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Meine Abszesse/ Fisteln und ich (Erfahrungsbericht)

TVarq0uixn hat die Diskussion gestartet


Hallo ihrs!

Ich bin neu hier und bin begeistert, dass es noch mehr Leidensgenossen gibt.

Aktuell plagt mich die Wunde eines Abszesses. Dieser entstand wohl aus einem kleinen Pickelchen und hat erstmal innerlich ein bisschen vor sich hingewütet, bis er nach Aussen sichtbar wurde. Er befand sich an der linken Flanke, also genau da, wo man sich eigentlich grundsätzlich IMMER bewegt.

Mir gings die Woche vorher schon beschissen – Fieber, Schüttelfrost, Krankheitsgefühl, nur noch Schlafen. Aber da war er nicht zu sehen und ich schob es auf eine "normale", etwas heftigere Erkältung.

Freitags quälten mich dann bei jeder Bewegung und in jeder Position wahnsinnige Schmerzen und ich hatte da ein verdammt großes Ei hängen. Aber da man ja ein "netter" Mensch ist, wollte man Freitag nachmittags nicht zum Arzt. Also das Wochenende über gequält. Krankheitszeichen gings mir immer schlechter, Fieber war teilweise über 39 Grad. Aber ich schob das IMMER NOCH auf eine Erkältung. {:( Also starte ich die Selbstbehandlung. Ichtholan Salbe 20% über Nacht – nichts. Ilion Abszesssalbe – nichts. Mit (sterilen) Nadeln versuchen aufzustechen – nichts.

Die Schmerzen waren höllisch und selbst 800mg Ibuprofen griffen nicht mehr, auch Novalgin war nutzlos. Nachts war ich fast am verzweifeln und kurz davor, in die Küche zu gehen und mir das nächste scharfe Messer in dieses Ei zu rammen um es zu entlasten. %:|

(Das Schlimme an der ganzen Sache ist ja noch, dass ich selbst im Gesundheitsbereich arbeite und eigentlich weiss, wann es besser ist, zum Arzt zu gehen... |-o )

Montags morgens gleich meine Hausärztin angerufen, ich bräuchte dringend einen Termin. Mittlerweile konnte ich mich nur sehr schwer noch auf den Beinen halten. In der Badewanne (letzter Versuch, kann ja sein dass es dadurch aufplatzt...) dann auch noch plötzlich eintretendes Erbrechen – und das, obwohl ich seit 2 Tagen nichts mehr gegessen hatte. Mein Mann sammelte mich ein und fuhr mich gleich zum Arzt, da ich mich gegen Krankenhaus vehement gewehrt habe.

Hausärztin blickte drauf, sah mich an – tja, wehren bringt nichts. Ab ins Krankenhaus und mein Mann in Richtung Heimat, Koffer packen.

Gehen sie nicht über Los, ziehen sie keine 2000 Euro ein.

Im KH natürlich erstmal warten. Und das als Leiden Christis und kurz vorm Umkippen. (Sah wohl noch nicht krank genug aus...)

Nach der ersten Sichtung durch eine Chirurgin musste ich auf den Oberarzt warten. Bis der kam, waren auch meine Blutwerte da. Da gings dann auf einmal ganz schnell. OP so schnell wie möglich – Vollnarkose – beginnende Blutvergiftung. Elektrolyte schon verschoben, Herzrhythmusstörungen durch Kaliummangel, Entzündungswert >300 und Leukozyten doppelt so hoch wie normal. Infusion – Anästhesieaufklärung – Abmarsch in den OP. :[]

Auf diesem blöden OP Tisch schrie ich beinahe vor Schmerzen, da liegen auf dem Rücken und dazu noch auf dieser OP Pritsche eine Tortur war. Schmerzmittel bekam ich nämlich nicht, auch nicht i.v. ??? >:(

Nach der OP wars schlagartig gut – allerdings war ich auch anständig bedient durch Dipidolor (BTM-Schmerzmedi). Aber auch nach der Wirkung des Medis war es echt kein Vergleich zu den Schmerzen davor. Tat zwar schon noch gut weh, aber war immerhin erträglich und Schmerzmittel haben gegriffen.

Jetzt habe ich in der Flanke ein Loch von ca. 12x5x1,5cm, offene Wundheilung. Dazu noch eine Tasche in Richtung Wirbelsäule, die nicht aufgeschnitten wurde sondern durch die Wunde eröffnet und austamponiert wurde. (Sch**** tat das weh sag ich euch!!)

Wundbehandlung erfolgt immer noch im Krankenhaus, ansonsten hätte ich weiter stationär bleiben müssen. Und ich bekam in den 4 Tagen schon eine nervliche Krise...

Allerdings bin ich mit dem vorgeschlagenen Rhythmus nicht wirklich einverstanden. 2x die Woche im 4 Tages Rhythmus, also Montags und Donnerstags nach anfänglich alle 2 Tage. Wunde ist austamponiert mit Trionic Alginat Tamponaden und wird vorher vom Arzt mit Octenisept ausgewischt. Nach 2,5 Tagen ist das ganze olfaktorisch nicht mehr wirklich ein Genuss sag ich euch.

Jetzt hat mir der Chirurg immerhin Fixomull und Medicomp-Kompressen mitgegeben, damit ich den äußeren Verband wenigstens wechseln kann, wenn er durchgesuppt ist oder nach dem duschen. Aber der Aufschneider wird schon wissen, was er macht mit der Wunde. Sieht wohl auch ganz gut aus und ich kann Mitte nächster Woche meine Amoxiclav 875/125 Mördertabletten von Breitbandantibiotika absetzen, da der Keim wohl drauf angesprungen ist. (Auslöser war wohl durch den Pickel eine Staphylokokken-Infektion – Drecksbiester!!)

Selbst versorgen ist an der Stelle dann aber auch noch nicht wirklich einfach – und mein Mann mags nit machen, der findets grausig. Und ich bin jetzt, nach 10 Tagen Post-OP doch schon echt genervt von dem Kram, da jede Bewegung sich bemerkbar macht. Mal abgesehen von den Schmerzen durch die Schonhaltung.

Da war meine Wunde nach der Pilonidalsinus-OP echt einfach zu versorgen.

Wo wir bei der zweiten Sache wären. Wenn ich etwas machen, dann richtig. 2001 Entfernung einer Steißbeinfistel, da ich von jetzt auf gleich nicht mehr ohne Schmerzen sitzen konnte und ständig am oberen Rand der Unterhose iwelche kleine Flecken hatte.

Unter Vollnarkose Entfernung meiner neuen "Freundin" und ausgebuddelt bis aufs Kreuzbein und insgesamt Faustgroß. Ich habe damals gerade in der Ausbildung zur Arzthelferin gesteckt, also krankgeschrieben bis vollständige Verheilung. Krankschreibung hatte sich aber erledigt, nach 6 Wochen schmiss mich mein Arbeitgeber raus, weil ich nicht Montags die Krankmeldung abgegeben hatte, sondern diese postalisch erst Dienstags eintraf, fristlos wegen unentschuldigtem Fehlbleiben am Arbeitsplatz UND in der Berufsschule (bei der ich auch krankgemeldet war) Also er hatte Dienstags meine Krankmeldung und ich meine fristlose Kündigung im Briefkasten. Ging auch bis vors Arbeitsgericht, ich hab gewonnen – aber meine Ausbildung hab ich trotzdem nicht fertig machen können, da ich keine Praxis fand, die mich fertig ausbilden wollte. Aber egal. Hab ich die Ausbildung gemacht, die ich machen wollte und mir vorher nicht leisten konnte.

Letztendlich dauerte die Wundheilung der Steißbeinfistel 12 Wochen, aber seitdem habe ich *klopfaufholz* zumindest in der peripheren Abteilung meines Körpers keine Probleme mit diesen Mistdingern.

So – genug getextet.

Letztendlich möchte ich damit sagen, dass man mit so nem blöden Abszess besser nicht zu lange wartet. Mein Chirurg teilte mir mit, dass es bei mir wohl nicht mehr 5 vor 12, sondern schon 2 vor 12 war, da ich auf dem besten Weg zu einer richtig üblen Sepsis war.

Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt. Für Tipps zur Wundversorgung wäre ich auch sehr dankbar. Die Trionic-Tamponaden kann man ja nicht zahlen und ich denke kaum, dass meine Hausärztin mir das verschreibt – so wegen Budget und so. Und die chirurgische Ambulanz, die mich weiterhin alle 4 Tage verbindet, kann angeblich keine Rezepte ausstellen. Ich habe mir immerhin heute für das Wochenende ein bissel Zeug gekauft, also Vlieskompressen, Octenisept und Fixomull.

Liebe Grüße,

eure Tarquin :)D

Antworten
BoeniTta-Vixta


Für mich ein klarer Fall von Sebstverachtung. Wer so mit sich umgeht, merkt eben, was für ein dickes Ende nachkommt....

Darüber würde ich mir doch einmal Gedanken machen.

Twarq~uoin


Wieso?

Weil ich ca. 2-3 Wochen nach diesem Pickel nicht mein Krankheitsgefühl darauf geschoben habe, zumal ich daran nicht mal mehr gedacht habe? Weil in meinem Bekanntenkreis alle den üblichen "Winterrotz" hatten mit den üblichen Symptomen und ich dachte, ich hab mich dort angesteckt?

Ich finde 3 Tage nach Bemerken des Abszesses zum Arzt gehen eigentlich noch noch nicht "selbstverachtend". Hätte ja über das Wochenende dank der Zugsalben aufgehen können. So etwas wie "Selbstverachtung" hat mir noch nicht mal mein Chirurg im Krankenhaus an den Kopf geschmissen, da es a) an der Stelle relativ plausibel ist, dass man das Teil erst ab einer bestimmten Größe merkt und b) wenn man Hufgetrappel hört, denkt man an Pferde, nicht an Zebras. Und wer denkt bei Fieber, Krankheitsgefühl etc. ohne auf Anhieb ersichtlichen Grund sofort an eine beginnende Sepsis?

Dazu kommen noch andere Faktoren, z.B. wohin mit dem Kind, wenn das stationär gemacht werden muss und der Mann Schicht arbeitet? Wer kümmert sich um den Haushalt? Was ist mit dem Hund? Und wer legt sich schon freiwillig als erste Maßnahme unters Messer und probiert es nicht zuerst mit den üblichen Verdächtigen wie Zugsalbe etc.?

Ich bin jetzt definitiv vorsichtiger und schiebs nicht mehr auf – auch keinen Tag und erst recht kein Wochenende. Ich hab daraus gelernt, aber der Vorwurf der Selbstverachtung ist meiner Meinung nach doch schon etwas heftig und unhaltbar. Ich habe aus dem Fehler gelernt – aber wie gesagt, Selbstverachtung sehe ich darin keine.

LGs,

Tarquin

BYenIita-xVita


Also das Wochenende über gequält. Krankheitszeichen gings mir immer schlechter, Fieber war teilweise über 39 Grad. Aber ich schob das IMMER NOCH auf eine Erkältung.

Schmerzen am Hintern ??? ?

Also starte ich die Selbstbehandlung. Ichtholan Salbe 20% über Nacht – nichts. Ilion Abszesssalbe – nichts. Mit (sterilen) Nadeln versuchen aufzustechen – nichts.

Die Schmerzen waren höllisch und selbst 800mg Ibuprofen griffen nicht mehr, auch Novalgin war nutzlos. Nachts war ich fast am verzweifeln und kurz davor, in die Küche zu gehen und mir das nächste scharfe Messer in dieses Ei zu rammen um es zu entlasten.

Für meinen Geschmack liest sich dies aber doch recht dramatisch und ich empfinde es so, als wenn Du da nicht gut auf Dich achtest. Und die Beschreibung der Schmerzen haben doch mit der Erkältung nichts mehr zu tun.

Und gerade, weil Du aus dem medizinischen Bereich kommst, weißt Du doch, dass eine Sepsis u. U. tötlich enden könnte.

Und irgendwie werden immer Lösungen für Kinder oder Angehörige gefunden.

Wenn Du nun kein Glück gehabt hättest und eine Sepsis Dich endgültig hingerafft hätte, dann hätten Mann, Kind und Hund und Katz jetzt wirklich ein Problem.

aber der Vorwurf der Selbstverachtung ist meiner Meinung nach doch schon etwas heftig und unhaltbar.

:=o

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