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Freund hat massive Sprech- und Atemprobleme

THseexs hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich überflog die anderen Beiträge und fand nichts Vergleichbares. Falls es so etwas existieren sollte, wäre ich über einen Verweis dankbar! Es geht hier nicht um mich, sondern um meinen Freund. Wir sind beide 22 und Studenten.

Als ich meinen Freund kennenlernte, war er in logopädischer Behandlung und erzählte mir, dass er mal vergessen habe, wie man richtig atmet. Er meinte, er sei schon seit er denken kann nicht in der Lage gewesen, vernünftig zu sprechen und atmen. Eines nachts habe er im Bett gelegen, Druck auf seinen Hals und Kehlkopf ausgeübt und dann habe es geknackt. Seitdem ist die Stimme/die Atmung (sie hängen zusammen) wohl noch schlechter. Er war bereits bei einigen HNO-Ärzten und hat einige Spiegelungen hinter sich. Gefunden wurde nichts. Er raucht, selten, das Problem bestand aber bereits, bevor er damit angefangen hatte. Seine Logopädin sagte, er könne eventuell mit der Psyche zusammen hängen, mein Freund denkt das nicht und sagt, er bilde sich nichts ein.

Seit etwa einem Jahr ist er nicht mehr in logopädischer Behandlung, weil er findet, dass es ihm nichts bringt. Ich bilde es mir allerdings nicht ein: Seit er nicht mehr zum Logopäden geht, geht es mit der Stimme bergab. Er probiert dauernd Tipps und Tricks aus dem Internet aus, macht irgendwelche seltsamen Zungen- und Stimmübungen, die, wie ich finde, nicht helfen. Im Gegenteil, ich finde, er belastete seine Zunge und seinen Kehlkopf damit. (Meines Erachtens drückte er auch zu oft drauf rum. Na ja, weniger ein Rumdrücken, mehr ein Rumtatschen.) Ich bin da aber kein Experte und stelle es deshalb nur als meine subjektive Meinung dar. Er macht sie morgens, mittags, abends, zwischendurch. Daheim, im Auto im Zug. Oft und überall.

Ich möchte euch ein genaues Bild von dem Problem schildern (es sind seine Beschreibungen): Wir reden miteinander und ganz plötzlich muss er sich sehr anstrengen, um zu sprechen. Er sagt, er könne dann nicht normal reden und muss "künstlich" sprechen, weil er sonst Schmerzen hat. Er macht dann seine Übungen. Es ist immer noch merkwürdig. Wenn er nicht richtig sprechen kann, wie er es formuliert, dann geht das sehr auf seinen Kopf, er wird gereizt und ist deprimiert. Es kam bereits vor, dass wir länger nicht miteinander sprachen, Telefonate vorzeitig abbrechen mussten und so weiter. Vor etwa zwei Wochen probierte er Zungenübungen aus. Bei einer ist er wohl hängengeblieben. Er stellte fest, dass wenn er die Zunge bestimmt positioniert, er keine Probleme beim Sprechen hat. Eine Woche lang war die Stimme/Atmung gut, dann war sie wieder schlecht und er versucht seit zwei Wochen verzweifelt, das alles wieder in den guten Zustand zu bringen.

Wir beide wissen nicht weiter. Es ist sehr belastend, für ihn und für mich, und ich mache mir große Sorgen. Wir waren einmal einkaufen und mitten im REWE versagte seine Stimme, woraufhin er wirklich sehr wütend und aggressiv wurde. Auch kam es mal vor, dass seine Atmung so schlecht war, dass er Angst hatte einzuschlafen. Er schickte mir letztens eine Audionachricht, in der er kurz vor dem Weinen stand. "Ich will mich doch einfach mit dir unterhalten, wieso kann ich das nicht? Was stimmt nur nicht?" Es nimmt ihn selbst sehr mit, wenn wir nicht vernünftige kommunizieren können. Ehrlich gesagt kann ich mir vorstellen, dass er im Job sehr viele Probleme damit haben könnte, da er eventuell an einer VHS unterrichten möchte. Ich glaube nicht, dass das seine Stimme schafft, sollten wir keine Lösung dafür finden.

Hättet ihr eine Idee, was genau das Problem sein könnte? Ich wäre über jeden Hinweis dankbar und er sich auch! :°(

Antworten
Siunf,low+erx_73


Für mich klingt das (und das ist nicht abfällig, sondern neutral-boebachtend gemeint) schon sehr nach psychischer Problematik: Der extreme Fokus, dieses Selbst-Kontrollieren durch ständiges Befühlen. Das quasi "zwanghafte" Durchführen von "Übungen". Es scheint ja schon lange so zu sein, wobei das "Knacken" es verschlimmert hat (?!). Wobei das Knacken keine massive Verletzung gewesen sein kann, denn ein Bruch kleinster Stukturen in dem Bereich hätte in dem Moment direkt ziemlich üble Folgen gehabt.

Und: Ernsthafte körperliche Symptome wären halt tendenziell IMMER da. Nicht von einer Sekunde auf die andere.

Man kann auch nicht "vergessen", zu atmen. Das ist ein grundlegender körperlicher Vorgang, der von ganz essentiellen Hirnarealen gesteuert wird. Können schon Neugeborene, die sonst nichts können! Ich gehe davon aus, dass er KEINE schwere Hirnverletzung hatte, bei der das Atemzentrum im Gehirn vorübergehend beeinträchtigt wurde.

Kurzum: Es klingt nach Psyche, aber solange er das nicht selber erkennt, gibt es keine Behandlungsoption. Ob man ihm eine Therapie schmackhaft machen kann, indem man sagt, dass es um das Erlernen des Umgangs mit dem Symptomen geht, mag ich nicht beurteilen.

Vermutlich wäre sogar zum Einstieg eine psychosomatische, stationäre Behandlung sinnvoll (keine psychiatrische, wichtiger Unterschied!).

P#lüsXch$bxiest


Ich bin derselben Meinung wie Sunflower_73.

Ich hege die Vermutung, dass du von seinem "Problem" oft nur etwas mitbekommst, weil er es dir sagt.

Sprich, würde er nicht dauernd drüber reden wüsstest du nicht wie massiv sich das Ganze auswirkt.

Vielleicht würde es ihm helfen wenn er statt sprechen öfters mal singen würde?

Der Graf zum Beispiel ist ein Stotterer, der beim Singen keinerlei Probleme hat.

T_seexs


Sunflower_73 & Plüschbiest, vielen Dank für eure Antworten! Darüber, dass es mit der Psyche zusammenhängen könnte, habe ich bereits nachgedacht. Ebenso ein Freund von ihm. Ich war mir da aber nicht sicher, weil er immer schwer darüber klagte, da sei etwas, dass er das auch länger hat. Er selbst schließt die Möglichkeit eines psychischen Problems wie gesagt aus. Und eigentlich wird er auch ein wenig wütend, wenn ich etwas in der Art bemerke. Ich werde dennoch mit ihm reden und versuchen zu erreichen, dass er diese Möglichkeit zumindest in Betracht zieht. Das wäre vielleicht ein Anfang.

cZl@aiNret


Psychisch bedingt heißt ja nicht, dass er es sich einbildet. Das könntest du ihm vielleicht versuchen näher zu bringen.

Wenn man sich sehr stark auf etwas konzentriert kann es vorkommen, dass man Symptome entdeckt oder verstärkt, die einem sonst nie aufgefallen wären. Versucht man jeden Atemzug bewußt zu kontrollieren, dann funktioniert das viel schlechter als wenn man den Körper automatisch machen lässt. Die Stimme ist bei falscher Belastung ebenfalls sensibel.

P9lüsNchbliesxt


Viele denken, wenn man ihnen erzählt ihr "Problem" sei psychischer Natur

man würde meinen sei hätten einen an der Waffel.

Bei deinem Freund ist es vermutlich, wie bei einem schüchternen jungen Mann der anfängt zu stottern,

wenn er mit einem schönem Mädchensprechen soll.

Was deinem Freund helfen könnte wäre Ablenkung.

Er müsste sich vorzugsweise an Orten aufhalten an denen er seinen Übungen nicht absolvieren kann,

aber hin und wieder mit anderen sprechen muss.

Ich denke, wenn er unter Beobachtung steht wird er sich völlig normal verhalten.

S~unf8lo3wer_73


Der Haken ist nur, dass viele Menschen mit so einem "Tick" auch sehr sehr subtile "Strategien" (Übungen) haben, die nemand beobachtet, aber die dennoch "wichtig" scheinen. Das muss halt komplett durchbrochen werden. Nur mehr in die Öffentlichkeit zu gehen, wird nicht reichen.

Pvlüsch4bixest


Richtig, aber es wäre immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Tqseexs


Vielen Dank für eure Antworten! Ich habe mit ihm lange darüber gesprochen. Ich war vorsichtig, ich bin nicht gleich mit der Tür ins Haus gefallen und bin Deinem, clairet, Ratschlag gefolgt. Er war erstaunlich ruhig und wurde nicht wütend. Aber er beharrt darauf, dass das kein psychisches Problem ist, weil er seine Stimme durch Muskelanspannung ja einmal repariert habe.

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