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Diabetes, Insulin und Gila Monster

v,oll&damxpf hat die Diskussion gestartet


Liebe Gemeinde,

habe neulich mal in eine Sendung reingezappt, in der berichtet wurde, dass in dem Speichel des Gila-Monsters (Krustenechse in Nordamerika) ein Hormon identifiziert wurde, das ähnlich einem Darmhormon sein soll. Dieses Darmhormon ist wohl in der Lage die Bauchspeicheldrüse zu einer vermehrten Insulinabgabe zu bewegen.

Diese Mittel ist jetzt wohl verfügbar, da es synthetisch herzustellen ist und kann auch verschrieben werden.

Ich bin zwar Diabetiker, bin aber derzeit gut eingestellt, möchte es nur wissen, um auf dem Laufenden zu sein.

Also ran mit den Infos, wer weiß was, praxa, Du vielleicht?

Antworten
v%olldxampf


Habe jetzt folgendes gefunden:

Exenatide

Das Darmhormon GLP-1 senkt postprandial erhöhte Blutzuckerwerte; im Speichel des Gila-Monsters ist der Wirkstoff Exenatide gefunden worden, der GLP-1 von seiner Wirkung her vergleichbar ist; er scheint mehrfach positiv zu wirken. In den USA ist Exenatide als Medikament bereits zugelassen.

Das "Gila-Monster" bzw. die Inhaltsstoffe seines Speichels könnten für Diabetiker interessant sein! Denn der Speichelstoff Exenatide hat eine vergleichbare Wirkung wie ein menschliches Darmhormon – es senkt den nahrungsbedingt erhöhten Blutzucker! Und damit ist es hochinteressant als neuer Behandlungsansatz.

Die Fachgesellschaften und Experten sind sich einig darüber, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes eine normnahe Blutzuckereinstellung haben sollten, um Folgeerkrankungen vermeiden zu können.

Diabetes-Hauptursachen sind wichtiger Ansatz

Die für die Entstehung des Typ-2-Diabetes verantwortlichen Hauptursachen

Insulinunempfindlichkeit (Insulinresistenz) und der

Untergang der insulinproduzierenden Betazellen,

sind heute die wichtigsten Ansätze für eine möglichst physiologische Behandlung der Typ 2-Diabetiker.

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung des Diabetes Typ-2 sind häufig nur noch die Hälfte der Betazellen voll funktionstüchtig, so dass deren weiterem Untergang entgegengewirkt und einem Fortschreiten des Typ-2-Diabetes Einhalt geboten wird.

Inkretinmimetika könnten daher zukünftig in der Therapie des Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle spielen. Ein Vertreter dieser Substanzgruppe scheint, abhängig von der verzehrten Zuckermenge und dem Blutzuckerspiegel, die noch vorhandene Insulin-Restsekretion zu steigern. Diese von der Darmschleimhaut nach einer Nahrungsaufnahme abgegebenen Hormone, sind seit ca. 1987 bekannt: Es handelt sich um das

GIP (Gastric Inhibitory Peptide) und das

GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1).

Typ 2: Mangel am Hormon GLP-1

Beide Hormone bewirken eine vermehrte Insulinausschüttung. Studien haben schon früh gezeigt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes einen Mangel an diesem GLP-1-Hormon haben, während die GIP- Spiegel im Blut weitgehend unauffällig waren. Das Besondere an der GLP-1-Wirkung ist, dass postprandial der Blutzucker gesenkt wird – aber nur in dem Normbereich, so dass kein Hypoglykämierisiko besteht.

Insulingegenspieler wird gehemmt

Darüber hinaus hat dieses GLP-1 noch weitere, sehr positive Wirkungen:

Glukagon wird gehemmt,

außerdem vermindert es den Appetit und

verstärkt das Sättigungsgefühl.

Doch leider wird dieses natürliche Darmhormon (Inkretin-GLP-1), selbst wenn man es in die Venen spritzt, innerhalb weniger Minuten durch Proteine des Körpers abgebaut. Seit vielen Jahren versucht man dieses natürliche Hormon durch chemische Manipulation so zu verändern, dass es nicht so rasch im Körper abgebaut wird und so für Typ-2-Diabetiker nutzbar gemacht werden könnte.

Ein glücklicher Zufall...

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass im Speichel einer amerikanischen Echse, dem "Gila-Monster", der Wirkstoff Exenatide gefunden wurde. Dieser Wirkstoff ist von seiner Wirkung her dem GLP-1 (Inkretin) vergleichbar, jedoch wird er nicht so schnell abgebaut. Mittlerweile ist Exenatide in den USA von den Behörden (FDA) zur Behandlung des Typ 2-Diabetes dann zugelassen, wenn die Therapie mit oralen Antidiabetika nicht mehr ausreicht. Der Wirkstoff selbst besteht aus 39 Aminosäuren und wird für die klinische Anwendung beim Patienten rein synthetisch hergestellt.

Exenatide unter die Haut: bessere Werte!

Versuche haben gezeigt, dass bei zweimal täglicher subkutaner Injektion, der Blutzucker sowohl nüchtern als auch postprandial normalisiert werden konnte. Der HbA1c-Wert sank innerhalb eines Monats bereits um etwa 1 %. Zusätzlich konnte eine Gewichtsreduktion verzeichnet werden. Eine Nebenwirkung dieser Substanz ist, dass sie manchmal leichte Übelkeit verursacht, was jedoch häufig nach einer gewissen Gewöhnung wieder nachlässt.

Regeneration von Betazellen scheint möglich

Weitere sehr viel versprechende experimentelle und tierexperimentelle Untersuchungen ergaben, dass sich durch den rechtzeitigen Einsatz dieser Inkretinmimetika der Blutzucker normalisiert und sogar eine Regeneration der noch nicht völlig zerstörten Betazellen möglich ist.

Der Untergang der Insulin produzierenden Betazellen bzw. deren Regeneration, konnte bislang nicht gestoppt werden – weder durch Tabletten noch durch Insulin. Gelänge dies mit dieser neuen Substanz, wäre das für die Therapie des Diabetes Typ 2 eine bahnbrechende Neuerung.

Mögliche Vorteile:

von Inkretin-Mimetika:

Verursachen abhängig von der gegessenen Menge an Glukose eine

– vermehrte Ausschüttung von Insulin

– eine verminderte Ausschüttung von Glukagon.

Es besteht kein Hypoglykämierisiko.

Die Magenentleerung wird verlangsamt.

Verminderung des Hungergefühls – Förderung des Sättigungsgefühls.

Dieselbe Medikamenten-Dosis für alle Patienten – unabhängig vom Gewicht (wahrscheinlich zweimal täglich subkutan)

Vor allzu großen Hoffnungen und überzeichneten Effekten sollte man auch dieser neuen Substanz, wenn sie dann eingesetzt werden kann, kritisch gegenüberstehen.

Quelle:

Gerhard-W. Schmeisl, Diabetes-Journal Heft 10, S. 58-60, 2005 Jahrgang 54

Ich werde da mal am Ball bleiben, sprich herausfinden ob es ein solches Medikament auch in Deutschland schon gibt.

p raxa


Ich werde da mal am Ball bleiben, sprich herausfinden ob es ein solches Medikament auch in Deutschland schon gibt.

Da brauchst du nicht lange zu suchen, ja das gibt es. ;-D

Es nennt sich Victoza (ein ähnlich wirkendes Medikament ist Byetta).

Victoza nehme ich schon seit rund einem Jahr.

Es jetzt nicht das Wundermittel, welches alle Sorgen löst.

Das positive ist, ich habe damit wirklich über 10 Kilo abgenommen und halte das Gewicht auch problemlos, aber meinen Insulinbedarf konnte ich damit nur am Anfang etwas senken, inzwischen benötige ich wieder genau so viel, wie bevor ich Victoza gespritzt habe.

Der HbA1c-Wert ist auch nicht um 1% gesunken, sonder "nur" um rund 0,5%.

Dazu muss ich sagen, dass ich ja schon seit über 10 Jahren Diabetes habe und die Wirkung deshalb nicht so stark ist. Bei einem "frischen" Diabetiker kann dies schon ganz anders aussehen und wirklich ein Segen sein. Mein Arzt sagt, er habe Patienten, bei denen hat sich ihr Diabetes wirklich stark verbessert.

vrolldxampf


Hallo praxa,

habe gestern mit einem Pharmazeuten gesprochen, der meinte Victoza sei das nicht, hatte ihn direkt danach gefragt. Vielleicht hat er sich geirrt. Der forscht jedenfalls noch mal nach.

Könnte für mich eine Alternative sein, derzeit nehme ich 1,5 mg Amaryl (morgens 1, abends 0,5) und abends zusätzlich eine Avandameth (4/1000), da weiß man ja schon das die nicht so dolle für Herz und Kreislauf sind. Diabetes habe ich seit gut 5 Jahren, aber nach der Diabetes Reha bin ich schon gut eingestellt (Langzeitwert derzeit 6,4). Schaun wir mal.

p\rVaxa


Hallo volldampf,

dass ist schon das richtige Medikament. Schau mal hier:

[[http://focus-blog.pharmxplorer.at/2010/02/liraglutid-victoza%C2%AE-ein-neues-antidiabetikum/]]

zusätzlich eine Avandameth (4/1000), da weiß man ja schon das die nicht so dolle für Herz und Kreislauf sind

Das klärt sich ja zum Glück, ab dem 1. November, von ganz alleine. Medikamente mir dem Wirkstoff Rosiglitazon, dürfen dann in Deutschland, der Schweiz und in Österreich, nicht mehr vertrieben werden.

Ich hatte auch mal das zweifelhafte Vergnügen, dieses Medikament nehmen zu dürfen. Das Ende vom Lied war, dass ich jetzt in Rente bin, weil sich meine Herzkrankheit deutlich verschlechtert hat. Damals war das Medikament ziemlich neu auf dem Markt und das Risiko für das Herz war nicht so bekannt, bzw. wurde ignoriert.

Könnte für mich eine Alternative sein

Sicherlich, du benötigst ja eh nun eine Alternative zu dem Avandamet. Möglicherweise kannst du dann auch auf das Amaryl verzichten.

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