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was geht wohl in erdogan-anhängern vor?

aJnf@angEmitfryeude


ich frage mich gerade, wie eine ideale Alternative zu E.'s Regime aussehen könnte.

ideal gesehen gäbe es eine weitgehende liberalisierung und demokratisierung. wirtschaftlich müssten die produktionsgüter in möglichst viele eigentümer übergehen. denn nur so kann es zu einem ausgleich unterschiedlicher interessen kommen. auch medial müssen die einrichtungen in die hände verschiedener eigentümer gehen, multiperspektivität anbieten.

im rahmen der zivilgesellschaft müsste es eine demokratie-bildung geben. das kann an entsprechenden universitäten gehen, wie souha angesprochen hat, muss aber da anfangen, die imam hatip-schulen zu schliessen und die ausbildung zum imam in den ausserschulischen bereich zu verlagern.

auch die kontrolle über die religion muss der staat aufgeben. es kann nicht angehen, dass in einem ministerium die predigt geschrieben wird oder dass ein imam ärger von oben bekommt, wenn er etwas falsches sagt. ich bin eher der meinung, dass die ausrichtung einer moschee sich in erster linie nach der ausrichtung ihrer gläubigen richten sollte. quasi islamischer presbyterianismus. ;-)

zu guter letzt müsste es einen wie auch immer gearteten ausgleich mit den kurden und den armeniern geben. denn irakisch-kurdistan und armenien sind direkte nachbarn und kein staat kann auf dauer als demokratie und zuvilgesellschaft bestehen, wenn er nicht versucht, auf seine nachbarn zuzugehen.

ideal wäre beispielsweise der kniefall eines türkischen staatschefs in zizernakaberd und die einrichtung eines autonomen kurdenstaates innerhalb der grenzen der TR, welcher dann in bilaterale beziehungen zu irakisch- und syrisch-kurdistan treten könnte, die dortigen kämpfer gegen den IS unterstützen könnte und auch ansonsten stabilität in die region bringen würde. im idealfall könnte sogar eine art bundesrepublik entstehen, welcher im rahmen längerer demokratischer prozesse dann evtl. auch irakisch- und syrisch-kurdistan beitreten könnten.

S3o9uhxa


Das wären alles gute Voraussetzungen für einen Wechsel und Neuanfang, ja.

Nur leider ist vor allem der Ausgleich mit den Kurden weiter entfernt denn je. Und auch eine Zusammenarbeit mit Barzani, der die Kurden im Irak anführt, ist alles andere als einfach. Dazu ist er eine viel zu zwielichtige Person, der seine Gesinnung von einem Tag auf den anderen wechselt. Kürzlich von ihm getätigter Ausspruch : " Erdogan habe viel Mut bewiesen und sei der einzige Politiker, der Türken und Kurden Frieden bringen könne. " Da hat wohl einer die letzten Monate verschlafen. Das, was ich gut finde ist sein Vorhaben eines Referendums über die Loslösung der autonomen Region Kurdistan vom Irak.

Vor allem müssen natürlich die Kriegsverbrechen der Türkei gegen die Kurden gerichtlich geahndet werden . Sonst kann es keine Aussöhnung geben. Massaker wie in Cizir dürfen nicht ungesühnt bleiben.

a\nfazngmi6tfreuxde


Nur leider ist vor allem der Ausgleich mit den Kurden weiter entfernt denn je.

es ging ja um ideale vorraussetzungen, nicht um realistische. ;-D realistisch gesehen werden sich die türken, barzani und die YPG gegenseitig so lange auf den kopf hauen, bis alle beteiligten tot sind.

Vor allem müssen natürlich die Kriegsverbrechen der Türkei gegen die Kurden gerichtlich geahndet werden . Sonst kann es keine Aussöhnung geben. Massaker wie in Cizir dürfen nicht ungesühnt bleiben.

da seh ich ein problem. wer ahndet denn die kriegsverbrechen z.b. kurdischer clans an den armeniern? erst die türken abwatschen und dann die kurden? dann womöglich noch die armenier abwatschen für kriegsverbrechen gegen azerbaijan?

ich denke, was gut wäre, wäre eine wahrheitskommission wie in südafrika. jeder muss aussagen, muss die wahrheit sagen, sich dazu öffentlich bekennen, was er getan hat und erlebt hat und kann danach als freier mann gehen. sowas würde einen versöhnungsprozess besser in gang setzen, als gerichtsprozesse, die nur wieder hass und wut auf türkischer seite schüren oder eben neid auf seiten der armenischen seite.

SZou(hxa


es ging ja um ideale vorraussetzungen, nicht um realistische.

:)^ ;-)

ch denke, was gut wäre, wäre eine wahrheitskommission wie in südafrika.

Stimmt, ja. "Vorbilder" sind da auch Kambodscha oder Ruanda. Braucht zwar ewig, aber es ist zumindest ein Schritt zu einer möglichen Aussöhnung.

aUnfaHngmi\tfreuxde


Stimmt, ja. "Vorbilder" sind da auch Kambodscha oder Ruanda. Braucht zwar ewig, aber es ist zumindest ein Schritt zu einer möglichen Aussöhnung.

jep. irgendwie habe ich da grade vor dem inneren auge die dalton-brüder. alle mit schnurrbart: erdogan, barzani und öcalan. haben eigentlich gemeinsame interessen, aber streiten sich im wichtigen moment verlässlich und lösen ihre probleme am liebsten mit gewalt.

damit es wirkliche versöhnung gibt müsste erstmal die herrschaft der alten männer im nahen osten gebrochen werden und es müsste mehr echte demokratie geben und weniger "volksfront von judäa vs. judäische volksfront vs. autonome front von judäa vs. rom vs. fliegendes suizidkommando der galiläischen volksfront usw.".

Shouhja


Endlich werden die deutschen Soldaten aus Incirlik abgezogen. Das war schon längst überfällig. Keine weiteren Kniefälle vor Erdogan, genug der Demutsgesten. Und dass sich seitens der türkischen Staatsspitze besonders über linke Politiker und AktivistInnen empört wird, weil die sich mit vollem Engagement für die Kurdenproblematik einsetzen, zeigt, dass sie alles richtig machen, den Weg fortsetzen müssen und das wird dementsprechend auch so sein. Kein Nachgeben und ganz sicher keine Auslieferung von Regimegegner*innen. Hauptsächlich den kurdischen Verbänden hat man die Eroberung von Kobane zu verdanken, sowohl Frauen als auch Männern.Das sollte nie vergessen werden. Deswegen kein Nachgeben gegenüber Erdoğan, Yıldırım und Çavuşoğlu.

avnfan$gmi_tfreude


@ souha:

bin auch hocherfreut. allerdings: ist ist der kniefall vor einem könig von jordanien wirklich besser als vor einem sultan von osmanien? ":/

warum schafft man es nicht, die soldaten entweder ganz abzuziehen oder in ländern zu stationieren, die demokratisch sind? zumindest nach der verfassung.

ist ja auch eine tolle botschaft an die demokraten z.b. im irak, wenn die bundeswehr lieber mit dem königreich jordanien oder erdogans türkei zusammenarbeitet. ":/

klar, der irak ist unsicher, aber er ist zumindest der verfassung nach eine demokratie und da wäre die stationierung doch auch ein moralisches zeichen, dass wir europäer und deutsche eben demokratische regierungen auch dann unterstützen, wenn sie gefährdet oder in der krise sind, anstatt uns zu dem könig zu verpissen, der uns die besten konditionen bietet. ":/

aber gut - in punkto türkei ist es sehr gut, dass wir dort abziehen. damit haben wir erdogan erstmal die karten aus der hand nehmen können. ein land, das in nordsyrien krieg führt und sogar russische kampfflieger ohne vorwarnung abschiesst braucht keine natohilfe, denn es hat schon ein starkes militär und setzt es falsch ein.

SHouhxa


Da hast du recht. Über Jordanien bin ich auch nicht ganz glücklich, aber es war wohl die naheliegendste Lösung. Sollte aber nicht bedeuten, dass das in Stein gemeißelt ist. Vor allem, die Lage in Jordanien ist ja auch alles andere als stabil. Man kämpft zwar gegen den IS, hat aber gleichzeitig viele Sympathisanten im Land. Zarqāwī, einer der Gründerväter des IS war Jordanier, also ein Fundament, auf dem man aufbauen kann, ist das nicht gerade. Und stimmt, eine optimistische, stärkende Message an die gemäßigten Kräfte im Irak usw. ist es ganz sicher nicht. Chance vorerst vertan, aber wichtig erst einmal, nicht mehr in diesem Punkt auf die Türkei angewiesen zu sein.

WFakterlix2


warum schafft man es nicht, die soldaten entweder ganz abzuziehen oder in ländern zu stationieren, die demokratisch sind? zumindest nach der verfassung.

Die Türkei ist nach der Verfassung eine Republik, also demokratisch. Leider bringt es absolut gar nix, auf dem Papier demokratisch zu sein, wenn die Verfassungswirklichkeit anders aussieht. Wichtig ist immer, wie ein Land faktisch regiert wird. Und in der Türkei gibts keine Pressefreiheit mehr und Massenverhaftungen/Massenentlassungen wegen anderer Meinung. Das ist faktisch eine Diktatur.

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