Hallo, das Thema ist ja im Moment hochaktuell. Insofern denke auch ich darüber wieder nach (ich bin Jahrgang 1956). Schläge oder im Keller eingesperrt werden usw. gehörte früher "einfach" dazu. Es (...) >>>
DoiMe_Wolxke am 12.03.10 09:52
15.03.10 11:48
noch quatschiger als "was wäre wenn"-fragen sind "was ist schlimmer"-fragen 
ich finde, bei gewalt ist ja das schlimme gerade die psychologische komponente. und diese scheint ja wohl auch dafür eine rolle zu spielen, ob man sich als "opfer" fühlt. somit muß ich ceterum censeo wohl recht geben: höchstwahrscheinlich gibt es tatsächlich keinen richtigen zusammenhang zwischen körperlichen erziehungsmethoden und qualität der erziehung.
15.03.10 11:54
An schlimme Lehrer kann ich mich aus den 60er Jahren nicht erinnern. Bei einem Lehrer flog zwar regelmäßig das komplette Schlüsselbund durch den Raum, aber der wurde später -aus welchen Gründen auch immer- entlassen.
der standartsatz war "was daheim passiert, geht niemanden was an"
Meine Lehrer wären nie darauf gekommen, was bei uns zu Hause so los war. Eine ehemalige Nachbarin hat neulich erst über meinen tollen Vater geredet (würg).
Wir empfanden uns damals auch nicht als "Opfer"…
Ich fühlte mich ungerecht behandelt, zumal ich gemessen an manch anderen Kindern wirklich nichts getan hatte. Wenn meine Eltern über irgendwas frustriert waren, genügte schon ein böser Blick meinerseits, um Prügel zu provozieren. Man hat mir z.B. das Heft um die Ohren gehauen, wenn ich eine schlechte Note in Schönschreiben hatte. Geholfen hat das nichts, ich habe heute noch eine Sauklaue. Mit 17 habe ich unter der Bettdecke gelesen, weil ich wie meine 7 Jahre jüngere Schwester schon um 20 Uhr schlafen gehen musste und wurde verpetzt. Das was ich angestellt habe, das waren alles nur Kinkerlitzchen.
Körperlich haben mir die Schläge meiner Eltern nicht geschadet, aber seelisch schon. Und gerade bei solchen Diskussionen wie hier, kommt alles wieder hoch. Mit DDR oder BRD hat das nichts zu tun. Es gibt so’ne und solche Elternhäuser. Mein Mann hat mal gesagt, er wurde nie geschlagen. Die letzten schlimmen Prügel (Riemen, Peitsche -alles war möglich) von meinem Vater habe ich mit 17 bekommen.
Ich denke, wer mit Worten nicht umgehen kann, wer sich nicht artikulieren kann, um einen Konflikt zu lösen, haut zu.
Meine Mutter hat noch geschlagen, als ich mit 18 das letzte Mal mit meinen Eltern in den Urlaub fuhr. Und dies mitten in der Öffentlichkeit vor allen anderen Urlaubern, weil ich am Vorabend mit einem Mann in einer Bar was getrunken hatte. Keine Ahnung, was in ihren Kopf vorging. Die anderen fanden das aber anscheinend in Ordnung, zumal man mich für wesentlich jünger gehalten hat.
Weitere Anlässe waren solche Dinge wie mein Kirchenaustritt mit 19 (jemand muss ihr das gepetzt haben) und als ich mit 20 auf dem Sofa meiner Eltern bei meinem Freund übernachtet hatte. Da haben wir im Wohnheim längst zusammen gewohnt –wir wohnen auch heute noch zusammen (grins).
Ab diesem Zeitpunkt bin ich nur noch zu offiziellen Anlässen zu meinen Eltern gefahren. Ich weiß, dass zumindest mein Vater mich bis zu seinem Lebensende geliebt hat. Verzeihen kann ich ihm diese Behandlung trotzdem auch nach über 40 Jahren nicht.
Meine Mutter wird auch heute noch bzw. wieder handgreiflich, wenn ihr etwas nicht passt.
Die Schläge selbst vergisst man irgendwann, die Demütigungen vergisst man nie.
15.03.10 12:17
Huch, da ist man mal ein Wochenende offline und jetzt so viel nachzulesen...
Da diese Verwechslung immer wieder vorkommt: Anti-autoritär ist nicht gleich laissez-faire!
Anti-autoritär bedeutet: Keine Gewalt (in welcher Form auch immer) in der Erziehung. Es bedeutet, das Kind zu respektieren.
Laissez-faire (also das Kind alles machen lassen, was es will) schadet.
Das Kind muss Regeln und Grenzen lernen.
Gewalt (in welcher Form auch immer), entsteht aus Hilflosigkeit, der Unkenntnis von anderen Verhaltensmustern in gewissen Situationen.
Bei der extremsten Form von Gewalt, dem Krieg, kann auch Habgier dahinterstecken als Motivation.
Und Gewalt zielt immer darauf ab, den Schwächeren zu brechen.
Und von wegen: "...hat nicht geschadet..."
Wer das behauptet, hat sich selbst gegenüber einen blinden Fleck - behaupte ich!
Aus mir wäre mit Sicherheit ein anderer Mensch geworden, wenn ich zu einem Menschen mit Selbstvertrauen erzogen worden wäre. Aber in einem Klima der Angst kann sich das schlecht entwickeln. Und wenn die Angst sowohl Schule als auch Elternhaus betrifft, gibt es keine Ruhezone, wo man regenerieren könnte. Und fatal war auch: Viele Eltern fanden das Verhalten der Lehrer in Ordnung, so nach dem Motto:"wirst es schon verdient haben" oder " wenn er/sie es braucht, immer feste drauf...".
Was kommt wohl dabei raus, wenn ein Kind für eine schlechte Note geprügelt wird? Auf jeden Fall keine bessere Noten, sondern: Man wird findig im Vertuschen, man fälscht Unterschriften, fängt blaue Briefe ab und anderes....
Irgendwann kommt das natürlich raus...irgendwann.... 
Man entwickelt zweifelhafte Verhaltensweisen, um der Gewalt zu entkommen. Als Kind zieht man immer den kürzeren und wird vielleicht zu jemandem, der man ansonsten nicht geworden wäre.....
LG
15.03.10 12:25
Taps :Ohjeee..das Verhalten deiner Eltern damals ... finde ich krank... 
Das wird etwas mit ihrer Kindheitsgeschichte zu tun haben..
15.03.10 12:32
mir gefällt der absolutismus in deinen worten nicht.
wenn ich von meinem vater eine in den nacken gekriegt hab, wenn ich bei tisch nicht gerade saß hat das weder zum vertuschen meiner schlechten sitzhaltungnoch zu angst geführt, sondern ganz schlicht und einfach dazu, dass ich mich gerade hingesetzt hab 
wenn jemand seinem kind eins auf die finger gibt, wenn es dabei ist, den kochenden suppentopf vom herd zu ziehen, führt das auch nicht zwangsläufig dazu, dass das kind versucht, sich heimlich zu verbrühen.
und gewalt war ganz sicherlich keine hilflosigkeit oder der mangel an anderen verhaltensmustern, sondern einfach etwas, um aussagen nachdruck zu verleihen.
gewalt wie die von dir und eingen anderen usern beschriebene, also gewalt als ausdruck von hilflosigkeit und instrument der demütigung ist sicherlich schädlich.vor allem dann, wenn sie willkürlich und nberechenbar eingesetzt wird.
aber was timbatuku und ich meinen, ist, dass es noch eine andere form von gewalt gibt, die auch sicherheit bieten kann und somit gerade das gegenteil von angst ist.
15.03.10 12:38
Aus mir wäre mit Sicherheit ein anderer Mensch geworden, wenn ich zu einem Menschen mit Selbstvertrauen erzogen worden wäre. Aber in einem Klima der Angst kann sich das schlecht entwickeln.
Auch das ist kein Automatismus. Ich hab sehr spät Selbstvertrauen entwickelt, und ich wurde eher selten mal geschlagen. Selbstvertrauen entwickelt sich im konfliktreichen Umgang mit anderen. Konflikte sind notwendig. Mit Schlägen im normalen Maß (Hintern voll) hat das nichts zu tun.
Es bedeutet, das Kind zu respektieren.
Ich respektiere mein Kind, aber nicht seine Eskapaden, die ihm lang- oder auch kurzfristig sehr scchaden werden.
Gewalt zielt immer darauf ab, den Schwächeren zu brechen.
Auch nein: Gewalt zielt darauf ab, bestimmte extreme negative Verhaltensweisen zu brechen - nicht den Menschen als Ganzes. Als Ganzes wird der Mensch geformt.
Gewalt (in welcher Form auch immer), entsteht aus Hilflosigkeit, der Unkenntnis von anderen Verhaltensmustern in gewissen Situationen.
Das stimmt. Und es ist eine objektive Tatsache, Ich kann nunmal keinem Kleinkind einem 3 sec-Crashkurs in Elektrotechnik unterziehen, wenn es sich nicht abgewöhnen will, Metallteile in die Steckdose zu stecken. Man muß nicht alles verstehen, man kann auch einfach Einsicht lernen. Das betrifft sogar Erwachsene.
15.03.10 12:43
Und es ist eine objektive Tatsache, Ich kann nunmal keinem Kleinkind einem 3 sec-Crashkurs in Elektrotechnik unterziehen, wenn es sich nicht abgewöhnen will, Metallteile in die Steckdose zu stecken. Man muß nicht alles verstehen, man kann auch einfach Einsicht lernen. Das betrifft sogar Erwachsene.
Ach, und weil man keine kindgerechte Umgebung schafft (Steckdosenschutz) ist es legitim?
Man muß nicht alles verstehen, man kann auch einfach Einsicht lernen. Das betrifft sogar Erwachsene.

15.03.10 12:45
vielleicht ist der witz an der ganzen sache, dass es in den 60ern einfach noch keine steckdosenschutzdinger gab 
und ja - wieder ein ins-lächerlich-ziehen mit anderem hintergrund.
15.03.10 12:46
aber was timbatuku und ich meinen, ist, dass es noch eine andere form von gewalt gibt, die auch sicherheit bieten kann und somit gerade das gegenteil von angst ist.
Vielleicht meint ihr gar nicht das, was man unter Gewalt versteht, vielleicht gibt es dafür einen anderern Begriff.
Wenn das Kind nach der heißen Herdplatte greift, kann man dessen Hand auch wegziehen, warum gleich draufhauen?
Gewaltanwendung, um von einem Kind Schaden abzuweden...das klingt für mich nach den Beelzebub mit dem Teufel austreiben zu wollen.
Man kann auch seine Wohnung kindgerecht gestalten, z.B. Also alles Gefährliche außer Reichweite usw.
Den Umgang mit Feuer/Hitze, Messern und anderem Werkzeug muss der Mensch als Kind lernen, das gehört zu unserer Kultur. Man muss sich nicht gleich verbrennen, um zu lernen, dass etwas heiss ist.
Aber es ist halt mühsamer, bestimmte Verhaltensregeln immer wieder zu wiederholen, die sanfte Methode dauert länger.
So ein Klaps geht schneller, das ist klar.
Außerdem: Es gibt einen Unterschied, ob jemand einmal in seinem Leben oder eben nur ganz selten mal einen leichten Klaps bekommen hat (obwohl ich das ablehne) und der ansonsten liebevolle Eltern hatte oder ob er jederzeit damit rechnen musste, aus manchmal völlig unvorhersehbaren Gründen zusammengeschlagen werden zu können.
LG
15.03.10 12:49
vielleicht ist der witz an der ganzen sache, dass es in den 60ern einfach noch keine steckdosenschutzdinger gab
War ja nur ein Beispiel.
15.03.10 12:51
soll ich weiter ausführen: damals war die welt einfach noch nicht kindesicher eingerichtet, diese extreme orientierung der erwachsenenwelt zur kinderwelt hin war nicht so wie heute, sondern die kinder hatten zu lernen, in der "erwachsenenwelt" klar zu kommen. das beinhaltet auch weitaus weniger direkte kontrolle. heutzutage läuft man doch als mutter einer sechsjährigen noch den ganzen tag hinter ihr her und erklärt ihr an jeder strasse, dass man gefälligst stehen zu bleiben hat, weil sie sonst überfahren wird. das konnten die damaligen elter einfach nicht leisten - die hatten auch noch was anderes zu tun. geschützte räume für kinder wie kindergärten, horte und spielplätze gab es nicht.
da ist man, sobald man halbwegs laufen konnte, raus auf die strasse und mit den anderen kinder los.
und das ist der moment, wo bestimmte verhaltensmuster einfach funktionieren müssen. da muß man sich als mutter sicher sein, dass das zweijährige nicht den topf vom herd holt, während man nach dem baby läuft. dauerbeobachtung und alles kindersicher machen war da einfach nicht drin.
und - ehrlich gesagt: als gesamtpaket finde ich eine kindheit mit rumlaufen im wald, wo man sich nicht in den steinbruch traut, weil man da schonmal senge gekriegt hat, weil der vater das spitz gekriegt hat, weitaus glücklicher, als die heutige kindheit unter dauerbeobachtung.
15.03.10 12:52
Gewalt (in welcher Form auch immer), entsteht aus Hilflosigkeit, der Unkenntnis von anderen Verhaltensmustern in gewissen Situationen.
Hilflosigkeit ist etwas völlig anderes als "andere Verhaltenmuster" nicht zu kennen!
Ein Mensch der zu Gewalttätigkeit neigt KANN hilflos sein, wird es aber in den meisten Fällen nicht sein. Denn die Gewaltanwendung ist in seiner Situation die adäquate Problemlösung! Und um es direkt vorweg zunehmen: das hat nichts mit mangelndem Intelligenzgrad zu tun!
15.03.10 12:52
Es gibt einen Unterschied, ob jemand einmal in seinem Leben oder eben nur ganz selten mal einen leichten Klaps bekommen hat (obwohl ich das ablehne) und der ansonsten liebevolle Eltern hatte oder ob er jederzeit damit rechnen musste, aus manchmal völlig unvorhersehbaren Gründen zusammengeschlagen werden zu können.
was anderes sag ich doch gar nicht
15.03.10 13:04
Ach, und weil man keine kindgerechte Umgebung schafft (Steckdosenschutz) ist es legitim?
Man kann auch seine Wohnung kindgerecht gestalten, z.B. Also alles Gefährliche außer Reichweite usw.
Es gibt keine kindgerechte und sichere Wohnung oder Umwelt.
15.03.10 13:08
und - ehrlich gesagt: als gesamtpaket finde ich eine kindheit mit rumlaufen im wald, wo man sich nicht in den steinbruch traut, weil man da schonmal senge gekriegt hat, weil der vater das spitz gekriegt hat, weitaus glücklicher, als die heutige kindheit unter dauerbeobachtung.
Endlich mal jemand mit gesundem Menschenverstand 
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