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Operation ohne schriftliche Einwilligung? Strafbar?

dfokrxo88 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich wurde im Februar 2012 im Zuge einer normalen routine Operation behandelt und hab für diese allerdings keine schriftliche Einwilligung gegeben.

Es wurde statt der besprochenen 1 Woche Krankenhausaufenthalt, 1 Monat mit starken Schmerzen und Folgeerscheinungen die sich bis heute hinziehen.

Möchte nun auf der Ärztekammer klagen, bin mir aber nicht sicher ob ich mich selbst strafbar mache, da ich für die Operation nichts unterschrieben habe.

Wäre dankbar wenn mir jemand weiterhelfen könnte.

Lg Dominik

Antworten
aVgnaeCs


Was wurde gemacht und warum?

.xX.


da ich für die Operation nichts unterschrieben habe.

Du mußt was unterschrieben haben. Daß Du Dir über die Gefahren bewußt bist, daß Du ärztlicherseits aufgeklärt wurdest usw. Wenn so ein Schriftstück nicht existiert, sieht es für den Arzt schon mal schlecht aus.

GSriesuxh1


Kann mir nicht vorstellen, dass du nichts unterschrieben haben sollst.

Es wird vor jeder Op vom Narkosearzt über Gefahren, Risiken und Folgen der Op und Narkose ein Gespräch mit dem Patienten geführt.

Auch informiert der OP-Arzt über den Ablauf der Op und es wird grundsätzlich von Patient unterschrieben, dass er mit der OP einverstanden ist und über die OP informiert wurde.

Ansonsten hast du auch einen Aufnahmeantrag für den Klinikaufenthalt unterschrieben. Lese dort einmal das Kleingedruckte. Dort steht schon einiges zu OP und Narkosserisiken. Meist steht sogar drinn: dass du im Falle des Ablebens mit einer Obduktion einverstanden bist.

Schaue noch einmal genau nach, du findest dann sicher die Unterlagen mit deiner Unterschrift.

RZob2bieR


Du bist doch sicherlich nicht gegen deinen Willen operiert worde, warst also einverstanden. Das Einverständnis muss nicht schriftlich sein, es ist auch so wirksam. Die Unterschriften des Patienten dienen dem Arzt nur zum Nachweis, dass der Patient vor der Op aufgeklärt worden ist.

Ohne Formular hat der Arzt also Beweisprobleme, dein Einverständnis ist nämlich nur rechtlich wirksam, wenn Du vorher über alle Risiken etc aufgeklärt worden bist, also wußtest, worauf Du Dich einläßt. Das muß der Arzt beweisen.

Im Einzelnen müßte man wissen, welche Operation erfolgte und was passiert ist.

tDatu0a


Kann mir nicht vorstellen, dass du nichts unterschrieben haben sollst.

Ist mir auch schon mal passiert.

Einmal bei einer Darm-OP und einmal ist mir ein ZVK gelegt worden, ohne, dass ich unterschrieben habe.

Auch informiert der OP-Arzt über den Ablauf der Op und es wird grundsätzlich von Patient unterschrieben, dass er mit der OP einverstanden ist und über die OP informiert wurde.

Das ist die Theorie, in der Praxis ist das meistens so. Nicht immer. :=o

Was RobbieR da schreibt, klingt richtig und vernünftig.

Die Frage wäre, ob die Schmerzen Folge eines Kunstfehlers sind, oder eine normales Risiko dieser OP darstellen bzw. ob sie überhaupt von der OP herrühren.

Rrobb!ieR


eben vergessen: du hast dich natürlich nicht strafbar gemacht

I|sNmaejl


Ein Arzt, der eine Operation durchführt, begeht juristisch betrachtet eine Körperverletzung, das beginnt sogar bereits viel früher, z.B. bei einer Blutentnahme oder einem Allergietest auf der Haut. Eine Körperverletzung ist aber nur dann erlaubt, wenn sie mit einer [[http://de.wikipedia.org/wiki/Informierte_Einwilligung informierten Einwilligung]] des Betroffenen bzw. dessen Vertreters (z.B. bei Kindern) erfolgt. Eine Einwilligung muss aber nicht unbedingt schriftlich erfolgen.

Die Frage, ob eine ausreichende Einwilligung des Patienten vorliegt, orientiert sich nur zu einem kleinen Teil an der Schriftform. So reicht häufig eine mündliche Einwilligung oder sogar eine stillschweigende Einwilligung, letzteres z.B. dann, wenn der Patient seinem Arzt den Arm zur Blutentnahme entgegen streckt. Andererseits kann auch eine schriftliche Einwilligung unwirksam sein, wenn der Patient (im Verhältnis zur Schwere des Eingriffs und der Dringlichkeit der Durchführung) zu wenig Zeit zum Überlegen hatte, wenn die Aufklärung unvollständig, unverständlich oder unzumutbar war (z.B. durch übertriebenes Ärztedeutsch). Um diese Fallstricke (Umfang und Verständlichkeit) zu vermeiden, wird gerne mit Vordrucken gearbeitet, es ist allerdings zu beachten, dass der Arzt verpflichtet ist, spezielle Risiken seines Patienten besonders herauszustellen. Grundsätzlich [[http://de.wikipedia.org/wiki/Ärztliche_Aufklärung gilt]]:

Je dringender der Eingriff, desto geringere Anforderungen sind an den Umfang der Aufklärung zu stellen; je weniger dringend der Eingriff, desto größere Anforderungen sind an die Aufklärungspflicht zu stellen.

Wenn ein Patient z.B. bewusstlos ist, kann der Arzt sogar gezwungen sein, selbst zu entscheiden, wozu der Patient wohl einwilligen würde. Kein Notarzt käme am Unfallort auf die Idee, mit seinen lebensrettenden Infusionen zu warten, bis der gerade sterbende Patient ihm die Erlaubnis dazu gibt. Wenn es nicht ganz so dringend ist, wird man Angehörige befragen, nicht um zu erfahren, was diese wollen, sondern um zu erfahren, was der mutmaßliche Wille des Patienten wäre. Dieses gilt z.B. auch bei der Einwilligung seitens der Eltern für ihre Kinder.

@ dokro88

Ich wurde im Februar 2012 im Zuge einer normalen routine Operation behandelt und hab für diese allerdings keine schriftliche Einwilligung gegeben.

Das erscheint mir sehr ungewöhnlich, es sei denn, es ging um einen sehr geringfügigen Eingriff bei vollem Bewusstsein, womöglich noch unter Zeitdruck.

Es wurde statt der besprochenen 1 Woche Krankenhausaufenthalt, 1 Monat mit starken Schmerzen und Folgeerscheinungen die sich bis heute hinziehen.

Hier ist von Bedeutung, ob es sich um eine aufklärungspflichtige Komplikation handelt und ob Sie in Kenntnis dieser Möglichkeit realistischerweise Ihre Einwilligung nicht gegeben hätten.

@ tatua

Ist mir auch schon mal passiert.

Einmal bei einer Darm-OP und einmal ist mir ein ZVK gelegt worden, ohne, dass ich unterschrieben habe.

Auch hier stellt sich die Frage nach der Dringlichkeit, danach, ob Sie Ihr Einverständnis evt. stillschweigend gegeben haben und Ihnen durch frühere Aufklärungen bekannt war, welche Risiken bestehen, und danach, ob eine Aufklärung überhaupt in Ihrem Interesse gewesen wäre. Letzteres könnte z.B. zum Tragen kommen, wenn während der Operation sich unvorhersehbare Verhältnisse darstellen, die einen weitergehenden Eingriff rechtfertigten. Hier ist abzuwägen, ob dieser weitergehende Eingriff nur deshalb auf eine Folgeoperation (mit erneuter Narkose und zusätzlichen Risiken) verschoben werden soll, damit zwischenzeitlich eine erweiterte Einverständniserklärung eingeholt werden kann. Das kann man kaum pauschal beurteilen.

1)tox3


Kann auch ein Organisationsproblem sein. Ich habe auch schon im KH vor einer OP Formulare bekommen, die danach nie wieder eingesammelt wurden, obwohl ich sie unterschrieben hatte.

tYatuxa


Auch hier stellt sich die Frage nach der Dringlichkeit, danach, ob Sie Ihr Einverständnis evt. stillschweigend gegeben haben und Ihnen durch frühere Aufklärungen bekannt war, welche Risiken bestehen, und danach, ob eine Aufklärung überhaupt in Ihrem Interesse gewesen wäre

Beide Male ist es regelrecht verpennt worden. Bei der Darm-OP habe ich eine Narkose-Aufklärung bekommen, aber keine bezüglich des Eingriffs.

Beim ZVK hat man mir hinterher erst gesagt, dass ich eigentlich eine Einwilligung unterschreiben hätte müssen. Beides waren keine Notfallsituationen.

Kann man eine Einwilligung sinnvoll geben, wenn man die Risiken nicht kennt?

Bei dem ZVK bzw. bei der anschliessenden Plasmapherese hat es tatsächlich eine Komplikation durch einen Kunstfehler gegeben. Ich hatte aber schlichtweg nicht die Energie das zu verfolgen.

R>obbwieR


Kann man eine Einwilligung sinnvoll geben, wenn man die Risiken nicht kennt?

nein, die Einwilligung ist nur wirksam, wenn du über alle typischen Risiken aufgeklärt worden bist. Wenn dann was passiert, kann der Arzt auf die Aufklärung und das Einverständnis verweisen. Deshalb das schriftliche, damit der Arzt was in der Hand hat.

Wenn bei der Operation ein Fehler unterläuft, den der Arzt, wenn er genügend vorsichtig gewesen wäre, hätte vermeiden können, haftet er trotzdem, weil sich deine Einwilligung natürlich nicht auf Fehler erstreckt.

GRaroou78


Hallo Dominik,

ich habe gerade einen ganz ähnlichen Fall. Ich wurde operiert (Implantation einer Schmerzpumpe, Aussage vom Arzt:"Da kann gar nichts passieren.") und bin als Spätfolge der Operation ab dem 12. Brustwirbel inkomplett querschnittgelähmt. Aktuell verklage ich den Arzt gerade.

Ich konnte zu 100% nachweisen, dass ich nie aufgeklärt worden bin.

Wenn Du nachweisen kannst, dass Du nichts unterschrieben hast (siehe Patientenakte). dann hat der Arzt eine schwere Körperverletzung begangen. Außerdem steht die Schmerzensgeld zu. Für den Fall, dass bleibende Schäden zurückbleiben, haftet auch der Arzt dafür. Ganz wichtig, unbedingt eionen Fachanwalt für Medizinrecht einschalten.

Liebe Grüße

Heiko

.xX.


Möchte nun auf der Ärztekammer klagen

Du hast Dich doch sicher schon erkundigt: gab es Alternativen? Da es eine Routine-OP war, anscheinend nicht. Also müßtest Du dem Arzt einen Fehler nachweisen. Das ist in der Regel schwer und teuer. Und das hat dann auch nichts mehr mit unterschrieben oder nicht zu tun. Die Ärztekammer wird sonst nicht viel mehr tun, als den Arzt wegen des Aufklärungsversäumnisses zu ermahnen.

Im Endeffekt ist das eine Versicherungssache, und eine Versicherung wird nur sehr ungern zahlen. Mache Dich also auf einen langen und teuren Streit gefaßt...

SVun{flo,weTr_x73


@ Garou:

Eine mangelhaften Aufklärung über Risiken bei einem Eingriff, in den Du eingewilligt hast, ist aber etwas anderes (v.a. beim tatsächlichen Eintreten der nicht erwähnten Risiken!) als das, was der TE hier beschreibt.

Denn er tut so, als sei er mit der OP gar nicht einverstanden gewesen. Aber ER ist doch in die Klinik gegangen, ER hat sich auf den OP-Tisch gelegt.

Das dürfte rechtlich eine andere Situation sein...

E+hemaliger[ Nu_tzer (x#325731)


Reicht nicht rein rechtlich eine mündliche Einwilligung aus? Ich meine das eine schriftliche nur vor Gericht besser aussieht.

Aber da man ja keinen Patienten k.o. schlägt und ihn fesselt und knebelt und in den OP schleppt, kann man davon ausgehen das er einverstanden war, denn wie sunflower schreibt: er ist ja selber hingegangen und hat sich bereitwillig in den OP fahren lassen ;-)

Implantation einer Schmerzpumpe, Aussage vom Arzt:"Da kann gar nichts passieren.") und bin als Spätfolge der Operation ab dem 12. Brustwirbel inkomplett querschnittgelähmt.

Das ist ja wieder was ganz anderes, weil er keinerlei Risiken aufgezählt hat. Hat aber mit dem ersten Falle nicht wirklich was gemeinsam.

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