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Internat?

UMlZa1


Zu malagena

Wer schreibt denn hier Quatsch über Internate? Und worin besteht denn Ihrer Meinung nach der angebliche Quatsch?

"Überzeugte Internatseltern" halten sich oft für die Mega-Internatsexperten. In Wahrheit wissen sie über d a s Internat ihres Kindes/ihrer Kinder (und das ist eben nur eines von 350) zum Teil nicht mal die korrekte Anschrift. Hier noch einmal ein Zitat aus der Untersuchung von Michael Ley und Herbert Fitzek:

"Für die psychologische Einschätzung der Erwartungen, mit denen wir es im Umfeld der Internate zu tun haben, scheint es erforderlich, den eigentümlichen Charakter der Elternwünsche überhaupt einmal zur Kenntnis zu nehmen. Was die Eltern äußern, das sind offenbar alles andere als vernünftige Überlegungen oder Erwartungen. [...] Die Eltern stellen zwar einerseits große Erwartungen an die Internate und sie sind auch schnell bereit, die Einlösung dieser Erwartungen genauestens zu überprüfen, aber gleichzeitig bleibt ihr Interesse am Alltag der Internate oder an einer konkreten Begegnung mit dem Internatsleben eher gering:

In vielen Fällen können sie nicht einmal den Namen der Internate angeben, und vom Internatsleben ihrer Kinder wissen sie selten mehr zu berichten als das, was im Programmheft steht. Das unbewegliche Starren auf eine bestimmte Stelle von Entwicklung, nämlich auf die Stelle, an der sich das Schönste zeigen soll, dieses Starren macht für andere Aspekte der Wirklichkeit blind. Obwohl es sich hier also um eine eher gefährliche Komponente in den Erwartungen an die Internate handelt, waren wir überrascht, dass die Werbung solche Erwartungen relativ ungebrochen übernimmt: Die Abbildungen in Werbeprospekten drehen sich fast ausschließlich um Hochbegabungen und Extremleistungen, während sowohl die Schwierigkeiten in den Familien als auch der Alltag in den Internaten nahezu vollständig weggeblendet werden."

Noch ein Wort zu den "guten Erfahrungen", die viele in Internaten gemacht haben wollen (viele aber auch nicht):

Mir schreiben heute Schüler, die ich wegen erheblicher Disziplinprobleme, Drogenkonsum etc. aus unserer Einrichtung entfernen musste, und bezeichnen dennoch ihre Zeit bei uns als "die schönste ihres Lebens". Dies geschieht wohl kaum , weil sie unsere pädagogischen Maßnahmen nachträglich so toll finden. "Schön" war genau das, weswegen sie aus dem Internat geflogen sind.

Zu thebone

Das genau ist auch mein Problem, obwohl ich nicht weiß, ob wir wirklich dasselbe meinen. Aber mich stören auch diese "Expertenmeinungen", die nur wiederholen, was man mal irgendwo gehört oder gelesen hat. Was die Berichterstattung der Medien angeht, so muss man davon ausgehen, dass es sich - selbst bei den öffentlich rechtlichen Medien - vielfach um gekaufte Hofberichterstattung und PR-Journalismus handelt. Siehe hierzu die Webseite [[http://www.beepworld.de/members100/internate-zitate/]] !

Und endlich gibt mal jemand offen zu, dass das Niveau vieler preislich exklusiver "Elite-Internate" im Vergleich zu guten öffentlichen Schulen einfach kläglich ist. Ich war drei Jahre lang Lehrer an einem Deutschen Landerziehungsheim (zu dem Verein gehört auch Salem). Ich kann mich noch an eine Realschulklasse mit 9 Schülern erinnern. Von denen blieben am Ende des Schuljahres sieben sitzen. Wahrscheinlich, weil ich so ein schlechter Lehrer war. Warum sonst?

a^libxi


Ich war insgesamt 4 Jahre im Internat (ab der vierten Klasse), bis ich dann endlich in der achten Klasse nach Hause durfte. Ich leide bis heute unter den Folgen der regelmäßigen Prügel durch die Nonnen, der absoluten Vernichtung jeglicher Individualität, der Aufgabe sämtlicher Selbstbestimmung und des sexuellen Missbrauchs durch ältere Internatsschüler. (ich war übrigens in den 90ern im Internat, nicht in grauer Vorzeit)

Meine Eltern sind bis heute der Meinung dass mir die Jahre im Internat gut getan haben – aber sie haben ja immer nur die heile Internatswelt vorgegaukelt bekommen und müssen nicht mit den psychischen Verletzungen leben die sie mir indirekt angetan haben.

Internate können vielleicht vordergründig erfolgreiche Menschen produzieren, aber das nur auf Kosten der seelischen Entwicklung und Gesundheit. (vgl. z.B. "The making of them" von Nick Duffell)

PS: Am Dienstag läuft "Die letzten Zöglinge" auf 3sat – eine Dokumentation über ehemalige Schüler katholischer Internate.

EUhemaligBer Nutzerx (#15)


alibi

Erst mal, es tut mir leid, dass Du solche Erfahrungen machen mußtest @:).

Aber ich frage mich, ob es für Dich keine Möglichkeit gab mit Deinen Eltern dann darüber zu reden? Hast Du das nie in Erwägung gezogen? Und wenn nicht, warum nicht?

g%a_txo


Ich war längere Zeit in England und mich hat das Schulsystem positiv beeindruckt. Dort sind Ganztagsschulen sehr verbreitet und bei einigen besteht auch die Wahlmöglichkeit, dass die Kinder entweder nach der Schule nach Hause können oder in der Woche in der Schule bleiben. Diese Wahlmöglichkiet fand ich toll. Den krassesten Fall den ich erlebt habe, dass die Familie in den USA lebt und das Kind in England aufs Internat ging. Das würde ich allerdings ablehnen.

Mein Freund und ich haben festgestellt, dass wir beide als Kinder sehr gerne auf ein Internat gegangen wären. Infolgedessen haben wir diskutiert wie wir es mit unseren Kindern handhaben würden (die wir noch nicht haben). Grundsätzlich würden wir aufgrund unseren eigenen Wunsches wohl versuchen es zu ermöglichen. Mittlerweile werde ich aber skeptischer, da mein Freund ehrenamtlicher Trainer ist und als gelegentlicher Nachhilfelehrer sehr gut Wissen vermitteln kann, fände ich es nicht gut, wenn potentielle Kinder diesen prägenden Einfluss verpassen würden. Und im Hinblick darauf, was wir für Leute kennen, die Lehramt studieren... %:| Letztendlich würde ich es wohl vom Kind und der Situation abhängig machen.

UNlax1


Zu alibi,

das ist jetzt das erste Mal, dass das Wort "Missbrauch" überhaupt fällt, obwohl das Thema psychische, physische und sexuelle Gewalt seit einem Jahr die Medien beherrscht. Und wieder ist es ein Opfer solcher Missstände, das darauf hinweist. Der Hanni-und-Nanni- oder Harry-Potter-benebelte Rest der Welt macht sich weiter froh in seiner internatsromantischen Fantasiewelt.

Es ist ein Skandal, wie mit dem Missbrauchsproblem umgegangen wird, wie schnell die Anklagen der Opfer lästig werden, wie sehr selbst (bislang) nicht betroffene Eltern nun darauf drängen, dass wieder "Ruhe" einkehren müsse, um den "guten Ruf" der Internatsschule, die das eigene Kind besucht, nicht weiter zu beschädigen. Denn der "gute Ruf" = äußere Anschein ist der Oberschicht und bürgerlichen Mittelschicht schon immer das Wichtigste gewesen. Nur dann lohnt sich ja die Ausgabe für das teure Internat, wenn man dafür von einem "guten Ruf" und der entsprechenden Patronage profitieren kann. Ich erinnere mich noch genau der bitteren Worte der Familie des Internatsleiters von Schloss Brannenburg, der von einem durchgeknallten Internatsschüler nach seinem Internatsverweis wegen Drogenmissbrauchs aus Rache erschossen wurde ([[http://zfi-archiv.beepworld.de/files/schwierigekinderiminternat.pdf)]]. Schnell versuchte man die Sache unter den Teppich zu kehren. Der tragische Tod des Mitarbeiters war schnell vergessen. Es war wichtiger, dass die Schülerzahlen nicht weiter zurückgingen.

Sehr wichtig finde ich auch, dass alibi auf das Problem des sexuellen Missbrauchs unter den Internatsschülern selbst hinweist, das in der aktuellen Missbrauchsdebatte vollkommen unter den Tisch gefallen ist. Hier wird nämlich nach wie vor verharmlost. Ein paar Jahre noch, und dies wird Gegenstand der nächsten Enthüllungskampagne der Medien. Siehe hierzu mein Beitrag [[http://www.suite101.de/content/harry-potter-und-die-heiligtuemer--der-reformpaedagogik-a96460]] !

Zu Isabell:

Außenstehende können sich die Zwänge nicht vorstellen, denen gerade die Schwächeren im Internat ausgesetzt sind. Dort herrscht das Gesetz des Schweigens wie bei der Mafia. Von "mafiösen Strukturen" war ja auch im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen häufig genug die Rede. Kinder im Internat stecken ständig in der Beziehungsfalle zwischen Eltern, Erziehern und Mitschülern. Deren Ansprüche und Loyalitätsforderungen lassen sich nicht unter einen Hut bringen.

Sehr aufschlussreich übrigens der Beitrag von Birgitta vom Lehn zu diesem Thema in der "ZEIT" (Titel: "Einsame Spitze", [[http://zfi-archiv.beepworld.de/info-links.htm]] ).

Aber das ist wahrscheinlich alles wieder nur "Quatsch"! Dann träumt doch weiter!

mdala8ge&na


Doch etwas beeindruckt von euren vielen negativen Urteilen und Erfahrungen, hab ich mit meiner Tochter ein ernstes Wort gesprochen. Aber ich wurde wieder darin bestätigt, dass sie dort wirklich gut aufgehoben ist. Sie erlebt weder Mobbing noch Drogen noch Missbrauch, da bin ich mir sicher.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass es hier in der Schweiz in ländlichen Gegenden lange so war, dass wer studieren wollte, auf eine Klosterschule (-internat) musste, weil es keine andere Möglichkeit gab, eine Maturität zu erlangen. Es war in vielen Familien sehr "normal", die Kinder in ein Kollegi zu schicken. Meine Onkel (jedenfalls jene, die später studiert haben) sind alle auf eine Klosterschule gegangen. Ich kenne sehr viele Leute, die Internatserfahrung haben. Inzwischen haben sich die Klosterschulen zu säkularisierten Unternehmungen entwickelt. Die Nonnen und Mönche sind alt geworden und helfen nur noch im Hausdienst. Ich empfinde viel Sympatie mit diesen Klöstern und kenne niemanden, der von Prügel- oder sexuellem Missbrauch erzählt.

Natürlich verurteile ich zutiefst, dass es offensichtlich Ausnahmen gibt.

HFansueline


Ich gebe zu, daß ich nicht alle Seiten gelesen habe, aber ich habe malagena nicht so verstanden, daß si egesagt hätte "alle Internate sind toll" sondern ich habe verstanden "meine Tochter fühlt sich auf ihrem Internat wohl und daraus schließe ich, daß es eine gute Sache sein kann".

Umgekehrt finde ich es sehr fragwürdig, schlechte Erfahrungen pauschal zu verallgemeinern zu "in allen Internaten findet Mißbrauch statt oder die Kinder fühlen sich aus anderen Gründen unwohl – und wer schöne Erinnerungen hat, erinnert sich an Verbotenes". Interessanterweise finden solche Verallgemeinerungen immer bei solchen Sachen statt, die als "weniger üblich" gelten (z.B. auch Waldorfeinrichtungen, Vorschulen, homeschooling und was weiß ich), aber das nur am Rande.

Also ICH habe an einer "kirchlichen SChule in staatlicher Trägerschaft" (d.h. eine staatliche Schule ohne Schulgeld und mit ganz normalen Lehrplänen, wo aber die Teilnahme an gelegentlichen Schulgottesdiensten Pflicht war – EVANGELISCH übrigens), welche eine "ganz normale" HALBTAGSSCHULE war, extrem gelitten mit der Folge von jahrelangen Depressionen bis hin zu Selbstverletzungen und Selbstmordabsicht. Meine damalige beste Freundin hat es besser aufgenommen (wurde als Arzttochter auch besser behandelt) und wollte "nur" die Schule anzünden. Ich habe im Nachhinein erfahren, daß ich nicht die einzige Schülerin war, welche von LehrerInnen gezielt seelisch fertiggemacht wurde und noch Jahre später darunter gelitten hat. Und einmal habe ich gesehen, wie eine Lehrerin eine Schülerin geohrfeigt hat (als sie wahrscheinlich glaubte, mit der Schülerin allein zu sein), weil diese in der großen Pause nicht auf den Schulhof gegangen ist.

Aber ich werde dies weder auf alle Halbtagsschulen noch auf alle öffentlichen oder alle evangelischen oder alle koedukativen Schulen verallgemeinern.

In der Oberstufe war ich in einem Internat, und zwar auf meinen eigenen Wunsch. Es ging dort (England) sehr "streng" zu, d.h. während in Deutschland alle ab 14 mehr oder weniger soffen und manche auch gekifft haben, waren Drogen aller Art absolut verboten und dies wurde auch rigoros durchgesetzt (von deutschen Internaten habe ich da anderes gehört – verboten natürlich ja, aber durchsetzen nein; es gibt aber auch in England Internate, wo getrunken, geraucht und gekifft wird). Ebenso verboten waren harmlose Dinge wie Haare färben, sehr auffälligen Schmuck tragen, lange Haare bei Jungen. Man kann dies natürlich schrecklich repressiv finden und einige der SchülerInnen fanden das auch. Ich fand es nur albern und unnötig, hatte aber kein Problem damit. Und was die Rausch- und "Genuß"mittel anging – endlich fiel mal der soziale Druck weg, da mitmachen zu müssen, um cool zu sein.

Beliebt war ich vorher schon nicht und auf dem Internat war ich auch nicht eine der beliebten, allseits bekannten Schülerinen, aber erstmals hatte ich keine Probleme, pflegte losen, aber freundlichen Umgang zu vielen und wurde von LehrerInnen (bis auf eine einzige, die sich sehr unfair mir gegenüber benahm – aber wenn das nichts Systematisches ist, sondern einfach eine einzelne Zicke, kommt man damit ja klar) mit Interesse und Unterstützung bedacht.

Dadurch, daß die Regeln einfach für alle die Gleichen waren (quasi "unpersönliche Tatsachen"), war das Leben für mich im Internat sehr konfliktarm, nachdem ich zu Hause mit meiner Mutter seit Beginn der Pubertät nicht mehr gut ausgekommen war (nein, NICHTS mit Vernachlässigung usw., ganz normale Pubertätsprobleme halt!).

Insgesamt hatte ich den Eindruck, daß fast alle Schüler und Schülerinnen sich dort wohl fühlten. Es war mit Ausnahme von Kindergarten und Teilen der Grundschule bisher die allerschönste Zeit in meinem Leben.

Und zwar NICHT wegen irgendwelcher Exzesse – ganz im Gegenteil in meinem Abschlußzeugnis werde ich in Bezug auf Noten sowie Lern- und Sozialverhalten als absolutes Musterkind beurteilt, Zitat "she is an example to everybody... she ist a credit to the school". Und das, wo ich in Deutschland an "normalen" Schulen zwischen der siebten und der zehnten Klasse so gut wie niemals Hausaufgaben gemacht hatte, in der 9. und 10. auch öfters mal geschwänzt hatte usw. (das war eine andere Schule, nicht die evangelische – da hätte ich mich eher umgebracht als zu schwänzen – in der Erwartung, daß das andernfalls die Lehrer tun), keinerlei Hefter und Mappen mehr geführt hatte... Erstmals seit Verlassen der Grundschule begegnete man mir freundlich und bekam ich nicht täglich mehrmals verbal und disziplinarisch ohne Anlaß "eins drauf" – und wupps, war die Motivation und Arbeitsfähigkeit da. Der intellektuelle Anspruch und der Grad an Eigenleistung (selbstständiges Erarbeiten) war übrigens viel höher als in Deutschland in der Oberstufe.

So toll kann Internat sein.

Jetzt könnt ihr sagen "ja, aber es gibt ja auch andere Schulen, die keine Internate sind und wo die Lehrer einen nicht fertigmachen". Stimmt, so war mein zweites Gymnasium in Deutschland, wir waren den LehrerInnen einfach egal und sie waren ganz froh, wenn ein paar schwänzten, dann hatten sie ein paar anstrengende Schüler weniger. -Sicher kann auch das besser laufen, aber ich kenne auch sonst noch ein paar Schulen und eigentlich scheint es nur die Alternative zu geben "DRUCK oder Gleichgültigkeit". Das wird schonmal schwieriger (besonders die Gleichgültigkeit) wenn man mit den SchülerInnen zusammen lebt und wenn man eindeutig nicht nur einen Bildungs-, sondern auch einen Erziehungsauftrag hat; wenn man weiß, wie die Leute außerhalb des Unterrichts sind. Und für mich war eben auch die Spannung weg, die zwischen Jugendlichen und ihren ELtern ja nicht gerade selten sind. Und wie gesagt: Nein, ich wurde nicht aus Prestigegründen ins Internat abgeschoben, sondern ich habe es mir sehr gewünscht und erbeten und habe mir dann auch die Schule selber gesucht. Meine Mutter hat mich dann aber sehr wohl dort besucht, obwohl es ja teuer war und sie kein Englisch sprach (aus dem Anlaß hat sie es dann gelernt, also von wegen Gleichgültigkeit der Eltern!!!).

Für Kinder unter 12 finde ich Internat aber i.d.R. nicht gut, die Kleinen schienen nicht gut mit der Trennung von den Eltern klarzukommen und wurden paradoxerweise viel gröber behandelt als wir "Großen".

So, langer Beitrag, ich wollte aber mal meine Erfahrungen von zwei Halbtagsschulen und einem Internat vergleichend gegenüberstellen.

Und dann noch ergänzen: Habe dann mal ein Gespräch mit einem ehemaligen Internatsschüler an einem deutschen Internat geführt. Ganz offensichtlich ging es dort viel "lockerer" zu, mit allen Vor- und Nachteilen. Er war sehr gerne auf seine Schule gegangen, und er sprach fließend Altgriechisch, da seine Lehrerin mit ihnen häufig auch außerhalb des Unterrichts in dieser Sprache kommuniziert hatte (was den Beteiligten der Erzählung nach Spaß gemacht hat). Klar, man muß das nicht können. Es deutet nur auf die besonderen Bildungsmöglichkeiten eines Internats hin.

H$anselxine


Noch was:

dadurch, dass die Kinder/Jugendlichen eben nicht nach Hause gehen, sich also voneinander verabschieden am Mittag/Nachmittag – ist der Druck ungleich höher als für Kinder auf normalen Schulen. Diese haben die Möglichkeit sich zu Hause davon zu erholen,

Klingt ja logisch und ich weiß ja auch nicht, an welchen Schulen mobbing am häufigsten vorkommt (oder ob es da überhaupt statistisch signifikante Unterschiede gibt), aber meine persönliche Erfahrung ist eine andere:

Vom Mobbing in der Halbtagsschule konnte ich mich zu Hause keineswegs erholen, sondern ich wurde zu stundenlangem Lernen gezwungen und damit gequält, obwohl ich weinte, vom Tisch wegzulaufen versuchte, keinen Gedanken mehr fassen konnte... meine Mutter meinte es nur gut, sie meinte "du bist intelligent, du kannst das" und wollte eben, daß ich es lerne (daß Druck und Überforderung nicht gerade dazu beitragen, Höchstleistungen aus jemandem herauszukitzeln, kam ihr einfach nicht in den Sinn – sie meinte, als underachiever strenge ich mich einfach nicht genug an, also muß sie mich eben zu mehr Anstrengung zwingen). Und das ist ja nicht gerade selten, daß durch mobbing u.Ä. die Noten schlechter werden und die Eltern denken "aber mein Kind kann doch viel mehr ... das faule Stück!". Es setzte sich also zu Hause fort, so daß ich gerade die schlimmsten Sachen nie zu Hause erzählte, weil ich mir sicher war, daß ICH die Schuld dafür bekomme und alles nur noch schlimmer werden würde.

Im Gegensatz dazu Internat: Ja, es gab auch unbeliebte Schülerinnen, über die manche lästerten. Ich habe aber anders als in der Halbtagsschule NIE erlebt, daß solchen Mitschülerinnen z.B. anonyme Briefe geschickt/zugesteckt wurden, daß Sachen von ihnen kaputtgemacht wurden, daß jemand etwas anstellte und es ihnen in die Schuhe schob, daß sie allgemein feindselig behandelt wurden usw. usw.. oder gar daß LEHRER Dinge sagten wie "du gehörst eigentlich gar nicht an diese Schule". Seitens der Lehrer gab es manchmal ungerechtfertigte Wutausbrüche oder unsensibles Verhalten, ja. Aber eben im Rahmen der üblichen menschlichen Fehlbarkeit.

Was das Verhalten der SchülerInnen untereinander angeht, schien es mir immer von dem Bewußtsein geprägt zu sein: Wir mögen uns nicht alle gleich gern, aber wir gehören irgendwie zusammen und vor allem, wir müssen miteinander auskommen." Man MUSS miteinander auskommen, weil man ja jahrelang "ohne Pause" miteinander lebt, und daher benimmt man sich auch entsprechend.

K_aktUus2x010


Ich habe mir nicht alle Beiträge durchgelesen, aber vor ca. einem Jahr war auch bei uns das Thema "Internat- Ja oder Nein?

Meine Eltern sind wenig zuhause, vor 18 Uhr sehe ich sie nicht, am Wochenende arbeiten sie auch und teilweise haben sie unter der Woche Nachtdienst. Ich habe vorgeschlagen das ich auf ein Internat gehen könnte, wir haben uns schon einige Einrichtungen angeschaut und ich war mehr als begeistert :)z Dann hatte ich einen schweren Unfall und das Thema wurde erstmal in der Hintergrund geträngt. Meine schulischen Leistungen sind mehr als in Ordnung, ich habe keine Probleme mit Mobbing oder ähnlichem, aber mich reizt es etwas neues auszuprobieren, selbständiger zu werden und einfach Tag und Nacht mit anderen Mädels zusammen zu sein :)^

Wenn ich sowas machen würde, dann übernächstes Jahr, ab der 10 Klasse. Aber das passende Internat ist noch nicht gefunde. Es soll in Deutschlad sein und nicht zu weit weg.

Ich finde es okay, wenn ein Kind freiwillig auf ein Internat geht. Wenn es aber von den Eltern gezwungen wird und wegen Heimweh und Einsamkeit fast zerbricht finde ich absolut unverantwortlich! *:)

N:in"etxte


Sie sehen das absolut realistisch, Gourmeta. Viele, die ich in den vergangenen Jahren beraten habe, wollten die Wahrheit einfach nicht hören und haben sich auf den "O-Ton Internats-prospekt" verlassen, wie er in dem Beitrag von Ninette anklingt.

Ich sehe das Thema durchaus nicht ausschließlich durch die rosarote Brille. Ich habe in meinem Beitrag lediglich die aus meiner Sicht durchaus positiven Seiten hervorgehoben.

Natürlich gibt es Drogen, Mobbing, Gruppenzwang... auf Internaten, wie auch auf normalen Halbtagsschulen. Ich sage mal so: Alles, was auf einem durchschnittlichen Gymnasium gut und schief gehen kann, tritt ebenso in Internaten auf – nur halt 24/7. Das ist natürlich ein Punkt.

Trotzdem weiß ich, dass es genug Internatsschüler gibt, die ihr Leben genossen haben, deren Erfahrungen gut an die Schilderungen in den Hochglanzprospekten herankommen.

Ich glaube und hoffe, mein Sohn bzw alle meine Kinder würden davon profitieren. Und falls nicht, behaupte ich, dass das Verhältnis zu meinem Sohn (und ich hoffe auch zu meinen Kleinsten wenn sie in seinem Alter sind) so gut und vertrauensvoll ist, dass er sich bei Problemen an mich wenden würde.

Sprich, wenn ernsthafte Gründe vorliegen, ich ihn niemals um jeden Preis zwingen würde, dort zu bleiben. Alles jetzt rein hypothetisch natürlich.

Manche Kinder sind, sage ich jetzt mal, internatskompatibel, andere nicht. Den einen gibst du eine riesen Chance und Herausforderung (im positivsten Sinne), andere kannst du damit "zerstören".

Es liegt hier so viel in den Händen von uns Eltern....

EPh^ema3liger Nu^tzer (#1k5x)


Hanseline

Vom Mobbing in der Halbtagsschule konnte ich mich zu Hause keineswegs erholen, ....(...)...

Das lag allerdings dann eindeutig an Deinen Eltern (Mutter) und nicht an dem Schulsystem in dem Du warst – für Dich war es dann besser von dem häuslichen Druck wegzukommen.

Ich bin eher eine Mutter, die versucht so wenig Druck wie möglich zu machen. Meine Tochter ist (momentan ? :-)) eine Dreier-Schülerin, könnte locker eine Zweier-Schülerin sein. Doch es ist für mich ok, solange ich merke, dass sie GERNE zur Schule geht und das tut sie definitiv (selbst wenn sie krank ist muß ich sie dann fast zwingen zu Hause zu bleiben). Und dadurch habe ich die Hoffnung, dass sich der Ehrgeizu von selbst noch einstellen wird (*toi,toi,toi*), auch wenn ich mich über manche Noten die nicht sein müssten schon ärgere (Arbeitsverhalten: 3 muß nicht sein ;-)).

Ninette

Alles, was auf einem durchschnittlichen Gymnasium gut und schief gehen kann, tritt ebenso in Internaten auf – nur halt 24/7. Das ist natürlich ein Punkt.

Und genau das ist für mich einer der Hauptgründe, warum ich mich scheuen würde mein Kind auf ein Internat zu schicken. Ich hätte einfach nicht mehr den Überblick, der ja schon bei einer Tagesschule schwer zu halten ist. Wenn mir meine Tochter (ansatzweise eine kleine Dramaqueen) erzählt, dass der Junge XY sie heute mal wieder getriezt hätte, aber die Klassenlehrerin hätte auch sie selbt "gaaaaaaaaanz ungerechterweise" mitbestraft; ist es oft eine Gratwanderung für mich inwieweit das Kind nun wirklich "gequält" oder gar von dem Jungen gemobbt wird. Wenn ich mir nun noch ein Internat vorstelle – da hätte ich fast keine Möglichkeit mehr mir ein eigenes Urteil zu bilden und danach zu handeln. Doch ich sehe es nun mal als eine meiner Hauptaufgaben als Mutter (bezogen auf ihr momentanes jetzigen Alter (13)) mein Kind den Weg aufzuzeigen wie es sozial kompetent mit solchen Vorfällen umgeht, mit sich selbst umgeht, auch mit Ungerechtigkeiten lernt umzugehen usw.. Das fiele für mich Alles weg.

Damit sage ich nicht, dass es zwingend Schwierigekeiten geben muß, aber wenn....hmmm....

E.hemaalige"r N_utz|er (#15x)


"meinem Kind den Weg aufzuzeigen" muß es natürlich heißten |-o |-o

mpalajgena


Das Internat meiner Tochter ist eine reine Mädchenschule. Vielleicht ist das zusätzlich ein Pluspunkt.

Unla1


Allmählich habe ich den Eindruck, dass die Diskussion pro und contra Internat mal wieder eine Art Glaubenskrieg ausgelöst hat. Die eine Seite verweist auf die eigenen guten Erfahrungen und kann das positiv erlebte Institut oder gleich Internatserziehung allgemein nur jedem wärmstens empfehlen. Die andere Seite hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht bzw. sieht so viel Licht und Schatten gleichzeitig, dass es heißt: "Never again!" oder "Ich müsste das jetzt nicht unbedingt noch mal haben." Und dazwischen steht natürlich die große Mehrheit derer, die keine eigenen Internatserfahrungen haben und entweder im Sinne der Internatswerbung in den Medien von "Herausforderungen und Chancen" sprechen oder aus den kontroversen Erfahrungsberichten den Schluss ziehen: "Das Risiko wäre mir einfach zu groß!"

Wo liegt das Problem? Soll nicht einfach jeder denken und machen dürfen, was er will? Soll er und darf er (siehe Grundgesetz)!

A B E R :

Es gibt immer bestimmte Interessen(gruppen) in einer Gesellschaft, die das, was andere denken und machen, gezielt manipulieren wollen, um daraus für sich Gewinn zu schlagen. Diese haben nicht das Wohl ihres Nächsten im Sinn, sondern lediglich das eigene. Daher schrecken sie im Zweifelsfall auch vor gezielter Desinformation, falschen Versprechungen und übelster Abzocke nicht zurück.

Auch die privaten Anbieter von Internatserziehung und die ständig wachsende Zahl von Vermittlungsagenturen, die möglichst viele Eltern in möglichst teure Internatsschulen zu locken versuchen, weil die Höhe ihrer Erfolgsprämien von der Höhe der Jahreskosten des Internats abhängt, sind keine karitativen Einrichtungen, sondern gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen. Angesichts seit Jahrzehnten rückläufiger Nachfrage (auch derzeit jammert man ja wieder über sinkende Anmeldungszahlen aufgrund der demografischen Entwicklung, des Imageschadens durch die Missbrauchsskandale der letzten Jahre, der Verarmung der Mittelschicht, der zunehmenden Konkurrenz ausländischer Internate usw.) muss sich die Branche ständig etwas Neues einfallen lassen, um neue Zielgruppen anzulocken. Das Problem hierbei: Oft sind die Zielgruppen von gestern (z.B. Schulversager und Erziehungsschwierige) ein Hindernis für die Anwerbung neuer Zielgruppen (Hochbegabte, Eliteschüler, Schüler aus Asien und Osteuropa usw.). Also muss gelogen werden, dass sich die Balken biegen. Die Problemschüler zum Beispiel, deren Zahl in dieser Gesellschaft zudem stetig steigt und in die Internate drängt, hat dann plötzlich der Rattenfänger von Hameln alle in den Teutoburger Wald oder den Solling geführt. Den exzessiven Drogenkonsum unter Internatsschülern, der zuvor selbstverständlich aggressiv geleugnet wurde, hat man nun plötzlich vollkommen unter Kontrolle dank einiger Zufalls-Urinproben und eines Alko-Testers auf jedem Stockwerk. Und statt der Fußkranken des staatlichen Schulsystems, die sich mit viel Vitamin B noch irgendwie zu einem Schulabschluss durchquälen, konkurrieren im Internat nun plötzlich lauter kleine Streber um die besten Plätze in Harvard und Oxbridge.

Umfassende und objektive wissenschaftliche Untersuchungen über Angebote und Wirkungen der Internatserziehung (Unterricht und schulische Betreuungs- und Fördermaßnahmen eingeschlossen) gibt es nicht. Der Düsseldorfer Erziehungswissenschaftler Prof. Heiner Barz spricht in diesem Zusammenhang von einer "desaströsen Forschungslage" (siehe [[http://zfi-archiv.beepworld.de/files/internatelegenden.pdf]] ).

Auch dass Privatschulen (Dreiviertel der Internatsschüler besuchen Schulen freier Träger!) besser seien als öffentliche Schulen, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen (siehe [[http://www.focus.de/schule/schule/schulwahl/untersuchung-privatschulen-sind-nicht-besser-als-staatliche_aid_598478.html)]]. Das bilden sich nur diejenigen ein, die ihr Kind auf eine Privatschule schicken oder geschickt haben.

Das Fehlen wissenschaftlicher Belege leistet der Legendenbildung Vorschub. Verallgemeinert wird von allen Seiten - Befürwortern, Gegnern und "Hab' ich mal irgendwo gehört oder gelesen"-Fremde-Meinungen-Nachplapperern.

Da bin ich dann oft froh über mein Riesen-Archiv aus ca. 30 Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Thema. Da reihen sich die Husarennachrichten in endloser Kette aneinander. Und wenn ich dann zum 90. Bestehen der Internatsschule Schloss Salem, angeblich einer der besten Internatsschulen Deutschlands, aus der Feder des Vorstandsvorsitzenden des Schulträgervereins den Satz lese: "Die Geschichte dieser »Eliteschule« – was heißt hier übrigens im Ernst Elite? – könnte ansonsten nicht nur als Erfolgs-, sondern auch als Krisen-, in wesentlichen Phasen sogar als reine Überlebensgeschichte geschrieben werden: Anfang der siebziger Jahre eine drohende Insolvenz, Mitte der achtziger Jahre ein erbitterter Streit mit dem Markgrafen Max von Baden, der eine »reaktionäre« Gegengründung erwog. Wechsel in der Schulleitung waren fast immer Krisenzeiten..." usw., usw., dann möchte ich doch davor warnen dürfen, die vielen guten Nachrichten , die gezielt über Internate verbreitet werden, unkritisch zu übernehmen. Ich spreche nicht von "Einzelfällen", sondern einer ganzen Branche, die mehr Leichen im Keller hat als viele wahrhaben wollen.

U;la1


zu malagena

Mädchenschule - und wenn ich's richtig verstanden habe, nur Orientierungsstufe, also die Jüngeren. Da gibt's ohnehin noch keine Probleme. Ob die Schweizer Verhältnisse hier wirklich einen Unterschied machen, wage ich zu bezweifeln, siehe

[[http://zfi-archiv.beepworld.de/files/eliteinternateschweizschlechterruf.pdf]] und

[[http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/26811681]]

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