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Alle mit Schmerzen in Scheide angesprochen

C2hannem


@SAMIRA

Samira, ich werde dir noch mal was schreiben auch wenn ich annehme, daß das jetzt wehtut. Du schreibst daß du schon lange unglücklich warst, weil dein erster Freund extrem bindungsunfähig war. Ich glaube das nicht. Ich glaube, daß du dir genau diesen Freund herausgesucht hat, weil er dir deine eigene Bindungsunfähigkeit, deine Angst dich auf einen Menschen einzulassen gespiegelt hat.

Ich weiß, daß es für Menschen immer das Schwierigste ist, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen, die Verantwortung für das eigene Handeln. Weil von uns als Kind verlangt wurde, daß wir uns völlig in die Macht der Erwachsenen begeben und daß unsere eigene Meinung, unsere eigenen Bedürftigkeit nichts zählt. Eltern auch wenn sie über die Maßen fürsorglich sind, geht es normalerweise darum "gute" Eltern zu sein, also ihren Selbstwert daraus zu ziehen, daß sie in den Augen der anderen alles "richtig" machen mit ihren Kindern. jede Äußerung des Kindes, die ihnen vielleicht das Gegenteil beweisen würde, wird unterdrückt. Durch Gewalt, wie das bei mir war, aber auch und das ist das perfide daran, durch Fürsorge gepaart mit emotionalem Druck: jetzt hast du die Mama oder den Papa aber traurig gemacht. Die Schuld für die Gefühle der Eltern werden dem Kind zugewiesen.

Dadurch lernt das Kind, daß es ohnmächtig ist, daß es nur durch "Wohlverhalten" die Zustimmung der Eltern bekommen kann. Und Wohlverhalten ist alles, was die Überzeugungen der Eltern bestätigt: "du bist wie ich" ist das höchste Lob das sie aussprechen. Und das Kind muß das glauben um sein Überleben in der Familie zu sichern.

Es übernimmt natürlich genau das Verhalten dann für sich und um die eigenen Ohnmacht zu kompensieren, versucht es nun über andere Menschen emotionale Macht zu erlangen. In der Regel sind das unsere Partner von denen wir einfordern, daß sie unseren Selbstwert bestätigen. Daß sie unsere Fürsorglichkeit, unsere Anhänglichkeit nicht als das wahrnehmen was sie sind, nämlich pure Machtausübung und Kontrolle, sondern eben "Liebe".

Wenn du ins Ausland gehst, es als riesiges JA zur Beziehung zu deinen Freund siehst, es dich verletzt, wenn er dir nicht seine Vermögensverhältnisse offenlegt, dann ist das DEINE Verantwortung. Es ist DEIN Mangel an Einfühlungsvermögen, der verhindert hat, daß du ihn als Mensch wahrnimmst. Mit seinen Ängsten, seinen Bedürfnissen (die aus den gleichen Quellen stammen wir bei dir, nämlich aus seiner Kindheit - wo mit Sicherheit seine Eltern durch Anhänglichkeit und Fürsorge Kontrolle über ihn (und vielleicht sein Taschengeld??) ausgeübt haben.

Ihm Bindungsunfähigkeit zu attestieren, weil er sich weigert dir die Kontrolle über sein Leben zu geben, zeigt einfach nur wie bedürftig du bist. Es zeigt auch, daß er in der Lage ist, Verantwortung für seine Bedürfnisse zu übernehmen und dir ein deutliches "Nein" entgegenzusetzen, wenn du seine Grenzen verletztt.

Denn jeder Mensch hat das Recht seine Grenzen selber zu definieren. Auch du hast das Recht dazu. Du darfst bestimmen, was in deinem Leben passiert. Die Tatsache, daß du die Gernzen deines Freundes nicht warnehmen kannst, zeigt einfach nur, wie sehr deine Grenzen verletzt wurden. Ein Mensch der seine eigenen Grenzen nicht schützen, hat meistens große Mühe, die Grenzen der anderen zu wahrzunehmen und zu akzeptieren. Dazu muß man die Macht über über sich selber übernehmen. Und das ist jetzt wieder etwas sehr Frauenspezifisches, daß wir Angst davor haben, wirklich Macht vor allem über unsere äußeren Grenzen zu haben. (Männer haben Angst die innere Macht zu übernehmen)

Die Schmerzen die du hast, sind dein Wegweiser - denn die Schmerzen bereitest du dir selber. Du, und nur du allein kannst dich davon befreien, darfst dich davon lösen. Du darfst dir selber helfen, deine Weiblichkeit als etwas Machtvolles annehmen und du wirst trotzdem dazugehören, wirst trotzdem eine wunderbare Frau sein. Und nicht jemand, der durch sich durch körperliche Schmerzen daran hindert Schmerzen Macht zu haben.

Sei nicht böse, daß ich das alles so hart schreibe. Immer wieder - es ist meine Wahrheit, wie ich sie sehe.

S$am1irax_22


@Chanem

Du liegst hier nicht richtig... Aber es war vielleicht auch nicht gut von mir, Dich um Deine Meinung zu fragen, wo Du doch die ganze Geschichte nicht kennst. Meine Exfreund (also noch der vor dem Ausland) ist wirklich bindundsunfähig. Er hatte ein Beziehung vor mir und die ist an denselben Problemem gescheitert wie unsere. Ich hatte dann auch noch mit seiner Mutter Kontakt nach der Trennung und die wusste auch, woran es lag. Ich suche ja die Schuld schnell einmal bei mir, aber für das Scheitern dieser Beziehung habe ich keine Schuld. Ich habe es immer wieder mit ihm versucht, ihm viele Chancen gegeben, doch leider hat es nicht gefruchtet. Ich konnte nicht weiter mit ihm zusammen sein, da dies in keiner Weise meiner Vorstellung von einer Beziehung entsprach (ohne Nähe und Zärtlichkeit).

Und auch bei meiner letzten Beziehung liegst Du nicht richtig. Seine Ängste kommen nicht aus der Kindheit, sondern rühren von seiner gescheiterten Ehe her. Er wurde dabei finanziell fast ruiniert. Es ging mir nie darum, die genauen Zahlen zu wissen, es ging mir ums Vertrauen. Es ging nie ums Geld selbst. Aber das war nur etwas von vielem. Er wollte mir vorschreiben, welche Unterwäsche ich tragen solle und solche Dinge. Das wollte ich nicht. Er wollte sich nicht binden. Das zeigt auch, dass er in der Zeit unserer Fernbeziehung glücklich war. Er wollte mich zwar, aber dazu auch all seine Freiheit.

Meine Eltern haben übrigens nie Sätze wie "Da hast Du Mami aber traurig gemacht" verwendet. Und ich wurde auch geliebt, wenn ich mich nicht immer nur "wohl verhalten" habe.

Kannst Du mir sagen, warum die Schmerzen dann weggegangen sind, in der Zeit der Fernbeziehung. Ich weiss einfach nur, dass ich da fest an unsere Liebe geglaubt habe und sehr glücklich war.

Fnire'nze00x7


an Samira

... und dann haben doch deine Schmerzen wieder angefangen oder? Nachdem du zu ihm gezogen bist und ganz und gar JA zu der Liebe, an die du geglaubt hast, hat die Realität ja an dem Traum gekratzt und du hast Dinge erkannt (die Sache mit dem fehlenden Vertrauen bezüglich der Finanzen, der Freiheitsdrang), die mit DEINER Vorstellung und deinen Wünschen bezüglich einer Partnerschaft nicht übereinstimmen. Das könnte doch - nach Chanems Sicht - das Wiederaufflammen erklären, oder?

Was das "Aussuchen" eines "bindungsunfähigen" Mannes betrifft, so möchte ich das versuchen nochmal anders zu erklären: dieses Aussuchen macht keiner bewusst, es ist vielmehr so, dass du dich zu jemandem hingezogen fühlst, der eben dieses Bindungsmuster hat (ich nenne es jetzt mal ein unsicheres Bindungsverhalten - wobei das aus der Kindheit, aber ebenso auch aus die missglückte Ehe resultieren kann - es gibt viele Faktoren, die die Bindungsfähigkeit erschüttern kann).

Ich habe von einer Geschichte gelesen, von einer Frau, die wg. Manie und auch einer psychotischen Krise mehrfach in der Psychiatrie war und sie überlegte, wie offen sie bei neuen Bekanntschaften über ihre Psychiatrie-Karriere reden soll. Ihr Berater schlug ihr die Geschichte einer Frau vor, die es trotz schwerer Krisen es trotzdem geschafft hat, sich erfolgreich um ihren Sohn zu kümmern. Sie hat den Tod ihres Mannes bewältigt, sich intensiv und erfolgreich mit sich selbst auseinandergesetzt und trägt die Verantwortung für ihr Leben alleine -> Erfolgsgeschichte von sich

Andererseits wäre auch die Geschichte von sich als gescheiterte Psychiatriekarrieren-Existenz möglich. Das würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ebenfalls auf gescheiterte Psychiatriekarrieren-Existenzen zu treffen.

Was offen bleibt: welche Geschichte erzählt sie lieber? Welche Männer lernt sie bevorzugt kennen - gescheiterte Existenzen oder selbstbewusste, erfolgreiche Männer?

Wir fühlen uns zu verschiedenen Zeitpunkten zu verschiedenen Personen hingezogen, weil wir selbst auch verschieden sind.

Jede Realität ist wahr.

Im Nachhinein ist die Geschichte vielleicht doch etwas am Thema vorbei, aber ich lasse sie mal stehen, weil ich finde, dass man auch etwas daraus lernen kann.

Für dich Samira guck ich aber noch mal nach einem anderen Text, der oben an dem anknüpft, was ich weiter oben über Bindung geschrieben habe.

LG, Firenze

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an Chanem

kannst du zu meinem letzten an dich Addressierten noch etwas schreiben?

LG

F&irenz%e007


an Samira

ich hab den Text gefunden; er ist aus der Zeitschrift "emotion" und bezieht sich auf das Buch "der Geheimplan der Liebe" von Prof. Wolfgang Hantel-Quitmann, Paartherapeut und Psychologe. Ich hab das Buch selber noch nicht gelesen, es steht aber ganz oben auf der Liste. Im Großen und Ganzen versucht der Autor darzustellen, warum wir uns zu bestimmten Menschen hingezogen fühlen und welche Entwicklungsaufgaben die Partnerschaft an jeden einzelnen stellt. So kann eine unglückliche Partnerschaft beispielsweise wichtig sein, weil man nur durch die Überwindung des Unglücks zum Glück vordringen kann. Wenn ungelöste Themen aus der Vergangenheit mit Unglück verbunden sind, muss das Unglück erneut inszeniert werden, um überwunden zu werden. So können alte Wunden heilen.

Voraussetzung ist hierfür natürlich wieder ein reflektierter Umgang mit der eigenen Person - das gilt aber eben für beide Partner. Wenn dein Ex dazu nicht bereit war, kann es für dich nur bedeuten, dass du dich zurück ziehst, denn Verantwortung kann jeder nur für sich selbst übernehmen. Seine Vorstellungen von Beziehing und seine Bedürfnisse waren wohl mit der Fernbeziehung bedient, deine mit der Voraussicht auf mehr - unterschiedliche Vorstellungen. Aber ändern hätte er sich nur selbst können, egal wie viele Chancen du vergibst.

So ich hoffe du konntest damit was anfangen?

LG von Firenze

Sjamir?a_22


@Chanem und Firenze

Vielen Dank, dass Ihr mir helft, mich mit meinen Schmerzen auseinander zu setzen. Ich kopiere Euch mal die ganze Geschichte rein - ist aber lang!

Vor zwei Jahren habe ich mich unglaublich in einen Belgier verliebt und er sich in mich. Wir haben danach ein Jahr lang eine Fernbeziehung geführt und dann bin ich letzten Juni nach Belgien gezogen (ich bin Schweizerin). Ich war die flexiblere von uns, da mein Ex eine 13-jährige Tochter hat. Ich habe also alle Zelte hinter mir abgebrochen und bin nach Belgien gezogen. Leider stellte sich bald heraus, das ich viel mehr Mühe mit dem Eingewöhnen hatte als je gedacht. So vieles war anders. Kleinigkeiten, doch tausend Kleinigkeiten. Ich vermisste meine Familie und Freunde schrecklich. Ich arbeitete vom ersten Tag an 100% und besuchte einen Niederländisch Intensiv-Kurs zweimal die Woche für 4 Stunden. Das brachte mich total an meine Grenzen. Zusätzlich war letztes Jahr wohl das wichtigste und stressigste in der bisherigen Karriere von meinem Ex. Ich konnte mich neben Arbeit und Sprachkurs zu nichts mehr aufraffen, hatte keine Energie mehr. Ausserdem litt ich unter Schlafproblemen und hatte nach ein paar Monaten einen Zusammenbruch. Meine Ärztin verschrieb mir Schlaftabletten, damit ich wenigstens schlafen konnte. Diese Tabletten taten mir aber nicht gut und manchmal konnte ich nicht mal mit deren Hilfe schlafen. Ich war nur noch ein Wrack. Da ich 40 km vom Wohnort weg arbeitete, war es auch nicht einfach, mit Leuten von der Arbeit etwas zu machen. Ich stand morgens und abends im Stau und war fast eine Stunde pro Weg unterwegs. Das war mir alles zuviel. Da ich keine Freunde hatte, konzentrierte ich mich extrem auf meinen Ex.

Mehr und mehr hatten wir grosse Streite, die z. T. ausarteten, dass wir sogar aufeinander losgingen. Nachher schworen wir uns immer, dass das nicht mehr vorkommen sollte und dass wir zusammengehören. Die Art wie wir uns kennengelernt hatten und das darauf folgende Jahr mit der Fernbeziehung waren so perfekt. Ich war damals noch nie so glücklich in meinem Leben! Wir waren so verliebt, hatten tausend Pläne, fühlten uns seelenverwandt. Doch mein Unglücklichsein in Belgien machte mir fertig und damit auch aggressiv. Ausserdem stelle mein Ex mehr und mehr Forderungen an mich, denen ich nicht nachgeben wollte. So wollte er, dass ich mein Unterhemdchen nie ins Höschen steckte, weil dies schlecht aussehe und dass ich immer sexy Unterwäsche tragen sollte. Er kontrollierte dies auch. Ich versuchte mich zu wehren, doch leider konnte ich nicht viel ausrichten. Es musste immer alles nach seinem Kopf gehen. Das führte natürlich zu Auseinandersetzungen.

An Weihnachten hatten wir einen wirklich grossen Streit, während dem ich einen Bilderrahmen auf den Boden schmiss (mit Fotos von ihm und seiner Tochter). Es war geplant, dass ich für ein paar Tage in die Schweiz fahren würde, was ich dann auch tat. Er war extrem wütend. Er verlangte von mir, dass ich zu einem Psychologen gehen sollte, um etwas gegen meine Ausbrüche zu unternehmen. Ich weigerte mich, da ich neben Intensiv-Kurs und Arbeit einfach nicht noch etwas machen konnte. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Ich war völlig am Ende und hatte keine Energie mehr. Doch nach ein paar Tagen und Telefongesprächen freute er sich dann auch, dass ich wieder zurückkam. Nach einer Versöhnung mit Rose und Blumen ging es von da an aber bachab. Immer mehr Streitereien, ich kritisierte viel an Belgien herum, schlechte Atmosphäre. Er verlor seine Geduld immer mehr. Ich auch. Er sagte mir, dass er eigentlich kein geduldiger Mensch sei und die Geduld nur für mich aufgebracht hätte.

Wir gingen noch in Skiurlaub zusammen und hatten auch Spass. Weniger Druck und so... Danach ging es dann dem Ende entgegen. Eines Abends fragte er mich, ob mir wieder eine Fernbeziehung vorstellen könnte, denn er sähe wie unglücklich ich in Belgien sei. Und wie glücklich wir in diesem ersten Jahr gewesen waren. Ich fing an zu weinen und er sagte, er fühle eine Erleichterung, dass dies nun als Möglichkeit (vielleicht Ausweg) dastehe. Am nächsten Tag sagte ich ihm, dass ich keine Fernbeziehung mehr wollte. Das sei mir zuwenig, man könne nichts zusammen aufbauen, habe immer zuwenig Zeit füreinander und sei nicht das Echte. Er reagierte komisch und wir hatten in den folgenden Tag noch mehr Probleme. Er war zum Teil richtig unfair zu mir und völlig ohne jegliche Geduld. Schliesslich stellte ich ihn zur Rede und er sagte mir, dass es für ihn ein Schlag gewesen wäre, als ich mich gegen die Fernbeziehung gestellt habe. Er hätte sich nun aber damit abgefunden und das Thema sei erledigt. 2 Wochen später verbrachten wir mit seiner Familie zusammen ein verlängertes Wochenende in den Ardennen. Dort kam es zum Eklat. Wir gerieten vor seiner Familie in einen Streit und ich fühlte mich sehr provoziert. Daraufhin teilte er mir vor allen mit, dass er nun Schluss mache. Ich war völlig verzweifelt und wollte das nicht akzeptieren. Ich erniedrigte mich vor ihm, es kam zu einem Handgemenge. Etwas später wollte er von mir den Schlüssel zur Wohnung zurück, wo alle meine Sachen und meine Möbel sind. Ich hätte eigentlich in die Wohnung gehen wollen für den Rest des Wochenendes, damit wir getrennt wären. Doch das liess er nicht zu, sagte, er traue mir nicht. Er dachte ich würde ihm aus Rache die Wohnung zerstören. Mein Ex ist geschieden und von seiner ersten Frau ruiniert worden. Er musste sogar eine Weile bei seiner Schwester leben aus finanziellen Gründen. Er wollte mich also nicht mehr in die Wohnung zu meinen Sachen lassen. Er würde die Hälfte für ein Hotel bezahlen, sagte er. Als er mir die Schlüssel wegnehmen wollte, rannte ich weg, um dies zu verhindern. Er mir nach. Wieder kam es zu Handgreiflichkeiten. Sein Bruder schritt ein und trennte uns. Nachher stand er wie ein Bodyguard im Gang im Haus und liess mich nicht mehr zu meinem Ex. Mein Ex rief meine Eltern an und sagte denen, ich hätte ihn angegriffen, sie müssten mich abholen kommen, was sie nicht tun wollten. Sein Bruder fragte mich, wen ich in Belgien so habe. Niemanden, den ich mit sowas hätte belasten können. Niemanden zu dem ich hätte gehen können. Also, sagte der Bruder, dann kommt nur die Schweiz in Frage. Ich wehrte mich, da ich ja einen Job hatte und da hingehen musste. Sie würden da schon eine Lösung finden, hiess es. Schliesslich hatten sie mich soweit, dass ich zustimmte, anderntags den nächsten Zug zu nehmen. Ich sollte mit dem Bruder noch in die Wohnung gehen können, um wichtige Sachen mitzunehmen. Als ich ins Auto stieg, waren die Familienmitglieder aber zu dritt und überredeten mich, gleich in die Schweiz zu fahren. Ich wollte nicht, gab dann aber nach, hatte keine Kraft mehr. So endete das alles.

Fortsetzung folgt...

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Fortsetzung

Der Stress war bestimmt mitentscheidend. Ich war völlig down und kaputt. Habe kaum geschlafen.

Handgreiflich hätte ich nie werden dürfen, ist aber halt passiert, wiederholt. Er hat sich dann gewehrt und war halt viel stärker als ich. Hat oft zu blauen Flecken geführt. Schlimme Sache... Ich weiss, dass es keine Ausrede sein kann, zu sagen, ja, mir ging es beschissen. Ich hätte mich besser in der Hand haben sollen. Er hat mich aber manchmal so kontrolliert: Unterwäsche. Die muss immer sexy sein, auch wenn unbequem. Hemdchen darf auch im Winter nicht ins Höschen, das sieht schrecklich aus. Ich friere aber, wenn ich um die Hüfte herum frei bin. Und ich habe immer passende Unterwäsche angezogen. Er hat das auch immer kontrolliert und mir das Hemdchen rausgezogen und sich beschwert. Das klingt jetzt vielleicht bescheuert, aber für mich war es zu sehr ein Einmischen.

Mein Ex hat wenig Kompromisse gemacht. So war ich ungefähr 8-10 Wochen in Belgien, als er mit seiner Tochter in die Ferien fuhr - ohne mich. Natürlich hatten wir das miteinander besprochen, bevor ich zu ihm zog, aber als ich dann so in der Situation war, war es echt schwer für mich. Ich war neu im Land, kannte praktisch niemanden und er fuhr weg. Wenn er Leuten erzählte, dass es in Urlaub mit der Tochter ging, fragten alle, was mit mir sei. Wenn ich sagte, dass ich zuhause blieb, da er ungeteilte Zeit mit seiner Tochter verbringen wollte, sah ich zum Teil das Unverständnis.

Die Tochter war 13 und lebt 100 km weg bei seiner Exrfrau. Er hat die Tochter jedes Wochenende und würde nie eins aufgeben. Für ihn ist dieser Urlaub sehr wichtig, um ein bisschen mehr exklusive Zeit mit ihr zu verbringen. Ich verstehe das auch. Aber es ist trotzdem hart. Es war vorallem hart, als ich neu da war.

Ich habe noch dem schrecklichen Ende nicht mehr mit ihm geredet. Nur einmal kurz, als ich mit zwei Freundinnen nach Belgien gefahren bin, um einen Teil meiner Sachen abzuholen (Kleider, Möbel, etc.). Er hat uns beim Packen kein bisschen geholfen, stand all die Stunden auf dem Balkon mit seinem Handy und hat sms verschickt. Meine Freundinnen waren echt sauer, haben aber aus Rücksicht auf mich nichts gesagt. Als ich gegen Ende der Packerei einmal alleine mit ihm war, hat er mir mit Tränen in den Augen meine Lieblingsschokolade in einem Plastiksack gegeben - die solle ich nicht vergessen. Sonst nichts. Ein paar Tage später musste ich nochmal was mit ihm klären und rief ihn an. Ich habe ihm gesagt, dass ich enttäuscht war, dass er gar nichts geholfen habe. Er sagte, er hätte nicht helfen können, weil ich dabei war. Und er wolle mich dann nächste Woche (wir mussten noch den Rest holen) nicht sehen, ich solle in der Stadt was trinken gehen. Ich konnte also nicht mal meine restlichen Sachen selber packen.

Die Geschwister haben mich zu dritt gleich von Belgien in die Schweiz gefahren, mich abgesetzt und zurück. Eigentlich war ausgemacht, dass ich in die Wohnung von meinem Ex kann und dort ein paar Sachen zusammensuchen, die ich benötige und ich dann mit dem Zug am folgenden Tag in die Schweiz fahre (auch eine sehr schlechte Lösung, da ich ja noch einen Job hatte und eigentlich nicht einfach mir nichts Dir nichts verschwinden konnte, aber ich konnte einfach nicht mehr und hab dann eingelenkt). Dann waren sie aber plötzlich zu dritt, was mit irritierte, da unser Wohnort etwa eine Stunde entfernt war. Ich begriff nicht, wieso drei Leute mitfahren sollten. Im Auto sagten sie dann zu mir, dass es besser sei, wenn sie mich direkt in die Schweiz fahren. Ich wollte nicht, aber hatte keine Kraft mehr und sagte dann halt ja. Die haben das sicher geplant, um mich noch schneller loszuwerden. Aber trotzdem komisch, dass sie so eine lange Fahrt (6 Stunden) einfach so auf sich nahmen. Sie mussten ja auch wieder zurück. Ich muss ihnen wirklich auf die Nerven gegangen sein. Rettungsaktion für ihren Bruder aus den Klauen der bösen Frau oder sowas... Tja, ich bin noch immer etwas bitter...

Mit seiner Tochter habe ich mich insbesondere zuletzt wirklich gut verstanden. Anfangs war da halt ziemlich lange die Sprachbarriere. Doch vorallen in den letzten 3 Monaten, als ich die Sprache soweit gelernt hatte und mich mit ihr unterhalten konnte, ging es besser und besser. Sie hab viel von sich aus mit mir geredet und mir Dinge erzählt oder gesagt, was sie von den verschiedensten Sachen hielt. Sie hat leider auch ein paar meiner *Anfälle/Aufbrüche" miterlebt und war dann meist auf meiner Seite, hat mich versucht zu beruhigen. Leider hat sie schon darunter gelitten, doch Marc und ich haben mit ihr geredet und ihr gesagt, wie hart es für mich ist und dass dies halt auch auf unsere Beziehung Auswirkungen hat und dass wir da durch müssen.

Sie hat mich auch oft vor ihrem Vater in Schutz genommen, wenn er mir mal wieder reingeredet hat, wenn ich was nicht so machte, wie er sich das vorstellte (z.B. in der Küche). Dann hat sie oft zu ihrem Vater gesagt, er solle mich doch machen lassen, das sei gut, wie ich das mache. Ich war immer erstaunt, dass sie das tut.

Als es dann endgültig auseinander ging und Marc vor allen Schluss machte (naja, ich habe ja auch mit ihm vor allen gestritten, geschrien und bin handgreiflich geworden, ich will hier ehrlich sein), habe ich nicht mit ihr gesprochen. Ich sass alleine in unserem Schlafzimmer in der Ferienwohnung, da ich der Familie nicht gegenübertreten wollte. Sie kam nicht zu mir. Als später der Streit nachmals weiterging, weil Marc mir den Wohnungsschlüssel wegnehmen wollte und ich mich so extrem hilflos fühlte, war sie irgendwann auch zugegen und ich sagte ihr törichterweise, sie habe einen "dummen Vater". Ich war enttäuscht, wütend, ohnmächtig. Ich hatte ja weg von allen gehen wollen, um es allen einfacher zu machen. Auch mir selbst. Sie sollten ihr Weekend haben und ich wollte in unsere Wohnung zurück, um nachzudenken. Aber eben, Marc wollte dies nicht. Für ihn war Schluss und ich durfte nicht in Wohnung. Was sollte ich denn tun. Jedenfalls sagte ich das vom dummen Vater zur Tochter und sie entgegnete ein bisschen wütend: nein! Ihr Onkel hat ihr dann gesagt, sie solle ins Wohnzimmer gehen, das alles sei nicht gut für Kinder. Und das war's... Ich habe keine Ahnung, was sie von mir denkt und wie sie auf die Trennung reagiert hat.

Das ist nun echt sehr persönlich, aber wohl auch am treffendsten beschrieben. Ich muss dazu wohl noch sagen, dass ich dies vor ca. 1 1/2 Monat geschrieben habe und noch viel aufgewühlter war als jetzt.

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an Samira

Mensch, da hast du ja ganz schön was erlebt in der Zeit.

Ich schreib mal ein paar Kommentare, die mir spontan einfallen:

- ihr habt euch beide sehr geliebt habt/ liebt

- du hast dich teilweise ganz schön "fremd-steuern" lassen; das mit der Unterwäsche finde ich nicht von dir eigen sondern von ihm!! Das empfinde ich auch als Eingriff - aber du hast auch das Recht, dich dagegen zu entscheiden, vor allem wenn es unbequem und er sogar gesundheitliche (kalte Nieren) Risiken in Kauf nimmt.

- was ich rauslesen konnte, dass ihr, was die Beziehung betrifft, verschiedene Sachen wollt und den Standpunkt des anderen gar nicht verstanden habt -> die Liebe steht nicht zur Debatte, er hat sich auch nicht gegen die Liebe entschieden, deswegen konnte er auch deine Anwesenheit nicht ertragen. Er will sie nur zu anderen Konditionen als du. Ich hatte den Eindruck, dass er einen Kompromiss gesucht hat, in dem er wieder eine Fernbeziehung vorgeschlagen hat, um die Beziehung zu retten. Damit du wieder glücklich bist (mit deinem sozialen Umfeld) und wieder ausgeglichener in der Beziehung bist. Du wiederum hast dich anscheinend zurück gestoßen gefühlt, weil du dir nicht vorstellen kannst, eine Zukunft auf Distanz aufzubauen.

- Gewalt ist keine Lösung - klar, aber es hat doch jeder schon mal (in welcher Form auch immer) die Beherrschung verloren. Das zeigt doch nur deine große Verzweiflung, dass du dir nicht anders zu helfen wusstest und zur letzten Möglichkeit "gegriffen" hast. Wie hättest du rückblickend den Konflikt (für alle Beteiligten) zufriedenstellender lösen können. Was hättest du dir gewünscht?

Wäre die Fernbeziehung - zumindest für eine Weile - keine Option für dich gewesen? Es sollte von ihm aus ja nicht das Ende bedeuten, so wie ich es verstanden habe. Das setzt natürlich (von beiden Seiten) eine Menge Vertrauen voraus. Aber bei 2 Seelenverwandten bleibt doch alle Zeit der Welt, sich eine Zukunft aufzubauen... Lass Liebe nicht sterben, nur weil sie sich nicht in eine vorgegebene Form pressen lässt. Wer sagt, dass es so sein muss, wie unsere Eltern uns das vorgeben?

- auch das Helfen beim Umzug lässt sich so und so interpretieren: du sagst: du hast mir nicht tragen geholfen, bist faul, unterstützt mich nicht, willst mich loswerden

er sagt: du bist da, ich kann deine Nähe nicht aushalten, egal ob im Gespräch oder beim Kartons-tragen.

Ich will mich nicht auf die "Seite" von deinem Ex schlagen - ich hab nur mal versucht zu überlegen, wie er möglicherweise argumentieren könnte.

So, das waren nur ein paar spontane Ideen, die mir beim Lesen deiner Zeilen dazu eingefallen sind. Ich hoffe ich gehe mit meinen Spekulationen nicht zu weit. Lies dir doch nochmal von Chanem den Abschnitt über Grenzen durch, ich glaube da könntest du auch noch ein paar Denkanstöße finden.

Die Schmerzen hast du denke ich mal nicht bekommen, weil es (zumindest nicht von Anfang an) der falsche Mann war, sondern weil eure Beziehung falsch wurde, wenn wir uns darauf festlegen wollen, dass die Symptome bei dir seelisch begründet sind.

Was für eine Salbe hattest du eigentlich damals von der Klinik bekommen?

LG, Firenze

Fei-relnzie0x07


ps

was ich noch fragen wollte - hattest du diese unkontrollierten Wutanfälle in der Vergangenheit auch schonmal?

und: hast du schon Erfahrung mit Therapie gemacht?

LG

FOireLnzex007


noch ein ps

was die Sache mit der Tochter betrifft, hättest du nicht eine Möglichkeit, das mit ihr zu klären? Unabhängig von deiner Beziehung mit dem Vater? Einfach nur kurz sagen, dass man aus Wut manchmal Dinge sagt, die gemein sind, die man aber nicht so meinte? Einfach nur kurz klären, dass du das nicht sagen wolltest, kannst du dir das vorstellen? Es ist immer schlimm, wenn ein Kind zwischen die Fronten gerät - und da war die Kleine ja und hat versucht zwischen euch großen Streithähnen zu vermitteln.

S?amirra_e22


Firenze07

Geliebt haben wir uns sehr... Wie schon erwähnt, war ich wohl noch nie so glücklich in meinem Leben wie im ersten Jahr unserer Beziehung (das war die Zeit der Fernbeziehung). Wir waren uns ganz sicher, dass wir zusammen gehören. Aus diesem Grund bin ich auch zu ihm gezogen. Als ich ihn kennen lernte, hatte ich die Schmerzen/Beschwerden noch. Ich habe es ihm dann erzählt, da ich viel Vertrauen in ihn hatte (da waren wir noch nicht zusammen, aber fühlten schon, dass wir zusammen gehörten). Er sagte mir, dass Sexualität und Liebe kompliziert seien und das ich keine Angst haben solle, denn wenn der Richtige komme, dann würde alles klappen. Und so kam es dann auch... Nicht von Anfang an, aber etwa 3/4 Jahr später waren meine Schmerzen weg. Das war eben in dieser extrem glücklichen Phase. Als ich dann zu ihm zog, kamen die Schmerzen zunächst nicht zurück. Als ich aber ein paar Monate so unglücklich und unter Stress war, fingen sie dann langsam wieder an. Manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal gar nicht... Aber nie so schlimm wie vor der Zeit mit meinem Ex. Schlimmer wurden die Schmerzen erst wieder, als ich etwa 2 Monate hier zuhause war. Da wurden sie langsam mehr und mehr bis sie nun wieder den Level vor meiner Beziehung erreicht haben.

Ja, ich hatte auch schon vorher solche Ausbrüche. Vorallem wenn ich sehr deprimiert bin oder mich in die Enge getrieben/unfair behandelt fühle. Es ist nun nicht so, dass ich dauernd solche Ausbrüche hatte, aber es kam schon vor. Ich habe mir auch überlegt, eine Therapie zu machen, aber das geht momentan nicht, da ich ja die Krankenkasse gekündigt hatte beim Verlassen des Landes und nun habe ich Mühe, wieder in eine Zusatzversicherung aufgenommen zu werden. Und das ist mir wichtig. Wenn ich nun Therapie hätte, wäre mir das für immer verwehrt.

Für mich war die Idee, wieder eine Fernbeziehung zu führen, kein Kompromiss. Es kam mir mehr so vor, als wolle mein Ex einfach alle Vorteile haben: seine Freiheit, keine Auseinandersetzungen und trotzdem mich. Wie kann man denn was aufbauen, wenn man sich nur alle 2-3 Wochen mal sieht, das Geld fürs Reisen ausgibt? Und dann präsentiert man sich ja in der kurzen Zeit von seiner besten Seite, man hat sich ja aufeinander gefreut. Das ist für mich einfach nicht, was ich mir wünsche auf lange Sicht.

Wir hatten eine sehr gute Sexualität. Enormes Vertrauen ineinander. Wir konnten uns beide ausleben und waren erfüllt. Doch als ich bei ihm lebte, wollte er praktisch jeden Abend Sex, konnte fast nicht neben mir liegen ohne. Es gab äusserst selten ein Kuscheln ohne dass das für ihn dann zum Sex geführt hätte. Auch das wurde mir zuviel. Ich sagte ihm das auch. Es kam soweit, dass ich gar nicht mehr erregt wurde und manchmal halt einfach ihm zu liebe nachgab. Aber oftmals wollte ich dann halt nicht und er war dann enttäuscht. Vielleicht haben auch die Schlaftabletten einen Einfluss gehabt... Aber sicher nicht nur. Ich fühlte mich bedrängt. Und ich fand es schade, dass wir nicht einfach mal beieinander liegen konnten ohne Hintergedanken.

Wegen der Tochter: Sie hat natürlich von mir oft gehört, dass ich was gegen ihren Vater gesagt habe. Das war das noch harmlos von wegen "dummer Vater". Ich denke auch nicht, dass sie mir genau dies nachtragen würde. Aber irgendwie habe ich gehofft, dass ich ihr etwas mehr bedeutet habe. Vielleicht habe ich mich da ja getäuscht. Ich werde ihr eine Geburtstagskarte senden.

Vielleicht müsste ich zu meiner Geschichte noch sagen, dass ich eine schwierige Zeit durchmachte als Teenager. Angefangen hat es, als ich mit 12 Jahren ins Gymnasium wechselte. Ich geriet in eine Klasse, die mich auslachte und schikanierte. Vielleicht weil ich damals eine Brille tragen musste, vielleicht, weil ich nicht so recht wusste, wie ich mich ganz am Anfang hätte dagegen wehren können, vielleicht auch, weil ich in der Primarschule nie Probleme mit Aussenseitertum hatte und es eher gewöhnt war, im Mittelpunkt zu stehen. Ich hätte die Klasse wechseln können, doch das liess mein Stolz nicht zu (leider!). So musste ich durch schwere Jahre im Gymnasium. Ich war mündlich natürlich unendlich schlecht, da ich mich nicht getraute, mich in der Klasse zu äussern. Es gab Zeiten, so mit 13/14, da ich meinen Wert als Menschen versuchte auszurechnen, indem ich den Wert meiner kleinen Silberringe und Kettchen, die ich trug, zusammenrechnete. Schlimm... So ab 15 hatte ich eine beste Freundin, die ich noch heute habe. Mit ihr habe ich die typischen Teenagerzeiten mit allen Problemem und Ängsten durchgemacht. Doch ich litt weiter unter der Nicht-Akzeptanz in meiner Klasse. Später war es dann ein bisschen besser, aber ich fühlte mich nie zugehörig.

Sowas kann bei mir zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl geführt haben und zu einer Angst, dass Menschen mich ablehnen könnten. Ich bin auch eher introvertiert und brauche Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Mein Ex meinte auch, dass ich mich zu leicht selbst unterschätze...

Cwh|anem


@firenze

zu was genau sollte ich was schreiben? Ich fand deinen Beitrag total stimmig. Und falls du das mit dem Sex meinst. Natürlich glaube ich nicht daß wir nur Sex haben sollen um Kinder zu kriegen. Ich bin nur gegen wahllosen Sex mit Partnern, die einem nicht wirklich viel bedeuten. Ich denke es wäre ein guter Gradmesser, sich immer zu überlegen, ob man von dem mann, dem man seinen Körper anvertraut auch ein Kind austragen würde, und vor allem ob man es dann mit ihm gemeinsam großziehen könnte (das muß nicht in einer festen Partnerschaft sein, einfach ob er als mensch so zu mir paßt, daß wir auf jeden Fall gute Eltern für unser Kind wären).

C*havnem


@Samira

dein Bericht ist schon heftig. So viel verzweifelte Liebe, soviel hilflosigkeit, so viel zu tun.

Ich kann Firenze nur zustimmen - ich lese das Verhalten deines Freundes auch so, daß er dich total lieb hat, aber einfach keinen Weg sieht, wie ihr das auf die reihe kriegen sollt. jeder bringt seinen packen mit und obwohl man immer meint, wenn man sich liebt wird der Packen leichter ist es doch bei den allermeisten Beziehungen so, daß der Packen des anderen noch dazu kommt.

Ich kenne solche geschichten, hab selber zwei solche erlebt. Und noch vor drei Jahren habe ich genausowenig damit anfagen können wie du. Wenn mir damals immer jemand gesagt hat, nimm dir Zeit, schau erst deine eigenen Sachen an, bevor du anfängst deinen Freund zu therpaieren hab ich mich immer schrecklich geärgert und gedacht, verdammt ich will aber jetzt mit ihm glücklich sein, wir waren doch am Anfang auch so glücklich, waren sicher, daß wir uns seit vielen Leben kennen, daß die unsichtbaren Partner füreinander sichtbar geworden sind. Pustekuchen, so schön wars eigentlich nur die ersten fünf Wochen und dann gings aber rund.

Nur wars bei uns so, daß mein Freund mit seiner Frau handgreiflich wurde, und daß er mit ihr die heftigsten Streits hatte. Getrennt hat er sich bis heute nicht von ihr.

Aber ich hab Gott sei Dank habe ich daruch lernen müssen/dürfen mich auf mich selber zu beziehen und ich kanns immer wieder nur sagen: Familienstellen ist eine tolle Methode, die verbrogenen Muster hinter unseren scheinbar völlig irrationalen Verhaltensweise zu erforschen. Und was man kennt macht einem nicht mehr so viel Angst. Man hat das Gefühl, selber handeln zu können und nicht ausgeliefert zu sein.

Aber ich seh auch was du vor dir hast, Samira - irgendwo wartet mit sicherheit später eine besonder Aufgabe auf dich, wenn du jetzt so geprüft wirst.

S?a;mira_x22


@Chanem

Du denkst, ich sollte Familienstellen ausprobieren? Ich habe keine Ahnung davon. Wie würde ich denn eine gute Institution finden? Woran merke ich, dass seriös gearbeitet wird? Braucht dies viele Sitzungen? Und bedeutet das, dass Du denkst, meine Probleme haben mit meiner Familie zu tun? Denn ich denke, es hat eher mit meiner Teenager-Zeit zu tun...

Warum denkst Du, dass später eine besondere Aufgabe auf mich wartet? Nur weil ich bisher so viel Pech gehabt habe?

Ich möchte einfach gerne auch mal glücklich sein. Ich möchte, dass die Schmerzen weg gehen und ich mich (mit der Zeit, muss erst über meinen Ex wegkommen) wieder auf Männer einlassen kann und somit vielleicht dann auch jemanden finden kann, mit dem ich endlich mal glücklich werde.

CMhanexm


Familienstellenbzw Systemstellen

zunächst mal, Samira, wichtig ist was du denkst daß richtig ist. ich empfehle Familienstellen immer nur weil es bei mir zu so tiefen weitreichenden Erkenntnissen geführt. hat. Das muß jeder selber wissen, was für ihn gerade "dran" ist.

Am besten ist du gehst mal in google unter Systemstellen oder Familienstellen und liest einfach selber was dich anspricht.

Es ist eine Methode, wie man zunächst einmal mit sich selber und dann aber auch mit allen anderen Menschen mit denen man verbunden ist in Kontakt gehen kann und zum tieferen Grund der Konflikte vordringen kann. Keiner kann erklären wie es funktioniert - aber ich schwör dir es funktioniert.

Bert Hellinger war früher der Ansicht, daß es genügt einmal aufzustellen, aber nach meiner Erfahrung- zumindest war das bei der Komplexität meiner Erlebnisse so, braucht es mehrere Aufstellungen im Abstand von 1-6 Monaten. Ich selber hab im Lauf von knapp drei Jahren 5x aufgestellt und war zuätzlich bei bestimmt 20 Aufstellungen als Statistin dabei. Nicht weil ich selber das gebraucht habe, sondern weil es mich so fasziniert hat, daß man als Statist die Gefühle von wildfremden Menschen aufnimmt und darstellt. Und zwar immer völlig korrekt.

Es hat mir vor allem dabei geholfen meinen eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen zu vertrauen. Da wo ich früher oft hilflos war, weil jemand mir das eine sagte, ich aber das Gefühl hatte, da stimmt doch was nicht, und ich dann trotzdem dem anderen geglaubt habe, kann ich mich mittlerweile voll auf mein Gefühl verlassen. Man lernt auch zu verstehen, daß alle Dinge immer genau zur richtigen Zeit passieren. Daß manche Dinge einfach viel Zeit brauchen, daß vor einer Versöhnung oft erst mal die Wut steht. Daß manchmal Menschen sich trennen müssen um am Ende als heile Menschen wieder zusammenfinden können. Daß einfach alles sein darf, weil alles zur Gesamtlösung dazugehört.

Falls du dich dazu entschließne solltest, empfehle ich dir unbedingt erst einmal zuzuschauen. Und nur wenn du FÜHLST, es stimmt für mich, dann mach als Statistin mit und erst dann stell selber auf. Es ist wie gesagt eine sehr wirksame aber auch eine sehr schnell, sehr tiefgehende Methode. Es kann auch probleme zum vorschein bringen, die dich sehr aufwühlen, also wirklich, geh ganz achtsam damit um.

Adressen von geprüften Aufstellern findest du unter der Adresse von Bert Hellinger, aber es gibt sicher auch in der Schweiz zugelassene PsyhologInnen, die mit Aufstellungen arbeiten.

Ich möcht ich dir gerne noch eins sagen, Samira. Ich finde es toll, daß du zu deinen Gewaltausbrüchen stehen kannst. Denn Gewalt durch Frauen ist in unserer Gesellschaft normalerweise ein absolutes Tabu "Frauen tun so was nicht". Für meinen Freund war das absolut beschämend, daß seine Frau gewalttätig ist und er sich dazu hinreißen läßt dann zurückzuschlagen. Gewalt ist immer ein Ausdruck von Hilflosigkeit, von Männern genauso wie Frauen. Und so absurd das klingt, darunter ist eine ganz große Liebe, die sich nicht anders ausdrücken kann.

Ich glaube, daß wenn man selber sehr viel Leid erführt, oder vielleicht anderen (ungewollt) sehr viel Leid zufügt, man die Chance bekommt, sich zu ändern. Und meistens sind es die geläuterten Menschen, die dann anderen Menschen dabei helfen aus ähnlichen Situationen herauszukommen. Je schwerer das Leid, desto größer die Aufgabe, die man dann bewältigen kann.

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