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Aminosäuren

myarionk180'7 hat die Diskussion gestartet


Ich leide seit einiger Zeit an Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche. Ein Freund hat mir Aminosäuren-Präparate empfohlen. Sein allgemeines Wohlbefinden hätte sich dadurch verbessert. Er sei nicht mehr so müde und abgeschlagen wie zuvor und fühle sich insgesamt leistungsfähiger und belastbarer. Ich bin jedoch gegenüber Ernährungs-Supplementen extrem skeptisch. Würde mich über Feedback von Usern, die Erfahrung damit haben, freuen.

Antworten
jgn


Die meisten Aminosäuren kann der Organismus selbst herstellen. Genau genommen sind es nur zwei, bei denen er auf eine externe Zufuhr angewiesen ist. So gesehen ist ein Mangel daran - gerade in unserer heute üblichen eiweißreichen Ernährung - extrem selten bis unmöglich.

Selbst wenn ein solches Präparat helfen würde, muß dir klar sein, daß damit das Problem nicht abgestellt ist. Die Beschwerden haben Ursachen und die beseitigt man nicht mit der Einnahme von Präparaten. Man hat bei solchen Präparaten dann immer die Wahl: Lebenslang nehmen und bezahlen oder damit aufhören und die Beschwerden wieder ertragen. In jedem Fall wäre es nur eine symptomatische Maßnahme.

Bei den geschildetern Symptomen handelt es sich allerdings meist um Folgen lebensbedingter Belastungen (Streß, Spannungen), daher würde ich erst einmal in diesem Bereich nach Ursachen suchen. Zusätzlich würde ich in jedem Fall auf eine gesunde Ernährung achten.

ddan"ycNa


Speziell bei Schlafstörungen kann Tryptophan helfen. Es ist eine Vorstufe des Melatonins, dem Hormon das beim Schlafen ausgeschüttet wird. Tryptophan wird auch von Ärzten bei Schlafstörungen gegeben. es hat auch eine antidepressive Wirkung, da es zugleich Vorstufe des Serotonins ist, welches bei depressionen oft im extrazellulären Raum der Hirnzellen in zu geringer Konzentration vorliegt. Die anderen Antidepressiva (chemischen) wirken im Prinzip auch so, das sie Serotonin erhöhen. Und viele Antidepressiva haben auch eine Schlafanstoßende Wirkung.

Gerade dieses serotonin ist auch der Grund, weshalb Schokolade *glücklich* macht - es wird durch Schoki stimuliert. Manche lieben auch aus diesem Grund Schoki vorm Einschlafen...

l'enzx10


Also, ich habe sehr positive Erfahrungen mit Aminosäuren-Präparaten gemacht. In einer sehr schwierigen Situation haben sie mir wirklich gut geholfen. Ich konnte besser schlafen und war einfach besser drauf. An der Situation konnte ich nichts ändern, aber ich konnte wirklich besser aushalten. Daher kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es schon nützlich ist, sich in schwierigen Zeiten mit Nahrungsergänzungen drüberzuhelfen. Dass natürlich eine Beseitigung der Ursache besser ist, ist klar. Aber das geht leider nicht immer. Soweit ich übrigens informiert bin, gibt es 8-10 Aminosäuren, die man zuführen muss.

jxn


> Soweit ich übrigens informiert bin, gibt es 8-10 Aminosäuren,

> die man zuführen muss.

Man war vor kurzem in der Tat noch der Ansicht, daß der Organismus acht (10 im Säuglingsalter) Aminosäuren nicht selbst herstellen kann, weiß aber heute, daß sechs der acht bisher als essentiell bezeichneten Aminosäuren aus ihren entsprechenden Ketosäuren endogen synthetisiert werden können. Streng genommen sind nur noch Lysin und Threonin essentiell.

-> Biesalski, "Taschenatlas der Ernährung", 3. Auflage, p.124

C4arluita


Und in welchen Nahrungsmitteln ist Lysin und Threonin drin? Genügend davon zu essen macht ja eine Nahrungsergänzung überflüssig.

Hxors]t100x9


Danke jn für den Hinweis zu essenziell oder nicht und das Zitat von Biesalski. Ich habe versucht in der Original Literatur eine wissenschaftliche Arbeit zu finden, die das belegt. Es ist schon klar, dass die Ketosäuren durch Transaminierungsreaktionen zu Aminosäuren führt. Die muss ich aber auch dem Körper zuführen. Daher ist das ganze eine Haarspalterei: In seinem Buch auf Seite 124 spricht Herr Biesalski " Tyrosin wird endogen aus der essenziellen SA Phenylalanin gebildet". Das Wort essenziell drückt also aus, dass sie unentbehrlich sind. Daher ist eine Nahrungsergänzung mit Aminosäuren nach vielen Erfahrungen sehr wohl "essenziell".

jdn


> Das Wort essenziell drückt also aus, dass sie unentbehrlich sind.

Oder daß wir die nächste Auflage abwarten müssen. ;-) Letztendlich spielt es für die angesprochene Problematik keine Rolle, wie viele AS nun essentiell sind.

> Daher ist eine Nahrungsergänzung mit Aminosäuren nach

> vielen Erfahrungen sehr wohl "essenziell".

Die Aminosäure ist essentiell, nicht die Nahrungsergänzung. Soweit kommt es noch, daß Nahrungsergänzungen als essentiell angesehen werden...

T+o$nxi29


Ich hab die Diskussion jetzt eine Zeit lang beobachtet und bin nun ganz neugierig geworden...

Kann mir vielleicht jemand sagen, wo ich solche Aminosäuren-Präparate kaufen kann bzw. mehr fachspezifische Infos erhalte? Muss ich da zum Arzt oder bekomm ich die auch in der Apotheke oder Drogerie?

j<n


@Toni

Wenn man dir damit das Geld aus der Tasche ziehen kann, bekommst du es auch problemlos. ;-)

Die Frage ist aber: Was willst du damit erreichen, dir etwas synthetisches zuzuführen, daß in deiner Ernährung sowieso schon enthalten ist?

S&alQomxe


Essenzielle Aminosäuren

Biesalski's Buch setzt keinen neuen Meilenstein in der Ernährungswissenschaft. Seine Arbeit gießt nur Öl ins Feuer derer, die

den Begriff essenziell in jede mögliche verbiegen, dass er keine Aussagekraft mehr besitzt. Es ist Augenwischerei und sonst nichts.

Die Frage ist aber: Was willst du damit erreichen, dir etwas synthetisches zuzuführen, daß in deiner Ernährung sowieso schon enthalten ist?

So wie das Niacin in Vollkornprodukten? ;-)

S*alo^mxe


Korrektur

In jede mögliche Richtung verbiegen.

jun


@Salome

> So wie das Niacin in Vollkornprodukten?

Du mußt unterscheiden zwischen einem synthetischen, isolierten Stoff, der in unpassenden Mengenverhältnissen, unpassend zu Nahrung und zu den weiteren benötigten biologischen Wirkstoffen zugeführt wird und einem Stoff, der in seiner natürlichen Zusammenhang zugeführt wird.

SLalo&mxe


@ jn

Selbstverständlich sollten die Mengenverhältnisse stimmen. Führt man einen isolierten Stoff in größeren Mengen dem Körper zu, so kann das an anderer Stelle zu Ungleichgewichten führen, die sich negativ auf den Organismus auswirken. Der Gefahr bin ich mir durchaus bewusst.

Es gibt aber Substanzen, die dem Körper zu therapeutischen Zwecken in höheren Dosen zugeführt werden können, ohne das damit ein empfindliches Gleichgewicht gebrochen wird. Ein Beispiel hierfür ist Niacinamid. Ähnlich wie Vitamin C wirkt es je nach Dosierung entspechend unterschiedlich. Als Gerontologin nehme ich es schon viele Jahre lang hochdosiert (d.h. 2x 500 mg pro Tag), weil mir der positive Einfluss dieser Substanz auf den Alterungsprozess schon vorher bekannt war. Es hat etwas mit Gen- Inaktivierung zu tun

und ist in "Insiderkreisen" in aller Munde. Nächstes Jahr werde ich 40.

In meinem Bekanntenkreis heißt es, man könnte mich für Mitte 20 halten. Das hört eine Frau gern (Wir sind nun mal von Hause aus eitle Wesen ;-)) Ob ich mein jugendliches Aussehen nun allein dem Niacinamid zu verdanken habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich lebe auch ansonsten sehr gesund und stelle an meine Nahrung sehr hohe Ansprüche, bevor sie meinen Gaumen passiert. Da kannst Du sicher sein.

Bruker betonte immer, im Vollkorngetreide befänden sich sogut wie alle lebenswichtigen Mikronährstoffe. Sosehr ich den alten Herren auch immer bewundert habe, aber in diesem Punkt irrte er. Selbst Getreidefrischbrei versorgt den Körper nicht ausreichend mit Vitamin B3 (und mit "ausreichend" meine ich keine therapeutischen Dosen), weil das Niacin in gebundener Form vorliegt, die der Körper nicht oder nur sehr schlecht verwerten kann. Es liefert Dir genug B1, damit Du nicht an Beri Beri erkrankst, und hat Auszugsmehlen gegenüber auch ansonsten klare Vorteile. Ich selbst esse Essener Brot in Demeterqualität und backe mein Kamutbrot selbst. Natürlich habe ich eine eigene Getreidemühle - um einen möglichen Einwand zuvorzukommen :-D

Ich verwende gezielt Nahrungsergänzungsmittel, verzichte dabei aber nicht auf mein bewährtes Ernährungskonzept, welches sich in vielen Punkten mit Deinen Empfehlungen deckt, aber auch darüber hinausgeht.

Mit freundlichen Grüßen

jxn


@Salome

> Selbstverständlich sollten die Mengenverhältnisse stimmen.

Sie können nie stimmen, weil viele Stoffe nicht synthetisch hergestellt werden können und nur ein Bruchteil überhaupt erst entdeckt und erforscht ist. Die Funktionsweise unseres Stoffwechsels ist in etlichen Bereichen noch unbekannt, ein passendes Verhältnis kann daher gar nicht angegeben werden, weil man die Wechselwirkungen teilweise noch gar nicht kennt.

> [Niacinamid].

> Als Gerontologin nehme ich es schon viele Jahre lang

> hochdosiert (d.h. 2x 500 mg pro Tag), weil mir der positive

> Einfluss dieser Substanz auf den Alterungsprozess schon

> vorher bekannt war.

Nunja, bei Überdosierung gibts schon mal Leberschäden, Hyperurikämie, Hyperglykämie und noch ein paar harmlosere Effekte. Im Tierversuch gab es noch diverse andere unerwünschte Effekte wie Phosphaturie und Wachstumshemmung. Aber das weißt du vermutlich ja bereits.

Ein Niacinmangel kommt bei normaler Ernährung praktisch nicht vor, weil das Niacin im Organismus auch aus Tryptophan synthetisiert wird. Erst, wenn auch der Tryptophanstoffwechsel gestört ist oder eine Proteinmangelernährung vorliegt, kommt es zu einem Niacin Mangel.

Ich habe generell eine deutliche Abneigung gegen jede Art von Nahrungsergänzung, nicht nur wegen der oben angesprochenen Probleme, sondern auch, weil sie implizit eine Kritik an der Natur darstellt. Wir sind keine Fehlkonstruktion, deren naturgemäße Nahrung durch synthetische Zusätze ergänzt werden muß, damit wir gesund bleiben.

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