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Essstörungen verschiedenster Ausprägung seit früher Kindheit

Tgrkauzeug in hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum,

ich hatte eine sehr schwere Kindheit, bin jetzt fast 24 Jahre alt und habe meine innerlichen Probleme schon immer aufs Essen übertragen.

Ich als Kleinkind etwas pummelig, was meine Eltern dazu veranlasste mich durchgehend zu beleidigen und meine Pummeligkeit (ich hatte kein Übergewicht) dauernd zum Thema zu machen.

Da begann ich zu verstehen, dass Essen etwas schlechtes sein muss, etwas was nur Leute machen, die sich nicht zusammenreißen können.

Mit etwa 3-4 Jahren fing es an, dass ich heimlich anfing zu essen. Ich erinnere mich an eine Situation (ich muss 4 Jahre alt gewesen sein), dass ich zwei Packungen Wassereis ins Bett nahm, mich versteckte und es heimlich alles auf einmal aß.

Ich erinnere mich auch daran, dass meine Oma einmal zu mir sagte, dass ich ganz schlank geworden bin. Ich kann höchstens 5 gewesen sein, weil meine Oma vor meinem 6. Geburtstag versstorben ist und trotzdem habe ich mich danach so sehr gefreut, dass ich es jetzt noch weiß.

Damals konnte ich das Problem nicht benennen, meine Eltern haben mir nur Vorwürfe gemacht, mir schlimme Schimpfworte entgegengebracht und letztendlich aufgegeben.

So ging das bis ich ca. 10 war. Ich war leicht übergewichtig und war es leid. Ich habe Sport gemacht (zwei Manschaftssportarten) und das Übergewicht war weg. Die Essanfälle waren auch weg, die Gedanken über das Gewicht auch fast. In der Zeit ging es mir aber psychisch viel schlechter.

All die ungelösten Probleme mit meinen Eltern, das Gefühl nichts wert zu sein, Selbstmordgedanken (mit 10!), wenig Freunde und die neuen Anforderungen am Gymnasium.

Solange die Essstörung "weg" (unterdrückt) war, ging es mir schrecklich.

Mit etwa 15 ging es langsam wieder los, dass ich meinen Körpermaßen die schuld an meinem Aussehen gab. Ich fing an Süßigkeiten zu horten und sie alle auf einmal zu essen.

Mit 18 schlug es schlagartig in Magersucht um. Mit 19 bin ich daran fast gestorben und sollte gegen meinen Willen eingeliefert werden (meine Eltern haben nichts mitbekommen, ich war wieder mal auf mich alleine gestellt).

Aber, ich war glücklich.

Alle meine Probleme habe mit Nichtessen kompensiert, meine Seele war frei, ich hatte Spaß, schrieb mein Abi, hatte Freunde, Liebesbeziehungen u.s.w.

Als es nicht mehr so weitergehen konnte, habe ich das letzte bisschen Lebenswillen zusammen genommen und um mein Leben gekämpft.

Ich habe keine Therapie gemacht (mein größter Fehler), sondern habe von alleine wieder gegessen. Außerdem bin ich zu meinem Freund gezogen (wir sind seit 4 Jahren zusammen x:) ) und er hat es mit mir durchgestanden.

Seit dem habe ich 90kg zugenommen! 90 verdammte Kilos.

Ich merkte zu spät, dass ich die Magersucht einfach wieder in die Esssucht verwandelt hatte. Mein Freund war einfach nur froh, dass ich noch lebte (er hat sich über die Zunahme noch nicht einmal beschwert).

Seitdem versuche ich abzunehmen. Das ich ein Problem habe, merkte ich daran, dass jedes Mal, wenn ich mir vornehme keine Essanfälle zu haben, nervös werde. Ich bekomme Entzugerscheinungen, so lächerlich das klingt.

Ich schwitze, kriege starke Kopfschmerzen, mir wird schlecht und ich werde aggressiv. Es ist so schlimm wie nie zuvor. Ich halte es oft keinen Tag ohne Essanfälle aus, manchmal schaffe ich es 2-3 Tage.

Langsam leidet mein Studium darunter, wer nimmt mich denn mit 130kg?

Ich überlege jetzt endlich eine richtige Therapie zu machen (vielleicht sogar stationär), die Ärzte haben machen mir wenig Hoffnung.

Bei jemanden, der seine Essstörung schon 20 Jahre und vorallem seit frühester Kindheit mit sich rumträgt, sind die Heilungschancen sehr schlecht. Ich bin darauf geprägt, ich bin damit aufgewachsen.

Außerdem habe ich starke Depressionen (momentan gehts aber), habe einen Suizidversuch hinter mir und leide unter ein paar Zwangssachen.

Gibt es hier noch andere Leute im Forum, die schon so lange an einer Essstörung litten und es trotzdem daraus geschafft haben?

Kennt jemand die Klinik in Bad Bramstedt.

Danke fürs Lesen! @:)

Antworten
M5rs+.Rodvriguefs


Hallo,

ich konnte mich in deinem Text wiederfinden.

Ich wurde als Kind als Dicke beschimpft, obwohl ich normal war, eher untergewichtig. Meine Mutter hat mich daraufhin mit 11 zum Ernährungsberater geschickt, wo ich dann 10 Kilo abnehmen sollte mit Hilfe eines Eiweißpulvers, auch mein Vater hat immer wieder klar gemacht: dicke Frauen sind keine Frauen. Habe aus Frust dann gegessen, wurde pummelig.

Später habe ich wochenlang nichts gegessen, dann wiederum alles in mich reingestopft um mich selbst zu strafen (Persönlichkeitsstörung). Seit ein paar Jahren breche ich nach diesen Anfällen. Ich nehme 20 Kilo ab und wieder zu innerhalb kürzester Zeit. Das alles geschieht phasenweise.

Ich weiss wie schwer es ist, diesen Attacken nicht nachzugeben.

Ich hoffe für dich, dass du eine Therapie machen kannst und auch dafür bereit bist. Ich lebe jetzt seit fast 20 Jahren so und möchte dies gerne in den Griff bekommen, damit ich mich wieder selbst lieben kann. Ich wünsche dir alles Gute! :)*

T(rauzxeuxgin


@ Mrs.Rodrigues

Danke für deine Antwort! @:)

Mir selbst geht es momentan ganz gut. Ich hasse mich selber, wenn ich gegessen habe, aber das lässt sich ganz gut unterdrücken. Solange ich richtig in einer Essstörung drin bin, geht es mir immer ganz gut.

Ich wurde als Kind als Dicke beschimpft, obwohl ich normal war, eher untergewichtig. Meine Mutter hat mich daraufhin mit 11 zum Ernährungsberater geschickt, wo ich dann 10 Kilo abnehmen sollte mit Hilfe eines Eiweißpulvers

Das kenne ich! :-( Bei mir ging es sogar soweit, dass ich mit Ritalin vollgestopft wurde ohne jemals wirklich medizinisch untersucht worden zu sein. Der Arzt war sich sicher, dass ich durch das Ritalin nicht mehr so aggressiv sein und dann auch abnehmen würde. Ich war oft wütend als Kind, besonders meinen Eltern gegenüber, aber ADHS hatte ich bestimmt nicht. Ich war einfach tieftraurig und enttäuscht.

Später habe ich wochenlang nichts gegessen, dann wiederum alles in mich reingestopft um mich selbst zu strafen (Persönlichkeitsstörung). Seit ein paar Jahren breche ich nach diesen Anfällen.

:°_ Ohje! Gebrochen habe ich noch nie, dafür aber exzessiv Sport gemacht und Abführmittel genommen. Hast du dich wegen der Bulimie schon jemanden anvertraut?

Ich nehme 20 Kilo ab und wieder zu innerhalb kürzester Zeit. Das alles geschieht phasenweise.

Jep, mein Gewicht schwankt auch imme rum 10-20kg.

Hast du schon eine Therapie gemacht, hast du vor eine zu machen?

Ich wünsche dir ganz viel Glück, dass du das irgendwann in den Griff bekommst! @:)

B ian%ca5x55


Liebe Trauzeugin,

Du solltest dringend in eine Therapie.Und zwar eine stationäre.Du hast hier dein Essverhalten und deine Probleme mit dem Essen ja schon ganz gut geschildert und dadurch,dass du einen gewissen Überblick über die Dinge hast und weißt,dass du Essstörungen hast,hast du einen großen Vorteil.

Du alleine wirst dir aber nicht helfen können,da du,wie du schriebst schon so lange in dem Teufelskreis gefangen bist.Deswegen müssen Außenstehende dir überhaupt den Weg zur Selbsthilfe eröffnen mit professionellen Ratschlägen und psychischer Betreuung.Ich bin mir sicher,dass es,wenn man es wirklich will,wieder besser werden kannst.Man darf nicht verlangen,dass man vollkommen geheilt wird.Aber hauptsache,man hat sein Leben und Essverhalten wieder unter Kontrolle.Das ist ja erst mal das Wichtigste.

Wie du ja schon sagst,geht es dir meistens nur richtig gut,wenn du dich in einer Essstörung befindest.Die Therapeuten in einer Klinik werden dir helfen,Alternativen dafür zu finden.Damit du mit deinen Gedanken vom Essen wegkommst und auch andere Aktivitäten findest,die dir Spaß machen und helfen.Es ist zwar nicht leicht sowas zu finden,aber ich bin mir sicher,das gibt es auch bei dir.Du bist auf dem richtigen Wege,weil du einsiehst,dass es so nicht weitergeht und dir helfen lassen willst!Essen oder Verzichten ist schließlich nur ein Symptom,für deine eigentlichen Probleme,welche du auch in einer Therapie bearbeiten wirst. *:) Viel Glück

Mbrs.R.odrigunexs


Hallo nochmal,

ja, ich habe Therapien hinter mir, bei diesen ging es aber nicht um die Essstörung. Ich bin Borderliner und autoaggressiv, habe mit Selbstverletzung angefangen, dann Alkohol und die Essstörung lief nebenher, sie ist das Überbleibsel. Mit den anderen Sachen habe ich vor 10 Jahren aufgehört.

Mein Aufenthalt in einer Tagesklinik hat mir schon mal immens geholfen. Ich hatte vorher überhaupt keine Selbstachtung und kein Selbstbewusstsein, jetzt gehts mir eigentlich gut. Mein Leben hat sich sehr gebessert danach.

Ich schweife aber ab, tut mir leid. Fakt ist einfach, dass man aus diesem Teufelskreis wirklich schwer bzw. gar nicht alleine rauskommt. Je eher man sich um einen Therapieplatz kümmert, um so besser. Ich hatte Glück und musste nur 5 Monate warten, aber manche warten 2 Jahre =( Ich hoffe für dich, dass du nicht so lange warten musst!

Lg :)*

T]ra*uzkeuxgin


Danke ihr beiden für eure Antworten!

Mir geht es gerade nicht so gut, ich hatte gerade den zweiten Anfall für heute.

Ich bin so wütend, so mir ist so heiß, es ist widerlich.

Ich hoffe, ich fettes Schwein schaffe es Morgen wirklich zum Arzt zu gehen. Ich habe gerade gesehen, dass die Klinik hier momentan 6 Monate Wartezeit hat. Nun kommt es mir wieder so sinnlos vor es überhaupt zu versuchen.

PFapiTlloxn88


Hallo liebe Trauzeugin,

ich möchte dir nun auch ein paar Zeilen schreiben. Erst einmal- du bist nicht alleine! @:) Du kompensierst deine Probleme mit der ganzen Esserei-Problematik. Die Ursachen für deine ES liegen viel tiefer. Deswegen denke ich, dass dir da nur eine Therapie helfen kann. Eben auch, weil du schon so lange und extrem essgestört bist.

Mit den Wartezeiten für eine Klinik ist es ganz unterschiedlich. Richtig gute Kliniken sind gut besucht, denke ich. Aber, wenn du erst einmal die ersten Schritte getan hast in Richtung Klinik& Therapie ist das viel Wert :)z Lass dich nur nicht vom Arzt abservieren. Manchmal muss man da auch bissl Druck machen :=o In dem Fall ist es immer sehr gut, wenn man einen guten Arzt hat, welchen man auch vertraut :-)

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