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Antrag auf Behindertenausweis wegen einseitiger Schwerhörigkeit?

AWndre]as F:ischxer hat die Diskussion gestartet


Hallo alle zusammen.

Seit meiner Kindheit ist mein HNO-Bereich eine Schwachstelle. Was die Ohren betrifft hatte ich früher aufgrund einer schlechten "Belüftung" durch die eustachische Röhre oft mit Mittelohrentzündungen zu kämpfen. Hatte Wasser hinterm Trommelfell, was nicht ablief, Trommelfell wurde aufgeschnitten, Röhrchen gesetzt, und und und. Alles zu erzählen würde den Rahmen sprengen, deshalb kurz: Ich bin heute auf dem linken Ohr schwerhörig, genauer gesagt besteht eine Schallleitungsschwerhörigkeit, sowohl Mittelohr als auch Innenohr sind nicht so intakt, wie sie sein sollten. Ich habe keine %-Zahlen, Fakt ist aber, dass ich so gut wie nichts höre, wenn das rechte (gesunde) Ohr mal ausfällt oder ich es zuhalte. Vor allem das Sprachverständnis ist stark eingeschränkt. Telefonhörer am linken Ohr – völlig fremd. Gesprächspartner von der linken Seite – schwierig, weil ich viele andere Geräusche von der rechten Seite viel stärker wahrnehme.

OP 1 – Tympanoplastik Typ III – Steigelbügelprothese mit Eigenmaterial: Lief gut, Körper hat sie angenommen, Hörverbesserung jedoch gleich Null.

OP 2 – Tympanoplastik Typ III – – Steigelbügelprothese aus Titan: Lief auch gut, Körper hat sie auch nicht abgestoßen, gemessene Hörverbesserung 5 dB. Wohlgemerkt gemessen, merken tue ich davon gar nichts.

Lange Rede – kurzer Sinn. Ich brauche mir keine Illusionen machen, dass eine weitere OP eine deutliche Verbesserung bringt. Nun gab man mir den Tip, einen Behindertenausweis zu beantragen.

Hat das schon mal jemand von euch gemacht? Ich meine wegen einer einseitigen Schwerhörigkeit? Bei Taubheit ist es klar, aber in meinem Fall?

Wäre schön, wenn mir jemand was dazu sagen könnte.

Gruß

Andreas

Antworten
H{ypaxtia


Eine Person, die mir nahe steht, ist auf einem Ohr taub. Der Gedanke, dafür einen Behindertenausweis zu beantragen, ist ihr fern. Sie kommt damit zurecht, lebt ein ganz normales Leben, meistens recht, ab und zu schlecht, zum Beispiel wenn wir in geselliger Runde in einem geräuschvollen Lokal sitzen. Ein Behindertenausweis würde in diesem Fall auch keine Abhilfe schaffen ":/

S;unfolowcer_7x3


Die Frage ist: Was erwartest Du davon?

Ich hab' einen GdB von 40 (Ausweis gibt's erst ab 50) wg. kaputtem Knie. Das war eine Notmaßnahme, weil ich nach dem Studium erstmal Hartz IV bekam und man mich halt direkt in die Fleischproduktion schicken wollte. Das wäre körperlich nicht gegangen, das wollte man mir ohne offiziellen Antrag nicht glauben.

Mittlerweile musste ich aufgr. des GdB leider auch negative Erfahrungen machen...

Die Frage daher:

Was versprichst Du Dir davon? Ob Du überhaupt einen GdB von 50 bekommst und somit den Ausweis (der im Alltag auch Vorteile hat), ist eh fraglich.

LvilazLina


Lies dir das Dokument hier mal durch:

[[http://www.hae-server.de/files/behindertenausweis.pdf]]

Demnach bekommst du selbst bei kompletter Taubheit auf einem Ohr "nur" 20%, wahrscheinlicher sind 10-15% (hochgradige Schwerhörigkeit). Wenn du nicht noch andere Behinderungen hast, wird dir das nicht viel bringen.

Welche Nachteile erhoffst du dir denn mit Hilfe eines Ausweises auszugleichen?

A"ndreasa Fischxer


@ Sunflower_73

Ich erwarte für den Fall einfach ein paar Vorteile im Alltag, so wie du es schon sagst. Weil wozu gibt es die Ausweise sonst? Mal ganz ehrlich, ich bin Busfahrer von Beruf und sehe tagtäglich viele Leute, die einen solchen Ausweis haben und Freifahrt haben (einer der Vorteile). Welchen Grad und ob berechtigt will ich hier gar nicht diskutieren. Mir geht es einfach darum, dass ich eine mE starke Beeinträchtigung habe, und wenn ich aufgrund eines solchen Ausweises Vorteile habe, wie z.B. Vergünstigungen im Kino, Schwimmbad, oder sonstiges, habe ich doch alles was ich will.

Originaltext: Anerkannt Schwerbehinderten Menschen stehen bestimmte Nachteilsausgleiche zu. Durch diese Nachteilsausgleiche soll etwas von den Nachteilen wett gemacht werden, die Sie in Beruf und Gesellschaft möglicherweise in Kauf nehmen müssen.

Aber die Frage war ja gar nicht, was ich mir davon verspreche, sondern ob sich der Aufwand lohnt, bzw. ob meine "Behinderung" vor dem Landessozialamt überhaupt eine darstellt.

xYShtado`Wolfxx


Kommt drauf an was du dir erhoffst.

Eine Befreiung der Rundfunkgebühr ist erst ab GdB 50 möglich.

Bei einer bds. Schwerhörigkeit von 40-60% ist ein GdB von ca 20-30% zu erwarten.

Wenn man wüsste wie der HV aussieht, ev. Bild des HT oder der Sprachmessung sowie der Freifeldmessungen wäre hilfreich.

Ich habe keine %-Zahlen, Fakt ist aber, dass ich so gut wie nichts höre, wenn das rechte (gesunde) Ohr mal ausfällt oder ich es zuhalte.

Als schwerhörig im Sinne der Krankenkassen gilt man erst dann, wenn im Tonaudiogramm mindestens eine der Frequenzen zwischen 0,5 und 4kHz unter/gleich 30dB (HL-Darstellung) liegt, und das Sprachverstehen für Zahlen bei normalem Pegel (65dB) nicht höher als 80% ausfällt.

Hat die KK die OP(s) bezahlt?

L-ilaL7ina


Mir geht es einfach darum, dass ich eine mE starke Beeinträchtigung habe, und wenn ich aufgrund eines solchen Ausweises Vorteile habe, wie z.B. Vergünstigungen im Kino, Schwimmbad, oder sonstiges, habe ich doch alles was ich will.

Was hast du denn durch deine Schwerhörigkeit auf einem Ohr für signifikate Nachteile, die ausgeglichen werden sollen?

Die Vergünstigungen gibt es für Schwerbehinderte (Grad der Behinderung > 50%), das bist du mit bloßer einseitiger Schwerhörigkeit nicht. Du hast auch keine Nachteile was z.B. die Fortbewegung angeht – da wird dann selbstverständlich auch kein Nachteilsausgleich notwendig ;-)

A)ndreGask Fischexr


So habe ich es mir gedacht.

Ich habe schon damit gerechnet, dass es nur eine Kleinigkeit ist, obwohl mich es richtig nervt, dass ich eigentlich nur einseitig höre. Und bevor ich ein 4-seitiges Pamphlet ausfülle, wollte ich erstmal horchen ( ;-D ), ob das überhaupt Sinn macht.

@ xShadoWolfx

Ja, die KK hat die Operationen bezahlt. Und es gibt auch diverse Tests (Audiogramme, ...), allerdings ohne Sprachtest, die aussagen (so mein HNO), dass ich einseitig schwerhörig bin (Schallleitungsschwerhörigkeit).

Lqiver&pool


Meine Mutter hört auf einem Ohr auch nur noch geringfügig etwas, selbst mit Hörgerät ists noch suboptimal. Ihre Vorgeschichte ist ähnlich wie deine. Einen Behindertenausweis hat sie niemals beantragt und würde wohl jeden für verrückt erklären, der ihr das vorschlagen würde.

Sie lebt ein ganz normales Leben, sing sogar im Chor und hat sich eben beruflich eine Nische gesucht in der sie nicht ständig am Telefon hängt und viel mit anderen kommuniziert. Aber eigentlich hat sie auch nur Problem, wenn sie in größeren Menschengruppen einem Gespräch folgen will. Alles irgendwie nichts, was einen Schwerbehindertenausweis rechtfertigen würde.

xpShadouWoxlfx


Dein HNO hat deinen Schallleitungsschaden aber offenbar nicht klassifiziert? Eine SL-Anteil muss aber nicht zwingend stark sein. Wie ist denn deine Knochenleitung?

Vernachlässigbarer – bis leichter Hörverlust; 20-40dB

mittlerer Hörverlust; 40-60dB

hochgradiger Hörverlust: ab 60dB

Im Durchschnitt bezogen auf ein Tonaudiogramm ohne Störschall und jew. pro Ohr.

Dann ist noch der Verlauf zu beachten und einige andere Dinge.

Wenn es dich sonst extrem stört und die KK deine Ops bezahlt hat, ist ja zumindest von einem leichten HV auszugehen. Dann sollte es auch für ein Hörgerät reichen. Wäre das keine Option, um zumindest das Hören wieder auszugleichen?

Werte oder gar ein kompletter Test könnten sehr helfen, aber wenn nicht mindestens ein einseitiger Hörverlust von mind. 50-60DdB im Tonaudiogramm gegeben ist, denke ich kannst du dir die Arbeit schenken. Selbst da kannst du nur max. 20% erwarten.

Raut


ich bin Busfahrer von Beruf

und an diese Berufsgruppe werden sehr strenge, gesundheitliche Anforderungen gestellt. Ob Du mit einem Schwerbehinderten-Ausweis den Anforderungen dieses Berufsstandes noch gerecht wirst?

A[ndrieas fFiscxher


Die Knochenleitungstest haben ergeben, dass das Innenohr intakt ist, wenn auch mit leichten Einschränkungen.

Ein Hörgerät hat mein HNO auch schon vorgeschlagen, bzw. meinte er, dass es die letzte Instanz ist, das Gehör zu verbessern.

Ich lebe schon seit über 30 Jahren mit diesem Problem, und natürlich habe ich mich schon daran gewöhnt. Und natürlich gibt es Dinge, die ich selbst lenke, z.B. die Gesprächspartner sitzen immer rechts. Aber andererseits sind manche Dinge schwierig, z.B. der Lautsprecher des Funkgerätes im Bus befindet sich an der linken Kopfseite. Oder wenn ich auf der rechten Seite, bzw. auf dem rechten Ohr schlafe, höre ich den Wecker nicht oder sehr schlecht.

Und da ich wie oben beschrieben allgemein Schwierigkeiten mit der Nase als Atmungsorgan habe, schlägt ein Schnupfen unweigerlich auch auf die Ohren. Mit Nasenspray läßt sich das Ohr freihalten, allerdings nicht immer. Wenn dies der Fall ist, habe ichFlüssigkeit im Ohr, die das Hörvermögen des gesunden Ohrs eindämmt.

Aber gut, um das abzuschließen, danke ich euch an dieser Stelle. So wie ich das sehe, ist der Aufwand für etwas, dass mir eh nichts bringt, zu groß.

Ich sollte meine Anstrengungen wohl eher auf ein Leben mit Hörgerät legen, um meine Lebensqualität in dieser Richtung zu verbessern.

Nochmals danke und Gruß

Andreas

SeunfloCwer_7x3


Den Ausweis bekommst Du erst mit GdB 50. Mit GdB 30 & 40 gibt's einen minimalen Steuerfreibetrag und ggf. auf Antrag die Gleichstellung. Ich habe mit GdB 40 430€ Steuerfreibetrag im Jahr, das war's. Kein Sonderurlaub, kein Gratis-Eintritt, nix. Ich kann keinen Kilometer mehr laufen, die entsprechenden Sonderzeichen wie das "G" bekomme ich dennoch nicht.

Als Busfahrer (!) solltest Du Dir aber überlegen, ob der Antrag nicht ggf. nach hinten losgeht. Wie Rut auch schon schreibt. Ich wäre da verdammt vorsichtig! Außer, Du zielst auf eine Umschulung ab.

m\ari\ka stexrn


als einseitig nicht-hörender mensch mußte ich sogar für den führerschein eine hochoffizielle bescheinigung vom hno vorlegen ;-)

unterm strich denke ich, dass die alltagsbehinderung dadurch ungefähr auf einer schiene steht mit leichtem übergewicht, geringer körpergröße, zu große füße, piepsiger stimme, etc. – manchemal nervig und suboptimal, aber bestimmt nicht mit einer "echten" behinderung vergleichbar.

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