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Vater Krank, gesetzliche Betreuung, Bürokratie und viele Fragen

Alias 714223 hat die Diskussion gestartet


Ich suche Hilfe, Erklärungen und Handlungsoptionen für mich und meine Familie.

Vor 13 Jahren wurde ein bösartiger Hirntumor bei meinem Vater diagnostiziert. Er hat die OP überstanden und auch die Bestrahlung. Sein Verhalten änderte sich dadurch sehr stark, er war sehr aggressiv, oft krank, die Motorik funktionierte nicht mehr so gut und einiges mehr. Dazu gesellten sich Alkohol und Depressionen.

Vor 2 Jahren machte er wegen Alkoholproblemen (die er bis heute nicht einsieht) eine Reha, währenddessen ging es ihm deutlich besser. Leider blieb davon nicht über. Seine Arbeit verlor er nach langen Krankheitsphasen (eher einvernehmlich, er konnte den Job schon lange nicht mehr ausführen). Meine Mutter trennte sich letztes Jahr nach langem Ringen von ihm, eine Entscheidung die ich wirklich gutheiße. Seit über einem Jahr lebt er nun alleine.

Anfang des Jahres begann er eine berufliche Rehablitation (er wurde in einem Gutachten als abreitsfähig eingestuft und sieht sich selber auf dem 1. Arbeitsmarkt). Er fiel im Jahr extrem meiner Mutter, Schwester und mir, aber auch Lehrern und Betreuern in der Maßnahme durch Verwirrung und Vergesslichkeit auf. Zuletzt waren meine Schwester und ich mit ihm in seiner Schule, da er dort nicht als abreitsfähig (1. Arbeitsmarkt) eingestuft wurde und um über betreutes Wohnen zu sprechen.

Zum Thema Verwirrung: Phasenweise mehrere Anrufe am Tag über Verabredungen (die es nicht gibt), Verpassen bzw. eher Vergessen von Terminen jeglicher Art, Vergessen der Wochentage (er hinterließ wochenends ein paar Mal Zettel in der Schule, dass er dort war und rief mich auch an, weil er nicht verstand, dass niemand da ist). Vergessen von einfachen Wegen (er hat mir Sachen vorbeigebracht und verfuhr sich zweimal hintereinander) und auch zu seiner Schule verfuhr er sich vor kurzem (obwohl er den Weg seit einem Jahr kennt). Auch verdreht er Informationen, spricht von Terminen die es nicht gibt.

Vor drei Wochen ist er ins Krankenhaus gefahren, der Überzeugung, dass er dort hin musste. Er wurde auch aufgenommen (es war ein Gutachten geplant, aber es gab noch keinen Termin). Als er wieder ging erzählte er meiner Schwester, er hätte sich selbst entlassen, weil sich niemand um ihn kümmere (die Untersuchung war beendet und er wurde entlassen).

Es sind sehr viele Dinge die zusammenkommen und es wird immer schlimmer. Sein Verhalten war auch vorher auffällig, aber durch die große Narbenbildung, Alkohol- (und auch Drogenkonsum) erklärt (und durch das Zusammenleben mit meiner Mutter nicht so auffällig).

Durch die Untersuchungen im Krankenhaus kam heraus, dass sein Gehirn sich auflöst (den Arztbrief kann ich leider erst sehen, wenn alles komplett ist). Hiernach wurde die Maßnahme spontan beendet und wir sollen nun möglichst die gesetzliche Betreuung übernehmen.

Er ist nun erstmal krankgeschrieben und auf dem Arbeitsamt gemeldet. Wir würden gerne so schnell es geht seine Rente durchsetzen und sehen, was man sonst machen kann. Die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt fände ich wünschenswert.

Was kommt nun alles auf mich zu, um was muss ich mich kümmern? Ich bin überfordert und die Unmenge an Informationen im Internet machen es nicht besser.

Was genau fällt unter die gesetzliche Betreuung? Welche Verpflichtungen gehe ich ein? Wo kann ich mich informieren und wer kann helfen. Hat er eine Chance auf einen Platz im betreuten Wohnen?

Ich wohne seit keinen zwei Monaten in meiner ersten eigenen Wohnung und habe meinen ersten Job. Ich habe von Pflege und Bürokratie kaum Ahnung und bin ziemlich ratlos, weiß aber, dass ich mich kümmern muss.

Ich bin für jede Idee und jeden Ratschlag dankbar. Ich werde mich nun erstmal mit seinem Hausarzt auseinandersetzen (Schweigepflichtsentbindung habe ich) und schauen, ob ich irgendeine Beratung in Anspruch nehmen kann, aber wo wende ich mich am besten hin?

Antworten
ocld?ie48


Was genau fällt unter die gesetzliche Betreuung?

Im Prinzip alles, was Eltern für unmündige Kinder tun (müssen).

Zusätzlich Verwaltung seiner Konten, Vermögen und Sachwerte.

Hast du schon Konten-Vollmachten? Die kann er dir geben, auch wenn du (noch) nicht die gesetzliche Betreuung hast.

Wenn du ohnehin das Gespräch mit einer Pflege- Einrichtung suchst, können die dir auch Hinweise geben. Die sind mit solchen Problemen ja ständig konfrontiert.

SGunflIo`wer_x73


1. Frage in der Klinik, ob eine Beratung durch den Sozialdienst möglich ist.

2. Gesetztliche Betreuung: Gibt es für die Bereiche Aufenthaltbestimmung, Finanzen, medizinische Entscheidungen. Musst Du Dich ans zuständige Amtsgericht wenden.

3. Rente: Rentenantrag bei der Dt. Rentenversicherung stellen.

Ganz allgemein: Der Sozialverband VDK kann ein guter Ansprechpartner sein. Kostet einen geringen Mitgliedsbeitrag; der ist es aber wert!

RNut


Ein gesetzlicher Betreuer wird vom Amtsgericht bestell. Erkundige dich beim zuständigen Amtsgericht, damit du informiert bist.

Hier einige Informationen vorweg:

[[http://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/alter/pflegeundbetreuung/patientenverfuegung-und-vorsorgevollmacht]]

Eine Vorsorgevollmacht kann ohne Notar erteilt werden. Während man bei einer Betreuung dem Amtsgericht Rechenschaft u.a. für finanzielle Belange geben muss, also auch ein Ausgabenbuch führen sollte.

Alles Gute für deinen Vater und dich.

Alias 714223


Danke erstmal.

Mit der Bank mache ich morgen einen Termin, damit ich auf seine Konten zugreifen kann. Ist es möglich ohne gesetzliche Betreuung auszukommen und nur mit einer Vorsorgevollmacht zu arbeiten? Die gesetzliche Betreuung zu Übernehmen widerstrebt mir sehr.

Um Rente zu beantragen muss erstmal von ärztlicher Seite alles abgeklärt sein. Hier erkundige ich mich morgen beim Hausarzt.

ohldbie438


Mit der Bank mache ich morgen einen Termin, damit ich auf seine Konten zugreifen kann.

Da brauchst du keinen großartigen Termin. Marschiere hin und hole dir die Vollmacht-Formulare ab.

Zuhause ausfüllen, Vater unterschreibt und an die Bank zurück. Kopie behalten.

SvchmZidtxi70


Letzteres ginge bei uns nicht.

Der Vollmachtgeber muss persönlich erscheinen. Können wir sonst ja nicht nachprüfen, ob Derjenige selbst unterschrieben hat, ob ihm die Hand geführt wurde, ob er noch geschäftsfähig ist...Und wenn ich im persönlichen Gespräch den Eindruck gewinne, Derjenige versteht gar nicht mehr, was er unterschreibt, darf ich auch die Vollmacht nicht akzeptieren.

Vorsorgevollmachten werden bei uns nur in notarieller Form akzeptiert, weil ja auch da ein Nachweis da sein muss, dass Derjenige zum Zeitpunkt der Erteilung noch voll geschäftsfähig war.

@ TE:

Hat denn bislang Keiner bei Deinem Vater Kontovollmacht?

oQld4ie4x8


Der Vollmachtgeber muss persönlich erscheinen.

Schmidti70

Ach so. Das war ich selbst.

Alias 714223


Für die Vollmacht müssen wir gemeinsam hin. Bis zur Scheidung hatte meine Mutter Zugriff auf das Konto, danach niemand mehr. Ich denke, er versteht, was er unterschreibt, nur nicht warum. Und er vergisst es vielleicht wieder.

Eine Vorsorgevollmacht würde ich notariell beglaubigen lassen. Vielleicht könnte ich so Zeit gewinnen, bis von ärztlicher Seite erstmal alles abgeklärt ist. Ich habe es so verstanden, dass ich mich auch so um alles kümmern könnte. Ich möchte eigentlich gar nicht die ganze Verantwortung haben und würde mich so erstmal wohler fühlen.

S%unfkloweOr_73


Ohne gesetzliche Betreuung könnte es auf Dauer aber schwierig werden. Mit Kontovollmacht und Vorsorgevollmacht kannst Du vieles regeln, aber eben nicht alles. Und je mehr Dein Vater abbaut, desto schwieriger wird es dann. Was nützt Dir bspw. eine Kontovollmacht, wenn er anfängt, das Geld für Blödsinn auszugeben? Wenn er Verträge abschließt, die er nicht überblickt, die er aber noch abschließen DARF?

Theoretisch kann man die gesetzl. Betreuung auch in die Hände Dritter geben. Kostet - und ist nicht immer empfehlenswert. Informiere Dich!

S%chmi,dti7x0


Der Notar muss sich da aber auch über die Geschäftsfähigkeit Deines Vaters vergewissern. Er muss sich da auch eindeutig zu äußern können. Sonst wird das nichts... Dafür gibt es ja dann die Betreuungen..

HMolgerx69


Versuche bitte schnellstmöglich, mit deinem Vater einen Termin bei einem Notar zu bekommen zwecks Erteilung einer Vorsorgevollmacht durch deinen Vater. Wenn der Notar deinen Vater für noch geschäftsfähig hält, ersparst du deinem Vater die gesetzliche Betreuung und dir, falls du sie übernehmen würdest, viel Bürokratie. Denn im Falle der gesetzlichen Betreuung bist du dem Amtsgericht gegenüber Rechenschaft schuldig, im Falle der Vorsorgevollmacht bist du hingegen frei, solange du die Interessen deines Vaters vernünftig wahrnimmst. Mit der Vorsorgevollmacht kannst du allerdings so ohne weiteres keine Immobiliengeschäfte für deinen Vater vornehmen, aber der Notar erklärt dir, was dann ggf. zu tun ist.

R}ut


Sowohl meine Eltern als auch die Schwiegereltern haben Vorsorgevollmachten erteilt. Es war kein Notar oder Rechtsanwalt dazu eingeschaltet. Unsere Eltern hatten Vertrauen zu ihren Kindern. Nur bei den Patientenverfügungen haben die Hausärzte mit unterschrieben.

Auch mein Mann und ich haben uns gegenseitig Vorsorgevollmachten erteilt. An 2. Stelle kommt ein an unserem Wohnort lebender Sohn. Bankvollmachten haben wir unseren Kindern auch über den Tod hinaus erteilt.

Bei Betreuungsvollmachten kommt ein Arzt vom Med. Dienst zur Begutachtung. Ein vom Gericht eingesetzter Betreuer wird vom Betreuten bezahlt. Angehörige haben dann kein Mitspracherecht mehr, denn der Betreuer handelt im Sinne des Betreuten. Er kann u.a.zum Beispiel Immobilien verkaufen um den Unterhalt in Seniorenheim zu sichern.

In Niedersachsen muss man als Betreuer von Angehörigen an einer Schulung teilnehmen und wird über Pflichten und Rechte informiert.

Hol dir Rat beim Amtsgericht. Da gibt es eine Beratungsstelle, die über eine Betreuung informiert - kostenlos.

S\chmidWti7x0


Eine nicht notarielle Vorsorgevollmacht wird aber bei uns nicht akzeptiert... Insofern käme die TE damit bei der Bank u.U. eben nicht weiter.

Hintergrund ist die fehlende Rechtssicherheit.

dhreiv#ornxeun


In Niedersachsen muss man als Betreuer von Angehörigen an einer Schulung teilnehmen und wird über Pflichten und Rechte informiert.

Das ist nicht richtig. Habe im Sommer Antrag auf Betreuung für meine Mutter gestellt, ein kurzes Gespräch wo ich aufgeklärt wurde, das wars, keine Schulung.

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