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Wann Obduktion bei plötzlichem Tod?

PRamerxla hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe mich neulich mit einer neuen Freundin unterhalten.

Mein Vater starb vor ein paar Jahren mit 60. Er ging abends ganz normal schlafen und wachte nicht mehr auf. Der Notarzt stellte einen Totenschein aus und stelle noch ein paar Fragen zur Ernährung und Lebensweise meines Vaters und kam dann zu dem Entschluss, dass er zu ungesund gelebt hat (Raucher, Übergewicht) und dass sowas dann schon mal passieren kann.

Von meiner Freundin der Vater starb mit 54 Jahren, ebenfalls ganz plötzlich während eines Nickerchens. Er wurde aber obduziert.

Wieso wurde er obduziert und mein Vater nicht? Gibt es irgendeine Altersgrenze, die mein Vater überschritten hatte? Er war jetzt auch nicht total dick.

Oder zieht man bei sowas als Raucher halt die A-Karte?

LG

Antworten
csrieqchaDrlxie


Das kommt auf den Arzt an, er kann es beantragen UND/ODER ob die Angehörigen das wollen. Wenn die Todesursache klar ist, wird es kein Arzt beantragen. Wahrscheinlich ist aus der Anamnese + der Untersuchung der Leiche klar hervor gegangen, was es war.

t:hev-'cav"exr


das hängt davon ab was der Arzt der die leichenschau durchführt als todesart ankreuzt: bei "natürlich" wird nicht obduziert, es sei denn die Angehörigen möchten und bezahlen es. bei "nicht natürlich" und "ungeklärt" muss er die Polizei verständigen. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann ob oder ob nicht (meist nachdem sich ein beamter die lage vor Ort angesehen hat).

bei Tod in der Klinik kann die Klinik eine Obduktion auch bei natürlichem Tod anbieten, trägt dann auch die Kosten.

L.iain-uJilxl


Mein Vater starb auch sehr plötzlich, er ist auf dem Weg zur Haustüre zusammengebrochen und meine Mutter fand ihn erst eine Stunde später. Damals kam noch mitten in der Nacht ein Kripobeamter und ließ sich die Krankengeschichte und die Medikamentation berichten. Der sagte uns, dass der zständige Staatsanwalt entscheiden müsse, ob eine Obduktion erforderlich ist oder nicht, und wann die Leiche zur Bestattung freigegeben wird.

Nachdem mein Vater bereits an verschiedenen Herz-Kreislauferkrankungen litt und auch Marcumar einnehmen musste und trotzdem ungebrochen weiter rauchte und auch trank, und seine behandelnden Ärzte ihm unter den gegebenen Umständen einen frühen plötzlichen Tod vorhergesagt hatten, sollte er seine Lebensgewohnheiten nicht ändern, sah der Staatsanwalt wohl einen natürlichen Tod als gegeben an.

SUchriunxd


Es sterben offensichtlich zahlreiche Menschen unter ungeklärten Umständen. Obduziert wird nach meinem Kenntnisstand nur dann, wenn der Verdacht auf eine unnatürliche Todesursache, vulgo Straftat, vorliegt. Folglich sterben in Deutschland massenhaft Menschen unter letzlich ungeklärten Umständen. Wenn der hinzugezogene Arzt seinen Friedrich Wilhelm drunter gesetzt hat, ist die Geschichte erledigt. Da werden mit Sicherheit auch Straftaten bis hin zum Mord dem ewigen Vergessen anheim gegeben.

ELlaEfRemic5h081x5


Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einem "natürlichen Tod" und einem "unnatürlichen Tod".

- Natürlicher Tod ist z.B. Altersschwäche oder wenn eine entsprechende Erkrankung vorliegt an der man letztlich stirbt, z.B. Krebs.

In dem Fall ist keine Folgeuntersuchung nötig und der Betreffende kann sofort bestattet werden.

(Anmerkung: Das stimmt nicht ganz. Denn jeder, der in Deutschland feuerbestattet werden soll, muss vor der Einäscherung von einem zweiten Arzt, in der Regel der zuständige Amtsarzt, untersucht werden. Das ist aber nur eine oberflächliche "Sichtprüfung").

- Unnatürlicher Tod wäre z.B. Mord, Selbstmord oder ein Unfall.

In dem Fall würde ohnhin die Kriminalpolizei den Leichnam erstmal beschlagnahmen und die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen anordnen. Dazu kann auch eine Obduktion gehören.

- Daneben gibt es noch die Todesursache "ungeklärt".

Der Tod muss in Deutschland von einem Arzt festgestellt werden. Erst danach könnte der Leichnam von einem Bestatter abgeholt und beerdigt werden. Der Arzt kann der Hausarzt sein. Dann würde er in der Regel einen "natürlichen Tod" feststellen. Vor allem wenn er den Verstorbenen selber gekannt und behandelt hat und abschätzen kann ob er z.B. an einer bekannten Krankheit verstorben ist oder an Altersschwäche.

Der Arzt kann aber auch ein Notarzt sein, wenn z.B. der Hausarzt nicht erreichbar ist. Da der Notarzt den Verstorbenen in der Regel nicht kennt, kann es hier passieren das er als Todesursache "ungeklärt" angibt.

In dem Fall wird automatisch die Kriminalpolizei verständigt und diese ordnet weitere Untersuchungen an. In der Regel setzen diese sich mit dem Hausarzt in Verbindung und fragen dort nach ob der Tod nachvollziehbar ist. In dem Fall wird keine Obduktion angeordnet, der Verstorbene nach 1-2 Tagen freigegeben und dieser kann dann von einem Bestatter bei der Gerichtsmedizin (oder einem Bestatter der mit der Polizei zusammen arbeitet) abgeholt und beerdigt werden.

(Anmerkung: In dem Fall wäre im Falle einer Feuerbestattung keine weitere Untersuchung durch den Amtsarzt nötig. Es wird von der Polizei eine sogenannte "Unbedenklichkeitsbescheinigung" ausgestellt.)

Ist der Tod nicht nachvollziehbar kann eine Obduktion angeordnet werden in der die genaue Todesursache festgestellt wird.

Eine Obduktion wird übrigens nicht von der Kriminalpolizei selber veranlasst sondern von der zuständigen Staatsanwaltschaft angeordnet.

Es kann sogar passieren das jemand im Krankenhaus auf dem Operationstisch verstirbt und die Ärzte trotzdem die Todesursache "ungeklärt" angeben. Das sind dann Fälle wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

(Ist z.B. bei meiner Tante so gewesen. Darmkrebs im Endstadium. Im Krankenhaus daran verstorben und der zuständige Arzt gibt an Todesursache ungeklärt und schaltet die Kripo ein. Das führte z.B. dazu das einige aus der Familie sogar Vermutungen anstellten die Familie hätte erlösend eingegriffen. Was natürllich nicht der Fall war!)

Daneben gilt es noch den Todeszeitpunkt exakt festzustellen. Ist z.B. niemand anwesend gewesen gibt es zwei Angaben, Zeitpunkt der Leichenauffindung und wann zuletzt lebend gesehen.

E7lafnRemicNh0815


Richtig ist das der Verstorbene ohne weiteres beerdigt werden kann, solange der Arzt bei der Feststellung des Todes (Ausfüllen der Todesbescheinigung) eine natürliche Todesursache bescheinigt.

Das ein echter Mord ungestraft und unbemerkt durchgeht kommt sicher auch mal vor. Da das dann aber niemand bemerkt und weiß kann ich zu Häufigkeiten keine Angabe machen. Ich schätze aber das das eine extreme Ausnahme darstellt.

Deshalb gibt es die Bestimmung das bei einer Einäscherung vorher noch ein zweiter Arzt gucken muss, der überprüft ob der erste Arzt bei seinen Angaben zur Todesursache richtig lag oder evtl. ein Messer im Rücken übersehen hat. Die Untersuchung nennt man "zweite Leichenschau".

Bei einer Bestattung im Sarg könnte man den Verstorbenen schließlich nochmal ausgraben und untersuchen, sollten sich Anhaltspunkte ergeben. Nach einer Verbrennung bleibt nur ein Haufen Asche mit der man deutlich weniger anfangen könnte.

Ich mache den Beruf nun schon seit vielen Jahren und ein solcher Fall ist bisher nicht aufgetreten. Das einzige was evtl. mal passieren kann ist das bei der amtsärztlichen Untersuchung durch den Amtsarzt vor einer Einäscherung der Verstorbene nicht freigegeben wird. Das ist allerdings nur sehr selten der Fall und in dem Fall wird nur nochmal beim ersten Arzt nachgefragt was er da festgestellt/eingetragen hat. Es war ebenfalls noch nie der Fall das eine Einäscherung aufrund dessen letztlich abgelehnt wurde.

Es nützt auch nichts den Verstorbenen im Ausland einäschern/beerdigen zu lassen. Denn um die Landesgrenze zu passieren benötigt auch ein Verstorbener einen Ausweis, den sogenannten Leichenpass und dieser wird nur nach einer amtsärztlichen Untersuchung ausgestellt.

Bestatter dagen übrigens nicht verbrennen oder einäschern sondern "kremieren".

t_he-c#aver


Obduziert wird nach meinem Kenntnisstand nur dann, wenn der Verdacht auf eine unnatürliche Todesursache, vulgo Straftat, vorliegt.

Falsch, siehe oben.

Im übrigen bedeutet "nicht natürlich" nur in einem Teil der Fälle auch "Straftat" - es gibt schließlich auch jede Menge Unfälle ohne Fremdverschulden.

Da werden mit Sicherheit auch Straftaten bis hin zum Mord dem ewigen Vergessen anheim gegeben.

Das wird immer wieder behauptet und ist auch durchaus vorstellbar. Ich kenne dazu allerdings keine wirklichen Untersuchungen, also etwas, das über anekdotische Berichte wie "Bestatter findet das Einschussloch" hinausgehen würde.

Dpesp\ero


Es kann sogar passieren das jemand im Krankenhaus auf dem Operationstisch verstirbt und die Ärzte trotzdem die Todesursache "ungeklärt" angeben. Das sind dann wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

Du brauchst nicht den Kopf schütteln. Wenn jemand auf dem OP-Tisch verstirbt, dann wird/muss die Kripo informiert werden. Ob der Arzt nun will oder nicht. :=o

txhe8-cavexr


Es kann sogar passieren das jemand im Krankenhaus auf dem Operationstisch verstirbt und die Ärzte trotzdem die Todesursache "ungeklärt" angeben. Das sind dann Fälle wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

Das ist in aller Regel so und ist in den allermeisten Fällen die korrekte Angabe. "Nicht natürlich" wäre es nur bei Anhaltspunkten für einen Behandlungsfehler (und natürlich wenn die OP aufgrund eines Unfalls erfolgte). Die meisten Todesfälle im OP betreffen aber Notfalleingriffe bei kritisch Kranken, die ohne die OP auch verstorben wären. In vielen dieser Fälle kann man eigentlich auch "natürlich" ankreuzen: Der Patient im septischen Schock, der schon mit massiver Kreislaufunterstützung in den OP gekommen ist und während des Eingriffs nicht mehr stabilisierbar ist. Die 80jährige im Spätstadium eines Darmwandinfarkts. Der Patient, bei dem sich die tumorbedingte Blutung (z.B. Leber oder große Arterie) als nicht stillbar herausstellt. Um mal nur ein paar relativ typische Beispiele zu nennen. Wo ist da der Anhaltspunkt für etwas anderes als einen natürlichen Tod?

EplaLfRem9iTch0x815


Es war bei meiner Tante für alle vollkommen klar das sie an ihrem massiven Darmkrebs, der schon im ganzen Körper gestreut hatte, und nach mehreren Chemos, verstorben ist. Sie ist - wenn man sie bei der Abholung gesehen hat - ziemlich jämmerlich krepiert. Ich weiß nicht mehr ob sie während einer Operation oder auf der Intensivstation liegend verstorben ist.

Nur die seltsame Ärztin meinte es wäre unklar gewesen ob natürlich oder unnatürlich. Sie konnte diese Meinung auch nicht wirklich begründen auf Nachfrage.

(Unabhängig davon sehen viele "Kunden", die auf Intensivstationen versterben ziemlich maltretiert aus. Ich bin kein Arzt, schätze aber das kurz vor Exitus nochmal richtig extreme Medikamente verabreicht werden, die als letzte Option entweder noch ein paar Stunden herausschlagen oder entgültig zum Tode führen.)

Das ist aber alles gar nichts gegen die Leute, die man erst nach Wochen irgendwo findet... :-X

Lniuan-Jiill


Ja, danke, aber das geht jetzt schon ein bisschen am Fadenthema vorbei, man kann sich auch vergaloppieren bei der Beantwortung einer Frage. Ein bisschen Feingefühl schadet nie.

S#chruxnd


Das wird immer wieder behauptet und ist auch durchaus vorstellbar. Ich kenne dazu allerdings keine wirklichen Untersuchungen, also etwas, das über anekdotische Berichte wie "Bestatter findet das Einschussloch" hinausgehen würde.

the-caver

Schon richtig. Bloß stammen die Anekdoten halt aus berufenem Mund, sozusagen. Guckst du [[http://www.sueddeutsche.de/panorama/ungeklaerte-todesursachen-tausend-unentdeckte-morde-1.196861 hier]] zum Beispiel.

Ja, danke, aber das geht jetzt schon ein bisschen am Fadenthema vorbei, man kann sich auch vergaloppieren bei der Beantwortung einer Frage. Ein bisschen Feingefühl schadet nie.

Lian-Jill

Hast Recht. Von mir solls das gewesen sein.

L i}an-Jwilxl


Schrund, dich meinte ich gar nicht.

Ich hatte nur die Befürchtung, dass ElafRemich0815 ungefragt so richtig in Fahrt kommt bei der Beschreibung der körperlichen Hinfälligkeiten mancher Verstorbenen. Ich vermute mal, dss er im Bestattungswesen arbeitet.

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