig bis nichts. Die Informationen mit Eisenverkauf-Interesse sind nicht zu verwechseln mit z.B. seriösen ausgewogenen Informationen zu Eisenbalance z.B. der Eisenstoffwechselambulanz am UKE Hamburg-Eppendorf. Das kann aber der Laie kaum unterscheiden. Eisen in freier Form wirkt giftig, wird daher immer in gebundener Form transportiert oder deponiert. Eisen mögen auch verschiedenste Erreger, darum versucht der Körper bei Infektionen mit solchen Erregern, die Verfügbarkeit zu reduzieren.

BdadSebär


Ich denke wobei es bei den Wohlfühlwerten geht ist, dass die statistisch erhobenen Normwerte für viele Parameter nicht für jeden Menschen zutreffen müssen. 5-10% der Menschen fallen aus den meisten erhobenen Normwerten schlicht raus.

Ein Mensch kann sich mit einem TSH von 6 wohl fühlen (bei normgerechten freien Werten), es kann aber auch ein eindeutiger Hinweis auf eine beginnende manifeste Unterfunktion sein und bereits von Symptomen begleitet. Man würde es nur durch ausprobieren herausfinden. Und weil sich die Lehrmeinung laufend ändert therapieren in diesem Fall die Schilddrüsenambulanzen in Unikliniken bereits ab TSHs von 2,0-2,5. Das wäre vor Jahren noch nicht so gewesen. (Westliche) Schulmedizin und deren Inhalte unterliegen, wie alles andere auch, dem Wandel.

Und klar, mit Gesundheit wird überall versucht Geld zu verdienen. Damit als Pauschalargument alles abzuschmettern wäre aber auch zu einfach gemacht.

LRiVa_L>i}a


Es gibt einige Gesundheitsthemen, die sich fürs Geldmachen besonders gut eignen.

Nix von wegen Pauschaltotschlagargument: Gerade "Eisenmangelsyndrom", Borreliose, Adhs, Schwermetallvergiftungen etc sind die Mode-Themen, mit denen sich sehr viel Geld verdienen lässt. Grund: diffuse Graubereiche, unspezifische Symptome, mit denen man mithilfe des Placebo-Effekts gut rumjonglieren kann, auch in Studien. All diese Gesundheitsprobleme gibt es wirklich und sie gehören entsprechend therapiert. Genau wie zu manch anderen Modethemen gibt es leider auch zum Thema Eisen kaum unabhängige Seiten im Internet, die nicht direkt oder indirekt am Eisenmangel oder Eisenmangelsyndrom verdienen. Das ist so ein Hinweis, der dem Laien zu denken geben sollte. Der Laie kann sich nicht mal sicher sein, dass ein Internet-/Foren-/Blog-eintrag frei von finanziellen Interessen ist -manch Student hat den Nebenjob, Laienbeiträge in Laiensprache zu Modethemen im Internet zu platzieren. Ich kann nur den Rat geben, gerade beim Thema Eisen das Internet kritisch zu sehen.

Bfadexbär


Kritisch sein ist immer gut. Dann sollte man vollständigkeitshalber auch auch erwähnen, dass der "seriöse" Medizinsektor ebenfalls massiv von finanziellen Interessen bestimmt wird.

Cvlaladlala


Das gute am "seriösen" Medizinsektor jedoch ist, dass nicht du die Kosten zu tragen hast, sondern deine Krankenkasse ;-)

Weiterhin sind gerade im Bereich der Alternativmedizin und Nahrungsergänzungsmittel die Gewinnmargen viel höher als in der konservativen Medizin. Sie unterliegen nicht den Gesetzen für Medikamente und müssen daher keine jahrelangen, mehrphasigen Studien der Verträglichkeit und Wirksamkeit durchführen. Deswegen mischen ja auch Pharmafirmen auf dem Markt kräftig mit. Dadurch werden die Produkte aber auch nicht besser oder wirksamer.

Aber darum ging es hier ja auch nicht ;-) Meinem Empfinden nach, gibt es keinen Grund die Eiseninfusionen als Privatleistung zu finanzieren. Noch weißt du gar nicht, ob deine unspezifischen Symptome von einem Eisenmangel herrühren. Es wurde ja schon besprochen, dass es da einige Kontroversen gibt. Wenn du dir unsicher bist, einfach Eisentabletten zu kaufen, dann rede doch mit deinem Arzt. Sag ihm, du willst/kannst das Geld nicht ausgeben, er soll dir ein Produkt empfehlen und Kontrollen durchführen. Wir haben ein nicht-patriarchisches System: Der Patient entscheidet im Endeffekt über die Therapie.

SEunflohwer_7x3


@ Lia_Lia:

Da die Funktion des Eisens im Blut (Sauerstofftransport) gut bekannt ist und das nicht erst seit kurzem, finde ich diese "Verschwörungstheorien" schon etwas überzogen. Warum gibt man bspw. Bluttransfusionen nach OP's oder Unfällen mit hohem Blutverlust und glecht das fehlende Volumen nicht einfach durch Flüssigkeit aus?

Schreibt jemand, der seinen Eisenmangel so lange ignoriert hat, bis ich mit einem Ferritin von 7 kaum noch aufrecht stehen konnte und wochenlang krankgeschrieben war. Die Infusionen hatten garantiert keinen Placebo-Effekt.

B5aUdebxär


Update: Es gab ein mittelgroßes Missverständnis. Ich hab nochmal beim Endokrinologen angefragt. Der meinte mit "Eisenzentrum" eine Eisensprechstunde der Uniklinik hier. Das seien die absoluten Experten. Also nicht das, was ich per Google fand. Da die Uniklinik-Sprechstunde Termine erst wieder im August frei hat, übernimmt er die Sache in seiner Praxis. Er sagte, er behandele generell unter einem Wert von 50 und hat mir 10 Infusionen Ferrlecit 62,5 mg (eine pro Woche) verschrieben, die auch von der Kasse bezahlt werden.

Außerdem hat er hinzugefügt, bei dem Wert und weil ich nicht menstruiere sollte man eigentlich genauer schauen, wo er her kommt. Also ob es innere Blutungen oÄ gibt.

t4ulixps


Hier war von Eigeninteressen der "Eisenindustrie". Ich hatte viele Jahre an den Eigeninteressen der Schulmediziner zu leiden. Mit einen HB von 8 z.B. durfte ich nach Eiseninfusionen beim Internisten feststellen, daß viel zu niedrig dosiert wurde. Ergebnis bei schlechten Befinden HB 11. Über den Ferritinwert wurde ich belogen (angeblich 15, gerade untereste Norm/de facto 5).

Der nächste Internist meinte dann bezüglich ergänzender Eiseninfusionen, das können wir irgendwann mal machen. Nun gut, wenn es dem Patienten nicht gut geht sind die Chancen eh groß, daß der regelmäßig zum Kärtchen abgeben kommt..).

Im Eisenzentrum habe ich dann eine detaillierte Eisenbedarfsermittlung inklusive gegebenenfalls langfristigem Ergänzungsplan bekommen (letzteres war nicht nötig).

Von dieser Praxis war ich mal zur Abwechslung positiv überrascht (Sorgfalt im Behandlungsplan und Durchführung, laufende Kontrolle/Betreuung um eventuelle Probleme sofort Auffangen zu können, Hygiene etc.).

Heute geht es mir mit einem Ferritin um 100 sehr gut (und das Ganze ist schon ein paar Jährchen her).

tiulip}s


@ Badebär

Venofer gilt als deutlich verträglicher

SLunflHower_x73


Ich habe das Ferrlecit gut vertragen. In 0,5l Kochsalzlösung gegeben und dann über ca. 30 Min. als Infusion gegeben. Am Ende dann in ca. 15 Minuten, weil ich es gut vertragen habe. Bis auf spinnende Venen bei 2-3 Infusionen pro Woche (das Zeug ist etwas aggressiv).

Außerdem hat er hinzugefügt, bei dem Wert und weil ich nicht menstruiere sollte man eigentlich genauer schauen, wo er her kommt. Also ob es innere Blutungen oÄ gibt.

Allerdings. Ich hatte starke Blutungen und etliche OP's; denoch wurde gespiegelt (Magen & Darm). War lästig, aber man sollte scon hinschauen. Inkl. Blick auf die Ernährung.

t7ulixps


Dank Venofer hatte ich auch keine "spinnenden Venen".

B adejxr


Hallo allerseits,

Neuigkeiten: Nach 6 Infusionen ist mein Ferritin bei 95 - also gut. In dem Zusammenhang wurde auch ein Eisen-Resorptionstest gemacht und dabei der "Retikulozytenproduktionsindex" gemessen. Der lag bei 1,2 (Referenzwerte: 2-3) und laut Arzt ist damit eine unzureichende orale Resorption bewiesen. Deshalb soll ich jetzt auf latente chronische Darmentzündungen getestet werden.

Außerdem wurde Vitamin B-12 gemessen. Das lag bei 161 pg/ml (Referenz: 197-771), weshalb ich das auch substituieren soll. Was mich wundert: Vor ungefähr drei Jahren wurde schon einmal B12 gemessen, das war damals bei Zweihundertirgendwas und dieser Holo-TC-Wert war knapp an der unteren Norm, aber eben noch im Normbereich. Ist so ein B12-Wert wie er jetzt bei mir gemessen wurde etwas aus der Kategorie "Haben viele Leute, kann man mal ein paar Tabletten nehmen..."?

Gtr.othtig


Also ich habe bei Eisenmangel immer eine Symptomatik, auch wenn er noch nicht zu einer Anämie geführt hat. Mir brennt die Zunge. Ich habe bisher immer den Speicher mit Tabletten aufgefüllt, war nie ein Problem. Ferro sanol duadonal, gibt es auch ohne Rezept, wenn der Arzt keines ausstellen möchte. Und es hat auch nie ewig gedauert, nach einer 3 Monatskur war gut.

Und ein Mangel sollte auch ohne Anämie (das ist, wenn bereits der HB Wert erniedrigt ist) behandelt werden. Nun liegt der TE an der Grenze. Kann man, muss man aber nicht.

Ich würde ihm eine Tablettenkur empfehlen, schaden tut es sicher nicht.

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