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Warum als Angehöriger im Krankenhaus das Zimmer verlassen?

IVngefuaerxa


Verstehe jetzt nicht ganz, was du mir sagen willst. Irgendwie scheinst du mir widersprechen zu wollen, oder?

Mit dem Dienstleistungsberuf meine ich ja auch keinen Kaffeeklatsch, sondern die Dienstleistung der Behandlung. Das hat doch aber nichts damit zu tun, ob die Angehörigen mithören. Denn das heißt ja nicht austomatisch, dass man mit denen nett plaudert. Bei Gesprächen, die schwerwiegende Diagnosen betreffen, wird sogar empfohlen, einen Angehörigen dabeizuhaben, weil vier Ohren mehr hören als zwei.

OmrZangeCan7yon


Ärzte sind in erster Linie zur Behandlung von Krankheiten und akuten Dingen da, das scheinen die meisten Menschen zu vergessen.

Unter Wahrung der Patientenrechte......und das Eine schließt das Andere nicht aus. Der Patient gibt an der Tür eines Krankenhauses seine Mündigkeit nicht ab....auch wenn das offenbar gerne so gehandhabt wird.

Das soll aber bitte keine Ärztebashing werden....mir sind die Zustände samt Personal- und dadurch Zeitmangel in öffentlichen Einrichtungen durchaus bewusst.

I$ng7efacexra


Es ist ja aber auch so, dass man ggf. Zeit spart, wenn kein separates Angehörigen-Gespräch geführt werden muss.

P~lacebox0906


Letztendlich ists aber doch so, dass man eigentlich solche Situationen in denen vl. die Angehörigen "lästig" werden bei der Visite und zu viele Fragen stellen auch mit guter Kommunikation leicht lösen kann.

Man kann auch eben schon vorher klar machen: ja sie können dabei sein, aber es ist die Visite es geht um die Therapiebesprechung v.a. auch um den Austausch mit den Kollegen und um das Befinden des Patienten usw. wenn dann Fragen aufkommen oder irgendwas unklar ist können wir das gerne nachher besprechen und ggf. einen Termin ausmachen um uns in Ruhe nochmal zusammensetzen.

Den erwähnten Tipp mit "Angehörige raus schicken, und nur wenn der Patient dann interveniert oder nochmals fragt ob sie nicht doch bitte dabei sein könnten von sich aus, die Angehörigen wieder rein bitten" find ich gut und wird bei uns so gehandhabt von einigen Ärzten.

Ich selbst lerne jetzt in meinem Studium in eigenen "Gesprächsführungskursen" im Grunde genau das. Der Wunsch des Patienten ist zu berücksichtigen und zumindest Ernstzunehmen. Wenn gegen den Wunsch nichts wirklich grundlegendes einzuwenden ist, dann wird er "erfüllt" und gerade der Wunsch das Angehörige mit dabei sein sollen bei der Visite stellt jetzt ja nicht wirklich das mega Problem dar.

Da sind Argumente wie Zeitmangel/Visite muss schnell gehen usw. echt fehl am Platz.. auch wenns in der Praxis so ist.. und auch wenn man mal genervt ist von Angehörigen usw..

Vorallem kann man eben durch Kommunikation in diesem Fall vorher ja klare "Regeln" aufstellen, das dauert keine 2 Minuten, erspart aber vl. dann doch ein anschließendes Gespräch mit den Angehörigen nach der Visite ;-)

Und den Patienten als Kunden "abzutun" find ich doch ein bissl arg.. nur weil er Kunde ist hat er kein Recht Ansprüche zu stellen/Wünsche zu äußern und mit diesen auch ernstgenommen zu werden? ganz ehrlich dass kanns aber auch nicht sein.. da wird dann zu "wirtschaftlich" gedacht und der Mensch einfach mal vergessen.. und genau das sollte gerade im Krankenhaus eben nie nie nie passieren!.. (in Einzelhandelsunternehmen heißts ja doch auch immer "Der Kunde ist König" ;-) und ein guter Umgang, das Ernstnehmen des Patienten und seiner Anliegen und das ermöglichen von einer für den Patienten angenehmen Situation hilft ja auch viel in Punkto Compliance und auch Gesund werden. Und vl. ist eben genau durch die Anwesenheit von Angehörigen eine angenehme Situation für den Patienten zu schaffen)

Aber das ist eben nur meine Meinung diesbezüglich und eben auch das wie wir es momentan als Medizinstudenten gelernt bekommen ;-)

mSarip9osa


Das magst du so sehen, aber rechtlich gesehen, steht es dem Patienten zu, einen Angehörigen durchaus bei der Visite dazu zu holen.

Hast Du dafür eine Quelle? Das würde mich wirklich interessieren.

MeXEoxne


@ Placebo0906

Krankenhaus ist aber nunmal ein Business geworden.

Und klar sind deine Argumente nicht verkehrt. Aber Sachen wie "Argumente wie Zeitmangel/Visite sind fehl am Platz" sind dann doch zu sehr durch die Rosarote Brille gesehen ..

In der Theorie ist alles so einfach umzusetzen, und alles so schön unaufwendig .. Die Tatsächliche Umsetzung ist es aber ..

In Zeiten wo sich wenig Personal um (wie man las) 40, 50 Patienten kümmern müssen ist das alles sehr schwierig geworden. Ich kann mir nicht Vorstellen dass die Ärzte freude daran haben heutzutage nurnoch wenig Zeit für einzelne Patienten zu haben .. Dazu kommt noch die Problematik mit der ständigen Überbelegung, da wird niemand gefragt ob das ok für das Personal ist ..

Die Frage ist ja wieso das ganze nicht so wie in deinen Vorstellungen umgesetzt wird wenn es doch so einfach wäre?

Bitte nicht falsch verstehen, respektier deine Meinung komplett aber das klingt etwas nach "Die Krankenhäuser sind nicht gewillt obwohls nur nen Fingerschnips wäre".

OYranSge?CaWnyon


Recht auf qualifizierte Pflege und Versorgung

Der Patient hat während der Behandlung auch ein Recht auf qualifizierte Pflege und Betreuung und auf den Schutz seiner Privatsphäre. Bei stationären Behandlungen hat der Patient außerdem ein Recht auf eine angemessene und sichere Unterbringung und Versorgung sowie die Möglichkeit, Besuche zu empfangen oder abzulehnen.

Der Patient ist zu informieren, wer für seine Behandlung und Pflege zuständig ist. Andere Personen als das Behandlungs- und Pflegepersonal dürfen bei therapeutischen Gesprächen (auch Visiten) und der Behandlung nur nach vorheriger Zustimmung des Patienten anwesend sein. Der Arzt kann den Wunsch des Patienten, weitere Personen hinzuziehen, nur in begründeten Fällen ablehnen und muss sich um eine Einigung mit dem Patienten bemühen.

Quelle: [[http://abc-der-krankenkassen.de/patientenrecht2.htm klick]]

OlraYngeUCanyxon


Da hast es auch nochmal drin (gib bei der suche einfach visite ein, dann springts eh von selbst hin):

[[https://www.nuernberg.de/imperia/md/gesundheitsamt/dokumente/gh/patientenrechte_1_.pdf klick]]

Pzla"ceZbgo0906


Ja und auch wenns ein Business ist: es geht um Menschen.. um kranke Menschen… und ein kranker Mensch der sich nicht ernstgenommen fühlt macht die Therapie und alles weitere meist weit schwerer als nötig..

Und "klar" die Rosarote Brille ist dabei, wobei mal ehrlich: wir haben uns zwar alle den Stress nicht ausgesucht, und klar ist keiner darüber erfreut wenn man Unterbesetzt ist und vl eh schon seit 24 Stunden im Dienst nur am rotieren, dann noch Visite mitgeht und evtl dann wirklich mal "komplizierte" Angehörige auf der Matte stehen.. aber das ist halt mal so.. und nur weil ich damit nicht zufrieden bin muss Ichs ja nicht an meinen Patienten "auslassen" in dem ich sie "entmündige" jetzt mal hart gesagt..

Und es wird ja teils auch so umgesetzt wie wir es jetzt gelernt bekommen.. ist aber halt nicht überall so.. Vl. wird sich das ja auch noch ändern..

Das es "einfach" ist bzw. immer "einfach" ist und mit dem 0815-Schema "vorher Regeln aufstellen usw." machbar ist hab ich nicht gesagt und ist natürlich auch nicht der Fall.. aber man kann viele Sachen auch komplizierter machen als sie sind.. Ein Fingerschnips ist es nicht, aber auch kein Halsbruch ;-)

Und wenn man mal so schaut: viele die die Angehörigen immer rausschicken, machen das aus Gewohnheit und weil sies eben immer schon so gehandhabt haben, und nicht aus "triftigen" Gründen.. ;-)

Liegt vl. auch mit daran, dass früher in der Ausbildung nicht so auf die Compliance des Patienten "polarisiert" wurde und das jetzt zb bei uns in der Ausbildung wirklich ein sehr großer Teil ist, und überall mit eingebracht wird und wir darauf weit mehr sensibilisiert werden..

Und sicher kommts auch darauf an wies einem Vorgelebt und gelernt wurde.. Bei uns in der Klinik kann ich die Ärzte die sich a wirklich absolut Querstellen in Punkto Visite+Angehörige an einer Hand abzählen.. dann gibt's viele die nicht lange rum diskutieren, wenn die Angehörigen dabei sein sollen ok. und dann eben noch die Fraktion die mit einer guten Begründung auch kein Problem mit Angehörigen haben.

Und gibt natürlich auch Stationsbezogene Unterschiede.. Auf der Chirurgie gibt's bei uns am Tag 2. Visiten.. in der Früh vor Besuchszeiten wird die Visite dazu genutzt Therapien anzupassen, weitere Schritte/Diagnostik einzuleiten/anzufordern, sich unter Kollegen und mit der Pflege auszutauschen usw.. die zweite Visite ist am Nachmittag nach den Operationen, und je nachdem wie stressig der Tag im OP war ist eben mal mehr oder mal weniger Zeit vorhanden, aber Grundsätzlich ist da mehr Zeit um auf die Patienten einzugehen und um eben auch Gespräche mit Angehörigen zu führen.. somit da dann auch nicht das Problem wenn die Angehörigen gleich bei der Visite mit dabei sind.

Naja..

Wie auch immer.. im Falle de TE, find Ichs sehr schade, dass sich die Ärzte da so querstellen, weils evtl. doch anders Lösbar wäre und für beide Seiten vieles einfacher machen würde..

Weil ein Patient der sich aus lauter Angst vl dann bei der Visite nichts sagen traut wenn keine "Vertrauensperson" dabei ist bringt dem Arzt ja auch genau Nüsse..

P6lace[bo09x06


Und es müssen ja auch eben nicht bei allen die Angehörigen dabei sein, viele wollen das ja auch nicht und viele haben kein Problem wenn die Angehörigen raus müssen, auch wenn es sie nicht stören würde wären sie dabei..

Aber die die wirkliche wen dabei haben wollen, denen sollte es ermöglicht werden ;-) und denen kanns ja auch ermöglicht werden.. zumal man sich dann wirklich keinen Zacken aus der Krone bricht..

MZXone


@ Placebo0906

Danke dir für deine Ausführlichkeit, sehr gut geschrieben. Hat mich bisschen zum Umdenken bewegt wenn auch nicht völlig.

Ib789


Aber das ist eben nur meine Meinung diesbezüglich und eben auch das wie wir es momentan als Medizinstudenten gelernt bekommen ;-)

Das stimmt uns, was den Umgang damit in Zukunft angeht, zumindest vorsichtig optimistisch, danke!

Danke auch für die Links zu den Patientenrechten.

f&uGzzxzi


rhelia, ich geb dir grundsätzlich recht, allerdings: wenn der Patient ausdrücklich wünscht, dass der/die Angehörige mit dabei ist bei der Visite bin ich auch der Meinung sollte man diesem Wunsch nachkommen.

Notfalls kann man ja auch immer noch ankündigen, dass man evtl. etwas intimere Fragen stellen muss und ob diese dann ohne die Angehörigen besprochen werden sollen oder nicht ;-)

Bei uns im KH ists immer Arztabhängig wies gehandhabt wird..

Ich habs allerdings so gelernt bekommen, dass der Wunsch des Patienten zu akzeptieren ist, möchte der die Angehörigen dabei haben ist das absolut in Ordnung ;-)

Placebo0906

So isses! :)^

Ich sehe das ehr so, dass es so sein soll, dass der Patient niemals Zeugen für was auch immer haben soll. Daher müssen alle aus dem Zimmer.

Wenn der Patient eindeutig wünscht, dass ein Angehöriger dabei ist, dann sind Argumente wie Schweigepflicht usw...absoluter Quatsch.

Abgesehen davon halten sich Ärzte, wie ich schon ziemlich oft selbst erfuhr, eh nicht daran.

dJanGae87


Ich finde vorallem das ein echtes Trauma mehr ist als ein bisschen Angst und das kann man als Patient unter Umständen auch nicht einfach so mal im Griff haben und sich arrangieren und so ein schönes Gefühlt von Panik ist der Heilung sicherlich auch nicht förderlich. Ihren Stress in allen Ehren, aber etwas einfach abzubügeln weil man das halt so macht, ohne kurz mal nachzudenken ob etwas anderes für Behandlung und Heilung nicht sinnvoller wäre finde ich traurig und bedenklich. Ich wünsche mir ja auch das sie neue Behandlungsmethoden umsetzen und da nicht beim alten Leisten bleiben.

DEieKrXuemxi


Aber wenn man lieber hinnimmt, dass sich derjenige gegen ärztlichen Rat entlassen lässt und auf eine Behandlung verzichtet, dann glaub ich halt nicht so recht daran, dass es da wirklich um das Wohl des Patienten und seine optimale Behandlung geht.

Das ist ein sehr schwieriges Terrain...... Ist der Patient mündig und steht nicht unter Betreuung, und er lehnt die Behandlung ab, wenn kein Angehöriger dabei ist, ist es eben schwierig, zu differenzieren, ob die Behandlung wirklich sein freier Wille ist oder in erster Linie von den Angehörigen gewünscht ist. Und sobald ein Arzt den Eindruck hat, dass es in erster Linie der Angehörogenwunsch ist, dass die Behandlung erfolgt, sollte die Behandlung abgebrochen werden.

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