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Tod durch "Zahnung"

egn^kixdu hat die Diskussion gestartet


hallo zusammen!

zum eingeng: in bearbeitung der historie einer im 19. jh. eingerichteten versorgungsanstalt für physisch und psychich erkrankte menschen ergeben sich mir, als blutugem nicht-mediziner, eine ganze reihe fragen.

um zu einer antwort zu finden, möchte ich sie dem forum einfach stellen. und ich freue mich auf euere stimme dazu.

voranstellen möchte ich noch, dass diese einrichtung im zuge der trennung einer zucht-, waisen- und armenantalt nach "pfleglingen" und "züchtlingen" sowie waisen entstant und sich die fragen daher beim studium alter akten und anderer schriften ergaben.

als todesursache bei kleinkindern wird immer wieder "zahnung" genannt. sie erscheint sowohl bei den kinder der eingleiferten bettlerinnen und straftäterinnen als auch bei kindern des personals und der ärzte. wo liegt das problem? ist das zähnekriegen" keine normale erscheinung? gibt es das heute noch so? (hab leider keine eigenen kinder!) wie konnte man dem vor ca. 180 jahren begegnen und wie ist das heute?

habt ihr eine antwort ??? ?

Antworten
e]nkxidu


ähmm

weiß auch nicht, ob das hier die richtige stelle für solche fragen im forum ist.

gibt es eine andere allgemeinere rubrik für so etwas?

möglicherwerweise habe ich noch ander fragen auf lager und die würde ich auch gern stellen und der allgemeinheit anbieten.

gibt es so eine rubrik fragen aan alle"?

...fand nichts passendes. :-/ :)D

F!alletnAng9ele4u


naja, wenn man die völlig unsterilen zustände in den jahrhunderten betrachtet und davon ausgeht, dass kindern in waisenhäusern aufgrund der nicht vorhandenen finanziellen mitteln auch keine fiebermedis beim zahnen zur verfügung gestellt wurden, dazu noch unterernährung.......das kann schon tötlich enden.

F{al^lenAnRgel4xu


zumal man damals froh war wenn die kinder das 5. jahr erreichten.

e-nkidxu


finanzielle mittel, unterernährung ... und die kinder der ärzte?

gibt es einen "biologischen" grund, der die sache kompliziert macht und den man nicht im griff hatte?

F,aMllenAIngxel4u


naja, ich meine was für fiebermittel standen damals groß zur verfügung? was konnte man gegen eine blutvergiftung machen? für fieber stand höchstens weidenrinde zur verfügung. daraus wurde später die salicylsäure isoliert, die daraus entwickelte acetylsalicylsäure ist in aspirin drin.

penicillin gibt es erst seit 1928 und paracetamol seit 1899.

wenn der liebe herr doctor erst leichen seziert hat und dann bei seinem kind nach den zähnchen geschaut hat, braucht es nur wenig und das kind stirbt an einer sepsis.

was übrigens auch bei einer großen anzahl der wöchnerinnen in der zeit so war.

s*cul`lixe


Viele Menschen starben damals an Zahnentzuendung(z.b.beim zahnen entzuendete sich der Mundraum,es entstand auch zum Teil durch Fieber und Blutvergiftung) weil das Antibiotikum noch nicht auf dem Markt war .

Ich denke auch wegen der Unterernaehrung ,fehlender guten operativen Eingriffen,fehlender guter Narkose und fehlender Hygiene starben Menschen an Zahnprobleme....Zaehnprobleme sind riskant ,weil sie im Kopf sind..

c]zudxay


hm gutes thema aber ob das wirklich hier rein passt? ich denke nur das das zu oft auch unter den teppich gefegt wird.oder :)^

cOzudaxy


warum?befasst du dich mit solchen dingen?find ich auch interressant aber leider hast du recht gibt es noch kein forum für solche fragen.oder sollte ich mich irren? ;-)

s0cupllile


Ausserdem hatten damals Bettler ,Waisen ,Strafftaeter fuer andere Leute nicht viel wert,es wurde fuer sie nicht viel getan,es wurde teilweise grausig mit ihnen umgegangen,der Tod war wohl auch teilweise erwuenscht,viele Leute sahen in diesen harten Zeiten in ihnen eine unnoetige Zusatzbelastung...

hXats`chipxu


ich hab keine ahnung,aber ich finde sowas auch höchstinteressant, beschäftige mich auch oft mit solchen Themen, leider hab ich keine Antwort für dich. Denk mal,dass was fallenangel4u geschrieben hat könnte zutreffen.

G+rBauaLmsexl


Das wird ein ganz interessanter Faden, enkidu! Danke, dass Du die ganze Corona an Deiner Arbeit teilhaben lässt.

Zu meiner Grossmutter hatte ich guten Kontakt und erfuhr viel über die Zustände der damaligen Zeit - aus der Zeit von Grossmutters Mutter auch... (Grossmutter hatte das Geburtsjahr 1899)

In gewissen Ländern war es Brauch, die Kinder erst so ungefähr ab Alter 3 beim Standesamt anzumelden - die Säuglingssterblichkeit war so hoch, dass man sich "unnötige Behördengänge" gerne erspart hatte.

Tod durch Zahnung... Ich weiss, dass man nur im äussersten Notfall eventuell eine Hebamme oder Krankenschwester um Rat fragte, wenn ein Säugling oder Kleinkind nicht gedieh. Gehobenere Stände leisteten sich eventuell einen Arztbesuch.

Ich vermute stark, dass bei dieser Todesursache sämtliche Säuglings- und Kleinkinderkrankheiten "inbegriffen" waren.

-Den plötzlichen Kindstod gab es schon immer

-Rhesusfaktor-Unverträglichkeiten wurden oft nicht als solche erkannt. Und wenn, dann konnte man nichts dagegen unternehmen.

-Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten und für die sich die Eltern keine Amme leisten konnten, wurden mit untauglicher Nahrung "aufgepäppelt"...

-Kinder mit Herzfehlern starben ebenfalls "plötzlich" - dann, wenn der Kreislauf für das mehr schlecht als recht gedeihende Kind nicht mehr ausreichte.

-Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern waren zu der Zeit meist tödlich.

-Oft hatten Frauen (mangels Geburtenkontrolle) jedes Jahr ein Kind. Der Körper der Mutter konnte sich zwischen den Schwangerschaften nicht regenerieren. Aus einem abgezehrten Körper kommt kein gesundes Kind. Viele Säuglinge waren ganz einfach zu schwach zum leben, serbelten ein paar Monate dahin, bis sie sterben konnten.

Die Leute waren zu der Zeit häufig von Rachitis (Vitaminmangelkrankheit) geplagt, hatten Tuberkulose und auch Ruhr war häufig.

Rkemux-la


Hab eine interessante Seite gefunden die einen Abschnitt "Zahnen in der Geschichte ..." hat

[[http://www.babyundkinderpflege.de/Zahnen.htm]]

Dort steht:

"Wie bereits erwähnt streiten sich die Gelehrten ob Zahnen die Babys krank macht oder zumindest belastet, oder ob nur die Eltern leiden während der Zahnungsphase. Ich habe in einem interessanten Buch gestöbert Thieme-Verlag "Chronik der Kinderheilkunde" von Albrecht Pieper von 1992, und folgende interessante Aussagen gefunden.

Hippokrates (etwa 460 - 377 v. Chr.) schreibt bereits über das Zahnen und dessen Begleiterscheinungen wie Krämpfe, Husten und Schlafsucht. Von Galen beschreibt zusätzlich Fieber, Durchfall und Widerwillen gegen Nahrung.

Im Alten Indien ging man davon aus, dass der Durchbruch der Zähne sogar die Ursache aller Krankheiten sei, besonders Fieber, Durchfall, Husten, Erbrechen, Kopfschmerz und Krämpfe. Und nach der Zahnung erlöschen die Krankheiten von selbst .....

Auch im Islam wird im 3. Kapitel des Canon medicus, Liber I, Sectio III, Doctina prima (S. 79/Thieme) beschrieben, dass Zahnen oft begleitet wird von Erbrechen, Krämpfen, Husten, Schnupfen, Atemstörung, Ohrenfluss, Ohrenschmerz, Fieber.

1627 gab es eine Stellungnahme von Fr. Ranchinus zu Kinderkrankheiten "Unter allen Kinderkrankheiten ist, wenigstens nach meinem Urteil, keine häufiger und verhängnisvoller als die Zahnung." (S. 499/Thieme)

1797 erklärte Wichmann jede Form der einzeln aufgezählten Erkrankungen und begründete dies. Schweres Zahnen - so sein Urteil - war eine bequeme Ausrede für den Arzt.

Phasenweise wurden zahnenden Kindern vorsorglich die Zahnleiste aufgeschnitten. Diese Prozedere wurde bis zu 10 x wiederholt. Die daraus resultierenden Begleiterscheinungen reichten von Schmerzen durch den Schnitt, Blutvergiftungen, schwere Infektionen bis hin zum Tod. Sieht man die Aussage von Wichmann unter diesem Aspekt, kann man seine Aussage sicherlich verstehen. Das schneiden des Zahnfleisches sollte das Zahnen erleichtern und auch deren mutmasslichen Folgeerkrankungen. Der Schaden war dabei für die Babys größer als der Nutzen."

Vor allem der Text in fett erklärt einiges ... :-o Die armen Babies! :°(

RPe^mu-?la


Auch sehr interessant (und auch teilweise sehr witzig!) : Geschichte der Zahnheilkunde

[[http://www.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?f=cont_stadtgeschichte.htm&d=/stadtgeschichte/stichworte/z/zahnheilkunde/]]

Zitat daraus:

"Wer in den Heilbronner Totenbüchern blättert, wird feststellen, dass Jahrhunderte lang erschreckend viele Kleinkindern im Alter von fünf bis circa dreizehn Monaten an "Zahnentwicklung", "schwerem Zahnen" oder "Zahngichter" (-krämpfe) starben. Sicherlich war es – nach heutigem Verständnis – oft nicht unmittelbar das Zähnekriegen, das zum Tod der Kleinen führte. Der Heilbronner Stadtarzt Friedrich August Weber, der 1783 ein umfangreiches medizinisches Handbuch veröffentlichte, hielt "die Zeit, in welcher bey Kindern die Zähne zum Vorschein kommen, für eine der wichtigsten Perioden des menschlichen Lebens". War das Kind schon vorher schlecht versorgt und mangelhaft ernährt, stand am Ende oft ein elender Tod. Weber setzte deshalb alles daran, die Eltern darüber aufzuklären, dass sie von Anfang an ihre Kinder "in allen Stücken gesund zu erhalten bemüht sind", sie deshalb rechtzeitig ärztlichen Rat einholen."

Es wurde damals wohl oft "schweres Zahnen" als Todesursache angegeben, aber eigentlich waren andere Krankheiten, v.a. Infektionen und schlechter Allgemeinzustand am Tod des Kindes Schuld.

Fuenxta


Ich hätte auch gesagt, dass man damals oft nicht wusste, woran die Kinder eigentlich gestorben sind bzw. was die Symptome ausgelöst... und wenn sie gerade gezahnt haben, dann war eben das schuld daran.

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