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Ist rechtes Gedankengut per se schlecht und zu verurteilen?

ajug<2x33


Liebe Diskutierende, überlegt bitte zum Thema Wehrmacht in WK II und Armee in WK I wen Ihr meint! Meint ihr die Summe aller Beteiligten? Meint Ihr den einzelnen Menschen? Wenn Ihr pauschal den einzelnen Menschen meint, dann drehen sich jetzt um Verdun und an anderen Stellen tausende in ihren Gräbern um. Denn Ihr nehmt ihnen die letzte Würde. Sie alle sind geschickt worden oder sind freiwillig zu den Einheiten gelaufen. Sie haben getan was ihnen aufgetragen wurde und sie hatten in dem Moment keine andere Wahl mehr. Sie fanden den Tod, den sie vorher ahnen konnten. Wollt Ihr denen jetzt ins Grab nachrufen: "Ihr ward dumm, blöd, beschränkt, eigensinnig, hörig - ihr habt nichts getan was uns veranlassen könnte an euch zu denken!"

HGeinn G.


@ aug233:

Ich denke es geht um die Formulierung, dass man auf die "unsere damaligen Soldaten stolz" sein können darf. Die ist in dieser Allgemeinheit wirklich unerträglich, weil sie nicht berücksichtigt, dass auch die Wehrmacht eben in Verbrechen verwickelt war und sich die Geschichte von der "sauberen" Wehrmacht im Vergleich zur "bösen" SS als Wunschdenken erwiesen hat. Hätte er gesagt, dass nicht alle Wehrmachtssoldaten Verbrecher waren bzw. wohl sogar ein großer Teil nicht, hätte sich niemand an der Formulierung gestört. Ich jedenfalls nicht. Er wollte eben ganz bewusst provozieren.

aTugx233


und warum steigt die Diskussionsrunde auf diese Provokation ein und stellt nicht von selbst Klarheiten her? Haben die alle keine Väter, Großväter und Urgroßväter? Alle unbeteiligt? Jetzt provoziere ich mal!

H(einx G.


Also mein Großvater war ziemlich sicher als Soldat in keine Verbrechen verwickelt. Aber er hätte die Formulierung, "stolz" auf seine Kriegsteilnahme oder die damalige Armee als ganze zu sein, rundheraus abgelehnt. Wenn er etwas vom Krieg erzählt hat, dann mit Abscheu...

a;ug2M33


Hein G. , das ist die Zusammenfassung erlebter Jahre. Sollte es in den Jahren keine Situation gegeben haben, in der er sich für ein Handeln entschied, auf das er stolz sein könnte? Und wenn es das Halten der Hand des sterbenden Kameraden war. Solche Momente machen die Würde des Menschen aus.

doanaex87


Doch ja, allerdings habe ich einen beteiligten Urgroßvater, mehrere sogar. Und eine Urgroßmutter der ich zugerne ein paar Fragen gestellt hätte, bei ihrem Beruf damals. Ein Urgroßvater wurde als Deserteur erschoßen, er konnte nicht tun was von ihm erwartet wurde. Der andere Urgroßvater von dem ich weiß was er getan hat war an der Ostfront und das was man ganz klassisch als widerlichen und begeisterten Massenmörder bezeichnet. Bis zum Schluß war er ausgesprochen stolz auf jedes ermordete jüdische Baby.

gjaulo2ise


Alle unbeteiligt? Jetzt provoziere ich mal!

Wo ist denn da die Provokation? Alle Deutschen haben Vorfahren, die auf die eine oder andere Weise im Dritten Reich verwickelt waren. Es gibt allerdings sehr, sehr viele Menschen, die nichts über diese Zeit wissen, nichts wissen wollen, nie gefragt haben oder denen einfach nichts erzählt wurde. Gottseidank gibt es mittlerweile Möglichkeiten, auch über die Schweiger was herauszufinden.

In meiner Familie haben tatsächlich schon meine Eltern (Jg. '40 und '45) keine Ruhe gegeben, bevor sie nicht über die Vergangenheit ihrer Eltern Bescheid wussten. Meine Eltern erzählten das uns, ich erzähle das meinen Kindern...Geschichte hat eine ganz andere Qualität, wenn sie nicht nur in Büchern und Dokus, sondern in der eigenen Familie stattgefunden hat.

Das weckt Interesse, das trägt auch mit dazu bei, in den nachfolgenden Generationen ein stabiles Bewusstsein für Moral und politische Strömungen wachsen zu lassen.

Will heißen, ich habe alle drei Kinder zu linksversifften Gutmenschen manipuliert, hähähä

Ich habe übrigens im "richtigen" Leben sehr, sehr häufig, wenn ich auf rechtes Gedankengut stoße, das Gefühl, dass dahinter schlichtes und erbärmliches Unwissen steht.

Meine Schüler sind da natürlich ein Extrembeispiel, die sind ja von Bildung eher unbetroffen, aber auch die sammeln ihre Weisheiten ja irgendwo ein (Hitler war ein cooler Typ, alle hatten voll Angst vor dem, der hat die Autobahnen und die Mauer gebaut und die Atombombe sowieso!), da fragt man sich schon, was da zu Hause abgeht. ;-D

Aber auch in der sog. Mittelschicht treffe ich ganz häufig auf unreflektiertes Geblaber. Ich gönne jedem seine politische Meinung, sofern sie mir erklärt werden kann, auch konservative Positionen. o:)

Aber nur einfach irgendwelche Parolen von sich geben, ohne auch nur im geringsten über die Zusammenhänge Bescheid zu wissen? Da werde ich ziemlich biestig. Was sich, btw, nicht nur auf rechtes, sondern auch auf linkes Gehabe bezieht.

dRan.ae8n7


Ich mag dich, gauloise.

R2eize"ndxe


In einem Atemzug wird davon geschwafelt, dass "unser Land" nur noch bergab geht und eh alles kacke ist und im nächsten Atemzug soll man aber bitteschön stolz auf das Land sein. Nationalstolz habe ich noch nie verstanden. Höchstens beim Sport. ;-D Und nächstes Jahr könnt ihr doch eure Fahnen wieder raushängen!

]:D

Nationalstolz beim Fußball habe ich auch nie begriffen. Oder "wir sind Papst"

%-|

HfyperVioxn


1 Beitrag gelöscht

Bleibt bitte sachlich

D+erNosta>lxgiker


Also mich würde auch mal interessieren, warum "links" in unserer Gesellschaft positiv besetzt ist und als moralisch überlegen gilt.

Wenn man sich nur mal ansieht, was Sozialisten und Kommunisten im 20. Jahrhundert alles angerichtet haben. Lenin und Stalin in der Sowjetunion, Mao in China, Pol Pot in Kambodscha, Tito in Jugoslawien, Ceausescu in Rumänien, Castro in Kuba, Kim in Nordkorea etc. Weit über 100 Mio. Menschen sind diesen Regimen zum Opfer gefallen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass auf deutschem Boden eine linke Diktatur herrschte, die Millionen Menschen hinter Mauer und Stacheldraht einsperrte und unterdrückte. Ich habe selbst noch als kleines Kind den Mauerfall am Fernseher mit erlebt.

Trotzdem gilt es in unserer Gesellschaft heute irgendwie als positiv "links" zu sein.

w8hatatRragedy


Rechts und Links unterscheiden sich eigentlich nur über das Menschenbild.

Links sieht den Menschen als tendenziell gut an - daher ist man sehr an Chancengleichheit, Interaktion, Freiheit und Solidarität interessiert. Und Regeln sollen möglichst wenig bestrafen, sondern eher lenken.

Rechts sieht den Menschen als tendenziell schlecht an - daher stehts rechts eher für Homogenität, Segregation, Sicherheit und Eigenverantwortung. Und Regeln sollen dieser Auffassung nach eher disziplinieren.

Das Problem ist jetzt: Beides ist nicht wirklich mit der Realität vereinbar und keine Seite wirklich "richtiger" als die andere.

Der moderne Mensch wünscht sich einerseits Freiheit, fühlt sich aber nachweislich in homogenen Räumen wohler. Viele wünschen sich mehr Sicherheit, wollen aber nicht auf permanente globale Interaktion verzichten. Viele wollen sich selbst verwirklichen, aber irgendwie soll doch bitte auch alles voll solidarisch sein.

Das wäre an sich kein Problem, im Gegenteil ist die Auseinandersetzung mit diesen Gegensätzen sehr fruchtbar; wenn man aber eine der beiden Seiten überbetont und tendenziell glorifiziert, während man die andere grundsätzlich ablehnt, wird nicht nur die eigentlich sinnvolle Auseinandersetzung gestört, sondern man bekommt auch eine gesellschaftliche Schieflage.

Das "Zerreißen" der westlichen Gesellschaften ist jedenfalls imho schlicht eine logische Folge der völligen Ablehnung rechter Grundsätze. Was nicht heißt, dass ich diese Grundsätze unwidersprochen für richtig halte, sondern nur, dass eine Nullifizierung ihrer argumentativen Strukturen jede Diskussion im Kern erstickt.

B{rJoBdeDriUck


DerNostalgiker

Also mich würde auch mal interessieren, warum "links" in unserer Gesellschaft positiv besetzt ist und als moralisch überlegen gilt.

Ganz einfach: Die Linken meinen es wenigstens gut.

V6ers"c]hw-prakxtiker


Trotz Diskussion über "rechtes Gadankengut" läuft dieser Faden schon vier Tage, nachdem Elisada ganzt hektisch wissen wollte, was du - Zanderomi - unter "rechtem Gedankengut" verstehst.

Ich denke nicht, dass irgend ein Gedankengut per Dekret als schlecht oder als verboten deklariert werden sollte. Wir alle kennen das Lied "die Gedanken sind frei". Immer wieder war das Lied in Zeiten politischer Unterdrückung oder Gefährdung Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Ich bin der Meinung, dass alle Gesellschaften breitbandig Fragen zu klären haben, einige davon drehen sich um die eigene Identität und Kultur.

Purplelike: "Es ist doch so: sobald man ein bisschen Pro Deutschland denkt, ist man rechts. Ganz automatisch...."

Ich selbst engagiere mich für ein Europa der Regionen. Als Norddeutscher habe ich sprachlich und von der Mentalität mehr mit meinen Nachbarn, den Niederländern gemeinsam als mit den weit entfernten Bayern und Österreichern.

Ich finde es richtig, dass Regionen darüber abstimmen, wie sie sich organisieren wollen. Als das Saarland zur BRD wollte, war das in Ordnung, als die DDR zur BRD wollte, gab es Jubel, als sich die Slowakei von Tschechien trennte, war das okay, aber als die Krim zu Russland wollte, gab es Feindschaft.

Rechtes Gedankengut? Ich denke, es gehört zur Bandbreite der berechtigten Gedanken.

CUomrxan


Also mich würde auch mal interessieren, warum "links" in unserer Gesellschaft positiv besetzt ist und als moralisch überlegen gilt.

Ist es das, außer dass es die Linken selbst über sich sagen? Würde mal gern wissen, wie man das objektiv misst. Aber was hat das mit dem Faden hier zu tun? Das sollte besser separat behandelt werden, sonst ist es nichts als die übliche Relativierung. Als Schnellerklärung würde ich sagen, dass speziell in Deutschland zu wenig Erfahrung mit linksideologischen Verbrechen besteht - dazu war die Zeit von Baader-Meinhof bis zum Deutschen Herbst noch zu "moderat".

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