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Kein Zyklus nach Totgeburt

Msilaqilba


Liebe Zopfmuster,

ich fühle so mit dir. Meine Tochter starb in der 32./33. SSW und auch ich musste still gebären. Bei mir herrschte nicht so sehr die Wut vor wie bei dir, aber für mich fühlte es sich wie ein ganz, ganz großes Versagen an. Und ich war eine ängstliche Schwangere. Mir war es zwar peinlich, aber ich war häufig bei meiner Ärztin und die hat deutlich gründlicher untersucht als andere und als es bezahlt wird. Nur 2 Tage vor dem Tod meiner Tochter waren der Doppler und das CTG in Ordnung. Ich weiß nicht, warum solche Dinge passieren, aber sie passieren und sind einfach scheiße. Ich hab danach einen Rückbildungskurs für trauernde Mütter gemacht und wir hatten wirklich alle gemeinsam, dass wir dachten, wenn wir das und das dann wäre... Manchmal schleichen sich heute noch solche Gedanken ein. Dann tue ich etwas für meine Tochter. Ich hab mit einer anderen Mutter zusammen für unsere Sternenkinder gebastelt, ich hab eine kleine Ecke und ein Kissen mit ihren Handabdrücken, um ihr so nah wie möglich zu sein. Das tat alles fürchterlich weh, aber es war auch gleichzeitig ein bisschen schön und hat mir ein stückweit geholfen wieder heil zu werden.

Die Perspektive...hm... Ja, man kann wieder glücklich werden. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ich es ohne mein Folgekind geschafft hätte. Der Gedanke an eine mögliche Folgeschwangerschaft hat mir die Energie gegeben, mich um mich zu kümmern. Die Therapien zu machen, zu schlafen, gut zu essen und mein Trauma aufzuarbeiten. Ich weiß nicht, ob ichs nur für mich geschafft hätte.

Ein Stück Unbeschwertheit ist mir abhanden gekommen. Ich denk auch nicht, dass das wieder kommt. Ich hab mich auch manchmal in der Folgeschwangerschaft etwas isoliert gefühlt. Z.B. bei Gesprächen unter Schwangeren wie "Hast du gehört? Sie hat es nicht mehr in den Kreißsaal geschafft und es auf dem Parkplatz bekommen. Das ist echt das Schlimmste, was einem passieren kann." Puh, da denkt man nur: Habt ihr ne Ahnung...

Ich kann deine Ungeduld verstehen. Mein Zyklus sprang schon nach 6 Wochen wieder an, aber bereits zwischen Woche 4 und 6 habe ich mir einen Kopf gemacht. Ich finde deinen starken Kinderwunsch völlig natürlich, der hat vor der stillen Geburt bestanden und warum sollte er danach weg sein? Meine Ärztin hatte empfohlen 3 Monate zu warten und meinte dann, wenn Körper und Seele wieder bereit sind, wird man wieder schwanger und ich hab das wirklich fest geglaubt.

Vor meiner stillen Geburt hatte ich eine normale Fehlgeburt und nach meinem Sohn nun schon auch 2 frühe Fehlgeburten und Schwangere sind für mich auch schwierig. Ich glaub, das braucht einfach Zeit.

Fühl dich gedrückt und sei gut zu dir,

Milaila

nYaj%anagxut


Puh.

Ich lass dir eine virtuelle Umarmung da, wenn du möchtest, mir kommen grade die Tränen.

So einen Schei% sollte kein Mensch erleben müssen.

Zum eigentlichen Thema: Deinen Plan, deinem Körper Gutes zu tun, finde ich gut. Und da du jetzt die Ursache kennst, weißt du ja auch, worauf bei einer nächsten Schwangerschaft geachtet werden muss. Ich wünsch dir alles, alles Gute.

h$ilarsious xjule


Zopfmuster hör auf!

Ja, hör auf. Das ist so schlimm.

Mir fällt nichts ein :°_

bDlac}khmeartqedquexen


He, Zopfmuster. Ich kann verstehen was in deinem Kopf abläuft, ich denke es ist ganz normal dass im Kopf was-wäre-wenn-Szenarien ablaufen und du für dich einen Schuldigen in der Situation suchst, in deinem Fall eben dich selbst. Weil es einfach so unerträglich unfair ist, was euch passiert ist. So groß, so ungerecht und so unertragbar dass es euch einfach so aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung getroffen hat. Eben weil du nichts hast tun können, weil du auch nichts hättest besser machen können. Anders, natürlich. Aber man weiß im Vorhinein nicht, welche Entscheidungen und welche Wege, die man eingeschlagen hat, sich hinterher als die richtigen herausstellen werden. Du hast während deiner Schwangerschaft nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Du hast für euch so entschieden, wie das für dich in dem Moment stimmig war. Mehr zu tun ist nicht menschenmöglich :°_

Diese große Ungerechtigkeit, dieser Schicksalschlag wird auch nicht erträglicher werden, wenn du dir oder jemand anderem die Schuld zuschiebst. So hart das ist, was geschehen ist, ist geschehen und wird nicht wieder rückgängig gemacht werden. Ich bin mir sicher, dass dich das komplett aus der Bahn geworfen hat. Dieses ausgeliefert sein, das nichts tun können. Und nichts ist mehr wie vorher und wird es auch nicht mehr sein. Aber das heißt nicht, dass es nicht mehr weitergehen kann oder wird. Das wird es bestimmt. Anders, neu. Und wahrscheinlich mit einem immer mal wieder über das Herz huschenden Schatten. Ich wünsche dir, dass auch deine Welt sich irgendwann ganz zaghaft wieder weiterdrehen wird und du wieder Vertrauen zu dir und zum Leben findest.

z(o{pf_mustxer


@ Sommersonne

Schlimme Dinge passieren. . Unfälle. ..Krankheiten ... eurem Baby ist ein Unfall passiert. .. niemand kann etwas dafür oder zu Verantwortung gezogen werden. .. am allerwenigsten du

Ich weiß - aber ich kann den Tod meiner Tochter noch nicht als schicksalhaft annehmen! Ich weiß nicht, ob mir das irgendwann gelingt. Und die "Was-wäre-wenn"-Gedanken haben wohl auch eine Funktion in der Trauerverarbeitung, sagt jedenfalls meine Therapeutin. Das nochmalige Durchleben der letzten Stunden und Tage mit dem Kind ersetzen die Fürsorge, es ist ein gedankliches Umsorgen und Hegen des verstorbenen Kindes. Es ist ein Prozess - meine Gefühle werden sich noch weiter verändern, irgendwann kann ich mir vielleicht vergeben, dass ich nichts getan habe, um ihr zu helfen.

@ Milaila

Es tut mir unendlich leid um deine kleine Tochter. Ich habe deinen Beitrag gestern unzählige Male gelesen und mich so verstanden gefühlt. Vielen, vielen Dank, dass du mir geschrieben hast!

Die Perspektive...hm... Ja, man kann wieder glücklich werden. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ich es ohne mein Folgekind geschafft hätte. Der Gedanke an eine mögliche Folgeschwangerschaft hat mir die Energie gegeben, mich um mich zu kümmern. Die Therapien zu machen, zu schlafen, gut zu essen und mein Trauma aufzuarbeiten. Ich weiß nicht, ob ichs nur für mich geschafft hätte.

Dieser Absatz hat mir wirklich geholfen, eine (kurzfristige) Perspektive zu definieren. Ich will versuchen, Kraft aus der Hoffnung auf ein lebendes Kind zu ziehen, mich daran festhalten und weitermachen, bis es sich für mich selbst wieder lohnt. Denn ja, der Wunsch nach einem lebenden Kind ist der einzige Gedanke, auf den ich mich zur Zeit positiv einlassen kann.

Ein Stück Unbeschwertheit ist mir abhanden gekommen. Ich denk auch nicht, dass das wieder kommt. Ich hab mich auch manchmal in der Folgeschwangerschaft etwas isoliert gefühlt. Z.B. bei Gesprächen unter Schwangeren wie "Hast du gehört? Sie hat es nicht mehr in den Kreißsaal geschafft und es auf dem Parkplatz bekommen. Das ist echt das Schlimmste, was einem passieren kann." Puh, da denkt man nur: Habt ihr ne Ahnung...

Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich glaube, ich könnte gar nicht mit glücklichen Schwangeren umgehen, auch, wenn ich selbst wieder schwanger sein sollte. Leider gibt es hier auch keinen Rückbildungskurs für trauernde Mütter, ich gehe deshalb 2x wöchentlich zu einer Physiotherapeutin. Ich weiß auch nicht, ich glaube, so einen Kurs hätte ich besucht, obwohl die Selbsthilfegruppe nichts für mich ist - vielleicht auch, weil es bei den meisten Eltern dort schon so lange zurückliegt.

Wir haben auch eine Ecke in unserem Haus für sie eingerichtet. Auf einer kleinen Kommode stehen Bilder, Erinnerungsstücke, ihr Strampelanzug, die gestrickte Decke, die Fußabdrücke. Ich habe ein Album angelegt und ein zweites für Bilder ihres Grabs, das wir bei jedem Besuch ein wenig verändern. Ich habe ein Geburtskissen nähen lassen, es ist 51cm lang und 3650g schwer, ihr Name und ihre Daten sind aufgestickt. Mit diesem Kissen schlafen wir. Wir haben Christrosen auf ihrem Grab und vor unserem Küchenfenster gepflanzt und Solarlaternen an diesen beiden Orten aufgestellt, die abends gleichzeitig zu leuchten beginnen. Ich habe sogar ihre Kleidung zuende gestrickt, weil ich die letzten Wochen in der Schwangerschaft wegen des Karpaltunnelsyndroms keine Handarbeiten mehr erledigen konnte. Und da ist ihr Zimmer... Ihr Zimmer, das endlich fertig war, nur eine Woche vor ihrem Tod, das Zimmer, das ich monatelang renoviert und eingerichtet hatte, nicht für ein Baby, sondern für ein Kind - mit gefüllten Bücherregalen und Lesestoff bis ins Grundschulalter - ich hätte ihr dieses Zimmer so gerne gezeigt, ihr so gerne vorgelesen... Ich halte mich oft in diesem Zimmer auf.

Was ich sagen will: Unsere Tochter ist zwar überall und wann immer mir etwas einfällt, das ich noch für sie tun könnte, mache ich etwas für sie - aber es hilft nicht oder kaum, es verdeutlicht nur immer wieder, dass sie nicht hier ist, obwohl sie hier sein sollte.

Ich kann deine Ungeduld verstehen. Mein Zyklus sprang schon nach 6 Wochen wieder an, aber bereits zwischen Woche 4 und 6 habe ich mir einen Kopf gemacht. Ich finde deinen starken Kinderwunsch völlig natürlich, der hat vor der stillen Geburt bestanden und warum sollte er danach weg sein? Meine Ärztin hatte empfohlen 3 Monate zu warten und meinte dann, wenn Körper und Seele wieder bereit sind, wird man wieder schwanger und ich hab das wirklich fest geglaubt

Danke für dein Verständnis, es ist so wohltuend. Ich glaube auch, dass man schwanger wird, wenn man dazu bereit ist, allerdings hege ich berechtigte Zweifel an der grundsätzlichen Bereitschaft meines Körpers (PCO, extrem lange Zyklen) und bin deswegen vielleicht auch so verzweifelt und hoffnungslos, dass es nie mehr klappt. Aber immerhin habe ich den ersten Postpartumzyklus beendet, vielleicht dauert es bis zum nächsten Eisprung ja nicht wieder 70 Tage. Darf ich dich fragen, wann du wieder schwanger wurdest und auch, wie du diese Zeit überlebt hast? Hast du deinen Sohn bis zum Ende ausgetragen und spontan entbunden? Ich habe schon öfter gelesen, dass Frauen, deren erstes Baby wie meines an einer unausgereiften Plazenta starb, spätestens in der 38. Woche durch Sectio entbinden und die Wochen vor der Geburt schon stationär im Krankenhaus überwacht werden. Das klingt nach so viel Furcht und Risiko, dass ich mich zum Teil sogar frage, ob es das wert ist; denn was, wenn es wieder schief geht...?

Ich drücke dich zurück.

@ najanagut/hilariousJule

Danke für eure lieben Wünsche und den Trost.

@ blackheartedqueen

Aber man weiß im Vorhinein nicht, welche Entscheidungen und welche Wege, die man eingeschlagen hat, sich hinterher als die richtigen herausstellen werden. Du hast während deiner Schwangerschaft nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Du hast für euch so entschieden, wie das für dich in dem Moment stimmig war. Mehr zu tun ist nicht menschenmöglich :°_

:°( Mein Verstand weiß das auch. Und auch, dass ich mich als der Mensch, der ich damals war, immer wieder so entscheiden würde. Emotional ist das eine andere Sache.

Ich bin mir sicher, dass dich das komplett aus der Bahn geworfen hat. Dieses ausgeliefert sein, das nichts tun können. Und nichts ist mehr wie vorher und wird es auch nicht mehr sein. Aber das heißt nicht, dass es nicht mehr weitergehen kann oder wird. Das wird es bestimmt. Anders, neu. Und wahrscheinlich mit einem immer mal wieder über das Herz huschenden Schatten. Ich wünsche dir, dass auch deine Welt sich irgendwann ganz zaghaft wieder weiterdrehen wird und du wieder Vertrauen zu dir und zum Leben findest.

Ich danke dir sehr. Und ich hoffe, dass du Recht hast.

M@ilaiHla


Liebe Zopfmuster,

es freut mich wirklich sehr, dass ich dir ein ganz klein bisschen helfen konnte. Du hast wirklich schon viel für sie gemacht, da bist du nach 3 Monaten deutlich weiter als ich. Und es spricht so viel Liebe aus deinen Worten. Ich hab diese ganzen Dinge im Laufe der ersten 2 Jahre gemacht, um eine Art Beziehung aufzubauen. Dein Kissen ist eine sehr schöne Idee. Auf unserem habe ich ihre Handabdrücke draufnähen lassen. Wenn ich ganz traurig bin, kann ich so ein bisschen Kontakt herstellen.

Leider gibt es hier auch keinen Rückbildungskurs für trauernde Mütter

Das wirklich schade. Mir hat das so gut getan, weil es auch um soviel mehr ging als das der Beckenboden wieder heil wird. Ich hab den das auch sehr spät entdeckt, da war mein Sohn schon geboren. Wenn du magst, schick doch mal ne PN aus welcher Ecke du kommst. Vielleicht lohnt es sich ja noch zu fahren.

Darf ich dich fragen, wann du wieder schwanger wurdest und auch, wie du diese Zeit überlebt hast?

Das Schwangerwerden ist für mich (glücklicherweise) kein Problem gewesen, das Schwangerbleiben nach nun 4 Sternchen schon. Ich habe meinen Zyklus nicht wirklich beobachtet, der ist superregelmäßig. 6 Wochen nach der Geburt hab ich meine Tage bekommen. Dann 3 Monate wie empfohlen verhütet und im Zyklus drauf bin ich mit meinem Sohn schwanger geworden. Und obwohl dieser Zeitraum so kurz war, fand ich ihn total scheiße (sorry). Ich hatte soviele Zweifel und Ängste, ob überhaupt jemals ein Seelchen bei uns ankommt. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es ist, wenn man auch noch warten muss.

Meine Überlebensstrategie war nett zu mir sein. Wollte ich doch dem neuen Kind den bestmöglichen Start geben. Ich war viel draußen walken, hab gebastelt, Yoga gemacht und viel gelesen. "Meine Folgeschwangerschaft" von Heike Wolter hat mir viel gegeben. Der erste Teil besteht aus Erfahrunsgberichten, da muss man schauen, ob das für einen gerade passt. Ich hab dabei viel geweint, aber gleichzeitig hat es mir auch sehr gut getan. Wir sind ans Meer gefahren und das hat uns super gut getan. Wir hatten noch nicht viel für unsere Tochter und ich hab meinen Mann gebeten, die anderen Babaysachen wegzuräumen. Die Errinnerungsecke hat mir gut getan, der leere Maxi Cosi hat mir das Herz zerrissen.

Hast du deinen Sohn bis zum Ende ausgetragen und spontan entbunden?

Nein, auch bei uns lag die Ursache am Versagen der Plazenta. Es ware multiple Infarkte, so dass meine Tochter nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wurde. Es hatte sich ein bisschen dadurch angekündigt, dass sie sehr klein war. Aber meine Ärztin war halt eher von einem zierlichen Mädchen ausgegangen. Und ich habe es schlichtweg nicht ausgehalten und die Geburt in der 37. Schwangerschaftswoche einleiten lassen. Ich hab ihn sozusagen rausgeschmissen. Ich hätte es sogar schon früher getan, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass meinem Kind jeder Tag im Bauch gut tut. Aber vorher darf man auch nicht einleiten.

Spontan entbunden hab ich trotz großer Angst vor einer Retraumatisierung. Es war allerdings abgesprochen, dass das auch zügig ein Kaiserschnitt wird, falls ich es psychisch nicht packe. Letztlich war es körperlich nicht ohne, weil er schon 4600 gr hatte.

Liebe Zopfmuster, ich schreib später weiter. Ich brauch gerade ne Pause (obwohl es schon fast 4 Jahre her, arbeitet es mich dann immer noch ganz schön durch).

Mgilvaila


Das klingt nach so viel Furcht und Risiko, dass ich mich zum Teil sogar frage, ob es das wert ist; denn was, wenn es wieder schief geht...?

Hm, eine leichte Schwangerschaft, die hätte ich mir sehr gewünscht und wenn ich ehrlich bin wünsche ich sie mir immer noch. Die wird es aber für mich wohl nicht geben. Eine Freundin sagte mal zu mir, dass auch kein Wunder ist, dass es so schwer ist, wenn ich so erwarte- mir quasi die Belastung vornehme- das hat mich sehr verletzt. Ich denke, um zu wissen wie fordernd soetwas sein kann, muss man leider erstmal so ein Drama erlebt haben.

In dem Buch über die Folgeschwangerschaft steht sowas wie das man fühlen sollte, ob die Angst vor einem erneuten Verlust größer ist als die Sehsucht nach dem Kind. Bei mir ist das irgendwann gekippt und hatte sowas wie Scheuklappen auf- direkt aus Ziel gerichtet.

Sieh es so, bei euch wurde eine Ursache gefunden- das ist häufig nicht der Fall. Kann man etwas dagegen tun? Bei uns waren die Zotten auch nicht gut ausgebildet. Ich hab in der Folgeschwangerschaft Heparin gespritzt. Letztes Jahr war ich in der Gerinnungsambulanz einer Uniklinik und hab mich auf Gerinnungsstörungen untersuchen lassen. Es konnte keine nachgewiesen werden, trotzdem wurde Heparin bei einer neuen Schwangerschaft empfohlen.

Zur Zeit stehen wir wieder vor der Frage: Wagen wir es? Und die Antwort wird nicht einfacher. Der Entscheidungsprozess dauert jetzt schon 2 Jahre an. Wir haben ein tolles Kind, aber waren uns immer sicher, dass es mindestens 2 werden. Nach meiner Fehlgeburt im September, dachte ich- nein- ich schaff es nicht, noch mehr Kinder zu verlieren. Wir werden auch so glücklich. Aber das Kind, was wir noch nicht haben ist schon so fest in unseren Herzen, dass es nicht zu kriegen sich gar nicht anfühlt wie es sein zu lassen, sondern wie es zu verlieren. Es tut so richtig weh. Also haben wir es nochmal probiert, bin wieder schwanger geworden und habe es vor 2 Wochen verloren.

Ich bin ziemlich traurig und versuche aber Vertrauen in meinen Körper zu haben, dass er zeitig erkannt hat, dass die Schwangerschaft nicht intakt ist. Die große Angst vor einem weiteren späten Verlust bleibt aber. Trotzdem war es mir noch die Versuche wert. Das muss aber jede für sich selbst beantworten.

Ich hab lange darüber nachgedacht, ob es mir lieber wäre, dass es meine Tochter gar nicht gegeben hätte. So mit leben in unbeschwert, sich freuen, dass die 12. Woche rum ist weil dann ja nichts mehr passieren kann uns so. Und hab es für mich nach langem hin und her mit nein beantwortet. Der Verlust meiner Tochter war unfassbar schmerzhaft und hat mich sicherlich dauerhaft geprägt. Trotzdem bin ich froh, dass ich sie zumindest kurz haben durfte. Ich soviel über mich gelernt und tolle Frauen kennengelernt. Eine Frau aus der Trauergruppe steht mir besonders nah, obwohl sie sehr weit weg wohnt. Ihr Tochter verstarb nach der Geburt. Wir sind sehr froh, dass wir uns gefunden haben. Auch wenn wir immer wieder sagen, wir hätten uns auch echt in nem Cafe kennen lernen können.

Ein stückweit Frieden hab ich finden können, aber es hat auch wirklich gedauert. Und ich hab wirklich Angst vor einer Wiederholung und dass dann noch mehr kaputt geht und ich nicht wieder die Kraft zu Heilewerden finde.

Hast du eine Hebamme zur Nachsorge, evtl eine die sich mit der Trauerbegleitung auskennt? Das hat mir auch nochmal sehr gut getan. Es tut mir wirklich leid, dass Schwangerwerden für dich schwierig ist. Hat es beim ersten Mal so geklappt? Mein kurzer Abstand zwischen den Schwangerschaften war körperlich heftigst. Ich hab in der Folgeschwangerschaft alles mitgenommen an Beschwerden, was es so gab. Sicherlich gibt es auch gesunde Geschwisterkinder mit geringem Abstand, aber bei mir haben sicherlich auch die psychosomatischen Folgen der Trauer eine nicht unerhebliche Rolle gespielt.

Ein längerer Abstand muss nicht unbedingt schlechter sein, vor allem für den Körper. Psychisch war es für mich trotzdem richtig, hätt ich länger gewartet, hätt ich wahrscheinlich gar nicht mehr getraut.

Ich wünsch mir für dich sehr, dass es so kommt wie es für euch gut ist.

Liebe Grüße,

Milaila

SNomm!ersonnxe80


Liebes Zopfmuster ....mir zerreißt es das Herz wenn ich deine Zeilen lese .. soviel Traurigkeit. . Kummer. .Sehnsucht. ..Enttäuschung .. Wut ...

Hast du Menschen in deinem Umfeld die dir beistehen. . meine Schwester hat sich bei mir nach ca einem Jahr mit den Worten "Danke dass du mich durch diese Zeit getragen hast " bedankt...ich wünsche dir von ganzem Herzen so jemanden ... der dich hält .. stützt und auffängt.

Ich bewundere meine Schwester sehr für ihre Tapferkeit und den Mut sich wieder dem Leben und auch wieder einer Schwangerschaft zu stellen.

Schwanger sein wollte sie sofort was aber nicht klappte.. zudem lief ihr einfach die Zeit davon .. zum Zeitpunkt der Geburt ihrer zweiten Tochter war sie 42 Jahre.

Die Schwangerschaft war nicht einfach. .. Je näher der Geburtstermin rückte desto panischer wurde meine sonst so rationelle Schwester.. ja sie hatte dann einen Wunschkaiserschnitt gegen Ende der 37 Woche. Wenn ich mir die beiden heute ansehe .. nun kommen mir die Tränen. ..der lange steinige Weg war es wert.

VIa#ssilxissa


Vielleicht beruhigt es dich, dass es bei mir auch so war? Nach den "normalen" Geburten meiner lebenden Kinder hatte ich max 4 Wochen Wochenfluss (fast weniger - hatte mir schon Sorgen gemacht) und trotz Stillen auch recht bald meine Tage wieder. Nach meinem Abbruch wg schwerer Behinderung hat es ewig gedauert. Es war wie bei dir: Nachsorge, Follikel da alles suuuuuper. Und dann hab ich gewartet und gewartet. Zwischendurch hab ich mal geblutet (immer ganz wirr, mal Zyklus 25 Tage, mal 37 Tage), hatte aber selten einen Eisprung. Ich hatte in 7 Monaten und 7 Zyklen nur 2x einen Eisprung. Jetzt bin ich dennoch schwanger :)

Vielleicht macht das Trauma des Verlustes doch irgendwie einen Unterschied für den Körper...

Cehancex007


Hallo Zopfmuster,

Denn ja, der Wunsch nach einem lebenden Kind ist der einzige Gedanke, auf den ich mich zur Zeit positiv einlassen kann.

Das ist gut. Dann halte daran fest und sieh nach vorne.

Weißt Du, ich hatte mal eine Bekannte. Sie lebt in Österreich und ihr ist Ähnliches geschehen. Zu allem Unglück war sie Grundschullehrerin und somit permanent von Kindern umgeben, die ihr vor Augen führten, was sie (zu dem Zeitpunkt) nicht haben konnte. Das hat sie psychisch extrem aus der Balance gebracht. Sie begann, sich in medizinischen Fachbüchern zu verlieren und alles bis ins letzte Detail akribisch auszuwerten, zu analysieren und verstehen zu wollen.

Sie arbeitete weiter in ihrem Job. Ihr Selbstwertgefühl sah nur nach außen intakt aus. Innerlich fühlte sie sich klein, nutzlos und leer. Nicht erst seit diesem schlimmen Erlebnis.

Das führte dann dazu, dass sie sich in ihrer Trauer verloren hat und kaum wieder heraus fand. Es war ein Rückwärtsweg, keiner, der vorwärts zeigte. Die Trauer wurde eher zelebriert als verarbeitet. Eher mehr als weniger.

Gar nicht so sehr in ihrem eigenen Umfeld. Vielmehr fand sie das Internet als Ventil.

Anfangs waren da noch viele Mitstreiter, die ihr helfen wollten, welche aber immer weniger wahrgenommen wurden. Ihr Mitgefühl führte eher dazu, sich noch mehr hineinzusteigern, die Rückwärtsaktivität beizubehalten und auszubauen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es nicht mehr die Trauer, sondern nur noch die Sucht nach Aufmerksamkeit. Die Mitfühlenden blieben nach und nach weg, weil das niemand ewig mitmacht. Mitmachen kann, ohne dass es an der eigenen Psyche kratzt.

Es hat lange gedauert, bis sie sich psychologische Hilfe gesucht hat. Passende Hilfe, die dies nicht unterstützt hat, sondern ihr behutsam gezeigt hat, dass dieser Weg keinen Seelenfrieden bringen wird.

Natürlich kenne ich Dich nicht, aber ich meine, einige Parallelen bei Dir zu dieser Person zu sehen. Daher mein Wunsch für Dich:

Passende psychologische Unterstützung und der Blick nach vorne. Und Menschen an Deiner Seite, die Dich (er)kennen, wie Du wirklich bist. :)*

MCilai)la


@ Chance

Zopfmuster hat doch eine auf Trauerbegleitng spezialisierte psychologische Hilfe und vordergründig war doch für diesen Faden der Wunsch nach einem normalen Zyklus und der Wunsch nach einem Stück Normalität, vielleicht auch der Chance wieder schwanger werden zu können. Ich find das schon zukunftsgerichtet und 3 Monate sind da einfach noch kein Zeitraum.

Btördxie


Liebe Zopfmuster.

Es tut mir unendlich leid, was Euch passiert ist.

Die Frage die Dich aktuell zusätzlich treibt ist, wie der Zyklus wieder in Gang kommt. Eine gewisse Zeit benötigt der Körper nach Entbindung, bis er wieder einen Zyklus machen kann. Das ist sinnvoll, da vor Abschluss der Rückbildung eine erneute Schwangerschaft dem "Wirt" nicht zuträglich wäre.

Mir scheint Dein PCO-Syndrom das viel grössere Problem diesbezüglich zu sein. PCO ist heute einigermaßen behandelbar. Es gibt u.a. die Möglichkeit der Zyklusregulierung mit Metformin u/o Myo-Inositol.

Meinen, aus anderen Gründen, problematischen Zyklus hat Akupunktur kombiniert mit chinesischen Kräutern zügig in die Reihe gebracht. Was Akuunktur angeht, ist ein Behandler der wirklich gut ist unabdingbar. Solche sind nicht zu häufig, es gibt aber durchaus Gynäkologen mit fundierter Akupunktur-Ausbildung, die sich auf die Thematik Kinderwunsch spezialisiert haben.

Um die weitere Diagnostik die bei Die geplant ist besser zu koordinieren, könntest Du Dich an ein Kinderwunschzentrum oder auch eine Spezialsprechstunde eine Klinik, oft sind dies Unikliniken, wenden.

dSanaei8x7


@:)

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