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Job mit Demenzkrankem ertragen?

1K5nU|hxr hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben,

Hoffe ich bin in diesem Teil des Forums richtig mit meinem Problem!

Derzeit absolviere ich einen Freiwilligendienst. Meine Aufgaben sind eigentlich Tiere zu versorgen und die Ställe zu säubern. Gern, das wollte ich doch auch.

Ich habe noch 4 ganze Wochen und diese angefangene Woche zu arbeiten. Hatte aber wegen erhalt eines Ausbildungsplatzes (ab April) schon vorzeitig gekündigt.

Mein Problem: Mein Chef ist dement. Ich muss ihm oft seine Aufgaben erklären oder er gibt mir sinnlose Aufgaben (im strömenden Regen Blumen gießen).

Er weiß nicht was er tut. Ich könnte heulen wenn ich an meinen nächsten Arbeitstag denke. Ich wollte keinen Freiwilligendienst im Pflegebereich und jetzt muss ich das im Grunde doch machen, zusätzlich zu meiner normalen Arbeit.

Ich habe jeden Abend Magenschmerzen wenn ich an ihn denke, ich kann das einfach nicht mehr länger Ertragen!

Ich kann einfach keinen Chef ernst nehmen der mich wirklich fragt, wie er bei einem klingelnden Telefon drangeht. In solchen Momenten habe ich das Bedürfnis ihn richtig anzupampen! Aber er kann doch nichts dafür.. Also zusammennehmen und versuchen sein Gerede zu ignorieren.

Als ich angefangen habe, im August, war noch alles gut. Er war vielleicht ein wenig vergesslich, aber bei einem fast 80-jährigen wohl normal. Wenig später kam die Diagnose und seitdem wird es auch rasend schnell immer schlimmer. Ich hätte niemals gedacht, dass Demenz so schnell fortschreitet und dass es so hart für das Umfeld ist..

Vor 4 Wochen habe ich mir zur Motivation eine Liste gemacht und jeden geschafften Tag abgehakt.

Freitag nach der Arbeit habe ich diese Liste ohne Grund weinend, wütend zerrissen.

Auf der Arbeit sitze ich teils einfach auf der Toilette rum und weine, ich komme mit seiner Krankheit und dem Verhalten überhaupt nicht zurecht. Nein, ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich dachte ich sei eine erwachsene Frau die mit Problemen zurechtkommt, diese Situation hat mich eines besseren belehrt..

Ich habe nun schon den Rat bekommen mich krank schreiben zu lassen, eben für diese 4 Wochen. Das wäre vielleicht eine Lösung, aber welcher Arzt schreibt mich bitte 4 Wochen krank obwohl ich gesund bin?

Ich suche einfach nach Rat, wie ich es schaffen kann die letzten Wochen zu überstehen. Wie kann ich mich in den Griff bekommen, wie kann ich mich vor und auf der Arbeit beruhigen und besser mit seiner Krankheit umgehen?

Liebe Grüße

Antworten
Syhojo


Was genau fällt Dir denn daran so schwer, was macht Dich so fertig? Ist er "nur" planlos, oder wird er auch aggressiv? Wie reagierst Du auf Ansinnen wie das mit dem Blumengießen im Regen, und wie reagiert er auf Deine Reaktion? Kannst Du da mal zwei, drei Situationen etwas konkreter schildern, inklusive Deiner und seiner Reaktion, bei denen Du die Wand hättest hochgehen können?

PFlüsc<hbiesxt


Geh zum Hausarzt und schildere ihm die Situation und sag ihm, dass du kurz vor einem Nervenzusammenbruch stehst. Das sollte reichen für eine Krankschreibung.

MGonsxti


Nun, mit Demenz kannst Du auch leicht innerhalb des engsten Familienkreises konfrontiert werden. Da kannst Du nicht einfach mal wegrennen, sondern musst Dich diesem Thema mehr oder weniger intensiv stellen oder den Kontakt abbrechen. Und bedenke bitte, auch Du wirst eines Tages vielleicht dement! Willst Du dann, dass die Dich umgebenden Personen weinend auf dem Klo sitzen?

Irrwitzige Aufträge des Chefs würde ich schlicht und einfach ignorieren. Welches Deine Aufgaben sind, weißt Du doch! Erledige sie und fertig. Was der Chef sagt, sollte Dich nicht sonderlich jucken. Ich weiß, dies ist leichter gesagt als getan. Immerhin weißt Du aber, dass seine Demenz fortschreitet. Für seine Pflege bist Du nicht zuständig.

1N5Uhxr


A: Komm mal her, schau, die Blumen müssen gegossen werden! Das ist ganz wichtig wenn die neu gepflanzt worden sind.

B: Herr A, es regnet aber doch. Da bekommen die Blümchen schon genug Wasser. Und ich habe heute wirklich schon viel zu tun, sie haben mir ja schon aufgetragen den Zaun zu setzen und einen Zeitungsartikel zu schreiben. Ich glaube, die Blumen schaffen es auch ohne mich.

A: Es regnet nicht (dreht sich im Regen im Kreis)! Sieh, alles trocken! Den Rest kannst du später machen, ist unwichtig.

B: Ich muss auch noch das Hühnerfutter vorbereiten und die Schafe füttern.. Sobald ich das erledigt habe, gieße ich die Blumen, in Ordnung?

A: Alles muss man selber machen! (Spuckt mir ins Gesicht, verschwindet und gießt die Blumen selbst).

Aber dass die Tiere versorgt sind ist nunmal das wichtigste, deshalb bin ich da.

Manchmal werde ich dann eine Woche später für Dinge angemecktert, die ich getan oder nicht getan habe.

Mit dem Telefon war erst heute. Wir sitzen im Büro, ich musste ihm mal wieder erklären wie man den Computer anschaltet und wie man Überweisungen tätigt(im August konnte er Word bedienen, Mails schicken, Dinge googlen, die Homepage bearbeiten..)

Telefon klingelt.

B: Hier, das Telefon klingelt. (Reiche ihm das Telefon)

A: Ja, habe ich gar nicht mitbekommen (ernst gemeint)!

Starrt auf die Nummer.

B: Sie müssen schon rangehen.

A: Aber wie?

B: drücken sie einfach auf den großen, grünen Knopf, Hörer zum Ohr und sprechen.

- Er macht nichts.

B: Soll ich ihnen zeigen wo?

A: Ja, bitte.

- Ich drücke also auf den grünen Knopf.

-Er hält den Hörer mit der Außenseite zum Ohr.

Das war der Moment, in dem ich ihn am liebsten angeschrien hätte. Habe durchgeatmet. Der Mensch am Telefon hatte schon aufgelegt.

Auf einmal fängt er an zu weinen, ganz plötzlich.

"Meine Mama, wo ist meine Mama?? Hallo? Du darfst nicht sterben!" Er fängt an sich auszuziehen, ich rede ihm nur zu, dass er dich krank wird wenn er bei dem Wetter nichts anzieht.

Irgendwann saß er, nur noch mit Socken bekleidet auf dem Schreibtischstuhl und hat nach seiner Mutter gefragt.

Habe meinem Arbeitskollegen (der da weit besser mit zurechtkommt als ich) schnell eine Nachricht geschrieben. Er ist dann schnell nebenan zum Sohn vom Chef gelaufen.

Wollte ihn ja nicht allein lassen!

Als er dann da war, bin ich nur noch raus.

Und Nachmittags war er, als sei nichts gewesen.

Er weiß oft Dinge nicht, vertauscht vieles, weiß nicht welchen Monat oder welches Jahr wir haben und erzählt alles 20x. Das ist zwar nicht schlimm, eher lustig. Trotzdem auf Dauer verdammt anstrengend. Gerade wenn man es eilig hat.

Auch wenn es sich jetzt nicht so rüberkam.. Ich antworte immer freundlich, lächel ständig und versuche die Situationen gut zu lösen.

Zu Hause (oder eben wenn ich mich auf die Toilette verkrieche), kommt dann eben das raus, was ich auf der Arbeit unterdrücke. Wut, in gewissem Maße Schockiertheit, etwas Angst, Genervtheit.

Hoffe, dass du einen kleinen Einblick erhalten konntest.

M-o^nsti


All diese Details hättest Du Dir sparen können. Wie es mit dementen Menschen ist, weiß ich zur Genüge.

Wenn Du damit nicht umgehen kannst, geh' Deinem Chef weitgehend aus dem Weg und erledige konsequent Deine Aufgaben, die Du ja kennst. Sagt er etwas, sag, ja, ja erledige ich sofort und mach' einfach weiter Dein Ding. Anspucken kann er Dich übrigens nur, wenn Du zu nah an ihm dran bist. ;-)

1h5Uxhr


Shojo hatte um eine kurze Beschreibung gebeten. Ich habe nur so lange zum Schreiben gebraucht und habe nicht gesehen, dass dazwischen noch 2 Antworten waren.

Vielen lieben Dank auch an dich für deine Antwort.

Er steht blöderweise immer sehr nah an mir dran und hält mich meist sogar fest. Diese Spuckattacken werde ich wohl überstehen müssen. Sind zwar sehr eklig, aber bisher hat er nur Stirn oder Haare getroffen. Also erträglich.

q;uactksaluberexi


Ich habe eine Zeit lang Tag- und Nachtwachen bei Dementen oder auch psychotischen Menschen gemacht, kann also ein Stück weit nachvollziehen, wie extrem schwierig und belastend der Umgang mit Dementen sein kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir im Umgang damit Humor hilft und die Bereitschaft, auch mal mit in die schräge Welt einzutauchen und sich darauf einzulassen, sie als ihre Realität stehenzulassen, nicht immer zu korrigieren, wenn sie etwas "falsch" machen oder "falsch" denken. Ich weiß ja nicht, wie häufig solche Dinge wie Blumengießen bei Regen bei Deinem Chef vorkommen und wie viel Zeit Dir für Deine eigentlichen Aufgaben zur Verfügung steht, aber vielleicht würde Dir die ganze Situation etwas leichter fallen, wenn Du wirklich mal so eine "verrückte" Idee mitmachen würdest, sie vielleicht sogar mit weiterspinnen, ganz ohne den Versuch, ihn davon zu überzeugen, wie es richtig wäre. Hast Du das schon mal in einer Situation probiert, in der es zeitlich einigermaßen machbar war (wenn es das überhaupt gibt)? Wobei es bei Deinem Chef so klingt, als würde er immer wieder noch merken, dass irgendwas mit ihm "nicht stimmt", was ihn traurig und zornig macht, belastet Dich das am meisten?

qeuaNckjsalboerei


Könntest Du eigentlich den Freiwilligendienst vorzeitig beenden, wenn es Dir zu viel ist? Oder hätte das blöde Konsequenzen?

Szom6mersronnex80


Mein Schwiegerpapa ist dement ... wir leben alle damit ... mal besser mal schlechter .. es ist nicht einfach das stimmt. .. aber mach es dir nicht schwerer als es ist... wir lernen jeden Tag dazu wie wir ihn zu nehmen haben ...anzunehmen haben ... dagegenreden ist kontraproduktiv. . ausbessern sinnlos .. versuch es mit Humor zu sehen und versuch mit ihm zu Lachen. . das tut nicht nur dir gut. Ich, wir haben das Glück viel von den Kindern lernen zu können. .. ich bewundere täglich meinen 10jährigen Sohn .. mit welcher Selbstverständlichkeit und mit wieviel Geduld er mit seinem Opa umgeht .... schließlich und endlich wachsen wir alle daran

B#amxbienxe


15Uhr :)_ :)*

bitte geh zu deinem Arzt, schilder ihm das was du hier geschrieben hast genauso und tu dir das nicht mehr an! Demenz ist eine schlimme Krankheit mit der du nicht umgehen mußt.

Es geht im Momentvor allem um DEINE Gesundheit. Du trägst für DICH die Verantwortung! Für diesen armen Mann und seine Krankheit bist du nicht zuständig. Lass dir weder im realen Leben noch hier im Forum was einreden!

Ich wünsche dir den Mut und die Kraft dich trotz schlechten Gewissens und Tierliebe sofort aus dieser unseligen Situation zu befreien. Geh gleich morgen Früh zum Arzt. ich bin keine Fachfrau, aber du klingst nicht gut.

Alles Gute @:) :)*

B=ambi8enxe


Mein Schwiegerpapa ist dement ... wir leben alle damit ...

Sommersonne80

Du sagst es! Dein Schwiegerpapa! Nicht dein Chef! Dazwischen liegen Welten! Von meinem Chef erwarte ich ein gaaaaanz anderes Verhalten als von einem Familienmitglied. Und wer den Unterschied nicht erkennt, kann sich ja von seinem Chef anspucken lassen! :-o

MEilchmxann76


Ich frag mich ob der Sohn vom Chef seinen Vater mittlerweile sozusagen kostenlos in der Chefposition parkt und dort dann den Mitarbeitern das aufhalst was er selbst an Pflege, Aufmerksamkeit etc. nicht leisten/bezahlen kann/will.... ":/

qzu6acksa~lbexrei


Oh, den Sohn hatte ich ganz überlesen. Nachdem ich Schussel nun alles noch mal genau gelesen habe, frage ich mich auch, ob das mit den Überweisungen noch so richtig funktioniert, ob eine (Teil-)Betreuung in die Wege geleitet ist.

15Uhr, das hier:

Ich dachte ich sei eine erwachsene Frau die mit Problemen zurechtkommt, diese Situation hat mich eines besseren belehrt..

finde ich übrigens gar nicht schlimm. Du bist - wie alle - kein Übermensch. Ich empfinde es als eine klare Stärke, wenn jemand sich Gedanken darüber macht, ob er eine schwierige Situation bewältigen kann oder nicht und dann die Konsequenzen daraus zieht - sei es nun, dass man versucht, die Situation anders anzugehen, oder dass man sich daraus zurückzieht.

SQomemersoTnnex80


Die TE fragte unter anderem wie sie besser mit der Krankheit umgehen kann .. und hier waren meine Erfahrungenswerte ...

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