Hallo, das Thema ist ja im Moment hochaktuell. Insofern denke auch ich darüber wieder nach (ich bin Jahrgang 1956). Schläge oder im Keller eingesperrt werden usw. gehörte früher "einfach" dazu. Es (...) >>>
D#i(eJ_WIolke am 12.03.10 09:52
12.03.10 10:42
Das Gefühl hatte und habe ich auch: Dass die Weltkriege auf uns weiter Einfluss haben. Das hat die Menschen sehr brutalisiert, vor allem die Männer, das kann ja fast gar nicht anders sein. Und dann war da noch die spezielle Erziehung im 3.Reich.
Die ganzen psychischen Schäden, die unsere Vorfahren erlitten haben, wurden uns sozusagen "vererbt". Bei sämtlichen Familienfesten war der Krieg früher das Thema. Und alle, Frauen wie Männer, hatten psychische Probleme.
Und in meiner Kindheit war der Krieg auch noch sichtbar. Es gab noch viele Bombenkrater und Ruinen und viele versehrte Männer waren zu sehen.
LG
12.03.10 10:42
die, die gewalt in der familie und schule erlebt haben, denkt ihr oft darüber nach? meine mutter hat bis heute noch ab und zu albträume davon. kennt das jemand von euch? wenn ja, wie oder mit was helft ihr euch dabei? würde mich mal nebensächlich interessiern. lg
Ja!
Ich mache seit 4 J. eine Therapie, da all diese schlimmen Dinge ( die ich Jahrzehnte verdrängt hatte )irgendwann an die Oberfäche kommen. Und es geht da ja auch nicht nur um die Erinnerungen - es sind viel mehr die Auswirkungen - seine Gefühle nicht zeigen zu können oder einfach ganz abzuspalten, sich absolut minderwertig zu fühlen .... und und und ...
12.03.10 10:50
Die_Wolke
Das Gefühl hatte und habe ich auch: Dass die Weltkriege auf uns weiter Einfluss haben. Das hat die Menschen sehr brutalisiert, vor allem die Männer, das kann ja fast gar nicht anders sein. Und dann war da noch die spezielle Erziehung im 3.Reich.
Der Gedankengang führt in die falsche Richtung. Die Weltkriege hatten auf die Erziehungsmethoden keinen Einfluss. Die waren vor den Kriegen auch nicht anders, vielleicht sogar noch schlimmer. Und das 3. Reich hat erst recht nichts damit zu tun. In anderen Ländern wurde damals genauso geprügelt, ohne dass die einen Hitler hatten. Zum Teil wurde dort noch länger geprügelt als hier. Deutschland schaffte die Prügelstrafe lange vor GB ab. In einigen Staaten der USA soll sogar heute noch körperliche Züchtigung an Schulen erlaubt sein, wie ich kürzlich las.
12.03.10 10:58
die, die gewalt in der familie und schule erlebt haben, denkt ihr oft darüber nach?
Ja, hin und wieder denke ich darüber nach. Vor allem darüber, welchen Einfluss das noch heute auf mich/mein Leben hat.
Mit dem Thema Selbstbewusstsein habe ich große Probleme. Ich muss in einer Sache schon fast perfekt sein, ehe ich sowas wie Stolz auf mich selbst empfinden kann. Ich habe Kritik sehr verinnerlicht.
Manche Situationen können alte Ängste auslösen, wenn ein Mann z.B. aufbrausend wird. Zum Glück gibt es solche Menschen in meinem Umfeld nicht.
Ich habe allerdings durch bestimmte Therapien die schlimmsten Sachen aufgearbeitet. Trotzdem ist es Teil meiner Biografie und Grund für manche Schwierigkeiten, die ich bis heute habe. Man kann das nicht mehr rückgängig machen. Man kann vergeben, aber nicht vergessen.
LG
12.03.10 11:01
Ich bin von Jahrgang 1959.
In der Grundschule gab es durchaus noch körperliche Gewalt durch Lehrer.
Wer mir allerdings besonders in Erinnerung geblieben ist, war unser Pastor, der selbstverständlich auch für den Religionsunterricht zuständig war.
Ich habe es schon als Grundschüler merkwürdig gefunden, dass jemand etwas von Vergebung und Nächstenliebe etc. erzählt und gleichzeitig Ohrfeigen verteilt.
Auch Gartenarbeiten beim Pastor zu Hause als Strafarbeit waren an der Tagesordnung.
Da dieser Mann die Respektperson überhaupt war und auch über dem Gesetz stand, wurde nur hinter vorgehaltener Hand darüber geredet.
In der weiterführenden Schule kann ich mich noch gut an einen, dem Körperkult verfallenen, Sportlehrer erinnern.
Jeder der ihm an Intelligenz überlagen war (wo nicht viel zu gehörte
), wurde vor den anderen auf das Übelste von ihm niedergemacht.
Dieses Bloßstellen war noch viel Schlimmer, wie die auch gern verteilten und schmerzhaften Begegnungen mit dem Lederball als Wurfgeschoss.
Gott sei Dank bin ich mit meinen drei Geschwistern in einem wohlbehüteten Elternhaus (plus Oma und Opa im Haushalt) aufgewachsen, in dem jegliche körperliche Gewalt verpönt war.
Ich kann mich nur an eine einzige Ohrfeige für meine kleine Schwester erinnern.
Diese war damals 13 oder 14 und meinte sie müsste meine Eltern bis aufs äusserste provozieren.
Meinem Vater hat diese eine einzige verteilte Ohrfeige sofort danach unendlich Leid getan.
Ich habe meine eigenen Kinder nie geschlagen, aber ich weiß nicht, wie ich in der gleichen Situation wie mein Vater gehandelt hätte. 
Auf jedenfall sind mir seit meiner Jugend Lehrer und Geistliche nicht mehr geheuer.
12.03.10 11:07
an Timbatuku:
Ich habe das jetzt von meinem Standpunkt als Kind gesehen. Wie das in anderen Ländern war und ist, wusste ich seinerzeit nicht.
Wenn es woanders auch schlimm zugeht, macht das die Demütigungen ja nicht kleiner. Es bringt einen ja nicht weiter, das jetzt gegeneinander aufzurechnen.
LG
12.03.10 11:12
Ich bin Jahrgang 1970 und habe durchaus noch körperliche Züchtigung von meinem Vater erfahren. Ich wurde zwar niemals misshandelt oder verletzt, sondern es blieb bei einer Ohrfeige oder ein paar Schläge auf den Hintern. Trotzdem habe ich es als demütigend und erniedrigend empfunden. Ich hatte auch immer Angst vor körperlicher Züchtigung, wenn ich etwas angestellt habe.
Ich Jahrgang 1990 habe das auch von meiner Mutter erlebt....
Und habe beschlossen das ich das meinen Kindern nie antun werde.
Ich hab schon geheult bei einer Note "Gut" in der Schule und keiner hats verstanden....
weil ich wusste das meine Mutter ausrasten wird... 
Ich glaube es hat nichts mit dem Jahrgang zu tun sonder mit den Einstellungen der Eltern.... 
12.03.10 11:13
Die_Wolke
Es bringt einen ja nicht weiter, das jetzt gegeneinander aufzurechnen.
Wenn du DAS aus meinem Beitrag rausgelesen hast, dann hast du kein Wort davon verstanden.
12.03.10 11:15
Körperliche Gewalt - besonders in Schulen - war auch in den 60er-Jahren schon lange nicht mehr "an der Tagesordnung". Ich will nicht bestreiten, dass sie noch deutlich weiter verbreitet war als heute, aber sie war auch schon nicht mehr die Regel. In den Schulen, die meine Eltern besucht haben, wurde bspw. nicht geschlagen.
Auch zu Hause wurde meinen Eltern keine körperliche Gewalt angetan. Mein Vater litt in seiner Kindheit unter einer Problematik, die eher für unsere heutige Zeit "typisch" ist, und zwar unter Vernachlässigung, emotionaler Kälte. Seine Brüder und er waren schon extrem früh auf sich allein gestellt. Meine Mutter hat wohl ein einziges Mal eine schallende Ohrfeige von meinem Opa bekommen. - Und sagt heute noch, dass die "mehr als verdient" war, weil sie (damals bereits 15 Jahre alt) es wohl massiv darauf angelegt hatte. Schön oder gerechtfertigt muss man das zwar dennoch nicht finden, aber wenn selbst sie es so sagt, habe ich dennoch Verständnis dafür... Ich weiß ja auch, wie sie sein kann, wenn sie jemanden aufs Äußerste reizen will. ![]:D ]:D](http://1.med1.biz/l/s37.gif)
Ich bin von 1991 bis 2004 zur Schule gegangen. Natürlich ging es dort größtenteils "anständig" zu, aber auch wir hatten Lehrkräfte, die sich hin und wieder nicht im Griff hatten. Ich erinnere mich an eine Schlüsselbund und Klassenbuch schmeißende Kunstlehrerin, eine Französischlehrerin, die regelmäßig Schüler am Oberarm packte (sehr fest, sodass Hämatome entstanden) und sie vor die Klassentür zerrte, eine Englischlehrerin, die zwar niemanden anfasste, aber grob beleidigend und ausfallend wurde, einen Sportlehrer, der die übergwichtigen und/oder unsportlichen Schüler mit schöner Regelmäßigkeit vor der ganzen Klasse bloß stellte und demütigte, und noch viele andere sonderbare Gestalten. Beschwerden der Schüler oder aber der Eltern beim Schulleiter waren sinnlos. Der hielt seine Hand stets schützend über die Lehrkräfte. Er sagte dann Sachen sagte wie: "Ach, Frau XY geht doch sowieso bald in den Ruhestand." oder "Das Schuljahr ist doch fast zu Ende. Danach bekommen die Kinder doch sowieso neue Lehrer." 
12.03.10 11:16
Auf jedenfall sind mir seit meiner Jugend Lehrer und Geistliche nicht mehr geheuer.
Um ehrlich zu sein, waren sie mir in meiner Jugend trotz ihrer Nachkriegs-Erziehungsmethoden nicht so suspekt wie später, als ich als Erwachsener viel besser begriff, wie Lehrer ticken.

12.03.10 11:24
wie Lehrer ticken.
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wenn du "manche" einfügen könntest, würde ich dir zustimmen 
12.03.10 11:34
In der 8.Klasse (dürfte so um 1972 gewesen sein) wurde tatsächlich ein Lehrer ausgemustert (in den vorzeitigen Ruhestand).
Er hatte zum wiederholten mal den Schülern beim Verteilen von Ohrfeigen die Brille beschädigt.
Erst nach wiederholtem Protest von Eltern und den sich anhäufenden Schadenersatzforderungen wurde die Schulleitung tätig.
Die psychischen Demütigungen durch Lehrkräfte gibt es glaube ich auch heute noch, und es ist leider kaum möglich sich dagegen zu wehren.
12.03.10 11:41
In der 8.Klasse (dürfte so um 1972 gewesen sein) wurde tatsächlich ein Lehrer ausgemustert (in den vorzeitigen Ruhestand).
Er hatte zum wiederholten mal den Schülern beim Verteilen von Ohrfeigen die Brille beschädigt.
Sachbeschädigung geht ja auch gar nicht. 
12.03.10 11:49
Eine (allerdings schon etwa 10 Jahre alte) Studie ergab sogar, dass 84% derjenigen, die früher geschlagen wurden, behaupten, es habe ihnen nicht geschadet.
Kein Wunder, dass sie dann die gleichen "Strafen" einführen...
Ich bin Jg. 1973, und auch ich habe von meinem Vater reichlich Dresche bekommen - dieser Vollidiot konnte seine wirren Ansichten von Pädagogik wirklich nur mit seinem Latschen durchsetzen. Dennoch käme ich heute nicht auf die Idee, das meinen Kindern auch anzutun, ich bin absolut friedlich. Geschadet haben mir die Schläge nicht, aus mir ist schon etwas geworden, aber ich denke nicht, daß es hier eine Korrelation oder gar eine Kausalität gibt. Aber mein lieber Vater ist ganz schön gestraft, denke ich: weder ich, noch mein Bruder lassen sich bei ihm blicken - seit 15 Jahren. Und das ist gut so.
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