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Vaginismus - Tipps zur Behandlung

S^pyri:ngchxild hat die Diskussion gestartet


Weil ich immer wieder private Nachrichten von anderen Betroffenen bekomme und immer wieder die gleichen Fragen auftauchen, dachte ich mir, dass ich mein Wissen mal öffentlich hier reinstelle, um mir ein wenig Arbeit zu ersparen. ;-)

Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich hierbei um meine persönliche Meinung handelt, auf Grundlage persönlicher Erfahrungen, und der jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema und anderen Betroffenen. Ich bin keine Ärztin!

Welche Symptome weisen auf Vaginismus hin?

Vaginismus gibt es in allen möglichen unterschiedlichen Schweregraden; während die einen problemlos Tampons benutzen können und nur beim Sex Schwierigkeiten haben, geht bei anderen wirklich gar nichts. Das kann sich anfühlen wie eine Mauer, oder als wäre da gar keine Öffnung (keine Angst, sie ist da!). Manche können Tampons benutzen, aber eine frauenärztliche Untersuchung funktioniert nicht (das nennt sich situativer Vaginismus).

Gemeinsam ist fast allen, dass Sex unmöglich ist, weil der Partner nicht eindringen kann.

Die "Mauer” bzw, der Schmerz sitzt dort, wo der Beckenbodenmuskel einen Ring um die Vagina bildet, also ein bis drei Zentimeter hinter dem Scheideneingang.

Kann es sein, dass ich einfach zu eng gebaut bin?

Ein anatomisches Problem ist EXTREM selten, während Verspannungen häufig auftreten, gerade weil sie so vielfältige Gründe haben können. Das kommt viel öfters vor, als man denkt: Du bist also nicht allein!

Differentialdiagnosen

In manchen Fällen spielt ein zu dickes Jungfernhäutchen eine Rolle, das kann der Frauenarzt beantworten oder per Spiegel / Tasten herausgefunden werden. Wenn primär Schmerzen das Problem sind, z. B. Stechen oder Brennen, auch ohne Berührung, kann es sich um eine Vestibulitis handeln.

Psychische Beeinträchtigungen

Viele betroffene Frauen haben einen großen psychischen Leidensdruck, fühlen sich unvollständig oder nicht liebenswert, und haben große Verlustängste in bzw. Ängste vor intimen Beziehungen.

Eine begleitende Psychotherapie kann in solchen Fällen hilfreich sein. Sie ersetzt aber keinesfalls die körperliche Behandlung.

Die gute Nachricht

Vaginismus ist sehr gut behandelbar. Es kann eine ganze Weile dauern, aber den allermeisten Frauen gelingt es. Denke immer daran, wenn der Frust dich packt – Du wirst Tampons benutzen können, ohne Angst zum Frauenarzt gehen und, oftmals das Wichtigste, vaginalen Sex mit Deinem Partner haben können.

Selbstbehandlung mit Dilatoren

Die erfahrungsgemäß effektivste Art der Behandlung von Vaginismus ist die Desensibilisierung der Scheide durch sanfte Übungen, zum Beispiel mit Dilatoren. Wir bringen dem Körper bei, das Eindringen in die Vagina zuzulassen, und vor allem, dass dies keine Schmerzen bereitet. Mir persönlich hat es dabei sehr geholfen, meinen Vaginismus zu akzeptieren, und nicht gegen meinen Körper zu kämpfen, sondern mich im Gegenteil mit ihm "anzufreunden” und liebevoll mit meiner Vagina und mit mir selbst umzugehen.

Dilatoren sind Plastikstäbe, die es meistens im Set mit unterschiedlichen Durchmessern gibt, zum Beispiel von Amielle. Es gibt sie auf Rezept vom Frauenarzt, können aber auch selbst gekauft werden. Sie sehen ein bißchen aus wie Dildos. Mir persönlich ging es allerdings so, dass mir der kleinste schon viel zu groß war. Für den Anfang kann man andere Gegenstände zweckentfremden, zum Beispiel die Stiele von Make-Up-Pinseln. Ich kenne Frauen, die sich Gemüse wie Karotten zurechtgeschnippelt haben. Ideal wäre es, wenn es möglich ist, den Gegenstand zu desinfizieren. Üben kann man auch mit (Mini-)Tampons, dann aber nur während der Periode. So habe ich angefangen. Zuguterletzt kann man natürlich auch einfach seine Finger benutzen.

Hilfreich ist ein gutes Gleitgel, das habe ich anfangs nahezu literweise benutzt.

Die Übung in Kurzform: Man legt sich entspannt (!!!) hin, winkelt die Beine an und legt den Dilator an den Scheideneingang. Dann wird sanfter Druck ausgeübt, um den Dilator einzuführen. Oft ist das ein Geduldsspiel und Millimeterarbeit, und Frustration ist nahezu vorprogrammiert. Daher ist es besonders wichtig, geduldig mit sich selbst zu sein. Es ist völlig normal, dass das Einführen anfangs nicht gelingt. Sobald Frustration oder Stress überhand nehmen, mach eine Pause.

Die goldene Regel ist, sich immer innerhalb der persönlichen Schmerzgrenze zu bewegen. Tut etwas weh, sofort aufhören! Besonders am Anfang der Übungen ist aber ein leichtes Brennen normal, wenn der Muskel gedehnt wird.

Hat man den Dilator nun erfolgreich eingeführt, bewegt man ihn nicht rein und raus, sondern HIN und HER. Am Anfang kann es sein, dass sich der Gegenstand überhaupt nicht bewegen lässt. Trotzdem nicht aufgeben, es wird klappen!

Atemübungen können hilfreich sein, da sich der Beckenboden mit der Atmung über das Zwerchfell an- und entspannt. Die Meinungen gehen auseinander, ob er sich bei der Ausatmung an- und beim Einatmen entspannt oder andersherum, meiner Erfahrung nach entspannt er sich beim Einatmen.

Wenn man möchte, kann man seinen Partner in die Übungen mit einbeziehen.

Wichtig ist, dass man eine positive Atmosphäre schafft und positive Erfahrungen macht, um letztlich positive Assoziationen mit dem Thema zu bekommen und den Körper daran zu gewöhnen.

Unterstützende Mittel

Tee! Klingt erstmal doof, ist aber inspiriert durch die Geburtsvorbereitung – denn was bei schwangeren Frauen den Beckenboden lockert, kann für uns nicht schlecht sein. Natürlich kann Tee Vaginismus nicht heilen, aber er kann unterstützen. Himbeerblätter und Frauenmantel sind hierbei empfehlenswert.

Hilfreich finde ich auch für Vaginismus-Patientinnen die Damm-Massage, die man von der Geburtsvorbereitung her kennt. Auch hierfür kann man den Partner einspannen.

Zuguterletzt gibt es in der Geburtsvorbereitung noch Dampfbäder mit Heublumen, das habe ich persönlich noch nicht ausprobiert, aber Wärme hat sich als unterstützend erwiesen.

Der Epi-No zur Geburtsvorbereitung hört sich gut an, ich habe allerdings mal einen zur Erprobung bei Vaginismus zugeschickt bekommen und kann das nicht empfehlen – er ist leider viel zu groß!

Muss man bei Vaginismus verhüten?

Definitiv, denn Sperma, das auf den Scheideneingang gelangt, kann auch in die Vagina hinein. Deshalb sollten sich von Vaginismus betroffene Frauen um Verhütung kümmern.

In dem Zusammenhang: Für Vaginismus-Betroffene besonders zu empfehlen ist NFP zur Zyklusbeobachtung, um seinen Körper und seine Weiblichkeit kennen zu lernen und Berührungsängste abzubauen.

Können Frauen mit Vaginismus Kinder gebären, und wird Vaginismus durch die Geburt geheilt?

Ja, wenn frau es fertig bringt, trotz Vaginismus schwanger zu werden (da gibt es Methoden), kann eine natürliche Geburt gelingen. Wie ich selbst erleben durfte, ist der Körper und vor allem der Beckenboden während der Geburt im Ausnahmezustand – ich hatte besonders viel Angst vor der Muttermund-Abtastung, die dann aber kein Problem war, weil der gesamte Bereich weich und gedehnt war. Ideal ist es, sich vorher eine Beleg-Hebamme zu suchen und mit ihr zusammen zu üben. Ich muss dazu sagen, dass ich natürlich empfangen habe, weil ich in der Selbstbehandlung von Vaginismus schon weit fortgeschritten war.

Die schlechte Nachricht ist: Trotz vaginaler Geburt kann der Vaginismus hinterher in genau dem gleichen Schwergrad wie vorher weiterbestehen!

Lese-Empfehlungen

Es gab ein paar Bücher, die mich beeinflusst und mir geholfen haben. Die absolut wundervolle Webseite Vaginismus Awareness Network ist leider aus dem Netz genommen worden, das Forum existiert aber noch. Hier kann man viele Erfahrungen und Tipps nachlesen. Die meisten Unterforen werden aber erst nach Registrierung angezeigt, und das Forum ist auf Englisch.

Hier ist der Link: [[http://vaginismus1.myfreeforum.org/index.php]]

Wirklich toll fand ich "Weiblichkeit leben – Die Hinwendung zum Femininen” von Astrid Leila Bust, als psychische Begleitung. Lesenswert sind ebenfalls "Die Vagina Monologe” von Eve Ensler.

Es gibt mittlerweile erfreulicherweise auch zahlreiche Blogs (oft auf Englisch), man muss da ein wenig suchen.

Wo kann ich fachliche Hilfe bekommen?

Leider sind die meisten Frauenärzte mit dem Thema überfordert, aus Gründen die ich nicht verstehe. Oft kommen Kommentare wie "Ihr Partner ist vielleicht nicht der Richtige für Sie" oder "Trinken Sie doch einfach mal ein Gläschen Wein!". Das verletzt und/oder nützt gar nichts, trotzdem möchte ich dazu ermutigen, einen Gynäkologen zu befragen. Vielleicht erwischst Du ja eins von den seltenen Exemplaren, die sich gut im Thema auskennen. Hilfreich ist es, wenn der Gynäkologe eine Zusatzausbildung in Psychotherapie gemacht hat.

Es gibt Sexualtherapeuten, das habe ich aber noch nicht ausprobiert, und Beckenbodentrainer/innen. Schön wäre es, falls Du deren Hilfe in Anspruch nimmst, wenn Du Deine Erfahrungen mit mir teilst.

Das war's soweit von mir - über Ergänzungen und weitere Tipps freue ich mich!

Antworten
S9prin7gchild


Der Guardian bringt momentan eine Serie zum Thema Vaginas:

[[https://www.theguardian.com/lifeandstyle/series/vagina-dispatches]] :)^

F8isch7x01


doch die sexualtherapeutin fr dr Eysel sitzt wenn du da in der nähe wohnst in Do ist gleichzeitig auch ne Gyn .

aber auch sehr nett und Versucht bei ihr nen Termin zu bekommen falls ihr da in der Nähe Wohnt .

:[] :[] :[] :[] :)= :)= :)= :)= :)= :)z :)z :)z :)_ :)_ :)_ :)_

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