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Wann ist eine Wandfarbe "extrem"?

SjunzflEowe$r_73 hat die Diskussion gestartet


Achtung: KEINE Rechtsberatung erbeten!

Wir ziehen bald um und unser toller Vermieter bestand heute auf einer Vorbesichtigung. Um uns mitzuteilen, was wir vor Auszug alles noch zu tun und wie wir die Wohnung zu übergeben hätten. Nach schriftlicher Kündigung war uns umgehend ein 4seitiges Dokument zugegangen bzgl. Wohnungszustand. Inklusive Anleitung, wie man Kalkränder im Bad zu entfernen hätte.

Klingt erstmal lustig, ist es nicht. Wir haben die Wohnung saniert und "tapezierfähig verputzt" übernommen, mit "frisch lackierten Türzargen". Letztlich war das alles Pfusch hoch zehn. Der Putz (hauchdünn) war auf bis zu 6 Schichten Tapete (der letzten 40 Jahre halt) aufgebracht und platzte ab, sobald man strich oder tapezierte. Auf frisch gestrichenen Wänden schlugen plötzlich orangefarbige "Batikmuster" durch. Türzargen blätterten ab, sobald man feucht drüberwischte (wir haben bis auf eine alle neu lackiert). Die Deckenfarbe blättert ständig ab. Im Wohnzimmer kam merhfach der Putz herunter (DIN A4-große Platten!). Der Vermieter warf uns immer nur fehlerhaftes Vorgehen vor; im Fall der Wohnzimmerdecke bezahlte er einen Maler, der nach einer Woche das Handtuch warf, weil es immer schlimmer wurde. Wir haben es dann selber irgendwie hinbekommen.

Das zum Hintergrund. Ich schweife ab.

Wir haben die Wohnung seit August 2014; das ergänzend.

Nun war die Vorbesichtigung. Wir haben überall helle Wände. Bis auf eine graue Wand im Wohnzimmer (da, wo es orange durchschlägt, trotz Absperrfarbe für 200€). In der Küche ein zartes beige-grau. Im Schlafzimmer eine dunkelgrüne Wand (Farbton "Bamboo" von Schöner wohnen).

Und wie zu erwarten nach der "netten" Voraufklärung: Die Wandfarben passen dem Vermieter nicht. Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer: Alles soll weiß. Also nochmal Geld investieren, obwohl wir auch keine weßen Wände vorgefunden haben. Wändestreichen wird bedeuten, dass wir den Dominoeffekt aus abplatzendem Zargenlack und Deckenfarbe (wenn wir mit Malerkrepp abkleben) riskieren

Ich habe im Internet nun folgendes Urteil gefunden:

Den Klägern konnte durch allgemeine Geschäftsbedingungen auch nicht rechtswirksam aufgegeben werden, alle Räume bei Mietende weiß gestrichen zurückzugeben. Die dekorative, insbesondere farbliche Gestaltung der Mieträume ist - jedenfalls wenn der Mieter die Schönheitsreparaturen übernommen hat - Sache des Mieters (vgl. z.B. Sternel, Mietrecht, 3. Aufl. II 410 m.w.N.). Der Mieter braucht bei Rückgabe der Mietsache diese auch nicht schon deswegen nach dem Farbwunsch des Vermieters umzustreichen, weil diesem die Farbgestaltung nicht zusagt. Etwas anderes gilt nur in extremen Fällen der Farbgestaltung (so z.B. Sternel a.a.O. II 410). Eine hellblau marmorierte Flurtapete aber ist nach der Meinung der Kammer keine exzentrische Farbgestaltung, wie die Beklagte meint. Ein Extremfall liegt hier nicht vor.

LG Lübeck, Urteil vom 21.11.2000 - 14 S 221/00

Daher meine Frage:

Was ist eine EXZENTRISCHE Farbgestaltung ??? Grau, ganz helles grau-beige und ein grün? Wenn das Gericht hellblau-marmoriert nicht mal als exzentrisch einstuft?

Wer entscheidet darüber, ob unsere Farben exzentrisch sind?

Meni Anwalt ist leider im Urlaub, so dass wir erst in 14 Tagen fragen können. Ich wünsche auch keine Rechtsberatung, sondern einfach Erfahrungwerte, wer welche Farbe als exzentrisch einstufen darf. Danke!

Im Internet habe ich bzgl. Farbgestaltung ein Urteil gefunden, nachdem "

Antworten
W8aterMli2


Ich glaube, wenn man eine Wohnung unrenoviert übernommen hat, muss man gar nichts weiß gestrichen übergeben. Höchstens muss man die Tapete die man geklebt und bemalt hat wieder abreißen und das wars. Unrenoviert die Wohnung abgeben halt. So lassen wie es ist und der Vermieter oder Nachmieter muss komplett neu renovieren sollte auch gehen. Jedenfalls musst du vor Auszug nicht neu renovieren, denn du hast beim Einzug schon komplett renovieren müssen. Und die üblichen Fristen für Schönheitsreparaturen (sofern die überhaupt gelten) werden in 2 Jahren auch nicht überschritten.

brl\u]caxpart


Habt ihr ein Protokoll von der damaligen Wohnungsübergabe oder etwas im Vertrag, das den Zustand der Wände beschreibt? Dann müsst ihr gar nichts machen. Ansonsten müsst ihr alles was mehr weiß als bunt ist (beige, hellgrau) sicher nicht streichen, weil nur "neutrale Farben" verlangt werden dürfen.

Habt ihr wenigstens Fotos vom Anfangszustand und von den Renovierunsarbeiten? Ansonsten: Zumindest schonmal Fotos machen, wo man das schicke Batikmuster durchsieht...

Wegen den Farben: Das bamboo solltet ihr also im Zweifelsfall hell überstreichen, das grau würde ich lassen, sofern es nicht mehr schwarz als weiß ist.

Soviel Arbeit reingesteckt, um nach 2 Jahren wieder auszuziehen ist eh super doof :(

Ich hab dem letzten Vermieter auf Nachfrage bei sowas ähnlichem gesagt "Dann ziehen Sie die Behebung bitte von der Kaution ab und schicken Sie mir ein Schreiben mit der entsprechenden Begründung". Kaution kam 2 Tage später vollständig an. Heißt also: Er wusste genau, dass er Unrecht hat, hat aber einfach mal geschaut, was bei uns noch zu holen ist.

Ich glaube, Vermieter sind häufig einfach nur angepisst, wenn die Mieter wechseln, weil das Aufwand bedeutet.

S?un$flow"er_73


Wir haben das harmlose Protokoll - und unendliche Mails mit Fotos, die all die vielen Probleme dokumentieren... Uns hat das "Tapezieren" der tapezierfähigen Wände rd. 4.500€ gekostet (inkl. der Deckenprobleme und und und). Das ist alles für die Ewigkeit festgehalten; der Vermieter (private Verwaltung) hat es nur ausgesessen.

Klar ist der Auszug jetzt superdoof und es tut weh und frustriert - aber die beruflichen Chancen sind so genial, dass man es halt auf sich nimmt.

@ blucapart:

So was in der Art hatte ich mir auch überlegt... Ich warte jetzt erstmal auf Rückmeldung, nachdem heute Fotos gemacht wurden von Hausmeister und Mitarbeiterin. Wenn dann wirklich alles gestrichen werden soll, werde ich das Bamboo-Grün wohl pinseln und den Rest aussitzen.

Aber nochmal:

Wer entscheidet, was eine "exzentrische" Wandfarbe ist? Wir? Der Vermieter? Im Zweifel das Gericht? Gibt es rigendwo Farbtabellen o.ä., die man für eine Einschätzung heranziehen kann?

Xbirabin


Für mich ist das alles, was nicht neutral ist.

Neutral sind die Töne: beige, hellgrau, verschiedene Weißtöne, eierschalengelb

(zumindest meine Meinung)

Extrem finde ich starke Grün, Rot, Gelb, Pink und Blautöne.

Solche Sachen die man mindestens 2 mal überstreichen muss.

Aber wie gesagt ist das meine persönliche Meinung, vom Recht hab ich da keine Ahnung.

S:unfl(oweSr!_x73


Im zitierten Urteil wurde eine blau-weiß marmorierte Tapete als "nicht exzentrisch" eingestuft... Für mich wäre das das Grauen pur!

Aber da Geschmäcker zu verschieden sind, muss es doch irgendwo klare Festlegungen geben. Oder so. *seufz*

Z&itroZne>86


Mieterschutzbund. Die Anwälte dort regeln das!

Würde mich auf gar keinen weiteren Schriftverkehr mit dem Vermieter mehr einlassen. Der hat wohl den Schuss nicht mehr gehört :-o

E%heMmaligxer Nutzexr (#502q711x)


Nicht jeder Mietvertrag enthält eine Regelung dazu, in welchem farblichen Zustand die Mietsache zurückzugeben ist. Wer nun denkt, er sei als Mieter in dieser Hinsicht keinerlei Einschränkungen unterworfen, hat sich jedoch getäuscht. Der BGH hat nämlich mit Urteil vom 06.11.2013 – VIII ZR 416/12- entschieden, dass der Mieter auch ohne ausdrückliche Vereinbarung im Mietvertrag verpflichtet ist, die Mietsache am Ende des Mietverhältnisses in einem Dekorationszustand zurückzugeben, der dem Geschmack eines größeren Interessentenkreises entspricht und somit einer baldigen Weitervermietung nicht entgegensteht. Dies folge- so das Gericht- aus einer dem Mieter obliegenden Pflicht zur Rücksichtnahme dem Vermieter gegenüber, die sich aus §§ 241 Abs.2, 242 BGB ergebe.

Auch das KG Berlin hat mit Teilurteil vom 09. 06. 2005 – 8 U 211/04- entschieden, dass der Vermieter kräftige Farbtöne wie rot, blau und (moos-) grün ebenso wenig hinnehmen muss wie gelb gestrichene und großflächig mit einem zweifarbig braunen Muster versehene Wände. Zulässig sind nach Auffassung des Gerichts hingegen Pastellfarben, wozu auch eine hellblaue Farbe noch gerechnet werden kann.

[[http://www.mietrecht.org/schoenheitsreparaturen/schoenheitsreparaturen-farben/ Quelle]]

Ich würde sagen: Die hellen Farben sind hinzunehmen, das dunkle Grün wohl nicht.

Allerdings würde ich bei dem Vogel von Vermieter definitiv einen Anwalt hinzu ziehen. Denn ich glaube dass ihr allein durch eure umfassenden Renovierungsarbeiten mehr als ein Argument habt um dem Kerl eins rein zu würgen.

Ezhemali9ger NLuktzer2 (#502x711)


Und wie ich all diesen Urteilen entnehme geht es um den Zustand vorher. Dieser scheint ja katastrophal gewesen zu sein wie ich das lese. Ihr könntet ja die Bruchbude wieder herstellen die ihr vorher hattet ;-D

Efhe}malige@r N9utzer (#o502711x)


Beim Auszug des Mieters sind also anderen Maßstäbe anzusetzen als während der Mietzeit. Der Anstrich bei Auszug muss nicht nur die Weitervermietung ermöglichen, er muss auch ein gewisses Mindestmaß an Professionalität aufweisen. Ein ungleichmäßiger, fleckiger oder mit Tropfen behafteter Anstrich muss nicht hingenommen werden. Die Farbe muss handelsüblich, für den Verwendungszweck zugelassen und für die Oberfläche geeignet sein. In diesem Zusammenhang muss der Vermieter dann auch keine extremen Farbtöne hinnehmen, die die Grenzen des normalen Geschmacks überschreiten. Die farbliche Gestaltung der Räume muss der Mieter somit so auswählen, dass sie für einen möglichst großen Mietinteressentenkreis akzeptabel ist, d.h. es sind helle und dezente Anstriche bzw. Tapeten zu verwenden. Akzeptabel ist in jedem Fall weiß und grau.Nicht akzeptabel ist nach der Rechtsprechung z.B. grün, rot, blau (AG Burgwedel, 30.9.2005 - Az: 73 C 123/05), roter Volltonanstrich im Schlafzimmer (LG Frankfurt/M., 31.7.2007 - Az: 2-11 S 125/06), Türen oder Heizungsrohre in violett oder türkis (AG Landshut, 20.9.2007 - Az: 3 C 1594/07), kräftige Rot-, Orange- und Gelb-Töne, teilweise kombiniert mit blau-grüner Farbe (AG Schöneberg, 24.9.2008 - Az: 103 C 30/08) oder terracottafarben (AG Schöneberg, 6.9.2007 - Az: 106 C 332/06).

[[http://www.anwaltonline.com/tips/wandfarbe.html Quelle]]

Hier noch einmal ein paar Urteile.

C/leo5 Ed9wards5 v.B Davo,npoxort


[[http://www.mietrecht.org/schoenheitsreparaturen/schoenheitsreparaturen-farben/]]

Hier schon mal gelesen?

Übrigens, das steht da auch irgendwo, selbstverständlich musst du nicht in weiß die Wohnung zurückgeben, den Wunsch kann er sich ganz dezent in der Pfanne braten. Aber du hast ja selbst geschrieben dass du weißt dass die Wohnung nicht weiß sein muss.

Wir? Der Vermieter? Im Zweifel das Gericht? Gibt es rigendwo Farbtabellen o.ä., die man für eine Einschätzung heranziehen kann?

Kann man bis zum Gericht hochstreiten.

Im Prinzip hilft da aber schon eine Eigeneinschätzung und wie die allgemeine Einrichtung mit der Wandfarbe kollidiert. Wenn man sie akzeptieren kann ohne Augenkrebs zu kriegen geht es, wenn es eine Karambolage ist dann eher weniger. Es würde mich nicht wundern wenn jene kräftigen Farben die in den letzten Jahren modern waren (eine kräftige Wandfarbe ist ja heutzutage wirklich nichts ungewöhnliches) mittlerweile eine Akzeptanz bei einem Gerichtsurteil finden dürften, das aber nur als meine persönliche Meinung.

Kannst ja mal kurz beim Mieterschutzbund vorbeischauen. ":/

C^leo EldwardMs v. Da6vonpxoort


Und das passiert wenn man währenddessen zu lange in den Fernseher glotzt. |-o Den Link schrieb schon jemand, egal, doppelt hält besser. Meistens. Wenn es nicht gerade die Wandfarbe ist die vorher x-fach überstrichen wurde, dann gibt es beim zweiten Anstrich evtl. Gebröckel.

Svunf~lower_x73


@ RightNow:

Danke! Das bringt doch schon mal etwas Klarheit.

Mieterschutzbund geht nicht; wir sind nicht Mitglied. Aber ich habe aktuell 2 Rechtschutzversicherungen und der Mann einer Freundin ist Fachanwalt für Mietrecht. ]:D

Ehrlich gesagt würde ich lieber dan Vorher-Zustand herstellen, als erneut zu streichen. Wir hatten übrigens schon Besichtigungen und 4 von 5 fanden die Farben "super" und "übernehmem wir sofort, da ja auch nirgendwo Bohrlöcher sind". Plus "Könnt ihr die Farben aufschreiben, damit wir ggf. einfach ausbessern können?".

Nach Vermietungshindernis klingt das nicht. Tja...

L2olpaX5


Heizungsrohre in violett oder türkis

Ich habe zwar keine Heizungsrohre, aber das stelle ich mir originell und schön vor. ;-D :-)

Eventuell hat sich in der Einstellung zu Wandfarben auch etwas getan, das ggf. auch juristisch zu Buche schlägt. ":/ Einzelne Wände in kräftigen Farben sind doch heute an sich sehr en vogue. Vielleicht ist heute auch eine kräftig grüne Wand im Rahmen. Kann ja wirklich sein, dass das dem Nachmieter super gut gefällt. Dann hätte man gestrichen, um einen Zustand herzustellen, der ev. weniger gut ankommt als der Status quo. :-/

Pby#thonrist


Das harte Programm geht sicherlich über Baugutachter und Anwälte. Und ewig Streiterei über Details und Vergleichsurteile. Die Stimmung scheint eh vergiftet zwischen euch als Mieter und dem Vermieter. Vielleicht geht's dann nicht mehr anders.

Mein Tipp wäre aber: relaxed bleiben, versuchen, die Nachmieter einzubeziehen (wenn man da irgendwie den Kontakt bekommt), dass diese die Farben akzeptieren und als die Wohnung aufwertendes Element sehen, dann das kommt dem Vermieter sogar zu gute. Denn wenn die Nachmieter zufrieden sind, sollte es der Vermieter auch sein. Ob dieser aber von seiner sturen 4-seitigen Checkliste wegkommt, steht auf einem anderen Blatt. Prinzipienreiter schaffen das nicht.

Für euch für die nächste Wohnung: Pfusch am Bau vorher besser begutachten. Nicht erst, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist. Dann ist die Position eh schwach. Aso besser: Wohnungen mit unklarer Substanz gar nicht erst mieten. :-) Wenn's so einfach wäre.

Zu deiner Frage: als exzentrische Farbgestaltung empfinde ich z.B. psychedelische Muster, starke Kontraste in der Farbwahl (blau und gelb, rot und grün, schwarz und weiß), sehr individuelle Motive (Logos, Figuren, Texte, Grafiken). Also wirklich krasse Sachen, die allgemein unzumutbar scheinen. Alles, was man z.B. in einem modernen Hotel oder einer Pension finden würde, sehe ich als schon nicht mehr exzentrisch. Denn es muss ja einen gewissen Massengeschmack bedienen.

Der Duden sagt "auf überspannte, übertriebene Weise ungewöhnlich, vom Üblichen abweichend". Und "das Übliche" kann ja nicht nur Alpina-weiß auf Raufaser sein. :-)

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