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Kann man jemals von einer Essstörung geheilt werden?

LGiebesen<gel05 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich bin seit 4 Jahren essgestört, bin jetzt fast 19 Jahre alt, also nähern sich die 5 Jahre....ich habe auch schon zahlreiche Theras hinter mir, leider hat es nichts gebracht.

Ich kann dazu noch sagen, dass ich den Willen habe normal zu essen und mein Gewicht zu halten, doch dadurch, dass ich trotz normaler Ernährung Essattacken bekomme, fange ich wieder an zu hungern damit ich dies unterbinden kann...das ist total falsch ich weiß, aber irgendwie komm ich aus dem Teufelskreis nicht raus.

Ich habe immer diesen innerlichen Zwang zu essen, obwohl ich gar nicht will und das Gefühl lässt mich erst los, wenn ich vollgefressen im Bett liege....wie kann man sich mal gescheit ablenken oder was dagegen nehmen z.B. Baldrian oder so....

ich will so gerne wieder gesund sein....

Antworten
Doynam;ixker


Hallo Liebesengel05, ich möchte dir etwas Mut machen. Ich selbst bin von meiner Essstörung geheilt. Ich war zwischen 19 und 22 Magersüchtig, danach habe ich zwar auch wieder gegessen, hatte aber genauso wie du auch Essanfälle und danach wieder Hungern usw. Das hat dann ca. 10 Jahre gedauert, in denen es immer irgendwie auf und ab ging (ich hatte aber das Gefühl immer ein bisschen aufwärts in Richtung normaleres Essverhalten). Ich hatte damals leichtes Übergewicht und das Essen war immer noch ständiges Thema.

Im Alter von ca. 32 Jahren habe ich meinen Sekretärinnenberuf aufgegeben und habe mir den Traum erfüllt, Sängerin zu werden (hatte vorher ständig privaten klassischen Gesangsunterricht neben voller Berufstätigkeit). Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Engagement an einem Theater zu bekommen und habe dort gemerkt, dass ich einfach essen muss, um die anstrengende Arbeit durchzuhalten. Das Essen war also nicht mehr mein Feind, sondern ein Freund, der mir Energie gibt das zu tun, was mein Leben ist - Singen!

Ab da war ein Schalter in meinem Kopf umgelegt und der Körper hat sich nach und nach auf einem Gewicht eingependelt, das ich halten kann, ohne darüber nachzudenken, wieviel ich esse. Ich habe wieder gelernt zu spüren, wann ich Hunger habe und wann ich satt bin. Dafür bin ich sehr sehr dankbar, weil ich dieses Gefühl des inneren Zwangs, essen zu müssen und danach wieder die Schuldgefühle und die Versuche mit viel Sport oder nichts Essen wieder alles auszugleichen......

Also gib nicht auf - vielleicht hast du noch noch die richtige Therapie gefunden - oder vielleicht brauchst du auch gar keine Therapie mehr, sondern sollst versuchen, rauszufinden, was denn dein Leben ausmacht, was ihm seinen Sinn gibt, was so viel von deiner Energie verlangt, dass du gar keine Zeit mehr hast, über Essen oder nicht Essen nachzudenken.

Vor allem brauchst du ganz viel Geduld mit dir selbst. Mach dich nicht fertig, weil du es noch nicht schaffst, normal zu essen. Lobe dich dafür, wenn du es wieder mal eine Zeitlang geschafft hast!

Ganz liebe Grüße

LZiebeOsen~gxel05


Hi Dynamiker,

Natürlich bin ich stolz auf das, was ich bis jetzt geschafft habe...aber wiederrum stelle ich mir die Frage, wieso es überhaupt soweit kommen musste....habe ich mich nie wirklich geliebt gefühlt? liegt es an der Erziehung oder daran dass meine Mutter auch an einer Essstörung leidet und wir nie wirklich zusammen gegessen haben...? ich weiß es nicht, und es ist schwer für mich das heraus zu finden....

Ich bin sehr froh, dass ich meine Familie und meinen Freund habe, die mich alle sehr unterstützen, trotzdem fehlt mir etwas und ich weiß nicht, woran das liegt, dass ich wieder diese Rückfälle bekomme.....

lg

p6acirfic._o}ceaxn


Die Essattacken können auch aufgrund von Mangelernährung kommen. Wobei die Mangelernährung nicht aufgrund von wenig Essen entsteht, denn selbst Übergewichtige sind häufig mangelernährt. Es kommt, weil man das Falsche isst. Ich hab vor nicht ganz einem Jahr mit der Vollwertkost angefangen, weil ich irgendwann nur noch Appetit auf Süßes hatte und mir gesagt hab, das kann auf Dauer nicht gesund sein, den ganzen Tag überwiegend nur noch Schokolade zu essen. Ich hab dann nämlich immer mehr gesunde Sachen weggelassen bzw. nur noch Möhren, Salat und ähnlich kalorienarme Sachen gegessen um nicht zuzunehmen durch den Süßkram.

Bei der Vollwertkost läßt man den Zucker weg und ich dachte meine Heißhungerattacken verschwinden dann, wenn der Entzug erst einmal abgeschlossen ist. Es wurde auch besser, ich hatte auch nicht mehr direkt Heißhungerattacken, aber es gab Tag, an denen ich soviel essen konnte wie ich wollte, ich war nicht wirklich satt und zufrieden, trotz der gesunden Ernährung. Umso länger ich die Vollwertkost machte, desto mehr merkte ich woran es wirklich lag, ich aß zu wenig Fett. Für mich waren Öl, Nüsse usw. alles andere als gute Freunde und ich vermied fettes so oft wie möglich, nahm nur Magerquark, 0,1%igen Yoghurt usw. Mittlerweile weiß ich, dass der Körper das (gesunde!) Fett braucht und zwar in einer Menge, die um einiges höher lag, als ich es immer zu mir nahm. Irgendwann fand ich durch Zufall heraus, dass das Unzufriedenheitsgefühl wegging, wenn ich Nüsse oder was fettiges aß. Und seit ich den Dreh raus habe, wieviel Fett ich brauche, bin ich immer satt und zufrieden und esse weniger als früher. Man muss sich nicht wundern, warum soviele Menschen trotz der Lightprodukte immer dicker werden. Ich esse jetzt wieder richtige Butter, benutze viel saure Sahne, Schlagsahne, kalt gepresste Öle am Salat usw. und nehme nicht zu. Gleichzeitig fühle ich mich viel besser und bin viel ausgeglichener als früher.

Wie sieht denn deine "normale" Ernährung überhaupt aus?

aAvanxti


also, ich will dir deine Hoffnungen nicht nehmen, aber ich glaube, die wenigsten Menschen werden von Eßstörungen komlett geheilt. (Ausnahmen gibt es sicherlich, schrieb ja schon Dynamiker)

Man kann sicherlich Symptomfrei werden, vielleicht auch für immer, aber irgendwie bleibt da immer ein kleines krankes Männchen im KOpf, das einen fragt, ob man das mit dem essen nicht lieber sein lassen will oder ob man das gegessene nicht lieber wieder erbrechen möchte, das supersensibel auf kleinste Gewichtsschankungen reagiert, das einem die Tränen in die Augen treibt, wenn wieder irgendein dummer KOmmentar kommt oderoderoder.

Es erfordert viel Zeit und Geduld und vor allem Willensstärke, Symptomfrei zu werden, das ist nicht so leicht, wie es sich anhört (wie es sich vor allem anhört, weil man realistisch betrachtet sehr ekelhafte Sachen macht :-/ )

Aber schaffen kannst dus allemal...

Als Ablenkung würde ich im übrigen Sport empfehlen: dadurch kannst du nichts essen und verbrennst nebenbei auch noch aktiv Kalorien...

pMaGcifiYc_6ocexan


Als Ablenkung würde ich im übrigen Sport empfehlen: dadurch kannst du nichts essen und verbrennst nebenbei auch noch aktiv Kalorien...

Aber aufpassen, es gibt auch Sportbulemie, also nicht übertreiben.

akvanxti


Mal ganz kurz off-topic:

MIr ist nicht klar, und wars auch noch nie, was an Sportbulimie so dramatisch sein soll, abgesehen von dem extremen Zeitaufwand. Ist das nicht eher gut? Also, gut ist ne Sucht nie, aber im Rahmen von Eßstörungen wohl die sinnigste, oder?

p[acificW_ocexan


So weit ich weiß, machen die Leute soviel Sport, das es für den Körper nicht mehr gut ist und sie sogar krank werden. Außerdem verbrennen die Leute mehr Kalorien als wie sie aufnehmen, soll heißen ist letztendlich wie eine Magersucht, die Leute verhungern praktisch. Der Körper geht dann an die eigenen Reserven in Muskeln und Knochen und isst sich praktisch selber auf, denke schon, dass das dramatisch ist.

aNvantai


Aber reguliert sich so ne Sportbulimie nicht irgendwann selber? Rein theoretisch gesehen KANN man nun mal irgendwann keinen Sport mehr machen.

Naja, ich nehms einfach mal als Fakt an :-) danke

p=acifiJc_oc_eaxn


Aber reguliert sich so ne Sportbulimie nicht irgendwann selber?

Ja wenn die Leute kraftlos zusammenbrechen und der Körper absolut nicht mehr will, aber darauf sollte man lieber nicht warten. Das dauert eine Weile und wenn es so weit ist, bestehen dann schon schwerwiegende gesundheitliche Schädigungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.

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