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Artikel: Adhs gibt es nicht

s}enGsiIb:elmxann99


Eine der ersten Beschreibungen von ADHS dürfte der Zappelphilipp aus dem Struwelpeter sein.

Das ist lediglich die Beschreibung einer Verhaltensauffälligkeit ohne jegliche Angabe der Ursachen für dieses Verhalten. Und ja, Medikamente wirken auch bei fehlerzogenen Kindern, weil sie bestimmte Verhaltensweisen hormonell unterdrücken oder verstärken.

Um es überspitzt zu formulieren: Ich kann einem Menschen, der infolge seiner Fresssucht immer dicker wird, selbstverständllich auch über ein Kotzmedikament (im einfachsten Fall Salzwasser nach dem Essen) dafür sorgen, dass dieser Mensch nicht dicker wird- funktioniert auch ...

Ich kann den selben Menschen ganz ohne Medikamente auch dazu motivieren und anhalten, sein Essverhalten zu verändern.

Bei ADHS sind organische Ursachen nicht geklärt.

s}ensib1elmFaxnn99


[[https://www.psiram.com/ge/index.php/ADHS

Eine der ersten Beschreibungen von ADHS dürfte der Zappelphilipp aus dem Struwelpeter sein.

psiram ist in seiner Arbeitsweise nicht unbedingt besser als die kritisierten Personengruppen und Aussagen, insbesondere weil sie in ihrer Kritik selbst nicht hinreichend transparent und wissenschaftlich arbeiten. Neben sicherlich zahlreichen korrekten Kritiken werden auch Kritiken an Aussagen angebracht, die wissenschaftlich ungeklärt sind (wo aber die Wissenschaft dran arbeitet), für die es jedoch zahlreiche Indizien gibt. Damit werden wissenschaftliche Kritik und Kritik an Pseudowissenschaft vermischt- das halte ich für eines der gefährlichsten Pflaster und erweist dem eigentlichen Ziel, pseudowissenschaftliche Aussagen aufzudecken, einen Bärendienst.

Gerade für ADHS ist mehr ungeklärt als geklärt.

s'ensBib-el?manmn99


Und noch etwas: Wer den Zusammenhang Pharmaindustrie --> Einfluss auf Therapiemethoden als Verschwörungstheorie verharmlost, liegt definitiv falsch. Es gibt zahlreiche Fallbeispiele, bei denen die Pharmaindustrie massiven Einfluss bzgl. medikamentöser Therapiemethoden auf Ärzteschaft und teilweise auch auf die Politik ausübte.

Siehe [[http://www.ippnw.de/soziale-verantwortung/gesundheitspolitik/pharma-kampagne/artikel/de/die-pharmaindustrie-und-ihr-einfluss.html Beispiele hier]]

Und mit Ritalin wird viel Geld verdient ...

sDchnejcwke1u985


Ich kann einem Menschen, der infolge seiner Fresssucht immer dicker wird, selbstverständllich auch über ein Kotzmedikament (im einfachsten Fall Salzwasser nach dem Essen) dafür sorgen, dass dieser Mensch nicht dicker wird- funktioniert auch ...

Nein, das funktioniert eben nicht. Eine Magen-Bypass-OP ist zum Beispiel zwar temporär eine physische Grenzziehung der Fresssucht, aber noch lange kein Garant für eine Gewichtsreduktion bzw. -abnahme (weil z.B. besonders ungesunde Lebensmittel in breiiger Konsistenz sind (Eis, Pudding, Schokolade usw.). Andererseits wird die Durchführung einer solchen OP häufig von Seiten der Ärzte an Bedingungen geknüpft, die eben einen Willen / Fähigkeit zur Disziplin voraussetzen. Zudem kann man kein (!!!) psychisches Problem aufgrund einer rein physiologischen Maßnahme begegnen.


@ Topic

Ich war bezüglich ADHS früher sehr kritisch. Bis ich als Aushilfslehrerin einem extremen Zappelphilipp begegnet bin. Das Kind war bereits in der ersten Klasse (!) sitzen geblieben. Es konnte sich nicht länger als drei Minuten fokussieren, bevor seine Hände unkontrolliert auf der Schulbank gestikulierten und er im Sitzen mit den Füßen wild auf dem Boden herumtrampelte. Ein total lieber Junge, der seinen Zwängen ganz hilflos ausgeliefert war.


Das Problem im Zusammenhang mit ADHS ist es, dass eben der "Richter" über die Schwere / das Vorhandensein einer Erkrankung die parteiischen Eltern bilden. Das kann mitunter mit einem Pilgerweg an Ärzten verbunden sein, bis der "richtige" Arzt die "richtige" Diagnose stellt. Der Missbrauch eines vorhandenen Status durch mangelhafte Objektivität beweist eben nicht, dass es ADHS nicht gibt. Es beweist nur, dass es bestimmte Elterngruppen gibt, die durch Persistenz eben ihre Ansicht mithilfe des x-ten Arztes durchdrücken wollen / können.

Prinzipiell möchte ich über die Psyche sagen: Es gibt sehr viele Phänomene, die eben psychiatrisch / medizinisch (noch) nicht erklärt ist. Zum Beispiel weiß man immer noch nicht genau, wie Neuroleptika wirken (also die Medikamente gegen wahnhafte Störungen wie Schizophrenie / Psychosen / Manien). Das liegt aber eindeutig daran, dass die Psychiatrie / Psychologie wohl eine der jüngsten medizinischen Wissenschaften ist.

Wogegen es im Zusammenhang mit Physiologischen Erkrankungen auch nie erwähnt wird, dass von Zeitpunkt xyz bis vor einem Jahrhundert rein aus Glauben / Scharlatanerei / whatever behandelt wurde. Berüchtigt ist wohl der Aderlass, oder die Behandlung von offenen Wunden mit flüssigem Quecksilber. Oder diverse allopathische Mittel von zweifelhaftem Nutzen. Oder die Überzeugung, dass Geschlechtsidentität rein durch Erziehung geprägt wird (war zu einem grauenhaften Umgang mit hermaphroditen Menschen geführt hat).

Dies wird aber selten thematisiert, weil die Physiologie eben als etwas "handfestes" empfunden wird, als gefestigte Entität. Dem ist aber nicht so.

Wenn es rein um Objektivität und Messergebnisse geht, dann gibt es de facto keine psychischen Erkrankungen. Es gibt sie aber, und sie werden mit Mitteln wie Neuroleptika erfolgreich behandelt, auch wenn man die genaue Wirkungsweise noch nicht kennt. Sofern ein Patient fähig ist, einen Leidensdruck selbst zu äußern, sind diese Krankheiten eben vorhanden. Insofern ist ADHS in einem Graubereich, wo es sich eben vorwiegend bei den Patienten um Kinder handelt, die keine Handlungsvollmacht über medizinische Prozesse haben und auch kognitiv nicht in der Lage sind, ihren Leidensdruck genau zu benennen.

Zur logischen Argumentation: Wenn ich sage: "Es gibt nur weiße Schwäne", dann kann ein einziger schwarzer Schwan in einer Milliarde von weißen Schwänen diese Aussage logisch kaputtmachen. Denn einer widerspricht dem Konzept von keiner.

So sehe ich es auch bei ADHS: Wenn es auch nur eine geringe Anzahl von Kindern gibt, die unter ADHS leiden, dann gibt es die Diagnose. Dann ist es widersinnig, ihnen die Existenz abzusprechen bzw. sie zu leugnen. Will heißen: Ich vermisse bei diesem Thema den Graubereich. Es gibt z.B. auch Vergewaltiger, trotzdem ist nicht jeder ein Vergewaltiger, noch ist keiner ein Vergewaltiger. Es liegt halt irgendwo in der Mitte.

NG3sUtoxrys


Hallo,

Ich hab mich gefragt ob ich etwas schreiben soll. Im Endeffekt möchte ich aber doch etwas zur Disskusion beitragen. (Auch nachdem ich eben mit meiner Mutter sprach wie es damals eigentlich war.)

Ich glaube nicht nur das es ADS/ADHS gibt, sondern ich weiß es. ADS wurde bei mir in der 3/4 Klasse festgestellt, auf Grund der Schule. Meine damalige Grundschullehrerin hatte da sie mit mir Probleme hatte, vorgeschlagen zum Schulpsychologischen Dienst zu gehen. Anschließend wurde ich nochmal einen ganzen Tag getestet in einem spezialisierten Kinder-Therapeutischen Zentrum. Dort habe ich dann jede Woche meine Gruppensitzung gehabt, mit anderen gleichaltrigen Kindern xD. Ging übrigens bis in die 12 Klasse bis ich gemerkt hatte dass ich sie nicht mehr brauchte.

Für den Fall das jemand wissen mag was man dort gemacht hat: Es gab Schwierige Labyrinthe zum nachfahren, Logik Rätsel (Wer sitzt auf grund von Aussagen im Welchen Haus), manchmal auch mit einander gespielt. Als ich älter wurde kam da auch wenn man Probleme hatte dazu das man darüber reden konnte, und Tipps bekam wie man Probleme löst. Prinzipell hat man mir beigebracht wie ich mit dem ADS an sich umgehe. Meine Eltern bekamen dagegen Hinweise wie sie mit mir richtig umgehen (auch wenn meine Mutter eigentlich immer schon liebevoll streng war.). Und meine Eltern haben sich bei meinen Lehrern engagiert das sie richtig mit mir umgehen. (Hatte den netten Nebeneffekt das ich in der Schule brav war, da meine Eltern immer sofort erfahren haben wenn ich was angestellt hatte :-/ )

Ritalin hab ich dann ab der 5ten Klasse bekommen. Durfte deswegen zum Kinderarzt und da wurde erst ein EEG gemacht. Später bekam ich dann Concerta weil (ich glaube verständlich) ich keine Lust hatte damals vor den anderen Schulkameraden die zweite Tablette nicht genommen hatte. Die Dosis war immer die geringste, und in den Ferien hat mans nicht genommen. In der 12. habe ich es dann abgesetzt, da wie ich finde es meine Kreative Denkweise unterdrückte. (Ich ziehe gerne ungewöhnliche Zusammenhänge oder springe durch meine Gedanken. =) Manchmal nachvollziehbar, manchmal gar nicht.).

Ich habe dann schließlich nach dem Abi studiert, und dann das Concerta anfangs wieder gebraucht, und im Studium gelernt nicht gegen meine Natur zu arbeiten. Es erfordert viel Willen und Disziplin, und einfach ist es auch nicht. Es fällt mir überhaupt nicht einfach ein Fachbuch zu lesen. ("Normale" Bücher verschlinge ich 100Seiten in einer Stunde.).

Aber das ist nicht der Grund warum ich weiß das es ADS gibt. Meine betreuende Therapeutin hatte mir damals mal gesagt: "Ein ADSler erkennt den anderen."

Das stimmt auch. Ich will mir nicht anmaßen eine Diagnose zu stellen, oder ein Arzt oder Pyschologe oder Lehrkraft zu sein. Aber ich erkenne Verhaltensweisen von mir bei anderen wieder. Im Freundeskreis habe ich gerade einen ADHSler und ich sehe viel von ihm auch in mir selbst. Mein kleiner Cousin (Sohn von Onkel und Tante A) hat ebenfalls ADHS gut da durch das er viel jünger ist, hatte ich da nie daran gedacht, (gut ich hab mir da auch nie Gedanken zerbrochen). Er hatte halt viele Hummeln im Hintern, hat sich nur schwer konzentriert.

Genetisch liegts bei uns auch irgendwie in der Familie. Ich denke ob ADS vorliegt ist genetisch bedingt. Wie stark es sich auswirkt, und zur Erscheinung wird eine Frage der Erziehung.

Bei meinem kleinem Cousin von Onkel und Tante B ist das so. Ich möchte das hier nicht so breittreten. Ich wüsste nicht ob der Junge nur ADS hat oder nicht noch was anderes. Ich habe sie leider schon seit 2 Jahren nicht mehr gesehen. Tatsache ist jedenfalls dass sie immer überfordert wirkten, und wenn sie was machten was sie nicht sollten, wurden sie unverhältnismäßig zusammengestaucht ob es jetzt was schlimmes war, oder etwas banales. Meine Tante war immer angespannt. Die Kinder mussten funktionieren.

Ich denke deswegen das Erziehung und Umfeld echt ein Faktor ist. Deswegen bin ich der Meinung das Problem das ADS den Ruf weghat eine Modekrankheit zu sein liegt daran, dass wenn ein Kind nicht ins Schema F passt, oder Eltern mit der Erziehung nicht klar kommen, die Kinder so einfach den Stempel aufgedrückt bekommen. Es wäre ja so einfach wenn du mit deinem Kind zum Arzt gehst und dann durch die Wunderpille wird das Kind normal. Das ist es eben auch nicht. Man passt trotzdem nicht ins Schema F auch trotz Tabletten. Aber die Erziehung und das Umfeld kann viel bewirken dass der Umgang miteinander besser wird. Und selbst dann wird man einfach immer etwas besonderes sein :)

Ich fühle mich als ADSler auch nicht benachteiligt: Meine Stärken sind halt anders. :)z

Tut mir leid wenn da irgendwie jetzt der rote Faden fehlt. ;-) Ist halt frei von der Leber geschrieben.

@:)

c-riechPar<lixe


@ sensibel

Es ist quantitativ. Sowohl de- als auch deduktiv.

cNriechparlixe


äh, in- als auch de.....

cyrie!charlxie


(schon wieder).

Also es werden bestimmt passende Korrelationstabellen existieren oder Cluster gebildet worden sein mit Freiheitsgraden, Variablenberücksichtigung.... wie man halt Beziehungen herleiten kann. Wieso sollte das hier nicht gehen, wenn bei den Stichproben die Konzentration zur gemessenen Verhaltensausprägung in's Verhältnis gesetzt wird?

Soch+afl\os


Eine Diagnose kann eine Befreiung sein und den Weg zur "Normalität" ebnen, aber auch das komplette Gegenteil, nämlich eine selbsterfüllende Prophezeiung werden. Deshalb und auch wegen der Einnahme von Medikamenten, die immer das Körpersystem irgendwie beeinflussen (sonst wären es Placebos), ist vorsichtig geboten. Fakt scheint zu sein, dass zu viele Kinder mit AD(H)S diagnostiziert werden. Deshalb ist Handlungsbedarf geboten.

Mein Vorschlag: AD(H)S darf nur die letzte Diagnose sein, d.h. alles andere muss vorher ausgeschlossen werden. Ein Ansatz zur Überprüfung wäre den erwarteten Anteil von AD(H)S-Erkrankten mit dem diagnostizierten Anteil zu vergleichen und bei einem (statistisch) signifikanten Unterschied muss neu, dann mit härteren Kriterien oder eben die genaue Umsetzung der bisherigen, diagnostiziert werden.

biellEagxia


Liebe N3storys:

Danke für deinen schönen und mutigen Beitrag hier :)*

Ich weiß nicht, wer Recht hat,ich bin kein Arzt oder Forscher.

Ich habe auch das Glück, nicht betroffen zu sein.

Im Bekanntenkreis gibt es allerdings ein paar betroffene Eltern.

Lese ich nun hier, dass vorrangig Elternversagen und sozialer Status als Ursache für Probleme angesehen werden und Bequemlichkeit der Eltern als Ursache für die Diagnose, dann halte ich das für sehr einseitig und unfair

Wie erklärt es sich, dass in vielen Familien nur ein Kind betroffen ist und die anderen nicht? Wenn doch die Erziehung schuld sein soll?

Ein Mädel aus dem Bekanntenkreis hat zwei nichtbetroffene Geschwister, wuchs auf einem Gestüt in Landidylle auf, ohne Fernseher. Die müsste doch nichts gaben, oder?

Was mich weiterhin stört ist dieser absolute Anspruch an Eltern perfekt sein zu müssen. Welche Generation hatte je perfekte Eltern? Und was für ein Kind perfekt ist, das ist vielleicht für ein anderes falsch.

Ich glaube aber, dass es noch nie eine Elterngeneration gab, die derart unter Druck stand.

Früher war es ok, wenn ein Kind (warum auch immer) auf die Hauptschule kam. Dann folgte eben ein Handwerk, oder ähnliches. Kein Problem. Ein Hauptschüler von damals leitet heute eine große Bankfiliale, eine ist Dozentin an einer FH. Auch das war möglich.

Und heute? Führt dieser Weg geradeaus in ein Aufstockerdasein, weil man von vielen Berufen nicht mehr Leben kann. Ist es da so verwunderlich, dass Eltern Angst haben, wenn ihr Kind nicht ins Schulsystem zu passen scheint? Nach der vierten Klasse wird gnadenlos sortiert und die Laufbahn ein Stück weit besiegelt.

Dieser Druck ist es, der die Eltern zu den Psychologen treibt.

Unser Schulsystem müsste grundlegend und einheitlich verbessert werden. Nur mal in anderen Ländern abgucken.

Aber dafür hat das ach so reiche Deutschland kein Geld.

dIoom@hidxe


Vielen Dank für die Beiträge. Zu meinen Beweggründen: Ich habe das hier reingestellt um mich selbst zu bilden was das Thema ADHS angeht. Ich sehe den Fall relativ häufig im Bekanntenkreis und wundere mich über die - oft schnell gestelle Diagnose - ADHS. Ich bin selbst früher ein schwieriges Kind gewesen und habe mich nicht konzentrieren können oder habe stattdessen lieber meine Mitschüler verprügelt. Ich wäre wohl ebenfalls in diese Schiene gerutscht und wäre heute wohl jemand anderes.

sHensi#belmVanxn99


Wenn es rein um Objektivität und Messergebnisse geht, dann gibt es de facto keine psychischen Erkrankungen.

Das stimmt so allgemein nicht.

Das Problem auch bei ADHS ist, dass bestimmte Verhaltensauffälligkeiten (inklusive Konzentrationsprobleme) in einen Topf geworfen werden, ohne die genauen Ursachen zu kennen. Sicherlich gibt es dafür auch genetisch bedingte Krankheiten (die Frage ist an dieser Stelle auch, was man als Krankheit definiert). Der überwiegende Teil der sogenannten ADHS-Patienten ist aber eben nicht genetisch bedingt "krank", sondern Umwelt bedingt (dazu zähle ich auch vorgeburtliche Einflüsse, Einflüsse der Ernährung, Einflüsse der Erziehung, ...).

Ich glaube aber, dass es noch nie eine Elterngeneration gab, die derart unter Druck stand.

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Meines Wissens nach versuchen zahlreiche Eltern die Erziehungsaufgabe an öffentliche Institutionen abzugeben, ohne sich mal selbst ausreichend mit Erziehungsfragen auseinanderzusetzen. Das habe ich oft genug als Elternvertreter erfahren müssen. Genaugenommen werden Kinder in zahlreichen Familien gar nicht oder ziemlich falsch erzogen- Kinderverhalten ist zu erheblichen Anteilen Produkt der häuslichen Erziehung- da spielen z.B. auch solche Sachen mit rein: Was ist pädagogisch wertvolles Spielzeug, wie rege ich Kinder an, sich mit verschiedenen Dingen zu beschäftigen- und zwar vielfältig? Gehe ich auf Kinderfragen altersgerecht und ausreichend ein? Binde ich Kinder ausreichend in das soziale Zusammenleben mit ein? Oft ist Eltern nicht bewusst, dass auch der Umgang mit den Kindern im Baby- und Kleinkindalter extrem wichtig ist- da werden sehr viele Weichen gestellt. Danach sind Fehlerkorrekturen extrem aufwändig.

Ein großes Problem existiert auf jeden Fall: Einzelkinder, oder Geschwisterkinder mit größerer Altersdifferenz sind heute wesentlich häufiger- deren soziale Erziehung ist wesentlich schwieriger und aufwändiger.

b!ellagxia


All diese Fragen, die du da aufzählst haben auch unsere Eltern doch gar nicht gestellt... und die Großeltern dreimal nicht.

Da gab es ganz andere Themen.

Und nicht, dass ich das alles toll finde im Rückblick.

Aber die Frage, ob man den kindlichen Bedürfnissen außer Essen, schlafen, Schule auch gerecht wird war kein Thema

smenDsi*belm{adnnx99


All diese Fragen, die du da aufzählst haben auch unsere Eltern doch gar nicht gestellt... und die Großeltern dreimal nicht.

Richtig, da wurden die Kinder auch mehr dressiert als erzogen, das wurde von Generation zu Generation so weitergegeben. Oft glich Erziehung eher einer Unterdrückungsmaschinerie denn Menschen zu selbständig denkenden und handelnden Menschen zu erziehen. Kinder wurden oft geschlagen, wenn sie nicht parierten ([[https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperstrafe#Z.C3.BCchtigungsrecht_an_Schulen auch in den Schulen gab es das im 20. Jhrd.]]).

Im Übrigen war das Züchtigungsrecht an DDR-Schulen schon 1949 verboten worden. In der BRD in einigen Bundesländern erfolgte das Verbot der körperlichen Züchtigung erst in den 70er-80er Jahren (auch wenn es kaum noch gebräuchlich war).

Wenn Dressur entfällt, müsste das aber stärker durch andere Formen der Kindererziehung ersetzt werden. Das passiert aber oft nicht und es ist aufwändiger und komplexer.

Wenn häusliche Dressur entfällt, aber keine hinreichenden anderen Erziehungsmaßnahmen erfolgen, dann gibt es in den Schulen größere Probleme. Das Problem ist dabei nicht, dass der Druck durch die Schule größer geworden ist (der ist eher in den letzten 30 Jahren geringer geworden), sondern dass Kinder und Eltern schlechter damit umgehen können- eben sich in eine Gruppe von Mitschülern rücksichtsvoll einordnen, Anforderungen erfüllen, sich Bemühen. Auch Konzentration der Kinder lässt sich schon sehr früh erlernen- auch wenn das individuell gradmäßig unterschiedlich ist- manche Kinder lernen das schwerer, manche leichter. Manche Kinder bevorzugen auch andere Formen der Aufmerksamkeit. Genaugenommen besteht für eine Schule heute das das Problem wesentlich stärker als früher (eben auch der geringeren Züchtigung wegen, die auch verbal erfolgen kann), dass individuell sehr unterschiedlich reagierende Kinder in einer Klasse ziemlich gleichartig behandelt werden. Eine Individualisierung des Unterrichtes wird aber umso schwerer, je größer die Klassengröße ist. Und nein, Gruppenarbeit kann solche Probleme nicht auffangen. Manche Kinder bedürften z.B. einer wesentlich kleineren Gruppengröße, um sie eben auf ein größeres Aufmerksamkeitsniveau zu heben- das funktioniert bei diesen Kindern nicht in größeren Gruppen. Für viele Kinder ist die Gruppengröße jedoch eher egal.

Ich glaube, dass die meisten als ADHS-Kinder eingestuften Kinder keineswegs krank sind, vielmehr benötigen sie nur eine andere Form der Beschulung, der Betreuung.

Ein dreigliedriges Schulsystem wird diesen Ansprüchen keineswegs gerecht, vielmehr sorgt es dafür, dass z.B. Kinder mit ADHS-Diagnose (obwohl sie gesund sind) sich in bestimmten Schulformen stark häufen- das ist fatal.

cNrie<charrl_ixe


Ich glaube, dass die meisten als ADHS-Kinder eingestuften Kinder keineswegs krank sind, vielmehr benötigen sie nur eine andere Form der Beschulung, der Betreuung.

Das hat doch auch keiner behauptet. "anders" heißt doch nicht "krank". Hilfe brauchen sie trotzdem.

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