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Abschaffung von Schulnoten, was denkt ihr?

Clodm)raxn


Einstellungsgespräche, die sich an Noten orientieren wären ohnehin stark überdenkenswert. Einstellungstests hielte ich für angebrachter.

Wer in seiner schulischen Laufbahn durch die Bank bei Leistungsnachweisen schwach abschneidet, warum sollte er dann ausgerechnet einen Einstellungstest bestehen?

Natürlich sind Noten nicht alles, aber ich finde es durchaus legitim, dass jemand mit nur ausreichenden Leistungen in Mathe und Physik nun mal kein E-Technik-Studium anfangen soll. Und wer in Deutsch nur ausreichend ist, kann zwar ein prima Typ sein und vielleicht ein toller Software-Entwickler, aber ich würde ihn nicht für die Unternehmenskommunikation einstellen.

Ich kann mich noch doll daran erinnern, wie 1988 bei meinem Vorstellungsgespräch die damalige Ausbilderin sich das Zeugnis krallte und fragte: Wie ist er denn in Mathe? Meine 14 Punkte in Musik waren für sie irrelevant, genauso wie meine 6 Punkte in Gemeinschaftskunde.

Sagen wir es mal so: wenn jemand ein Noten-Überflieger ist und seine Bewerbung gut präsentiert, hat er gute Chancen auf ein Vorstellungsgespräch. Wenn er sich aber im Vorstellungsgespräch charakterlich als ungeeignet erweist, helfen ihm die besten Noten nicht. Wer miese Noten hat und sich auf eine anspruchsvolle Stelle hinbewirbt, bei dem sei es gestattet, dass man da mit Vorsicht herangeht. Das mag im Einzelfall ungerecht sein, ist aber bei einem Bewerber-Überschuss die einzige praktische Lösung. Prosa würde seine Chancen auch nicht erhöhen, die kann man genauso missverstehen oder man schreibt wie bei Arbeitszeugnissen eben einen relativ "offenen" Code. Es erhöht nicht die Gerechtigkeit seitens des Lehrers. Ich finde sogar, dass Prosa-Beurteilungen noch mehr Raum für Gemeinheiten bietet, wenn der Lehrer einen nicht abkann.

R2abiattor


Natürlich gibt es andere Auswahlmöglichkeiten. Keine Frage.

Ich werde das Gefühl nicht los, das die Schüler die am unteren Leistungsstand sind, einfach etwas angehoben werden sollen.

Statt einer einfachen 5 im Zeugnis steht dann dort etwas von "bemühte sich, erzielte kleine Erfolge in unwichtigen Dingen, hat mündlich mitgearbeitet etc."

Das ändert doch nichts daran das der Schüler es einfach nicht kann. Statt einer Ziffer ein Text. So kann man auch 5er & 6er verschwinden lassen.

sNen!sibellmanxn99


Statt einer einfachen 5 im Zeugnis steht dann dort etwas von "bemühte sich, erzielte kleine Erfolge in unwichtigen Dingen, hat mündlich mitgearbeitet etc."

Eine Bewertung in Textform sollte den Leistungsstand konkreter darstellen aber nicht beschönigen. Wenn der Leistungsstand dadurch verwischt wird und nicht real wiedergegeben wird, dann kann man sich das in der Tat schenken.

Wer in seiner schulischen Laufbahn durch die Bank bei Leistungsnachweisen schwach abschneidet,

Der wird auch bei einem Einstellungstest in der Tat nicht besser. Aber ich fange nicht bei Extrembeispielen an- die sind eher Ausnahmen als die Regel.

iPstdochdMistsxowas


Eine Bewertung in Textform sollte den Leistungsstand konkreter darstellen aber nicht beschönigen. Wenn der Leistungsstand dadurch verwischt wird und nicht real wiedergegeben wird, dann kann man sich das in der Tat schenken.

Genau dass wird aber passieren und ja, darum kann man sich das schenken. Das ist doch ein Vorschlag aus einer perfekten Scheinwelt, wo schwadroniert wird wie es sein sollte, aber dem wie es ist, zu wenig rechnung getragen wird. Lehrer sind keine Maschinen, die objektive, ausformulierte Bewertungen abgeben, sondern reagieren selbst emotional. Wie lange wird es dauern so eine Bewertung zu schreiben? Was wenn der Lehrer einfach mal keine Lust hat und nur irgendwas dahinschustert? Oder meinst du Lehrer finden Ihre Erfüllung im ausformulieren von Bewertungen? Wir sollten da realistisch bleiben.

s'ensiBbelsmann99


Genau dass wird aber passieren und ja

Vielleicht war meine Glaskugel defekt.

Warum sollte das passieren.

Das ist doch ein Vorschlag aus einer perfekten Scheinwelt

Aha, dann stammt meine Tochter aus einer Scheinwelt. Bei ihren Leistungsberichten war nichts beschönigt (was im Übrigen mit Noten genauso funktioniert)

Oder meinst du Lehrer finden Ihre Erfüllung im ausformulieren von Bewertungen?

Wenn sie dafür an anderen Stellen weniger tun müssen, ja.

s<ens.ib/elmuannx99


Ich halte übrigens Eltern-Lehrer-Schüler Gespräche für wesentlich sinnvoller, wenn es um die konkrete Darstellung der Leistungsentwicklung/des Leistungsstandes geht, als irgendwelches Gebrabbel oder wenig aussagende Noten.

wPhatjatragxedy


Ich halte übrigens Eltern-Lehrer-Schüler Gespräche für wesentlich sinnvoller, wenn es um die konkrete Darstellung der Leistungsentwicklung/des Leistungsstandes geht, als irgendwelches Gebrabbel oder wenig aussagende Noten.

Seh ich zwar auch so, aber natürlich kommen zu solchen Gesprächen immer die nicht, wo es am Wichtigsten wäre. Und der Mehraufwand ist für die Lehrerseite auch sehr bescheiden, da er ja durch nichts ausgeglichen wird.

Die Hinwendung zu Berichtszeugnissen dient wohl ansonsten primär der Vereinheitlich von Leistung. Man versucht von staatlicher Seite alles eine relativ einheitliche "Masse" aus Arbeitern zu produzieren. Denen fehlen dann mangels möglicher Besonderheiten die Argumente bei den Gehaltsverhandlungen, was die Firmen freut.

Ich bin mal auf die statistischen Tricks gespannt, die kaschieren sollen, dass die Reallöhne nach der Babyboomerverrentung massiv abstürzen.

suensi*belm*anxn99


aber natürlich kommen zu solchen Gesprächen immer die nicht, wo es am Wichtigsten wäre. Und der Mehraufwand ist für die Lehrerseite auch sehr bescheiden, da er ja durch nichts ausgeglichen wird.

Bei der Klasse meiner Tochter kamen alle Eltern- immerhin gab es zum Halbjjahr keine Zeugnisse ...

Die Darstellung des konkreten Leistungsstandes hat eine andere Qualität und ist daher auch für die Eltern wesentlich interessanter als eine Zahl.

w0hataptr7agexdy


Bei der Klasse meiner Tochter kamen alle Eltern- immerhin gab es zum Halbjjahr keine Zeugnisse ...

Bessere, urbane Gegend?

Bei meiner Schwester sind 60% eine gute Quote. Selbst die Gespräche zur Schulempfehlung in der Grundschule werden reihenweise geschwänzt.

s;ensi^belmaxnn99


Bessere, urbane Gegend?

Die Schule eher nicht.

KIlaXudxe


Schwierig.

Die Zulassung an der nächsthöheren Institution kann dann nicht mehr erfolgen. Und keiner müsste mehr die Schule besuchen

s(ens#ibelxmann99


Nochmal [[http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2014-02/schulnoten-bildung-leistungsbeurteilung/seite-2 zum Nachdenken]]

wShatatYraDgedy


Finnland ist bekannt für seine autoritären Schulen und extreme Stränge.

Keine Ahnung, ob das als Vorbild taugt. ;-)

[[https://www.welt.de/politik/deutschland/article143637971/Finnlands-Pisa-Wunder-entpuppt-sich-als-Irrtum.html]]

wIhatuatr&ag edy


*Strenge...

W=aterlvi2


Also irgendeine Form von Leistungsbewertung brauchen wir definitiv, einfach weil sonst keine Leistung mehr erbracht wird. Warum auch... also Fehlverhalten, nicht aufpassen, nicht zur Schule kommen muss alles irgendwie bestraft werden. Sonst ist es nicht durchsetzbar, dass Schüler das alles zur Zufriedenheit tun. Da muss man nur mal an sich selbst denken: wenn ich nicht Gefahr laufe, gekündigt zu werden, wenn ich zu spät komme, erscheine ich auch nicht pünktlich auf Arbeit. Mir doch egal. Und wenn meine Arbeit nicht mit Gehalt honoriert würde, würde ich auch nicht hingehen. ;-)

Ich merke es massiv, dass 2. Klässler nur Mist machen im Unterricht, weil man einfach nicht Noten geben kann. Und auch als Vertretungslehrkraft erlebt man das: die 4. Klässler sind bei mir halt nicht so brav wie bei der Klassenlehrerin, weil sie genau wissen, dass ich keine Noten geben kann. ;-) Auf lange Sicht kann ich natürlich was zu den Schülern sagen und auch mit Einfluss nehmen bei der Bewertung, aber die Schüler spüren es nicht so "direkt" und deshalb verhalten sie sich bei mir kurzfristig... nun ja... "freier" nach Schnauze... :=o

Ich finde es auch fraglich, ob Noten wirklich nicht objektiv sind. Was im Leben ist schon überhaupt objektiv? Und es ist schon so, dass Noten jetzt auch nicht völlig willkürlich sind. Wir bemühen uns schon um Objektivität. Da ist aber von außen auch schwierig zu beurteilen, weder als Schüler noch als Eltern kriegt man so viel davon mit, wieviel Vorbereitung in einer Klassenarbeit steckt. Ich kopier halt nicht nur die Aufgaben aufs Blatt, sondern denke auch intensiv drüber nach, wie ich die Aufgaben formuliere, plane vorher intensiv den Unterricht, den die Schüler brauchen, um die Aufgaben optimal lösen zu können und ich schreibe auch VORHER sehr ausführlich die Ergebnisse auf, die ich erwarte. Und bin beim korrigieren sehr flexibel in der Auslegung (die Schüler schreiben nämlich auch viele Dinge, die gut sind, an die ich aber selbst bisher nichtmal gedacht habe... die ich dann aber natürlich auch noch honoriere). Gut, ihr kriegt am Ende ne Note, aber der Weg dahin ist lang und hat auf jeden Fall so viele Stellen, wo man steuern und korrigieren kann, dass ich finde, dass es schon objektiv ist. Ich schreibe eben nur nicht jeden Einzelschritt genauestens auf, wie die Bewertung zustande kommt. Auf Nachfrage kann ich aber zu dem ganzen Bewertungsweg was sagen und erklären, da ich ihn ja definitiv gegangen bin, bevor ich wem ne "Zahl" verpasse. ;-)

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