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Nüchternwerte

A ndursexjka hat die Diskussion gestartet


Hallo an die Fachleute zum Thema Diabetes,

mir gehts schon seit etwa zwei Jahren nicht besonders gut: Übelkeit (vor allem nach dem Essen und beim Sport), Schwindel, extreme Müdigkeit, juckende Kopfhaut, Haarausfall.

Mein alter Hausarzt machte Blutbild, alles super. Magenspiegelung, alles super.

Hab irgendwann den Arzt gewechselt, Symptome wurden schlimmer. Der machte wieder Blutbild, diesmal bestand ich auch auf Ferritin und von ihm aus noch der Nüchternblutzucker. Ferritin bei fast null, Blutzucker erhöht (120). OK, daraufhin nahm ich Eisentabletten und sollte den Blutzucker nach drei Monaten nochmal kontrollieren lassen.

Das war gestern. Heute die Info: Blutzucker wieder 120. Aber der Arzt meint eine neue Kontrolle reicht im Sommer. Hmmm, ich finde das absolut zu lang. Was wäre, wenn ich wirklich Diabetes habe und ein weiteres halbes Jahr damit rumlaufe? Finde ich nicht so prickelnd. Wie seht Ihr das? Oder findet Ihr das nicht bedenklich?

Vielen Dank schonmal!

Antworten
XKiraain


Wie sieht denn dein LangzeitBlutzuckerwert aus? Ist das dieser 120er?

Ich würde mal selbstständig ein Zuckertagesprofil erstellen.

Bei mir wurde das in der Reha gemacht. Gemessen wurde:

-Nüchtern

-2Stunden nach Frühstück

-vorm Mittagessen

-Nachts gegen 12

In meinem Zuckerprofil sah man dann, dass meine Zuckerwerte morgens total niedrig sind. Alles andre aber unkritisch.

Ich würde das auf die eigene Faust mal machen, dann hast du halt bessere Argumentationshintergründe.

cwhi


Warum hat er nicht einfach den Hba1c mitbestimmt? Ist doch viel sinniger, als nur Blutzucker zu messen.

AHndrejpkxa


Den Langzeitwert hat er nicht bestimmt, das möchte er dann im Sommer mitmachen ":/ hab mir auch schon überlegt ob ich einfach mal selbständig messen soll

X[iraixn


Find ich auch seltsam...wird bei mir ständig mitbestimmt...

Aml-Mu*ttaqin


Bei der Diagnostik des Diabetes mellitus Typ II richtet man sich prinzipiell (neben der Beurteilung der Risikofaktoren und dem Vorliegen typischer Symptome) nach dem Nüchternblutzuckerwert. Das ist derjenige Blutzuckerwert (BZ), der nach eine 8-stündigen Nahrungskarenz (also 8 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme; auch Nüchternglukose genannt) gemessen wird.

Ab einem BZ von ≥126mg/dL (= auffälliger Gelegenheitsblutzucker) ist der Verdacht auf das Vorliegen eines Diabetes mellitus Typ II zu stellen. Um den Verdacht zu verifizieren kann man weitere BZ-Messungen vornehmen (dabei ist allerdings jedes mal wieder darauf zu achten, dass zwischen dem Zeitpunkt der Messung und der letzten Nahrungsaufnahme 8 Stunden liegen). Sollte auch eine mehrmalige (je öfter man den BZ bestimmt, desto höher ist natürlich die Aussagekraft) Bestimmung des BZ ähnliche Ergebnisse liefern, so ist davon auszugehen, dass die gemessenen Werte aussagekräftig sind.

Liegt der auf diese Weise bestimmte (durchschnittliche) Wert im Bereich zwischen 100 und 125mg/dL so wie es im beschriebenen Fall mit 120mg/dL durch einmalige Bestimmung des Nüchternglucosespiegels war, so sind die Kriterien für die Diagnose eines Diabetes mellitus noch nicht erfüllt. Per Definition der Kriterien, die für den V.a. das Vorliegen eines Diabetes mellitus erfüllt sein müssen, wäre ein Nüchternglucosewert von ≥126mg/dL erforderlich gewesen. Demnach reicht ein BZ von 120mg/dL noch nicht aus um den Verdacht auf DM zu stellen.

Trotzdem stimmt es natürlich, dass es bei dem BZ von 120mg/dL um eine abnorm hohen Nüchternglucosewert handelt. Bei BZ-Werten, die im Bereich von 100-125 mg/dL liegen spricht man daher von einem Prädiabetes (auch bezeichnet als sog. gestörte Glukosetoleranz). Bei einem BZ von 120mg/dL als Ergebnis einer einmaligen Bestimmung der Nüchternglukose handelt es sich um einen Wert, der im oberen Ende des Bereiches liegt, der noch zur Definition des Prädiabetes zu zählen ist. Um jetzt auszuschließen dass es sich nicht doch bereits um einen manifesten Diabetes mellitus handelt, kann man einen sogenannten oralen Glukosetoleranztest durchführen, bei dem zunächst wieder 8 Stunden lang auf Nahrungszufuhr verzichtet werden muss. Nach diesen 8 Stunden führt man in der Regel einen Nüchternglucosetest durch und lässt den Patienten gleichzeitig mit der Messung 75mg Glucose oral einnehmen. 2 Stunden nach dieser Glukosezufuhr (natürlich darf der Patient auch in diesen zwei Stunden keine andere Nahrung zu sich nehmen) wird der BZ erneut bestimmt. Ist der so ermittelte BZ dann ≥200 mg/dL, so sind die Kriterien für die Diagnose eines manifesten Diabetes mellitus erfüllt. Liegt er im Bereich von 140-199 mg/dL, so handelt es sich um einen "Prädiabetes".

Es ist aber tatsächlich sehr zu empfehlen auch dem Verdacht auf das Vorliegen eines Prädiabetes nachzugehen und diesen zu sichern indem man zusätzlich zur Bestimmung des Gelegenheitsblutzuckers (vor allem wenn hier auffällige Werte gemessen wurden) einen oralen Glucosetoleranztest (oGTT) durchführt. Bestätigt dieser nämlich das Vorliegen einer gestörten Glukosetoleranz (="Prädiabetes"), so können rechtzeitig bereits bevor sich daraus ein manifester Diabetes mellitus entwickelt, Maßnahmen ergriffen werden um der Entstehung eines Diabetes mellitus vorzubeugen bzw. es können die Risikofaktoren behandelt werden.

Zwar ist die Bestimmung des HbA1c-Spiegels eine wichtige klinische Maßnahme zur Verlaufskontrolle. Zur Unterscheidung bei der Erstdiagnose zwischen Prädiabetes und manifestem Diabetes mellitus erlaubt er allerdings keine sichere Aussage. Ist die Diagnose eines Prädiabetes allerdings gesichert, so sollte im Abstand von einem Jahr eine Bestimmung des HbA1c-Wertes (ebenso der Nüchternglucose + oGTT) durchgeführt werden.

A^ndrexjka


Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ja, es wurde zweimal Nüchternblutzucker gemessen mit 14 Stunden Nahrungskarenz. Bin halt jetzt ziemlich verunsichert weil ich finde, dass man da weiter testen sollte.

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