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Kann man jemanden ins Krankenhaus zwangs einweisen?

cxonte!ssa_:ext


Oh weh, ich weiß, dass das dein Freund und seine Mama wahrscheinlich nicht hören wollen, aber wäre es mein Partner, hätte der schon lange einen gehörigen Tritt in den Hintern von mir bekommen. Ja, es ist seine Gesundheit und ja, es ist auch seine eigene Entscheidung, ABER er kann nicht von mir erwarten, dass ich das kommentarlos und dann auch noch aufopfernd mittrage. Sicher nicht. Ich liebe meinen Partner sehr, aber wäre er so egoistisch, würde ich ihn vor die Wahl stellen, entweder er bewegt sich zum Arzt oder ich trenne mich. Ich werde nicht zusehen, wie der Mensch den liebe, vor sich hin stirbt, weil er partout zu stur ist zum Arzt zu gehen, warum auch immer. Ich sehe nicht ein, dass ich meine Lebensqualität auf Dauer so massiv einschränke. Vor allem die psychische Komponente ist da nicht zu unterschätzen. Ich sag nichts, dass man Angst vor Ärzten hat, vor Untersuchungen und auch vor Diagnosen. Die habe ich wohl in bestimmten Sachen auch, aber ich weiß, es kann im Prinzip nur besser werden. Ich bin auch die letzte, die sich trennen würde, wenn ich sehe, mein Partner bemüht sich um Heilung, wenn es ihm schlecht geht. Aber sich gehen lassen, alle anderen mit in diese Hilflosigkeit zu ziehen und zu erwarten, dass man ihm den Hintern nachträgt, nein, so etwas kann man nicht von jemanden verlangen, egal wie groß die Liebe ist. Wenn ich meinen Partner liebe, versuche ich mich auch um mich zu kümmern, um ihm solche Sorgen nach Möglickeit zu ersparen oder so gering wie möglich zu halten.

S.mar_agwdauge


Aber es WILL nicht jeder die Möglichkeiten der Medizin nutzen. Manch einer will einfach in Ruhe sein Leben beenden dürfen.

Das sehe ich auch.

Manchmal bin ich selbst zwiespältig, was die moderne Medizin angeht. Einerseits können wir alle froh sein, was möglich ist und dass man nicht an einer banalen Infektion stirbt wie früher. Ich glaube, jeder von uns hatte schon mindestens eine Krankheit, an der man vor 100 Jahren gestorben wäre, das fängt bei einer Blinddarmentzündung an und geht weiter bishin zur Notfallmedizin nach einem Unfall.

Aber: So sinnvoll vieles ist, auch in der Vorsorge, manchmal denke ich auch, dass die Menschen früher sehr viel ruhiger gelebt haben. Ich rede jetzt nicht davon, wenn die Pest im Lande war, das hat die Menschen seelisch verkrüppelt. Aber z.B. war fast alles, wo ein Mensch abgenommen hat, Schwindsucht. Ich denke, meistens war es eher ein Krebsleiden, aber die Diagnostik fehlte halt. Und die Menschen werden fast bis zum letzten Atemzug gedacht haben, dass sie vielleicht doch noch gesund werden. Eine Diagnose wie: Sie haben noch 3, maximal 6 Monate zu leben, das gab es nicht, also haben sie die letzten 3 - 6 Monate ohne den Tod vor Augen ganz normal gelebt, sofern es halt ging. Und sind dann irgendwann gestorben.

Ich will damit im Himmelswillen die moderne Medizin nicht in die Ecke stellen, ich bin da dankbar. Was ich meine ist, dass der Mensch natürlicher und hoffnungsvoller mit Krankheiten umgegangen ist und vieles, wovor man heute Angst hat, damals gar nicht bekannt war oder man meinte (und glaubte auch), es mit ein paar Kräutern in den Griff zu bekommen, wo man heute sagt, sorry, wir können nichts mehr tun.

cKlaijrxet


Aber es WILL nicht jeder die Möglichkeiten der Medizin nutzen. Manch einer will einfach in Ruhe sein Leben beenden dürfen.

Es ist aber ein Unterschied ob man in Kenntnis seiner gesundheitlichen Lage eine informierte Entscheidung trifft und eine OP, eine Chemotherapie, einen Krankenhausaufenthalt etc. ablehnt oder ob man aus ANGST völlig blockiert und sich und die Angehörigen so in eine schreckliche Situation bringt. Das ist keine freie Entscheidung, die man akzeptieren muss, sondern man sollte versuchen der Angst zu begegnen.

culaiCret


Und die Menschen werden fast bis zum letzten Atemzug gedacht haben, dass sie vielleicht doch noch gesund werden.

Das ist meiner Meinung nach eine ziemlich rosarote Verklärung der Vergangenheit.

SRmaragdXaxuge


Ich glaube nicht, dass das rosa-rot ist, zumal ich mich ja deutlich für Vorsorge und Co ausspreche. Ich glaube aber, dass wir heute einen unnatürlichen Zugang zum Sterben bekommen haben.

Das ist keine freie Entscheidung, die man akzeptieren muss, sondern man sollte versuchen der Angst zu begegnen.

Das kommt auf die Umstände an. Einen alten Mann würde ich nicht anfangen zu therapieren - was soll das? In diesem Alter noch irgendwelche Psychonummern durchziehen? Kein Mensch in diesem Alter wird sich unter diesen Umständen auf so etwas einlassen, gerade dann, wenn "schon alle Messen gelesen sind".

Und so egoistisch es von ihm sein mag, sich querzustellen und nicht ins KH zu kommen, so egoistisch ist es, ihn gegen seinen Willen dorthinzuschaffen oder ihn zu bearbeiten, bis er es tut, nur damit man selbst ein gutes Gefühl hat. Ich könnte mir vorstellen, dass er ein sehr genaues Gespür dafür hat, ob er noch lange leben wird oder nicht. Und wenn er dieses Leben nicht im Krankenhaus beenden möchte, dann ist es eben so.

btlackhea5rtedhqueexn


Und so egoistisch es von ihm sein mag, sich querzustellen und nicht ins KH zu kommen, so egoistisch ist es, ihn gegen seinen Willen dorthinzuschaffen oder ihn zu bearbeiten, bis er es tut, nur damit man selbst ein gutes Gefühl hat.

:)^

c;onteNssa_xet


Man kann aber auch nicht von seinen Angehörigen erwarten, dass die das stillschweigend bzw. ohne eigene Konsequenzen daraus zu ziehen einfach als gegeben hinnehmen. Ich seh doch nicht zu, wie sich jemand, den ich liebe, zugrunde richtet. Da geh ich in letzter Konsequenz lieber getrennte Wege. Das bin ich schon alleine meiner psychischen Gesundheit schuldig. Das hat nix mit "ein gutes Gefühl haben" zu tun.

d anahe8x7


Man kann aber auch nicht von seinen Angehörigen erwarten, dass die das stillschweigend bzw. ohne eigene Konsequenzen daraus zu ziehen einfach als gegeben hinnehmen.

Nein, aber diese Entscheidung treffen dann ja die Angehörigen eigenverantwortlich. Man kann niemandem die Schuld daran geben wenn man sich entschließt zu bleiben.

Der Mann war vor 10 Jahren in ärztlicher Behandlung, nach seinem Schlaganfall. Er weiß was möglich ist und was nicht und er weiß auch das man nicht automatisch im Krankenhaus bleibt und dennoch hat er eine Entscheidung dagegen getroffen. Alle anderen wussten von seiner Einstellung und haben dennoch die Entscheidung getroffen und treffen sie noch täglich, ihn auf seinem Weg nicht alleine zu lassen. Ich finde da kann man nur den hut ziehen und allen wünschen das es ein friedliches Ende findet, wie auch immer das dann aussehen mag.

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