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Pflegestufe 1 - Was gehört dazu und wie wird bewertet?

MhiNk5asmaxma hat die Diskussion gestartet


Kann mir jemand was dazu sagen?

Bei meiner Schwiegermutter soll der Medzinische Dienst der Krankenkasse kommen und überprüfen, inwiefern ein Anspruch auf Pflegestufe 1 besteht. Das Krankenhaus hat den Antrag in die Wege geleitet.

Der Sozialdienst im Krankenhaus hat gesagt, sie müsse mindestens auf einen Pflegebedarf von 46 Minuten kommen ...

Nun meine Frage:

Was wird überprüft? Waschen, Anziehen, Duschen, Baden, sonstige Körperpflege? Gehört Kochen und Putzen dazu?

Und wie wird überprüft?

Zählt es, wenn mein Schwiegervater ihr bei den Verrichtungen helfen kann, weniger?

Die großen Dinge des Haushalts kann mein Schwiegervater definitiv nicht alleine machen (da müsste ich sicherlich mithelfen, denke ich).

Er hat selbst eine leicht behinderte (rechte) Hand und hat Rheuma.

Sie kann jetzt kein Auto mehr fahren und mein Schwiegervater hat gar keinen Führerschein, zählt dann einkaufen auch dazu und Arztbesuche (das wäre jetzt mein Part, alles was mit fahren zu tun hätte ...)

Wäre schön, wenn sich jemand, der auskennt, hier meldet.

Antworten
Gari esuh1


Pflegestufe

Hallo, hier ein paar infos zur Einstufung:

Die Einstufung fällt unter das SGB XI. Das beinhaltet die Körperpflege, Mobilität Ernährung und wird von der Pflegekasse übernommen. Das SGB V = Behandlungspflege übernimmt die Krankenkasse.

Was die Einstufungskriterien in eine Pflegestufe anbelangt kann hier nur grob umschrieben werden aus welchen Kriterien und wie der Hilfebedarf ermittelt wird, denn die Begutachtungsrichtlinien umfassen 165 DIN A Seiten. Auch alle Sonderreglungen hier zu erklären würde den Rahmen sprengen.

Die Begutachtungsrichtlinien geben sogenannte Zeitrahmen vor, innerhalb derer sich der Gutachter bewegen kann u. darf.

Aus folgeneden Bereichen werden Fähigkeiten und Defizite erfasst:

Stütz - u. Bewegungsapparat:

(wie bewegen, gehen, stehen, bücken, Motorik und Feinmotorik)

Innereorgane:

(wie Inkontinenz, Drehschwindel, defekte Haut, Dyspnoe, Dysphagie ( schluckstörung), Aspiration (verschlucken), körperschwäche usw.)

Sinnesorgane:

( wie hören, sehen)

Nervensystem/Psyche:

(wie verwirrtheit, Demenz, Desorientierung daraus resultierende Defizite, depressionen usw.)

Wichtig zu wissen ist auch:

Nicht die schwere einer Erkrankung sondern der aus der Erkrankung resultierende Hilfebedarf bestimmt die Pflegestufe.

Weiter ist wichtig zu wissen: Alle Zeitwerte werden immer auf den Tageswert umgerechnet.

Beispiel: Für Hilfe beim Baden sehen die Einstufungsrichtlinien

25 Min. pro baden vor. Wird der Hilfebedürftige nur einmal in der Woche gebadet wird folgendermaßen gerechnet: 25:7 = 3,57 aufgerundet 4 Min. tgl. So ist dies mit allen Zeitwerten.

Benötigt der Pflegebedürftige aus einem oder aus allen Bereichen mehrmals tgl. Hilfe, so wird dies bewertet. Je umfangreicher der Hilfebedarf, je höher die PS.

PS I reicht von 46 Min tgl. bis zu 120 Min tgl, PS II von 121 MIn bis 240 Min tgl. und PS III ab 241 Min tgl. Pflegezeit. ( Ohne Hauswirtschaft)

Die Hauswirtschafts - u. die Betreuungszeiten werden nicht zur Ermittlung der Höhe der Pflegestufe herangezogen und sind somit nicht Pflegestufenrelevant laut Begutachtungsrichtlinien.

Die allgemeinen u. psyschosozialen Betreuungsdienste zählen nicht als Pflege. dazugehören z. B. alle zubringer Dienste, Spazieren gehen, anwesenheit - es könnte was pasieren, einkaufen, Arzt besuche der Pflegeperson zum Rezepte holen usw.

Apropo Arztbesuche. Diese werden nur bewertet und pflegestufenrelevant ermittelt wenn: Diese medizinisch erforderlich sind- sprich eine Behandlung am Pflegebedürftigen ausgeführt wird und dessen Anwesenheit erforderlich ist, zweistens sie müssen ersichtlich für mind. 6 Monate erfolgen und drittens, sie müssen mind einmal wtl. erforderlich sein.

Pflegestufenrelvant bewertet werden, einfach umschrieben, alle Tätigkeiten am Körper des Pflegebedürftigen!!!!!

Was auch nicht zur pflegestufenermittlung zählt sind Behandlungspflegen wie: Verbände, Tablettengabe, injektionen usw. denn das ist SGB V (fünftes Sozialgesetzbuch= Behandlungspflege) . Es gibt einige ausnahmen: verabreichen von Klistieren, Einläufe, an/ausziehen Komprssionsstrümpfe KL. II, Absaugen, Tracheakanülenwechsel, Versorgung mit Dermatika.

Aber Vorsicht. Sollte ein Pflegedienst über eine Verordnung Häuslicherpflege (SGB V) diese Tätigkeiten erbringen, wird von der Pflegekasse die ermittelte Zeit dieser Verrichtungen von der gesamt Zeit wieder abgezogen. Denn: was die Krankenkasse Zahlt, zahlt nicht noch einmal die Pflegekasse.

Die Hauswirtschaftszeit wird pauschal mit 45 Min tgl bei PS I und mit 60 MIn tgl bei PS II und III angegeben und zählt nicht als Pflegezeit.

Die Hauswirtschaftszeit wird zur Ermittlung des Rentenanspruches der Pflegeperson nach § 44 SGB XI benötigt. Kommt eine Pflegeperson wtl über 14,01 Stunden Pflege UND Hauswirtschaftszeit, so erhält sie von der Pflegekasse einen anteiligen Rentenbeitrag auf ihr Rentenkonto eingezahlt.

Beispiel: 80 Min tgl. Pflegezeit plus 45 Min tgl. HW = 125 Min tgl gesamt Zeit

mal 7 Tage ( um auf die Wochenzeit zu kommen) = 875 Min wtl : 60 (um auf die wtl. Stundenzahl zu kommen) = 14,58 Stunden wtl. Zeit. Somit hat die Pflegeperson einen Rentenanspruch durch die Pflegekasse.

Bitte daran denken: Die Pfegeversicherung ist keine Vollkaskoversicherung die alle Kosten übernimmt, sondern eine Teilkaskoversicherung mit hoher Selbstbeteiligung

Kürzer gings leider nicht

Umfangreiche Grüße

von Griesuh MDK Gutachter

GPriexsuh1


Einstufung

Nachtrag zur hauswirtschaft:

Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln der Wäsche, Wäschewaschen, beheizen der Wohnung sind keine Pflegezeiten!!!!!!!!

Erst wenn die Mahlzeiten mundgerecht zubereitet werden müssen und / oder die Nahrung gereicht werden muss ist es Hilfe bei der Ernährung und wird bewertet.

grüße Griesuh MDK Gutachter.

MXi5kasma_mxa


Vielen Dank für Deine ausführliche und fachmännische Antwort :)^

Mit den Angaben kann doch schon mal anfangen, wenn ich auch eher die Vermutung habe, dass sie die PS 1 eher nicht bekommt. Mittlerweile hat sie nämlich selbst die Info bekommen, dass Kochen und einkaufen fahren nicht dazu gehören würde ...

Dies kann ich ihr zumindest jetzt schon mal bestätigen. Denn ich denke, sie hat gerechnet, dass das alles dazu gehört ...

Also nochmal viiiielen Dank :)^

M`ika]sm\amxa


Ein Arzt des medizinisches Dienstes war heute hier und hat meiner Schwiegermutter keine großen Hoffnungen gemacht.

n,ic{ew+oxman


Dann warte den

Bescheid der Kasse ab und fordere (bzw. deine Schwiegermutter) das Gutachten des MDK ab, da steht dann im Detail drin, warum sie die Pflegestufe nicht bekommen hat, welche Minuten wo fehlen usw.

MAikYasmaxma


Ja, das sagte uns auch schon jemand, dass ein Großteil erstmal abgeschmettert wird und man dagegen Einspruch erheben soll.

r\edhaOire$danogel


was mein vater (facharzt für allg.medizin) mal erzählt hat: die fragen, die der mdk teilweise stellt, sind (je nach mitarbeiter) auch schon mal ziemlich hinterfotzig: sie appellieren nämlich an den stolz und die würde desjenigen menschen.

z.b.: (im brustton der überzeugung, bekräftigendes nicken dabei) aber anziehen, das können sie doch sicher noch alleine, oder? und die schuhe zubinden? und kämmen?

was sagt der patient dann? ganz stolz natürlich: aber sicher doch! *nicknick*

:-/

rxedhMaireldaOngexl


nachtrag: obwohl derjenige es eben allein nur noch unter mühen/schmerzen schafft und ewig dafür braucht...

GYrUicesuhi1


Einstufung

Hi kinners, wo habt ihr den diese Stammtischmärchen aufgegeabelt.

Bevor ihr solche Äusserungen abgebt, lest und versteht bitte die 165 DIN A 4 Seiten starke Einstufungsrichtlinie.

Dann können wir weiter reden.

Die letzten Beiträge hatten mit dem Ursprungsthema nichts mehr zu tun.

Grüße griesuh

nnicewosman


ich war bei einigen Terminen des MDK dabei und kann bestätigen, dass der Gutachter tatsächlich fragt "können Sie sich selbst waschen" "die Schuhe zubinden" usw., bei Bestätigung der Antragsteller hat er aber bei der Pflegefachkraft rückgefragt, ob dem tatsächlich so ist.

Nicht bestätigen kann ich, dass die Gutachter so "positiv" fragen, dass man gar nicht anders kann, als "ja" zu sagen.

Dass ein Großteil der Anträge abgeschmettert wird, sieht die Statistik anders:

In 2006 hat der MDK bundesweit 67,9% der Antragsteller in Pflegestufe I,II oder III eingestuft (ambulante Pflege), damit wurden 32,1% nicht eingestuft.

MXikatsmaxma


Der Bescheid ist da und es ist eine Ablehnung, weil die tägliche Grundpflege der Berechnung nach nur umgerechnet 21 Minuten beträgt und sie denke, bei einem Widerspruch wird nichts anderes rauskommen, weil der Pflegebedarf "nur" so gering ist. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten wurden übrigens mit 45 Minuten angesetzt.

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