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Fibromyalgie

fxlatw^hitxe hat die Diskussion gestartet


[[http://de.wikipedia.org/wiki/Fibromyalgie]]

Täusche ich mich, oder ist die Fibromyalgie überwiegend eine Folgeerkrankung einer psychologisch-psychiatrischen Erkrankung, nur dass die Fibromyalgie, also die physiologische Folge, im Vordergrund der Behandlung steht, bzw. vermieden wird deutlich zu sagen es ginge hier um die Folgen einer psychologischen Störung?

Wie ich darauf komme: Mir fiel auf, dass überwiegend Menschen, die berichteten, dass sie viel Stress hatten und oft Menschen sind die von sich karrieremäßig viel abverlangten und denen ein gewisser Lebenstandard und Status wichtig ist, an Fibromyalgie erkranken.

Ähnliches Phänomen beobachte ich übrigens bei CMD.

Kann da die Persönlichkeitsstruktur, die hohe Anforderungen, Perfektionsismus, Impulsivität gepaart mit Ängstlichkeit, dem Drang nichts dem Zufall zu überlassen (Kontrolle!), vor allem auch wenig Geduld, beinhält und die sich daraus ergebenen Lebensprioritäten mit einer entsprechenden Lebensweise mit viel Stress, hohem Tatendrang, daraus enstehen?

Mir kommt der Text in Wiki so...verschleiernd vor, dabei sind die Behandlungen und auch die Medikamente überwiegend auf die Psyche bezogen.

Antworten
s+po%rtVfa*n


Trifft auf mich nicht zu. Ich habe eine Fibro ohne Depression o.ä.

tlhe-cxaver


Es gibt in der Tat eine große Überlappung: Ca. 40% der Fibro-patienten erfüllen auch die Kriterien für eine somatoforme Störung.

Kann da die Persönlichkeitsstruktur, die hohe Anforderungen, Perfektionsismus, Impulsivität gepaart mit Ängstlichkeit, dem Drang nichts dem Zufall zu überlassen (Kontrolle!), vor allem auch wenig Geduld, beinhält und die sich daraus ergebenen Lebensprioritäten mit einer entsprechenden Lebensweise mit viel Stress, hohem Tatendrang, daraus enstehen?

Das spielt tatsächlich eine große Rolle. Die genannten Faktoren sind aber auch Risikofaktoren für andere chronische Schmerzen (Rücken u.s.w.), bei der Fibro ist der Zusammenhang besonders deutlich.

Folgen einer psychologischen Störung?

Es gibt keinen rein körperlich und keinen rein psychisch verursachten Schmerz, es sind immer beide Seiten beteiligt. Bei der Fibro handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um ein Problem der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem, da spielt Psyche natürlich schon eine erhebliche Rolle. Das momentane Erklärungsmodell besagt im Pronzip, dass es Menschen gibt, die aus noch nicht ganz klaren angeborenen oder erworbenen Gründen (häufig handelt es sich dabei um Probleme in der Kinder- und Jugendzeit) eine verminderte Stressresistenz haben. Trotzdem können sie ein ganz normales Leben führen - wenn aber neue starke Stressfaktoren dazukommen, ist die Regulationsfähigkeit überschritten und es entsteht die Fibro-Symptomatik, der Körper zieht quasi die Notbremse. Diese neuen Stressoren können schwere körperliche Erkankungen sein (Fibro kann sich z.B. auch nach Infektionskrankheiten entwickeln), meist sind es aber psychosoziale Belastungen.

Dass man Antidepressiva bei der Fibro gibt, hat übrigens erst mal nichts mit Depressionsbehandlung zu tun: Antidepressiva verstärken die körpereigene Schmerzhemmung, die nämlich mit den selben Botenstoffen funktioniert, die man auch für die Stabilisierung der Stimmung braucht (Noradrenalin, Serotonin). Diese Botenstoffe werden dem Gehirn durch die Medikamente vermehrt zur Verfügung gestellt. Man nutzt also quasi eine Nebenwirkung der AD aus.

Trifft auf mich nicht zu. Ich habe eine Fibro ohne Depression o.ä.

Nicht immer sieht man alles, was vorhanden ist. Ich kenne viele Fibro-Patienten, die das gesagt haben - aber nur wenige bei denen es wirklich so ist.

falatPwhicte


@ sportfan

Ich habe auch nicht von Depression gesprochen.

Trifft dieses auf dich zu:

Persönlichkeit

hohe Anforderungen, Perfektionsismus, Impulsivität gepaart mit Ängstlichkeit, dem Drang nichts dem Zufall zu überlassen (Kontrolle!), wenig Geduld (evtl hektisch)

Lebensprioritäten mit einer entsprechenden Lebensweise mit viel Stress, hohem Tatendrang

f-latwhwite


@ the caver

Ja, genau das schließt an meine Beobachtung an, besonders dies hier:

'der Körper zieht quasi die Notbremse'

EThem&aligCer NutYzer7 (#458x871)


dabei sind die Behandlungen und auch die Medikamente überwiegend auf die Psyche bezogen.

Aber nicht die aktuelle Forschung.

Siehe z.B. diese aufsehenerregende Studie: [[http://simmaronresearch.com/2014/11/drug-combo-pridgen-antiviral-fibromyalgia-trial-identified-results-available/]]

Ich habe keine Fibromyalgie, aber kenne einige Patienten und lese ein wenig in der Forschung mit.

Ebhemaligexr Nut.zerL (#4P5887x1)


Mal ganz naiv noch am Rande: Sollte es sich herausstellen, dass tatsächlich Viren an der Pathogenese beteiligt sind, dann schliesst das nicht aus, dass diese Viren gerade in eher stressigen Perioden im Leben zuschlagen. Es gibt z.B. eine spannende Studie zum Ausbruch von EBV auf Weltraumflügen. Ja, die haben wirklich Reaktivierungen bei Astronauten nachweisen können!

tlhe-[cavxer


Siehe z.B. diese aufsehenerregende Studie: [[http://simmaronresearch.com/2014/11/drug-combo-pridgen-antiviral-fibromyalgia-trial-identified-results-available/]]

Naja.

Die Jubelarien in diversen Internetmedien scheinen mir deutlich verfrüht. Wenn man die (bisher nur als Abstract publizierten) Originaldaten anschaut, stellt man fest, dass z.B. bei der Schmerzstärke auf der Zehnerskala der Gewinn gegenüber Placebo bei 0,8 lag (wenig überraschend, da Celecoxib ein Schmerzmittel ist), die number needed to treat (Zahl der Patienten, die man behandeln muss, damit einer profitiert) bei 14 lag, kann man schon mal daran zweifeln, dass das der große Durchbruch ist. Wenn man dann noch weiß, dass der Studienautor rein zufällig in leitender Position beim Patentinhaber für die Medikamentenkombination sitzt und außerdem in medline bisher eine Gesamtzahl von 0 Veröffentlichungen hat, werden die Fragezeichen schon etwas mehr. Und dass es schon vor 10 Jahren ergebnislose Versuche mit Herpesmedikamenten bei Fibromyalgie gegeben hat, erhöht meinen Optimismus auch nicht gerade - abgesehen davon, dass man sich auch erst mal überlegen müsste, wie ein Virus, das 90% der Bevölkerung haben/hatten, für die Erkrankung verantwortlich sein sollte.

Aber gut - die kommende Phase-3-Studie wird vielleicht ein paar Fragen beantworten. Bis jetzt jedenfalls besteht kein Grund zu fundamentalen Änderungen am Krankheitsverständnis der Fibromyalgie.

E2hemKaliger bNutzer] (#4588D71)


Für Jubelarien scheint es mir auch viel zu früh, da gebe ich Dir recht - aber spannend ist die Studie schon.

Und dass es schon vor 10 Jahren ergebnislose Versuche mit Herpesmedikamenten bei Fibromyalgie gegeben hat, erhöht meinen Optimismus auch nicht gerade

Kann ich verstehen - allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass es auch vor 10 Jahren schon schlecht designte Studien gab. Fibromyalgie lässt sich ja nicht anhand von Biomarkern diagnostizieren, so dass immer das Problem besteht, dass man eine bestimmte Untergruppe von Patienten untersucht oder sogar fehldiagnostizierte Patienten. Mit einer Studie ist es meist nicht getan.

abgesehen davon, dass man sich auch erst mal überlegen müsste, wie ein Virus, das 90% der Bevölkerung haben/hatten, für die Erkrankung verantwortlich sein sollte.

Sorry, aber DAS ist absoluter Quatsch. Weil 90% der Bevölkerung die EBV-Erstinfektion hinter sich haben, bedeutet das nicht, dass sie unter einer chronisch persistierenden oder reaktivierten EBV-Infektion leiden. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das gleiche gilt für CMV, HHV-6 etc.

Celebrex ist zwar ein Schmerzmittel, das heisst aber nicht, dass es gegen jede Art von Schmerzen hilft. Ich habe es auch monatelang genommen, und der Effekt hat nicht länger als 10 Tage angehalten. Könnte so gesehen sogar ein Placebo-Effekt oder Zufall gewesen sein. In der Pridgen-Studie werden nicht die schmerzlindernden Eigenschaften von Celebrex ausgenutzt, sondern der antivirale Effekt.

Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Ich bin keinesfalls davon überzeugt, dass Fibromyalgie durch Viren ausgelöst bzw. aufrechterhalten wird. Aber die Pridgen-Studie ist spannend.

sspor.tfan


@ sportfan

Ich habe auch nicht von Depression gesprochen.

Trifft dieses auf dich zu:

Persönlichkeit

hohe Anforderungen, Perfektionsismus, Impulsivität gepaart mit Ängstlichkeit, dem Drang nichts dem Zufall zu überlassen (Kontrolle!), wenig Geduld (evtl hektisch)

Lebensprioritäten mit einer entsprechenden Lebensweise mit viel Stress, hohem Tatendrang

Ungeduld, wenn etwas nicht gleich klappt, ansonsten hächstens der Punkt Persönlichkeit. Alles andere trifft auf mich nicht zu.

tMhae-ca9ver


Weil 90% der Bevölkerung die EBV-Erstinfektion hinter sich haben, bedeutet das nicht, dass sie unter einer chronisch persistierenden oder reaktivierten EBV-Infektion leiden.

Aber über 10% der Bevölkerung haben rezidivierende Reaktivierungen in Form von Herpes labialis - eine ziemlich offensichtliche Erkrankung. Wenn es da einen Zusammenhang mit FMS gäbe, sollte das ja schon mal irgendwem aufgefallen sein...

In der Pridgen-Studie werden nicht die schmerzlindernden Eigenschaften von Celebrex ausgenutzt, sondern der antivirale Effekt.

Das behauptet der Autor...

Die Situation ist doch folgende: 2 Jahrzehnte lang untersucht man den Zusammenhang von Fibromyalgie mit allen möglichen und unmöglichen Viren, und nie kommt was klares dabei raus - jedenfalls nichts, was über den allgemeinen Zusammenhang zwischen Infektionen und FMS hinausgeht. Insbesondere findet niemand einen Zusammenhang zwischen HSV1 und FMS. Dann kommt ein wissenschaftlicher Nobody (Allgemeinmediziner und Chirurg), hat einen Geistesblitz, lässt ihn sich patentieren, gründet eine Firma (zusammen mit einem Pharma-Manager und einer Virologin, die noch nie was über klinische Aspekte der Infektion publiziert hat), legt eine selbst durchgeführte Studie vor und gibt eine Menge euphorische Interviews, die dafür sorgen, dass die Firma plötzlich auf dem Radar der Finanzwelt ist.

Klingt für mich nicht so, als wäre das die große Umwälzung. Und dass irgendein neuer Befund in den Medien als die jetzt endlich gefundene Ursache der Fibro gefeiert wird, erlebt man ungefähr alle 2 Jahre...

EuhemalwigerU N$utzer L(#45i88x71)


Aber über 10% der Bevölkerung haben rezidivierende Reaktivierungen in Form von Herpes labialis - eine ziemlich offensichtliche Erkrankung. Wenn es da einen Zusammenhang mit FMS gäbe, sollte das ja schon mal irgendwem aufgefallen sein...

Aber Herpesvirus ist doch nicht gleich Herpesvirus. Reaktivierungen mit EBV, CMV oder HHV-6 sind selten, im Gegensatz zu HHV-1. Und relativ schlecht untersucht.

Ich glaube im übrigen nicht, dass HHV-1 der Übeltäter ist.

(Und danke für Deinen Hinweis auf die nicht vorhandene Forscher-Laufbahn bei Pridgen, das war mir nicht bewusst.)

Und dass irgendein neuer Befund in den Medien als die jetzt endlich gefundene Ursache der Fibro gefeiert wird, erlebt man ungefähr alle 2 Jahre...

Ja. Ebenso bei anderen chronischen (z.T. artverwandten) Krankheiten, bei denen man über die Pathogenese rätselt. Siehe die XMRV-Aufregung bei CFS. Viel Lärm um nichts. Aber wenn nur jeder zehnte vermeintliche Durchbruch ein tatsächlicher ist?

Ich kenne mich wie gesagt nicht wirklich mit Fibro aus. Aber es gibt eine hohe Komorbiditaet mit CFS. Und CFS wird in 70% aller Fälle von Pathogenen ausgelöst, am häufigsten von EBV. Die Charité forscht seit einigen Jahren zu EBV und CFS, s. z.B. die 2014-Veröffentlichung zum auffälligen EBV-Profil. Ein Test ist in der Entwicklung und sollte eigentlich Weihnachten fertig sein. Wenn die hohe Komorbiditaet sich als richtig erweist, stellt sich die Frage: Was ist anders bei den CFS-Patienten MIT Fibro als bei denen OHNE Fibro? Mit den Forschern aus der Charité sind da WIRKLICH gute Leute dran.

Oder auch: POTS. Man hat Autoantikörper finden können. Was, wenn POTS, CFS, Fibro alles Autoimmunkrankheiten sind? Bei CFS liegt die Vermutung nach dem Erfolg der drei Rituximab-Studien nahe. Ob man eines Tages auch Rituximab an Fibro-Patienten ausprobieren wird? Oder ob man die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen (Pathogene, Autoantikörper) fortsetzt? Aber was, wenn die auslösenden Pathogene längst kein Problem mehr sind, wie es bei CFS naheliegt?

A=pyrexna


Ich bin keinesfalls davon überzeugt, dass Fibromyalgie durch Viren ausgelöst bzw. aufrechterhalten wird.

Von Forschung habe ich keine Ahnung, und sicher bin ich nur ein Einzelindividuum, von dem keine allgemeinen Schlüsse abgeleitet werden können, aber bei mir wurde gleichzeitig sowohl CFS als auch FMS durch einen Virus ausgelöst. Der Verdacht auf eine (Auto)Immunerkrankung ist bei ebenfalls sehr hoch, weil mein Immunsystem vorher schon extrem geschädigt war.

EHhemaluiger> Nutzer 9(#4<58871)


Der Verdacht auf eine (Auto)Immunerkrankung ist bei ebenfalls sehr hoch, weil mein Immunsystem vorher schon extrem geschädigt war.

Ich habe mittlerweile einen positiven S-ANA und grenzwertige Anti-TPO... :-(

u9lsilQein


ich habe Fibro und war nie depressiv-eher das umgekehrte: wegen der dauernden Schmerzen und

allen anderen "Nebenwirkungen" kann man definitv depressiv werden !!!!!! Und wenn man dann

überall wie ein Simulant behandelt wird und Ärzte nur die Schultern zucken, dann erst recht!!!!!

Auch bei mir steht der Herpes-Virus im Verdacht: jede Gürtelrose (bekomme ich mit konstanter

Regelmäßigkeit nach jeder Virusgrippe oder anderer Infektion) zieht unweigerlich einen heftigen

Fibroschub nach sich. +Auch mein Immunsystem steht im Verdacht nicht ganz unschuldig zu sein-

ich habe erhöte ANA's und niemand weiß warum -Kollagenose-aber welche - nicht s ist wirklich klar

zuordbar.

Denke ich 30 Jahr zurück, ging man mit Migräne Patienten genau so um-man hatte keine Ahnung woher das

kam und wie man den Leuten begegnen sollte (Simulanten ???) -heute weiß man es besser.

Also hilft es uns nur uns in Geduld zu üben und zu hoffen, dass die irgendwann mal den Auslöser für

diese Multisystemerkrankung finden. .....

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