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Krankschreibung: Verpflichtender (?) Gesprächstermin durch KK

S-unfl5ower|_7x3 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Die Frage betrifft mich nicht persönlich, sondern eher beruflich. Ich würde aber gerne mal erfragen, ob das "Problem" mittlerweile weiter verbreitet ist.

Und zwar:

Ich erlebe zunehmend, dass Versicherte (v.a. einer großen Krankenkasse namens D*K) bei etwas längerer Krankschreibung, d.h. sobald Krankengeld gezahlt werden muss, von ihrer Krankenkasse einen Anruf erhalten bzw. ein offizielles Schreiben.

Darin wird ein Termin genannt, an dem sie sich dort bitte bei einem best. Sachbearbeiter melden sollen. Als Gesprächsziel wird angegeben "weitere/bessere Behandlungsmöglichkeiten", "Nennung anderer Einkommensquellen" und "allgemeine Beratung".

Bei den Ansprechpartnern handelt es sich NICHT um die sonst für alles zuständigen Sachbearbeiter, sondern scheinbar spezielle Kräfte.

Da ich i.d.R. mit stationär behandelten Patienten zu tun habe, die den Termin NICHT wahrnehmen können, wüsste ich gerne, ob hier jemand Erfahrungen mit einem derartigen Schreiben und Termin gemacht hat. Es scheint – zumindest bei der KK – ein recht neues Vorgehen zu sein.

Und:

Die wenigen Patienten, die ich kenne und die diesen Termin wahrgenommen haben, waren empört bis verwirrt. Gut, es ist nicht die einfachste Patientenklientel und ich muss einige Aussagen mit Vorsicht betrachten (wird bei hier ggf. kommenden Antworten aber auch nicht anders sein).

Was aber bei mir ankam: Zum einen sollte in Behandlungsmaßnahmen gedrängt werden, die nicht zu Kosten der KK gehen. Nicht nur, aber überzufällig häufig (statt stationärer Krankenhausbehandlung Druck bzgl. Reha-Antrag bspw.). Es wurde ebenso deutlich zum Einreichen der Rente gedrängt (2x 3 Monate krank in 2 Jahren reichte dafür aus). Sollen das die "anderen Einkommensquellen" sein?!

Ich weiß, dass es bei (einigen) Krankenkassen mittlerweile dieses Case Management-System gibt, wo wirklich die Behandlung optimiert werden soll. Da hatte ich bislang nur wenige Kontakte, habe die aber – ebenso wie die Patienten – wirklich als hilfreich erlebt.

Aber zumindest das, was momentan besagte KK macht (die seit einigen Monaten ohnehin im professionellen Kontakt, wenn es um Kostenübernahmezusagen geht, zumindest in meiner Region und meinem Themengebiet DEUTLICH unfreundlicher und unwilliger geworden ist und schlimmer als selbst die als nicht sonderlich großzügig geltende gesetzliche KK), irritiert mich doch arg.

Wenn also jemand Erfahrungen gemacht hat und die kurz schildern mag, wäre ich dankbar!

Antworten
Gjarou`78


Hallo Sunflower_73,

ich war lange Sachbearbeiter bei der A*K. Das Verhalten der DAK ist normal wenn man weiss, dass der DAK, dass Wasser bis zum Hals steht. Aus diesem Grund, versuchen sie alles, die Kosten der Krankheit jemand Anders aufzudrücken. Ich kenne von meinem ehemaligen Arbeitgeber noch ganz andere Sachen! Dagegen ist das harmlos, was Du schreibst.

Ich konnte das mit meinem Gewissen zum Teil nicht vereibaren.

Liebe Grüße

Heiko

Poaguliune1x1


Sunflower, diese Fallmanager haben inzwischen ALLE Kassen (oder kennt jemand die berühmte Ausnahme?).

Ich kenne das bei der TK, und die gilt als finanzstark. Dummerweise hatte mein Mann dort wegen kurzer Beratung nachgefragt, als ich noch auf der Intensivstation lag und er mit den Aussagen der Ärzte zu Frtühreha/Reha nicht zurechtkam. Darauf bat ihn ein "Rehaberater" erst mal, mich Schweigepflichtsentbindungen unterschreiben zu lassen für alle beteiligten Kliniken. Hab ich leider auch in meinem Tran, damals war ich sicher nicht ganz zurechnungsfähig. Der ließ sich also alle Berichte aus KH und Rehakliniken schicken. Und rief mindestens wöchentlich an, als ich wieder zuhause war, als angeblicher "Berater". Beim ersten Anruf hatte ich noch Fragen zu ambulanter Weiterbehandlung (ich war nie zuvor länger oder gar schwer krank gewesen), aber dazu wusste er nix. Nervte nur mit Fragen nach Fortschritten und Wiedereingliederung. Und als ich dann mal völlig überfordert nicht mehr abnahm, kam prompt die berühmte schriftliche Aufforderung, den Rehaantrag bei der Rentenversicherung zu stellen.

Sinn ist natürlich nicht die Reha, sondern, dass die DRV ihn mangels Erfolgsaussicht ablehnt, damit ist es automatisch ein Rentenantrag. Ich war da zwar sicher schon erwerbsunfähig, hatte aber noch auf Besserung gehofft.

z?uza


ich denke, dass das vorgehen mittlerweile durchaus üblich ist; es geht nicht um gesundheitliche wiederherstellung, sondern einsparung von krankengeld. bei derartigen gesprächen würde ich (vielleicht ...!) nach anwaltlicher rücksprache erscheinen, aber jegliche information zu gesundheitlichen fragen unbeantwortet lassen. bei medizinischen fragen ist seitens der gkv der medizinische dienst einzuschalten,sachbearbeiter sind aufgrund ihrer ausbildung nicht befähigt, medizinische diagnosen zu beurteilen - hierfür sieht das SGB V den MDK vor. einschalten eines anwalts vor dem termin und somit demonstration von "wehrhaftigkeit" könnte wohl am ehesten hilfreich sein ;-)

zguzxa


übrigens gilt ja immer noch § 65 SGB I (grenzen der mitwirkung); wenn jemand stationär ist, gilt wohl zumindest Abs.1 Nr.2 ...

[[http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/__65.html]]

anspruch auf krankengeld haben die patienten ja ohnehin, wenn sie auf gkv-kosten in einer klinik sationär behandelt werden:

[[http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44.html]]

also nicht kirre machen lassen, denn für begutachtung und beratung ist immer noch der MDK zuständig - § 275 ff. SGB V

o!th]ello


Ich merke auch mehr und mehr, dass es den Kassen nicht um die Gesundung ihrer Versicherten geht sondern primär um Kosten-Einsparung.

Reguläre stationären Behandlungskosten gehen zu Lasten der Kasse – genau wie das Krankengeld; die möchte man schnell auf einen anderen Kostenträger abwälzen, in diesem Falle auf die Rentenversicherung.

SQunfilowerx_73


@ Heiko:

Ich telefoniere wöchentlich zwecks Kostenübernahmen für Patienten mit Sachbearbeitern div. KK. Dass der D*K das Wasser auch bis zum Halse steht, offensichtlich seit Fusion, wird da auch sehr deutlich. Der Tonfall ist selbst im professionellen Kontext unglaublich unfreundlich geworden. Dass sich die Patienten da auch beklagen, wundert mich wenig. Ich stehe immer kurz davor, den Hörer aufzulegen, weil ich mich als Behandler nun wirklich nicht dermaßen anmachen lassen muss. Darf ich bloß nicht...

Mit meinem Gewissen kann ich auch so schon best. Dinge nicht vereinbaren...

@ Pauline:

Ja, genau sowas...

@ zuza:

Das mit den Grenzen etc. ist alles klar, auch der Krankengeldanspruch.

Aber jemanden nach 7 Wochen AU direkt anzuschreiben bzgl. "Können sie noch arbeiten, ist ihr Job noch der richtige" – das finde ich heftig.

Und ich misstraue diesem anscheinend freundlich-hilfsbereiten Beratungsangebot einfach. Weil der Tonfall (zumindest lt. Auskunft einiger Betroffener) sehr schnell kippt, wenn jemand meint: Klar gehe ich wieder arbeiten, dauert halt gerade nur.

Ich hätte daher gerne KONKRETE Erfahrungen zu Gesprächen mit diesen "Gesundheitsberatern"...

C:aoijmhe


ich war lange Sachbearbeiter bei der A*K. Das Verhalten der DAK ist normal wenn man weiss, dass der DAK, dass Wasser bis zum Hals steht

Die AOK macht das genauso. Eine gute Freundin ist nicht zu dem Termin gegangen, daher keine Ahnung was da abläuft.

S;unfWlowe%r_7x3


@ Caoimhe:

Hatte Deine Freundin Probleme, weil sie nicht gegangen ist?

Ckaoimxhe


Nein. Sie ist aber auch eine Woche nach dem Gespräch wieder planmäßig arbeiten gegangen, sie hat nie wieder was von denen gehört.

PXaufli<ne1x1


Dass der D*K das Wasser auch bis zum Halse steht, offensichtlich seit Fusion, wird da auch sehr deutlich.

Ich denke, das hat damit nichts zu tun, bei mir war es z.B. die finanzkräftige TK; da geben die sich alle nichts, vor allem, seit sie aus dem Gesundheitsfond nur noch Pauschalbeträge für ihre Patienten bekommen, die Ausgaben aber komplett tragen müssen.

Im Nachhinein fand ich es auch oberheftig, Schweigepflichtserntbindungen einzusammeln, wenn jemand noch in Lebensgefahr auf der Intensiv liegt. Aber ich war noch Monate später selbst vom Alltag zu überfordert, um da was zu machen.

N<anjnxi77


Sunflower, diese Fallmanager haben inzwischen ALLE Kassen (oder kennt jemand die berühmte Ausnahme?).

Ja. ich. ;-D

Meine KK hat mich nie im Stich gelassen, mich zu irgendwas gedrängt, den MDK eingeschaltet oder sonstwas obwohl ich die max Zeit Krankengeld ausgeschöpft habe.

Im Gegenteil, ich habe einen Gesundheitsberater der mir telefonisch immer mit Rat und Tat zur Seite steht und mit dem ich alle paar Wochen telefoniere. Er ist med. ausgebildet und ist passend zu meiner Erkrankung ausgesucht. Diese Sache ist aber auf rein freiwilliger Basis, heißt ich muß das nicht tun weil die Kasse es will oder so. ;-)

a3pfe!lkirste


Letztes Jahr war ich 9 Wochen krank. In diesen 9 Wochen habe ich drei mal im Krankenhaus gelegen, insgesamt 19 Tage. Die Krankenkasse hat mir den Vorschlag gemacht, wenn es mir wieder besser geht, das ich wieder arbeiten kann, dann solle ich eine wiedereingliederung machen. Mein Chef hat gesagt, weil ich so krank war, schicke ich dich ersteinmal drei Wochen in Urlaub um deinen alten Urlaub abbauen.

Mittlerweile gehts mir wieder gut, nur bei dieser Krankheit werden nur 20% gesund. Nach zwei Jahren kann ich sagen ob ich das gröbste überstanden habe. Ich hoffe das ich keinen rückfall bekomme.

Sdunflomwerx_73


@ Nanni:

D.h. Dein Gesundheitsberater HILFT Dir wirklich – und schickt nicht nur Drohbriefe. Gut zu wissen – denn z.T. kann man ja durchaus Hilfe gebrauchen.

Aber mir missfällt einfach, was ich gerade erlebe. Aktuell aus dieser Woche ein abgesagter Termin beim "Gesundheitsberater" (wg. stationärer Behandlung!) – und Anrufe dieses Beraters auf dem Handy des Patienten 1-2x täglich seit der Absage. Völlig unangemessen – v.a. vor dem Hintergrund, dass die Krankenkasse die von uns beantragte Weiterbehandlung ABLEHNT.

Bin neugierig, ob noch jemand positive/negative oder überhaupt Erfahrungen mit diesen Gesundheitsberatern gemacht hat!

N2arn.ni7x7


Ja, das ist ein freiwilliges Programm. Der Gesundheitsberater hat NICHTS mit Sachbearbeitung o.ä. zu tun!

Er ist wirklich nur da um mir zu helfen. Wenn man dran nicht mehr teilnehmen möchte läßt man es eben wieder und ich bestimme wie oft ich mit ihm spreche. Es ist wirklich nur eine Hilfe!

Das hat mit den von Dir genannten Anschreiben usw. nichts zu tun. Ich wollte nur mal sagen das es auch KKs gibt die einen nicht unter Druck setzen, sondern einem eher Hilfe anbieten die wirklich Sinn macht. ;-)

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