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Es ist einfach besser den Mund zu halten!

__neme2sis hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

das mag heute durchaus ein subjektiver Eindruck sein, aber ich habe extrem oft und zunehmend das Gefühl, dass es sehr oft besser ist kritische Gedanken für sich zu behalten. Als Gesellschaft haben wir das ja sehr gut katalyisiert und uns zeitgemäße Feindbilder, wie Neonazis geschaffen. Die Menschen, die tatsächlich Raubbau an der Gesellschaft und der Erde betreiben, werden ja oft nicht mal kritisiert.

Ich werde da einfach das Gefühl nicht los, dass uns jegliche Relation fehlt. Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte, das Quälen von Tieren und die Erde auf eine Weise ausbeutet, die unweigerlich zum Kollaps führen muss. Und das wird einfach nicht hinterfragt. Ich habe heute zwei Filme zu den Naziverbrechen gesehen und da herrschte eben auch diese kollektive "Demenz" - ich weiß von nichts, ich sehe und höre nichts. Wieso lernen wir Menschen daraus nichts?

Ich kenne es aus dem Internet sehr oft, dass man schnell selbst in die Schusslinie gerät, wenn man solche Dinge anspricht. Es ist völlig okay die NS-Zeit zu verurteilen, aber sobald man die "Verbrechen der Neuzeit" anschlägt, wird ganz schnell zurück geschossen, weil man dann plötzlich das Verhalten vieler kritisiert. Es geht mir hier weniger um die Tatbestände als solche, sondern vielmehr um das kollektive Wegsehen und das hinterher auch immer niemand Verantwortung trägt, dass es offensichtlich immer nur um Interessen geht und Konsequenzen dann in Kauf genommen werden, wenn sie nicht an die eigene Haustür klopfen.

Das hat sich so viele Male in der Geschichte der Menschheit wiederholt, dass ich mir in der Tat die Frage stellen muss, wann wir daraus lernen?!

Antworten
m.ond+srternxe


:)D

rcr201x7


Hab neulich auch mal drüber nachgedacht - mit dem Gedanken, Moral und Ethik sind nicht Zweck und Ziel des Menschseins, sondern Selbsterhalt und Fortpflanzung sind es, und Moral und Ethik sind lediglich Werkzeuge zu diesem Zweck (die da entsprechend ihre Vorteile haben).

Moralisch/ethisches Handen ist aber in der Regel mit einem (kurzfristig-affektiven) Nachteil verbunden, von daher kann man aus alledem logisch ableiten, dass Moral und Ethik selektiv ausgeschaltet werden können, wenn der Nachteil zu groß wird, existenziell groß; auf diese Art ist es dann möglich, sich unmoralisch zu verhalten, ohne dass das Gewissen quengelt.

Dieses, verbunden damit dass offenbar der kurzfristige Vorteil höher bewertet wird als der langfristig-nachhaltige (ersterer löst Dopamin-Stöße aus, letztere nicht), führt zu den beschriebenen Gegenebheiten.

Ich befürchte, so ist die Menschheit halt einfach.

_ nemexsis


Ein Virus vernichtet auch letztenendes nur seinen Wirt. Der hat aber nicht mal einen Kopf zum Denken.

r#r2 01J7


dass offenbar der kurzfristige Vorteil höher bewertet wird als der langfristig-nachhaltige

und ich glaube, das liegt daran, dass der Mensch sich evolutionär selber überholt hat. Die technologische Entwicklung der letzten Jahrhunderte ging viel zu schnell als das eine Anpassung hätte erfolgen können. Die Bewertungsprozesse, die eine Handlung anhand ihrer zu erwartenden Folgen bewerten, sind auf den Kontext ausgerichtet, in dem eine Handlung "Normalerweise" Auswirkungen haben kann, und die sind, wenn man z.b. den Steinzeitmenschen betrachtet, relativ überschaubar, sowohl was örtliche als auch zeitliche Ausdehnung angeht. Er hatte schlichtweg nicht die Mittel, nennenswerten Schaden an Mensch und Umwelt anzurichten. Von daher gibt es keine gescheite Bewertung von Handlungen, die langfristige Effekte mit einbezieht und das Ergebnis nicht nur rational, sondern unmittelbar-emotional ins Bewusstsein bringt. Von daher gewinnt quasi immer der unmittelbare (mit Dopamin belohnte) Vorteil in Konkurrenz zu dem langfristig-nachhaltigen.

_anem7eBsis


Dann ist der Mensch quasi ein evolutionärer Fehler und nicht vollständig funktionsfähig?

r?r20?17


Naja von "Fehler" kann man nur sprechen wenn es in einem größeren Kontext "richtig" und "falsch" gibt, was eigentlich nicht der Fall ist. Wenn eine Spezies, die erfolgreich in Einklang mit sich und ihrer Umwelt lebt, "richtig" und "das Ziel" ist, dann ist der Mensch wohl eher ein Fehler, ja.

Ansonsten ist es einfach so, wie es ist. Die Eigenschaften von starker Gier und Neugierde und einem starken Drang zu streben haben den Menschen soweit gebracht, wie er gekommen ist (was recht weit ist), aber ab einer gewissen Grenze verkehren sie sich ins Gegenteil und werden zum evolultionären Nachteil.

Rein logisch betrachtet wird wohl jede Rasse irgendwann an den Punkt kommen, weil zu einer niedrigeren Evolutionsstufe Eigenschaften wie "Gier Drang und Streben" Vorteilhaft sind und sich immer durchsetzen werden. Bezahlt wird die Rechnung halt erst später.

Hast Du Dich mal mit Schopenhauer beschäftigt? Der hat dafür das philosophische Grundgerüst (der "Weltwille"und sein universeller Pessimismus).

t8isc}htennlisTsockxe


Homo sapiens ist ein Egotier. -Nach mir die Sintflut- ist die Einstellung der meisten. Eigene Bedürfnisbefriedigung steht an erster Stelle.

Deswegen schaufeln wir als Masse unser eigenes Grab. Der Planet macht das nicht mehr unendlich lange mit. Dann ist es eh Schicht im Schacht mit uns.

MBuff 2Pottxer


Wenn dieses Gefühl der Hilflosigkeit fest in den Leuten verankert ist, dann haben unsere "gewählten Volksvertreter" und die Konzernchefs endgültig den Sieg errungen.

k;askse.l{an


Wie arm der Mensch ist, zeigt, wie die Gehirnwäsche an ihm funktioniert! Diese ist inzwischen so weit gediehen, einem alles vernichtenden Krieg zuzustimmen, bloß um der Kriegshetze gegen Russland z. B. ein modernes Gewand - dies' der historischen Kriegstreiber - sich umzuhängen. Die Lüge ist immer obenauf - sagte schon Goethe -, und keine Kraft wird mehr gesteuert als diese!

Mwuff0 Pottxer


Wichtig ist, dass man sich organisiert. Als Einzelperson erreicht man nichts und wird als lächerlich abgesehen. In der Gruppe (zum Beispiel Bürgerinitiativen ) sieht das schon etwas anders aus.

Sehr schwierig wird es immer wenn wirtschaftliche Belange eine Rolle spielen. In Hamburg gibt es zahlreiche Bürgerinitiativen gegen fluglärm. Die Stadt Hamburg rückt aber keinen Millimeter von ihrem Minimalstschutz ab. Die haben so viel Angst vor den Lobbyisten, da geht nix. Ausser Klage.

SGo<uha


. Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte,

Gegen Waffenexporte kannst du zum Beispiel diese Petition von terre des hommes, die sich gleichzeitig auch für die Sicherung der Kinderrechte einsetzen, unterzeichnen.

[[https://weact.campact.de/petitions/stoppt-waffenexporte?utm_campaign=%2Fkb-weact%2F&utm_term=box&utm_content=random-d&bucket=nl-18-03-29&utm_source=%2Fkb-weact%2F2018-i-user-petitions%2F&source=nl-18-03-29&utm_medium=Email]]

djanaxe87


Ich empfehle zu dem das eigene Kreditinstitut eines genauen Blicks zu unterziehen. Da gibt es nämlich auch Banken mit deutlichen ethisch-ökologischen Kriterien die kein Geld in Waffen und Nahrungsmittelspekulatioenen anlegen. Alles folgt dem Geld und wenn wir unser Geld sprechen lassen, werde wir am ehesten gehört.

Ciomrxan


Um was geht's dir jetzt? Den NS-Vergleich mit der heutigen Zeit kriege ich ehrlich gesagt nicht auf die Kette.

Wir stehen im Prinzip alle Montag morgens auf, um einem System zu dienen, dass Kinderarbeit fördert, Waffenexporte, das Quälen von Tieren und die Erde auf eine Weise ausbeutet, die unweigerlich zum Kollaps führen muss.

Nein. Jeder hat die Möglichkeit, sich nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren und kann sich genau überlegen, ob er "diesem System" dient oder nicht. Es hat nur Konsequenzen. Aber es ist keine Frage des Schweigens, sondern primär der eigenen Entscheidungen.

Du könntest dich z.B. fragen, wer dein Smartphone gefertigt hat. Oder dein T-Shirt. Oder woher deine Bratwurst kommt. Hast du das schon mal getan und zu welchem Ergebnis bist du gekommen? Welche Schlüsse ziehst du daraus? Ist das alles alternativlos? Geht es nur darum, den Mund aufzumachen, oder geht es um echtes Handeln?

Du darfst nie vergessen, dass dieses "System" nur funktioniert, wenn es der Konsument mitmacht. Da bringt es nichts, gegen Lobbyisten zu meckern. Du musst gegen die Gesellschaft meckern, deren Teil du bist. Es soll ja Leute geben, die Demos gegen den Kapitalismus organisieren, und sich das Megafon dafür bei Amazon bestellen.

Vor zwei Jahren hatten wir z.B. eine Bewerberin für meinen Bereich auf dem Stuhl, die wollte ganz klar wissen, welche ethischen Grundsätze unser Konzern bei der Geldanlage hätte. Sie würde die Stelle nicht antreten, wenn Geldanlagen in Nahrungsmitteln oder Waffengeschäften wären. Es ist also nicht so, dass das Bewusstsein nicht da wäre. Und dass man nicht darüber reden könnte.

MAiz)usu


Ich denke, es gibt einige Leute, denen der Thematiken bewusst sind, sie aber ignorieren. Ich rede viel und gerne über umweltrelevante Themen, aber fast nur mit Leuten, die sich auch dafür interessieren und in dieser Hinsicht bewusster leben.

Es ist aus meiner Sicht gar nicht möglich "ahnungslos" durch die Welt zu gehen. Informationen sind nicht nur leicht zu beschaffen, sondern werden auch gut vorgekaut zu bestimmten Zeiten verbreitet (z. B. Earth Day). Prioritäten muss aber jeder selber im Leben setzen. Das folgende Interview hat vor kurzem ein User (ich weiß leider nicht mehr welcher) gepostet: [[http://www.deutschlandfunk.de/wer-zahlt-fuer-unseren-wohlstand-wir-sind-verantwortlich.1184.de.html?dram%3Aarticle_id=397260]]. Fand ich sehr interessant und es kommen sehr viele Faktoren zur Sprache.

@ danae87

Banken mit deutlichen ethisch-ökologischen Kriterien

Das hat mich daran erinnert, dass ich meine Bank wechseln wollte. Ich habe mich vor Monaten informiert und es dann schlichtweg vergessen. Danke :)z

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