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Krankenhaus verlassen ohne Entlassungspapiere

T*imb,atxuku


danae87

Wieso sollte ich den überarbeiteten Leuten da das Leben noch schwerer machen?

Vielleicht um ein Zeichen zu setzen, dass da überarbeitete Leute sind und dass da eine nicht hinnehmbare Situation ist? Wenn du einen Brief an die Krankenhausdirektion schreibst, wie hier im Faden vorgeschlagen wurde, wandert der direkt in den Papierkorb - bestenfalls wird er vorher kurz überflogen. Bei einer Aktion, die den Klinikalltag ein bisschen durcheinanderbringt, gibt es wenigstens die Hoffnung, dass die Verantwortlichen nachdenken, ob und wie sie da was ändern könnten.


DieKruemi

Ich persönlich finde das derzeitige System krank.....

Ja. Megakrank. Und die jüngsten Reformen haben nichts zur Gesundung beigetragen, sondern die Krankheit verschlimmert.

die Politik und die Kostenträger (Kassen) haben das "vitales Interesse", um deine Frage zu beantworten, denn das DRG-System ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde in Deutschland bewußt eingeführt--obgleich es in anderen Ländern schon nicht funktionierte.

Kassen handeln nach gesetzlichem Auftrag. Bleibt also nur die Politik.

Was treibt nun den Politiker dazu, Krankenhausbetten abzubauen? Die Sorge um das Nettoeinkommen der Bürger? Dann müsste man doch erst den Bürger fragen, was er will. Angesichts der Milliarden, die zusätzlich zum Kassenbeitrag für medizinische Versorgung ausgegeben werden, sei es für frei verkäufliche Arzneimittel, sei es für IGeL-Leistungen oder anderes, kann ich nicht so recht glauben, dass dem Bürger der Kassenbeitrag zu hoch ist, sofern er dafür eine adäquate medizinische Versorgung erhält. Dann wird es schon eher die Sorge um den Profit der Arbeitgeber sein, der fast die Hälfte des Kassenbeitrags trägt. Aber muss das Wohl von ein paar Tausend Arbeitergebern über der medizinischen Versorgung von 80 Millionen Bürgern stehen?

Und ja, die Frage ist halt, haben wir nicht ein Überangebot, wird mehr angeboten, als die Bevölkerung braucht, wenn in D mehr operiert wird, als in den allermeißten Ländern Europas?

Operationen bringen Mehreinnahmen. Kein Wunder, dass chronisch unterfinanzierte Krankenhäuser darauf drängen, sie durchzuführen. Aber ist das hinreichend Anlass, ein Überangebot zu diagnostizieren und das Krankenhaus samt seiner OP-Säle zu schließen? Denn dann ist das Angebot auf für diejenigen, die es unbedingt brauchen, nicht mehr da, bzw. nicht mehr im Nahbereich verfügbar. Es wäre ja nicht tragisch, den OP-Saal für die Bevölkerung im Nahbereich vorzuhalten, auch wenn er nur zu 70 oder 80 % genutzt wird. Falls wirklich zu viel operiert wird, könnte eine Expertenkommission prüfen, ob unnötige darunter sind. Arzneimittel werden schließlich ebenso auf Wirksamkeit und Nutzen geprüft. Aber vielleicht wird in den allermeisten Ländern Europas auch zu wenig operiert und bei uns genau richtig? Man muss ja nicht das Schlechteste als Maßstab nehmen.

DxieKrxuemi


Aber vielleicht wird in den allermeisten Ländern Europas auch zu wenig operiert und bei uns genau richtig? Man muss ja nicht das Schlechteste als Maßstab nehmen.

Ich kann natürlich nicht ganz Deutschland beurteilen, sondern nur aus meinen 25 jahren in einer Uni-Klinik reden. Und aus meiner Sicht: ja, es wird zu schnell zu viel operiert und die Alternativen der konservativen Behandlung oder auch Nicht-Behandlung zu wenig dem Patienten aufgezeigt.

Was mir immer öfter "negativ" auffällt ist die geriatrische Chirurgie: da wird bei einem sehr alten Menschen z.B. eine tumoröse Veränderung festgestellt. es wird eine Punktion gemacht, die Identifikation der Krebsart macht deutlich, dass der Mensch aufgrund seines Lebensalters lange bevor dieser Mini-Tumor Probleme machen würde, sowieso sterben wird -wenn er nicht 150 Jahre alt wird..... Aber nein, es wird eine OP gemacht, ggf noch Strahlenbehandlung etc blabla, der ohnehin geschwächte alte Mensch ist danach so platt, dass er in ein Pflegeheim kommt. Hätte man ihn mit seinem Mini-Tumor in Ruhe gelassen, hätte er vielleicht noch 3-5 jahre selbständig und selbstbestimmt in seiner Wohnung gelebt und wäre irgendwann an Herzinfarkt, Altersschwäche etc- aber nicht an dem langsam wachsenden Tumor gestorben. aber das ist ein endloses Thema und ich schweife ab........

TOimbatxuku


DieKruemi

Ich kann natürlich nicht ganz Deutschland beurteilen, sondern nur aus meinen 25 jahren in einer Uni-Klinik reden. Und aus meiner Sicht: ja, es wird zu schnell zu viel operiert und die Alternativen der konservativen Behandlung oder auch Nicht-Behandlung zu wenig dem Patienten aufgezeigt.

Das weiß ich und das habe ich in meinem vorangegangenen Beitrag eingeräumt (Stichwort: Mehreinnahmen). Mir selbst ist das vor Jahren am örtlichen Krankenhaus auch untergekommen. Der Oberarzt wollte den glatten Bruch meines Mittelhandknochens operativ versorgen, ohne Alternativen vorzuschlagen. Die fragte ich dann aber hartnäckig nach, was ihn schon sichtlich nervte. Schließlich verzichtete ich auf die OP und begnügte mich mit Gips. Für die weitere Versorgung war dann der niedergelassene Chirurg zuständig, der nach einem Blick auf das Röntgenbild eine OP als überflüssig erklärte. Wenig überraschend.

Also nochmal: Natürlich gibt es überflüssige, unnötige Operationen in Deutschland. Die dienen der Einnahmeverbesserung der Krankenhäuser. Die Lösung kann aber nicht sein, deshalb Krankenhäuser zu schließen. Stattdessen sollte die finanzielle Versorgung der Krankenhäuser ausreichend sichergestellt sein, sodass der Druck, unnötige OPs durchzuführen, etwas nachlässt. Und obendrein könnte man die Notwendigkeit einzelner OPs nachträglich prüfen und auffällige Krankenhäuser entsprechend sanktionieren.

S;h3ojxo


Bis zur Aushändigung der Entlassungspapiere bin ich [...] Patient des Krankenhauses

Und was bitte war hier zensurwürdig? Mal im Ernst? ":/

m]ari3p,osxa


Vielleicht hat Timbatuku ein Fremdwort verwendet? 8-)

D"ieKJruemxi


Also nochmal: Natürlich gibt es überflüssige, unnötige Operationen in Deutschland. Die dienen der Einnahmeverbesserung der Krankenhäuser. Die Lösung kann aber nicht sein, deshalb Krankenhäuser zu schließen. Stattdessen sollte die finanzielle Versorgung der Krankenhäuser ausreichend sichergestellt sein, sodass der Druck, unnötige OPs durchzuführen, etwas nachlässt. Und obendrein könnte man die Notwendigkeit einzelner OPs nachträglich prüfen und auffällige Krankenhäuser entsprechend sanktionieren.

Du läßt einen Aspekt außer Acht, der jedoch innerhalb einer Klinik wichtig ist: um den Facharzt in seinem Fachgebiet zu erlangen, muss jeder Arzt einen vorgegebenen OP-Katalog sowohl im Spektrum, als auch in der Anzahl erfüllen und nachweisen. Auch das ist ein Grund, weshalb so häufig zur OP geraten wird, denn gerade die "kleinen" Eingriffe, die eine konservative Alternative haben, sind heiß begehrt. An einer kleinen Bruchverschraubung, geschlossen reponiert, mit einer Liegezeit von 1-2 Tagen verdient ein Krankenhaus wenig, da werden gerade mal Material, Personal-und Infrastrukturkosten gedeckt.

Der MDK überprüft schon längst die Notwendigkeit von Krankenhausleistungen, Dauer der Liegezeit, ambulant versus stationär etc , sie haben beim med. Dienst der Krankenkassen extra Personal aufgestockt dafür. Und dann erhält das Krankenhaus für die nachweislich ja erbrachte Leistung Null Honorar. Dass ich jedoch z.B. eine 90-jährige Dame lieber am Tag vor der OP stationär aufnehme, damit sie nicht morgens um 4:00 Uhr in ihrem Dorf in die Bahn springen muss, um pünktlich zur OP zu kommen, akzeptiert die Kasse nicht als medizinische Indikation für pre-operative Aufnahme und kürzt das Honorar.....glaub mir, die Krankenhäuser werden genug durch die Kassen kontrolliert und geprüft.

SWhoj@o


Also mal wieder ein ermüdend klassischer Fall von Kurzsichtigkeit, falschen Prioritäten und profitverblödetem Denken. %-| Immerhin werden gut behandelte - medizinisch wie menschlich - Menschen schneller wieder gesund undsoweiter. Das ist echt bizarr manchmal.

T imbatuxku


mariposa

Vielleicht hat Timbatuku ein Fremdwort verwendet? 8-)

Hat er in der Tat. Nachdem ich ganz lange überlegt habe, fiel es mir wieder ein, was ich dort geschrieben habe. Stimmt, war ein Fremdwort. Fremdwörter gehen gar nicht. ;-)

TQimba6t3uku


DieKruemi

Du läßt einen Aspekt außer Acht, der jedoch innerhalb einer Klinik wichtig ist: um den Facharzt in seinem Fachgebiet zu erlangen, muss jeder Arzt einen vorgegebenen OP-Katalog sowohl im Spektrum, als auch in der Anzahl erfüllen und nachweisen.

Stimmt. Diesen Aspekt lasse ich außer Acht, weil ich als Laie nichts darüber weiß. Einer der Gründe für meine Teilnahme hier ist, dass hier unter anderem auch Fachleute zugegen sind, die meinen Horizont erweitern.

Nun da ich über diesen Aspekt Bescheid weiß, frage ich mich, ob die Kriterien nicht überdacht werden müssen. Dass unnötige OPs vorgenommen werden, damit der Arzt seinen Facharzt machen kann, darf ja wohl nicht der richtige Weg sein.

glaub mir, die Krankenhäuser werden genug durch die Kassen kontrolliert und geprüft.

Dann bin ich ja beruhigt. Jetzt brauchen wir nur noch ein System, das die Kontrolleure kontrolliert. ;-) Der MDK ist ja auch nicht gerade über jede Kritik erhaben.

Dbie:Krquemxi


Dann bin ich ja beruhigt. Jetzt brauchen wir nur noch ein System, das die Kontrolleure kontrolliert. ;-) Der MDK ist ja auch nicht gerade über jede Kritik erhaben.

ohh jaaa, volle Zustimmung!!

Nun gebe ich mal meinen -sicherlich umstrittenen - Standpunkt:

ich würde es gut finden, wenn einige kleine Häuser dicht gemacht werden würden, auch auf die Gefahr hin, dass man länger auf Eingriffe warten müßte und weitere Fahrwege hätte. Und zwar aus folgendem Grund: Es gibt wirklich zu viele kleine Kreiskrankenhäuser, die allesamt ums Überleben kämpfen. Zum Teil werden sie von Betreiberfirmen aufgekauft, durchrationalisiert und müssen nun mit minimalen Kosten laufen. Im Ergebnis sehe ich dann in unserer Uniklinik einfach zu viele Komplikationen aus diesen Häusern, zu viele Krankenhauskeime etc. Ich bin ein Fan von "wer etwas oft macht, macht es gut". Ein kleines Haus, dass einen komplexen Eingriff 10 mal im Jahr macht, hat mehr Komplikationen dabei als ein spezialisiertes Haus, dass es 500 mal pro Jahr macht. Würde man nicht auf eine OP lieber 2 Wochen länger warten, wenn man dann sicherer sein kann, dass das Ergebnis besser ist? Klar, eine Notfallversorgung muss in der Nähe sein, aber muss echt jedes kleine Krankenhaus sich in Onkologie versuchen? Ist es da nicht sinnvoller, Onkologische Zentren zu bilden, in denen Erfahrung und Kompetenz gebündelt wird?

Nun da ich über diesen Aspekt Bescheid weiß, frage ich mich, ob die Kriterien nicht überdacht werden müssen. Dass unnötige OPs vorgenommen werden, damit der Arzt seinen Facharzt machen kann, darf ja wohl nicht der richtige Weg sein.

Naja, ich möchte schon von einem Facharzt z.B. in Neurochirurgie erwarten, dass er alle Eingriffe sicher beherrscht und diese häufig unter Anleitung eines erfahrenen Oberarztes durchgeführt hat, bevor man ihn alleine an den OP-Tisch läßt. Also der vorgeschriebene OP-Katalog ist schon sehr sinnvoll.

dOanaex87


Ich persönlich finde das derzeitige System krank.....

Volle Zustimmung.

Es wäre sicherlich hilfreich wenn Krankenhäuser nach dem Ergebnis ihrer Arbeit bezahlt werden würden. Geht es jemandem hinterher wirklich besser und das auch noch ein Jahr nachher oder war das mehr die kurzfristige OP und Besserung und am Ende ist alles beim Alten oder schlimmer, so wie ich es von vielen Rücken-Op's kenne bei denen die Physio durch eine OP ersetzt werden sollte? Ist der alte Mensch nach der OP ein schwerer Pflegefall oder hat er wirklich noch echte Lebenszeit mit Qualität mehr? Irgendwie sollte mehr das gwünschte Ergebnis und die Abweichung davon einbezogen werden als was auch immer die Krankenkassen da zum Teil für ihre Bezahlungen heranziehen.

Was die kleinen Krankenhäuser angeht: ich finde ja die schweren sachen sollten in die spezialisierten Häuser gehen und vor Ort tun es so Minikrankenhäuser die den täglichen Kram abfrühstücken. Also eine Röntgenstation sollte schon in erreichbarer Nähe sein, aber wenn es dann was schweres ist dann eben weiter. Nicht das die großen Häuser am Ende mit lauter pillepalle überlaufen. Auch Geburten sollten in Reichweite möglich sein und wenn ich da was am Versicherungssystem mache damit da Belegärzte aus der Umgebung kommen können ohne das alle daran arm werden. Denn wer hat schon die Muse drei bis fünf Wochen irgendwo auf seine Entbindung zu warten, alleine im Hotel? Während zu Hause eventuell ein älteres Kind irgendwo betreut werden muss oder wie? Also da deutlich schrumpfen und dann wird eben mal umverteilt.

qPuacaksavlbeirei


Es wurden ja zuletzt einige Punkte zum "gesundheitspolitischen" OT (wogegen Shojo ja zum Glück nichts hat :-)) genannt, bei denen es hakt und bei denen ich teilweise zustimmen kann. Was die "OP-Freudigkeit" angeht, kam ein Punkt aber noch nicht zur Sprache. Manchen (nicht nur) Ärzten ist es leider sehr wichtig, sich einen Namen zu machen, viele Operationen in beispielsweise einer neuen OP-Technik durchzuführen, Veröffentlichungen in der Fachliteratur zu haben, von der "Konkurrenz" und der (Fach-)Welt anerkannt zu werden. Sicherlich müssen neue OP-Methoden erprobt und Erfahrungen gesammelt werden. Aber wenn ich als Patient mit Einblick auch in die medizinische Seite merke, dass bei einem Arzt in allererster Linie der Wunsch nach Profilierung dazu führt, relativ "wahllos" beispielsweise zu Operationen zu raten, dann finde ich das äußerst ekelhaft und unmoralisch. Aber ja, zum Glück gibt es auch Ärzte, die anders ticken.

Noch mal zu Timbatuku wegen Beschwerde an die Geschäftsführung: Ich kenne es zumindest in einem "privaten" Krankenhaus durchaus so, dass Beschwerdebriefe an Geschäftsführung/Beschwerdemanagement/Chefärzte gelesen und besprochen werden, die wandern nicht in den Papierkorb. Wie das derzeit beispielsweise an Uni-Kliniken aussieht, kann ich nicht wirklich sagen, aber vielleicht weiß da ja DieKruemi mehr. Und klar: Die Politik erreicht man dadurch auch maximal sehr indirekt. (Aber - wie gesagt - "Terroraktionen", nee, kannste vergessen, außerdem bist Du doch erwachsen, oder? ;-) Sachliche (bis leicht emotionale) "Unmutsäußerungen" auf Station, einhergehend mit einer gewissen Kompromissbereitschaft und Verständnis - okay.)

M.ugxuet


Da die laufende Diskussion sowieso nicht mehr all zu viel mit der eingangsfrage zu tun hat, hier noch ein anderer Aspekt

Leider werden viel zu häufig Krankenhäuser als die günstigere "Pflegeeinrichtung" mißbraucht

Bitte nicht falsch verstehen ich arbeite sehr gerne in der inneren Medizin und dort ( aufgrund der Infrastruktur ) überwiegend mit Patienten höheren Alters (80+)

Aber wie oft ist der eigentliche Grund einer Einweisung das Versorgungsproblem, die Rechtfertigung der stationären Behandlung des Patienten verlangt da große Kreativität

Keiner unserer Patienten wird entlassen wenn nicht die häusliche Versorgung geklärt ist, dies bedingt somit durchaus längere Liegezeiten welche mit Sicherheit in kleinster weise mehr wirtschaftlich sind

Und dennoch verstehe ich jeden meiner Patienten dem der Schritt, aus der Selbstständigkeit nach einem langen eigenverantwortlichen Leben, in ein Abhängigkeitsverhältnis seine Zeit braucht

Dieses gestaltet sich daher oft zunächst in dem Versuch ambulanter Pflege , immer häufigeren klinikaufenthalten, vielen stürzen oder anderer blessuren bis endgültige Konsequenzen folgen

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