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Ehe für Alle

SPhoxjo


An dieser Stelle kann ich Zauberfee sogar ein wenig verstehen. Sicher, der Umgang mit der Homosexualität oder das Frauenwahlrecht sehe ich auch als Entwicklung, die (hoffentlich!) nicht mehr umkehrbar ist und nicht als "Mode". Aber ich bin mir nicht mehr bei allem sicher. Die Todesstrafe war in Europa faktisch abgeschafft, jetzt gibt es Bestrebungen, sie in der Türkei wieder einzuführen. Kann das nicht mit allem möglichen geschehen, dem wir uns allzu sicher sind?

Japp. Klar. Eine Gesellschaft ist niemals stabil bis zur Bewegungslosigkeit, und alle Errungenschaften müssen nicht nur errungen, sondern auch bewahrt werden.

Sooo hart gekämpft? Ich denke eher: erleichtert worden. Aber die Motive dafür waren sicher keine humanistischen!

Äh - wie meinen?

k]asse=lan


@ Shojo

Äh - wie meinen?

Tja, d i e meinen, dass alles so gekommen ist, wie s i e es gewollt haben! Kapiert?

m0 a r~ v i xn


@ Kulturschaffender

Es manifestiert die damalige (!) Vorstellungswelt der vier Besatzungsmächte, wie eine Demokratie auszusehen habe

Das ist einfach nicht richtig. Google doch mal bitte wer die Autoren unserer Proto-Verfassung waren oder genauer: wie sich der Parlamentarischen Rat zusammensetzte ... die Besatzer hätten lediglich Veto einlegen können; geschrieben haben sie das GG nicht (deswegen enthält es ja auch den ein oder anderen Bestandteil aus der Reichsverfassung)

Und das GG ist trotzdem irgendwie zur "Bibel der Demokraten" geworden, ein quasi heiliges, nicht hinterfragbares Buch,

Wie kommst du denn darauf? Natürlich ist das hinterfragbar. Sogar änderbar - beides wird ständig gemacht. Aber solange wir uns in Deutschland keine neue Verfassung geben, gilt es halt.

Das Gesetz über das Werbeverbot bezüglich Abtreibungen, nach dem eine Ärztin kürzlich verurteilt wurde, stammt - wie einige andere noch heute gültige Gesetze auch - aus dem Jahre 1933 (!)

Ähmm, manche Gesetze sind gar noch älter - also wieso das Ausrufungszeichen? An sich hat das aber mit dem Grundgesetz nur wenig zu tun ... natürlich könnten die Verfassungsrichter prüfen, ob das Gesetzt mit dem GG vereinbar ist - und das werden sie auch tun, falls man sie anruft.


Spannend wird das GG eigentlich eh immer erst, wenn es zur Abwägung von Rechtsgütern gegeneinander kommt. Da haben sich Dinge verändert und da werden sich auch weiterhin Dinge verändern ... übrigens nicht nur in Deutschland: In Österreich hat das entsprechende Gericht endlich entschieden, dass es nicht mehr an der Form der Geschlechtsorgane der Heiratswilligen hängt, ob man eine Ehe eingehen darf oder nicht (im Übrigen haben sie meines Wissens nach auch entschieden, dass es ebenfalls nicht am Hoseninhalt hängt, ob man eine Lebenspartnerschaft eingehen möchte... in Deutschland war auch das anders; hier entschied das BVerfG "Es verstößt nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG, dass nichtehelichen Lebensgemeinschaften verschiedengeschlechtlicher Personen und verwandtschaftlichen Einstandsgemeinschaften der Zugang zur Rechtsform der eingetragenen Lebenspartnerschaft verwehrt ist". Ist aber mittlerwiele egal, da man seit dem 01.10.2017 ohnehin keine Lebenspartnerschaft mehr eingehen kann)

S0hojxo


Kapiert?

Nee, aber danke, ich wills auch gar nicht genauer wissen.

g;au]loiqse


@ marvin:

danke für die ausführliche Erklärung. Ich hatte schon wieder die Axt in der Hand. ;-D

Kdult<ursfchaffxender


Shojo

alle Errungenschaften müssen nicht nur errungen, sondern auch bewahrt werden.

Dein Wort in der Göttin Ohr! :)^

*:)

SLhojo


Das war doch keine Fürbitte, sondern nur eine Feststellung.

Khultu?rschTaaffender


m a r v i n

Ich weiß ganz gewiss, dass unser GG vom Parlamentarischen Rat erarbeitet wurde. Er war jedoch an klare Vorgaben der Alliierten gebunden. Ich wollte das nur etwas "verkürzen".

Von den alliierten Westmächten bestimmtes Hauptziel der Schöpfer des Grundgesetzes war es, aus den Fehlern der Weimarer Republik und der Diktatur der Nationalsozialisten zu lernen. Inhaltlich sollte das Grundgesetz eine demokratische Ordnung auf bundesstaatlicher Grundlage mit rechtsstaatlichen Gewährleistungen schaffen und damit einen Gegenentwurf zum Totalitarismus des nationalsozialistischen Unrechtsregimes. In bewusster Abgrenzung hierzu sowie zu den Volksdemokratien sowjetischer Prägung bekannten sich die meisten Abgeordneten zur parlamentarischen Demokratie, zum Gedanken des materiellen Rechtsstaats und zum Prinzip der Gewaltenteilung.

Das war noch ziemlich allgemein formuliert. Die genauen Vorgaben fanden sich in den Frankfurter Dokumenten, die auf der Rittersturz-Konferenz beraten wurden. Ein paar Zitate:

Diese Verfassung sollte zunächst von den Militärregierungen genehmigt werden, anschließend sollte ein Referendum in den Ländern die Verfassung ratifizieren. Die jeweils einfache Mehrheit in zwei Dritteln aller elf westdeutschen Länder sollte für die Ratifizierung genügen.[1]

Verfassung und Verfassungsänderungen müssten von den Militärgouverneuren genehmigt werden.

Dokument II forderte die Ministerpräsidenten auf, Vorschläge über die territoriale Neugliederung der Länder zu machen

Die Grenzen der einzelnen Bundesländer sollten überprüft und es sollten, wenn nötig, unter Berücksichtigung "überlieferter Formen" neue Länder geschaffen werden, wobei keines im Vergleich zu den anderen zu groß oder zu klein sein sollte.

Dokument III informierte über den Rahmen eines Besatzungsstatut, das nach dem Willen der Siegermächte gleichzeitig mit einer Verfassung für Deutschland in Kraft gesetzt werden sollte.

Der deutsche Außenhandel werde auch weiterhin von den Militärgouverneuren kontrolliert

Die Internationale Ruhrbehörde werde den Militärregierungen unterstellt

Die bereits in den Potsdamer Beschlüssen genannten Themen Reparationen, erlaubtes Ausmaß an Industrie, Dekartellisierung, Abrüstung und Entmilitarisierung blieben auch weiterhin bei den Alliierten

Die Alliierten behielten sich das Recht vor, die zukünftige Bundesregierung und die Länderregierungen bei der Demokratisierung de politischen Lebens, der Regelung der sozialen Beziehungen und beim Erziehungswesen zu beobachten und zu beraten.

(alles von Wikipedia)

Mit der "Bibel der Demokraten" war mein Gefühl gemeint, welches ich immer dann habe, wenn sich irgendjemand auf das GG beruft und man deutlich merkt, dass er gerade mal was vom Art. 1 gehört hat!

1933: So ganz selbstverständlich finde ich es nicht, dass während der NS-Zeit (33-45) Gesetze geschaffen wurden, die noch heute als GG-konform betrachtet werden, obwohl diese Zeit im demokratischen Sinn gar nicht stattgefunden hat (war jetzt bissel sarkastisch ]:D )

Grüße von der Elbe! *:) *:)

m#ond+sxterne


Ich würde sagen, alle die im gleichen Boot sitzen. Wenn du dich, mond+sterne, aus dem "wir" im Zitat ausnimmst und ein "ihr" daraus machst, heißt das, dass du aus dem Boot ausgestiegen bist? "Wir sind auf dem Weg" heißt nicht, dass jeder einzelne mit dem Weg einverstanden ist. Auch ist es kein Soldatenmarsch, sondern eine Strömung mit Strudeln und Wirbeln.

Was ist das für ein Boot?

Ich weiß nicht, ob ich jemals drin gesessen habe. Wenn ja, weiß ich nicht, wann ich ausgestiegen bin, weil ich nunmal nicht weiß, was es für ein Boot ist.

Ich sehe uns nicht in einem Boot sitzen. Ich sehe Euch dem Zeitgeist hinterherlaufen, und ich möchte da nicht mitlaufen.

Es ist Fortschritt, es ist die Veränderung einer sich Schritt für Schritt weiterentwickelnden, offenen, toleranten Gesellschaft, die nicht stehen bleibt. Man könnte auch sagen: wir sind auf dem Weg und es geht voran.

Meine Frage bleibt also bestehen: Wer seid Ihr?

e5ni]gCmwatHicA160x6


Die Menschheit, mond+sterne, die Menschheit. Du weißt schon, die Spezies der du theoretisch auch angehörst.

LcovxHus


Was ist das für ein Boot?

In Bezug auf das Ehe für alle Gesetz alle, für die dieses Gesetz gilt, was ja unabhängig davon ist, ob sie es gewollt haben oder lieber die klassische Ehe beibehalten hätten. Dem Zeitgeist mag man kritisch gegenüber stehen, aber die Idee, eine Position außerhalb einnehmen zu können, erscheint mir doch illusorisch. Schon allein, dass du hier mitschreibst, zeigt, dass die Strömung dich erfasst hat, auch wenn du nicht zu denen gehörst, die jubeln und ihre Freude daran haben.

L$ov=Hus


Ich sehe Euch dem Zeitgeist hinterherlaufen, und ich möchte da nicht mitlaufen.

Schönes Bild. Für mich sieht das Bild so aus: Ein in die Jahre gekommener Zeitgeist hat ausgedient und der neue Zeitgeist ist noch reichlich verpennt und muss mit einiger Anstrengung angeschoben werden. :-)

DhieZaub2erJfede


Zauberfee**, auch auf die Gefahr hin, wieder ganz am Anfang zu landen: Welche gewichtigen Gründe sprechen denn dafür, Homosexuelle von der Ehe auszuschließen?

Was würdest du denn als "gewichtigen Grund" anerkennen?

Vielleicht liege ich falsch, aber soweit es mir bekannt ist, Institution "Ehe" schon immer als Verbindung von Mann und Frau definiert, in allen Hochkulturen der Welt, die sowas wie "Ehe" kannten. Ja es mag auch immer einen Wandel im Eheverständnis gegeben haben, aber wenn es eine Konstante beim Begriff "Ehe" durch die Jahrtausende gibt, dann ist es die Polarität der Geschlechter, von Mann und Frau. Ich kenne zumindest keine einzige bedeutende Kultur der Menschheit, in der es eine "Ehe für alle" gab nach heutigen Vorstellungen der progressiven "Linken" gab.

Für mich ist Ehe nach wie vor definiert als Partnschaft von Mann und Frau, so wie es immer war. Und ich möchte in einer Gesellschaft leben, in diese kulturelle Konstante allgemein so verstanden wird und erhalten wird. Das ist für mich ein "gewichtiger Grund".

LFic&htA}mHo#rizornt


Würdest Du das auch so sehen, wenn Du lesbisch wärst?

Lnian-BJil{l


Und ich möchte in einer Gesellschaft leben, [...]

Man kann das Rad der Zeit nicht anhalten, nur um keine gesellschaftlichen Veränderungen erleben zu müssen. Das ist eine Erkenntnis, die man verinnerlichen sollte, denn da gibt es ja noch viel weitreichendere Dinge, als es zwei Menschen, die sich lieben, zu ermöglichen, füreinander einzustehen.

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