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Meine Freundin, ihre Ernährung & ich

K,ondpimon\ster hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

Ich schreibe hier für meine beste Freundin in der Hoffnung, andere Betroffene zu finden oder zumindest Ideen für schnelle Hilfe zu sammeln. Ich freue mich, über jeden Rat und bedanke mich schon jetzt für eure Unterstützung. Also dann:

Es geht um meine langjährige, beste Freundin ("F"), ein wirklich hübsches, nettes und intelligentes Mädel. Groß, blond blauäugig, witzig und gebildet ist sie. Allerdings sind es leider nicht diese Dinge, die einem Fremden bei ihr im Gedächtnis bleiben würden. F ist dick, das lässt sich mittlerweile leider weder mehr verstecken noch schön reden. Sie war noch nie sonderlich Schlank, eher immer kräftig. Aber in den letzten Jahres, ist ihr Gewicht stark aus dem Ruder gelaufen.

Meiner Meinung nach liegt das Ausschließlich an ihrem Essverhalten, was ich so noch nie gesehen habe und auch keineswegs normal ist. Seit einer schweren OP in früher Kindheit beschränkt sich die Auswahl der Nahrungsmittel auf ihrem Speiseplan auf eine Anzahl, die man an zwei Händen abzählen kann (kein Witz!). Pizza, Eis und Schokolade in Kombination mit Softdrinks bilden dabei die Hauptnahrungsquelle. Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte hat sie in den letzten 20 Jahren nicht ein einziges mal zu sich genommen (!!!). Nicht ein einziges mal. Selbst Lebensmittel, die sie noch nie probiert hat, lehnt sie aufgrund der Optik ("Das sieht schwabbelig aus") oder des Geruchs ("Bananen riechen abartig") vehement ab. Drängt man sie zu probieren wird sie zunächst wütend. Drängt man sie dann in eine Ecke, aus der sie ihrer Meinung nach nicht mehr heraus kommt, folgen die bitteren Tränen. Ich erinnere mich an den letzten Versuch ihrer Eltern ihr eine Kiwi anzupreisen. Da war sie 15 und die Küche konnte nach diesem gescheiterten Vorhaben renoviert werden. Kiwi geht ganz schwierig von der Tapete ab... Damit sie nicht andauernd krank ist gibt es zu dem morgendlichen Keksfrühstück (ja, richtig gehört. Prinzenrolle zum Frühstück) ne Vitamintablette. Schon immer. Niemand kann sich das Ausmaß ihrer Ernährung vorstellen, so absurd klingt das Ganze. Aber sie isst wirklich wirklich nur 10, wenn es hoch kommt 15 Gerichte. Wobei so Kreationen wie "Toastbrot ohne Rand mit Schokolade (1. ich wusste bis ich sie kannte nicht einmal, dass Toast nen Rand hat. 2. Schokolade = Schokolade, kein Nutella) auch für mich gewöhnungsbdürftig waren. Nicht einmal Wasser trinkt sie ohne großes Drama. Egal ob mit Sprudel oder ohne: "Wasser schmeckt nicht".

Prinzipiell könnte es mir egal sein. Sie ist alt genug und sollte selber wissen, was sie tut. Aber ich glaube, sie packt es nicht alleine. Und mittlerweile hat ihr Gewicht auch starke Auswirkungen auf ihr Leben, auch wenn sie das nicht sehen will:

Gesundheit: - Ihre Kniescheibe ist hinüber. Das lässt sich einfach nicht mehr abstreiten. Sie springt ständig raus, der Orthopäde rät zu einer Kürzung der Bänder. Jedoch klappt das mit der OP augrund des Gewichts nicht. - Sie hat teilweise noch Milchzähne, war wohl auch nicht so normal ist.

Beruf: -Sie ist Beamtin in der Probezeit. Der Amtsarzt hat sie gebeten, ca. 40 Kilo abzunehmen (wiederholt). Ansonsten wird sie aus dem Beamtenverhältnis entlassen. In ihrem Job könnte sie dann nicht einmal mehr so arbeiten, da kein freier Arbeitgeber diese Tätigkeit anbietet. Fliegt sie aus dem Amt, war ihr duales Studium für die Katz. - Sogar ihre Krankenkasse hat sie angeschwindelt. Ihre Mum hat den Vertrag für sie abgeschlossen. Laut Vertrag hat F Normalgewicht. Die private Krankenkasse hätte sie mit dem Gewicht nie genommen. Hoffentlich kommt das nie raus...

Privatleben: - F hatte noch nie eine Beziehung, fühlt sich zu unattraktiv und nicht liebenswert genug. - Mittlerweile zieht sie sich stark zurück. Normale Tätigkeiten wie Shoppen werden zum Spießrutenlauf. Schließlich haben die normalen Läden schon lange nichts mehr in ihrer Größe im Angebot.

Was für mich das aller schlimmste ist: Sie spielt das alles runter. Ich sehe, wie sie leidet. Ich kann sie hören, wenn sie in der Umkleidekabine weint. Ich hab zugesehen, wie sie in unseren gemeinsamen Kumpel hoffnungslos verknallt war und das aus lauter Frust und Traurigkeit nichtmal mir gegenüber zugeben wollte. Ihr Ego ist auf dem Nullpunkt, es gibt immer wieder Reibereien mit ihrer Familie wegen ihrem Gewicht. Jeder schiebt sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe und will keine verantwortung für das Desaster übernehmen. Das ist alles echt kaum mit anzusehen. Sie ist Anfang 20 verdammt. Da fängt das Leben doch grade erst an... :-/

Wir alle haben mit Engelszungen aus sie eingeredet, gebettelt, gebeten und gehofft. Sie lässt sich einfach nicht helfen, sagt von sich selbst, dass man ihr nicht helfen kann. Und ich glaube mittlerweile auch, dass wir ihr auch einfach nicht helfen können. Was sie wirklich braucht ist meiner Meinung nach wohl eine Therapie. Jemand, der von so was Ahnung hat und sie wirklich auch psychisch mal unter die Lupe nimmt. Irgendwas ist schon vor Jahren gewaltig schief gegangen.

Ich weiß sie würde extrem sauer werden, wenn sie das hier liest. Sie ist schließlich stark und erwachsen, hat keine Probleme. Zumindest denkt sie das. Ich sehe das anders. Sie braucht Hilfe, dringend. Auch wenn sie das nicht so sagt und auch nicht einsehen will. Und ich denke irgendwann wird sie mir dafür dankbar sein.

So, war etwas ausschweifend aber ich denke, das war nötig. Ich freue mich wie gesagt über Ideen von euch, wie wir die Sache in den Griff kriegen könnten. Kennt ihr evtl. sogar Leute mit einem ähnlichen Problem?

Ich danke euch schon jetzt, ihr seid spitze! :)^

Antworten
DYumxal


Kondimonster

So, war etwas ausschweifend aber ich denke, das war nötig.

Geht so. Wenn sie nichts ändern will, dann will sie nicht.

S1chmiAdti7x0


Sehe ich leider auch so...Manche Menschen müssen erst richtig auf die... fallen, bevor sie aufwachen und Hilfe auch annehmen können.

Insbesondere, was das Thema Abnehmen angeht...entweder, man hat selbst grundsätzlich den Willen oder eben nicht. Dass es schwer ist...keine Frage. Da sitze ich selbst im Glashaus (allerdings glücklicherweise in anderen Dimensionen). Aber offenbar geht es ihr noch nicht schlecht genug, sorry, dass ich das so sage....

Du kannst nichts anderes tun, als ihr zu zeigen, dass sie jede Unterstützung von Dir bekommen kann. Machen muss sie alleine... @:)

BBrum4mbi2ene


Seh ich ebenso: so traurig es ist aber bei ihr ist ja nicht mal der geringste Wille da etwas zu ändern. Du kannst nur offen mit ihr reden damit sie es selbst will, so wie der Stand derzeit ist, geht überhaupt nichts.

KErab-beglkäfxerle


Wir haben einen ähnlichen Fall im Freudeskreis. Zwar kein Gesichts und Ernährungsproblem, aber einfach diese Sturheit und sich nicht helfen lassen.

Wir haben auch schon geredet und sie "gewarnt", weil sie selber einfach nicht sieht, dass das was sie da tut nicht gut für sie ist....Aber naja. Sie sieht es nicht ein.

Wir mussten auch irgendwie akzeptieren, dass wir gegen eine Wand reden.

Nbordix8x4


Wenn der Wille bei ihr fehlt dann kann man leider nichts tun. Klar wäre eine Therapie sinnvoll aber so lang sie sich nicht helfen lassen will kommt man nicht vorwärts. Wobei ich hier den Eltern und dem Umfeld auch einen Vorwurf mache: Wie kann ich denn versuchen einer erwachsenen Frau ne Kiwi aufzuzwingen ? Klar ist ihre Reaktion total übertrieben aber ich vermute das dies nicht der erste Versuch war und das diese Versuche ein Grund dafür sind das sie jetzt völlig dicht macht.

Irgendwann muss der Knoten von alleine platzen, erzwingen könnt ihr da garnichts. Vielleicht "hilft" es wenn sie aus dem Job oder der Krankenkasse fliegt, dann ist sie zwar erstmal relativ weit unten aber das Leben ist dann ja noch nicht vorbei.

BSrummbTiene


@ Nordi

Beim Kiwi-Vorfall war sie 15.

A_mblival{ent70


Mein Mann ist genauso – er wehrt sich vehement gegen neue Gerichte – und er hat auch nur 10 oder 15 Dinge die er isst. Ist sehr nervig auf Dauer weil ich inzwischen entweder genauso eingeschränkt essen muss oder zweimal koche. Aber auch er ist so stur dass er sich nicht überzeugen lässt Obst oder Gemüse auch nur zu probieren. Keine Ahnung wieso- aber auch nach über 10 Jahren gut zureden ist keine Veränderung möglich. Ebenso mit Wasser ... keine Chance, dass er es auch nur ansatzweise trinkt ... etc

ALkarxia


Hat sie sich mal untersuchen lassen. Blutabnahme und so?

Bei den Mengen Zucker die sie zu sich nimmt kann sie gut schon ne Diabetes haben.

Ansonsten noch mit ihr zusammen, muss ja nichts extremes neues für sie sein.

Aber eine selbstgemachte vollkornpizzateig mit Gemüse und Schinken und wenig Käse wäre ein Anfang.

Oder statt Toast soll sie Vollkornbrot oder ein graubroz nehmen. Alles was von den extremen weggeht ist schon mal ein Anfang. Sich von heute auf morgen umzustellen ist extrem, vor allem wenn Sie es selber nicht schafft.

Sonst geh mit ihr in eine terapiegruppe, begleite sie einfach mal. Vielleicht Hilft das.

Desweiteren finde ich es heftig, das die Küche renoviert werden musste, weil sie die Kiwi nicht essen wollte. Meinem Kind hätte ich aber was erzählt. Ich will jetzt nicht den Eltern für ihr Essverhalten die Schuld geben, aber eine Mittschuld haben sie auf jeden fall

KvrabWbelkäKfenrle


Desweiteren finde ich es heftig, das die Küche renoviert werden musste, weil sie die Kiwi nicht essen wollte. Meinem Kind hätte ich aber was erzählt. Ich will jetzt nicht den Eltern für ihr Essverhalten die Schuld geben, aber eine Mittschuld haben sie auf jeden fall.

Vermutlich schon. ":/

Vielleicht mal eine Intervention machen ;-)

M2ilky__e7x7


20 Jahre ohne Obst/Gemüse/Fisch/Milchprodukte ? :-o

Müsste sie nicht (trotz Vitamintabletten) schlimme Mangelerscheinungen haben?

Haarausfall, schlechte Zähne, brüchtige Nägel usw?

Ich kann mir gar nicht vorstellen was für furchtbare Auswirkungen so eine Ernährung auf Dauer für den Körper hat.

Vitamtabletten können das doch wohl gar nicht ausgleichen.

wMisem%an8x6


Mein Mann ist genauso – er wehrt sich vehement gegen neue Gerichte – und er hat auch nur 10 oder 15 Dinge die er isst. Ist sehr nervig auf Dauer weil ich inzwischen entweder genauso eingeschränkt essen muss oder zweimal koche.

Pragmatisch gesehen reicht es wenn du einmal kochst ;-) was ER damit macht, ist seine Sache...

AFka=sAha7x67


Niemand wird deiner Freundin helfen können, wenn sie es nicht auch wirklich will.

Ich finde die Situation auf die Ferne sehr schwer zu beurteilen. Für mich liest sich das so, als hätte sie längst aufgegeben und kann sich gar nicht vorstellen, dass sie es schaffen kann, ihre Ernährung umzustellen, abzunehmen und damit ggf. ein zufriedeneres Leben zu führen. Weiß sie, welche Möglichkeiten sie hat, welche Hilfe sie in Anspruch nehmen kann und wie sie das verwirklichen kann? Ein großes Problem sehe ich da auch in der Rolle der Krankenkasse. Die Leistungen, die deine Freundin benötigt, sind wohl solche, die von der Krankenkasse übernommen werden. Die Tatsachen, dass sie da bezüglich ihres Gewichts gelogen hat macht die Sache nochmal komplizierter.

Das ist ein sehr komplexes Problem. Ich denke, das Einzige, das du tun kannst, ist ihr zu zeigen, dass du für sie da bist und ihr bei der Lösung ihrer Probleme helfen wirst, wenn sie dazu bereit ist.

Ich frag mich allerdings, wie es überhaupt soweit kommen konnte.

Seit einer schweren OP in früher Kindheit beschränkt sich die Auswahl der Nahrungsmittel auf ihrem Speiseplan auf eine Anzahl, die man an zwei Händen abzählen kann (kein Witz!).

Was war das denn für eine OP, dass sie sich dermaßen auf ihre Essgewohnheiten ausgewirkt hat?

Dann die Rolle der Eltern. Natürlich kann eine erwachsene Frau alleine entscheiden, wie sie sich ernährt, aber das Problem begann doch in der Kindheit. In dieser Phase sind die Eltern verpflichtet, sich um das Wohl ihres Kindes zu kümmern. Wenn sie beobachten, dass ihr Kind Probleme hat, müssen sie eingreifen und sich ggf. professionelle Hilfe holen.

KYondiXmonst2er


Vielen Dank schonmal für die Antworten.

Ich muss euch leider zustimmen: solange sie sich so sträubt lässt sich wohl nix ändern. Vielleicht wird sie ja wirklich erst wachgerüttelt, wenn der Amtsarzt auf den Tisch haut. Manche Leute brauchen es auf die harte Tour. Oder wie meine Eltern schon früher immer sagten: "Wer nicht hören will, muss fühlen".

Der Vorschlag mit der selbst gemachten "gesunden" Pizza ist schonmal ganz gut. Das nächste mal bring ich die Zutaten schon zu ihr mit und wir backen mal eine zusammen. Ohne Fertigteig und mit richtigen Tomaten, weniger Käse etc. Ist für den Anfang sicherlich ein Einstieg. Dasselbe gilt ja auch für andere Gerichte. Vielleicht klappt es ja erstmal ihr ungesundes Essen aufzubessern (weniger Zucker, Fett, etc) ohne dass es ihr groß auffällt. Der Rest kommt dann ja evtl. von alleine.

Zum Sport geht sie auch mehr oder weniger regelmäßig. Ein Anfang. Der Arzt hatte an den Blutwerten bisher auch nix auszusetzen. Sie fühlt sich soweit fit und macht im Fitnessstudio wohl alles, was nicht zu sehr auf die Knie schlägt.

Ich werdal versuchen, unsere Treffen zukünftig auch gesünder zu gestalten

Also kein Kino mit Popcorn, danach noch Abendessen etc. Man kann sich ja auch zum Schwimmen treffen (sie war mal im Schwimmverein und liebt das Wasser), ne Runde an die Luft gehen vor dem Abendessen. Muss ja erstmal nicht übermäßig anstrengend werden.

Ich denke, mehr kann man nicht machen. Gerne verzichte ich mit ihr auf all die Leckereien, wenn es ihr hilft. ;-)

LKottje040x7


Beim Kiwi-Vorfall war sie 15.

Ich würde auch einer 15jährigen nichts aufzwingen, was sie nicht essen möchte. Sie kann es leider nur ändern, wenn sie selbst will.

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