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Was genau ist organisches Calcium?

S#cherGzkekxs hat die Diskussion gestartet


Hi,

kürzlich in einem Beitrag wurde empfohlen, anstelle von Calciumtabletten als Nahrungsergänzung, auch bei Osteoporose, lieber organisches Calcium zuzuführen. Was genau ist organisches Calcium, in wiefern unterscheidet es sich von anderem(?) Calcium, und wo erhalte ich mehr Informationen dazu? Beim Googeln habe ich außer Werbung nicht viel aussagekräftiges dazu gefunden.

Antworten
wgAve27GI


Also spontan würde ich sagen (auch wenn "organisches Calcium" nicht ganz sauber formuliert ist), das es Calcium ist, das in irgendeiner organischen Verbindung vorliegt. Also in irgendeiner Verbindung mit Kohlenstoff. Es könnte also z.B. [[http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumcitrat sowas]] sein.

Alternativ könnte es ganz besonderes Calcium aus besonderen Quellen sein, das aus irgendwelchen Gründen (angeblich) besonders gut wirkt.

c ete0rum cexnseo


Eine Erfindung der Heilpraktiker und der Industrie, die dahintersteckt ;-D

Kalzium liegt zum größten Teil als Kalk vor, was bereits eine organische Verbindung ist. Auch die anorganische Verbindung Kalziumoxid verwandelt sich unter Einfluß von CO2/Kohlensäure in Kalk. Der Körper nimmt Kalzium als Kalziumionen auf, gesteuert wird das über Hormone. Es ist bei einem funktionierenden Hormonhaushalt praktisch gar nicht möglich, vorhandenes Kalzium nicht aufzunehmen, denn Ionen werden immer freigesetzt, schon bei der Lösung in Wasser bzw. einer anderen Körperflüssigkeit.

s,chnTatte3rgzusche


"Organisches Calcium" ist Calcium in einer organischen Verbindung. Erfunden wurde es natürlich nicht von Heilpraktikern und der Industrie, sondern von der Natur.

Calcium ist ein für den menschlichen Organismus notwendiges Mengenelement. In der Natur kommt es aber am häufigsten in anorganischen Verbindungen vor. Wir kennen es da z.B. als Calciumcarbonat ("Kalkstein"). In dieser Form kann es der Körper nicht verarbeiten.

Pflanzen binden Calcium bei ihrem Stoffwechsel an Proteine. In dieser Form sind sie dann auch für den menschlichen Körper verwertbar. Dabei spielt das Prohormon Cholecalciferol eine für den Stoffwechsel entscheidende Rolle. Es wird in der Haut unter dem Einfluß von UV-B-Strahlung gebildet. Deshalb ist nicht nur die Zufuhr einer ausreichenden Menge an Calcium wichtig, sondern auch der Aufenthalt im Freien.

dLruxg


@ schnattergusche

Calciumcarbonat ist eine organische Verbindung, in Lösung liegt sie dissoziiert vor und dadurch ist das Kalzium sehr wohl verwertbar vom menschlichen Körper. Doch im Prinzip ist das sowieso irrelevant, angesichts der Tatsache, dass wir gerade einmal 1g Calcium / Tag benötigen. Die Menge kriegen wir schon von woanders her und müssen nicht anfangen, Kreide zu kauen ]:D

s0chngattergZusxche


Kreide kauen wäre unsinnig. In welcher Form liegt Calcium da vor? ;-) Was ist die Quelle "von woanders"?

""Gerade einmal 1g" ist eine ganze Menge. Unser Tagesbedarf an Magnesium liegt bei 300-400 mg. Der an Chloriden (z.B. aus dem anorganischen Kochsalz) bei 800 mg. Der von Natrium (auch aus Kochsalz) bei nur wenig über 500 mg.

In dissoziierter Form ist Calcium für den menschlichen Stoffwechsel immer noch kaum brauchbar. Der entscheidende Faktor sind die Proteine. Sie wirken als Katalysatoren.

cTete^rum _censoeo


In der Natur kommt es aber am häufigsten in anorganischen Verbindungen vor. Wir kennen es da z.B. als Calciumcarbonat ("Kalkstein"). In dieser Form kann es der Körper nicht verarbeiten.

Leider nur die halbe Wahrheit:

Natürlich kann der Körper es durch einen kleinen Trick auch leicht aufnehmen:

Calciumcarbonat selbst ist in reinem Wasser kaum löslich. Bei Anwesenheit von gelöstem Kohlenstoffdioxid steigt die Löslichkeit jedoch um mehr als das hundertfache. ...wobei sich das leicht lösliche Calciumhydrogencarbonat Ca(HCO3)2 bildet.

Aus diesem einfachen Grund sind Kalziumtabletten oft als Brausetabletten erhältlich. Die gelöste Form als Kalziumhydrogenkarbonat sichert Kalziumionen en masse und somit beste Verfügbarkeit für den Körper.

Nach demselben Prinzip nehmen wir Kalzium in Mineralwässern auf. Da es keinen Bodensatz bildet, kann es also nur in gelöster Form vorliegen. Und gelöste Form bedeutet freie Ionen. Und freie Ionen bedeuten Kalziumversorgung für den Körper :)z Wenn dieses einfache Prinzip nicht funktionieren würde, könnten die Korallen ihr Kalzium nämlich gar nicht erst dem Meerwasser entnehmen. Denn auch Meerwasser enthält gelöstes CO2.

Einfach Chemie :)z

c:et4eruRm cexnseo


drug

in Lösung liegt sie dissoziiert vor und dadurch ist das Kalzium sehr wohl verwertbar vom menschlichen Körper.

Genau :)^ Unsere Beiträge haben sich überschnitten.

tthe-%cavexr


Calciumcarbonat ist eine organische Verbindung

Falsch, Carbonate sind per definitionem anorganisch - nicht alles, was Kohlenstoff enthält ist organisch!

angesichts der Tatsache, dass wir gerade einmal 1g Calcium / Tag benötigen. Die Menge kriegen wir schon von woanders her

Das hängt von den jeweiligen Ernährungsgewohnheiten ab und stimmt so pauschal nicht. Allerdings ist bei einer normalen Ernährung in der Tat die Ca-Zufuhr ausreichend, der limitierende Faktor für die Verwetrung ist dann meist Vitamin D.

Es ist bei einem funktionierenden Hormonhaushalt praktisch gar nicht möglich, vorhandenes Kalzium nicht aufzunehmen

Falsch. Die Calciumresorption im Darm liegt in der Größenordnung von 50% (soviel zum Thema "unmöglich, es nicht aufzunehmen".

schon bei der Lösung in Wasser

Dummerweise ist Calciumcarbonat *nicht* wasserlöslich ]:D - dafür braucht es schon Säure, und das ist ein kritischer Faktor, da der pH im Dünndarm im neutralen Bereich liegt. Dass manche organischen Verbindungen da besser sind, scheint tatsächlich so zu sein (Lactat z.B.). Andere organische Anionen (z.B. Oxalat) senken sie eher. Insgesamt ist die Datenlage hierzu schwierig, da die Ca-Resorption in erheblichem Umfang von anderen Faktoren (Vitamin D, Magensäuresekretion, Ca-Bestand des Körpers) abhängt. Zu behaupten, die Art der Calciumverbindungen spiele keine Rolle, ist jedenfalls aus der Luft gegriffen.

Grüße

c:eter9um cexnseo


Carbonate sind per definitionem anorganisch

Ja, per definitionem. Also rein willkürlich. Die Einteilung in organische und anorganische Chemie stammt noch aus dem 18. Jahundert und ist heute völlig nichtssagend.

s5chnatXterguschFe


In der Natur kommt es aber am häufigsten in anorganischen Verbindungen vor. Wir kennen es da z.B. als Calciumcarbonat ("Kalkstein"). In dieser Form kann es der Körper nicht verarbeiten.

Leider nur die halbe Wahrheit:

Natürlich kann der Körper es durch einen kleinen Trick auch leicht aufnehmen:

Calciumcarbonat selbst ist in reinem Wasser kaum löslich. Bei Anwesenheit von gelöstem Kohlenstoffdioxid steigt die Löslichkeit jedoch um mehr als das hundertfache. ...wobei sich das leicht lösliche Calciumhydrogencarbonat Ca(HCO3)2 bildet.

Das sagt Wikipedia dazu. Lesen ist nur eine Seite der Medaille. Auf der Rückseite steht das Verstehen.

Die Verbindung mit gelöstem Kohlenstoffdioxid entsteht bei der Photosynthese im Stoffwechsel der Pflanzen. Dabei werden die organischen Verbindungen erst geschaffen. Aber das schrieb ich bereits.

Aus diesem einfachen Grund sind Kalziumtabletten oft als Brausetabletten erhältlich. Die gelöste Form als Kalziumhydrogenkarbonat sichert Kalziumionen en masse und somit beste Verfügbarkeit für den Körper.

Zu dumm, daß [[http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumhydrogencarbonat Calciumhydrogencarbonat]] keine gelöste Versorgungsform für Calciumionen ist, sondern eine hypothetische Substanz.

George Boole meint dazu: Calciumhydrogencarbonat != Calciumcarbonat

Fazit: Nicht das "organische Calcium" ist eine Erfindung der Industrie, sondern die calciumhaltigen, aber sehr wirkungsarmen Brausetabletten.

s[chnat3ter#gu/sche


Die Einteilung in organische und anorganische Chemie stammt noch aus dem 18. Jahundert und ist heute völlig nichtssagend.

Diese Einteilung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Daß sie "völlig nichtssagend" sei bitte ich zu belegen. Sonst könnte womöglich das Urteil auf den Richter zurückfallen.

c,eteru]m censexo


Toll, ich hab vorhin einen richtig guten Beitrag geschrieben, der alle hier überzeugt hätte ;-D ;-D ;-D :-p

...und dann hab ich mich ausgeloggt, ohne ihn erst abzuschicken...

Mist, wer weiß, wann ich wieder so kreativ und sugggestiv drauf bin... :=o ]:D

Z8wnackx44


Also statt sich über Definitionsfragen in die Haare zu bekommen, könnte man ja zur wesentlichen Frage kommen: In welcher Form kann man dem Körper Calcium am besten zuführen? Wenn man Ca-hydrogencarbonat nimmt, rauscht das Kohlendioxid im salzsauren Magensaft wieder heraus; gut, das Calcium bleibt in Lösung, solange die Umgebung sauer bleibt, aber dann im Dünndarm? Genau, da braucht man dann eine Ca-Verbindung, die in neutralen Medien gelöst bleibt, und da bieten sich eben Ca-Verbindungen relativ hoher Wasserlöslichkeit wie z.B. das Lactat an, wie the-caver ja oben schon vorgeschlagen hat.

c>etaeruPm ce.nsexo


Die Absorption von Ca2+-Ionen wird ...durch ... die aktive Entfernung mittels des Ca2+-Bindungsproteins aus den Schleimhautzellen des Duodenums in das Interstitium gewährleistet.

Also ganz so dumm ist der Dünndarm nicht ;-)

Womit ich jetzt nicht gerechnet habe: ich kam über Laktat und Kalziumlaktat zu Kalziumlaktatglukonat. Und was steht da:

... findet es in Brausetabletten als Calciumquelle Verwendung.

Warum streiten wir uns nun eigentlich? Brausetabletten sichern also die effektivste Form der Kalzium (zusatz)versorgung des Körpers. Man kann auch Quark essen, wo das Kalziumlaktat wohl die zweitbeste Quelle darstellt.

Bleibt also von "anorganischem" Kalzium nur Kalk? Wollte je jemand Kalk essen? Na also ;-D

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