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Nnh Schmerzen - Allergie - Berufsunfähigkeit?

Ppromo9theHus86 hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Community,

ich möchte hier einmal von meinem langjährigen Leiden berichten in der Hoffnung dass es gleichgesinnte mit ähnlichen Erfahrungen und vielleicht auch Tipps und Hinweisen gibt.

Ich habe Probleme mit den Nasennebenhöhlen, die wahrscheinlich durch eine Hausstaubmilbenallergie bedingt sind. Zunächst mal war ich mir also gar nicht sicher, ob ich diesen Beitrag im HNO- oder im Allergie-Forum erstellen soll. Ich beginne mal mit einer kurzen Auflistung der Symptome und bisher versuchten Therapiemaßnahmen:

Symptome:

Schmerzen in den Nasennebenhöhlen (NNH). Hauptsächlich Stirn- und Siebbeinhöhle, aber alle anderen Höhlen sind auch betroffen. Diese Schmerzen sind subjektiv so unangenehm, dass sie meine Laune und Konzentration erheblich negativ beeinflussen. Anders gesagt: Ich bin dann eigentlich für nichts mehr zu gebrauchen ;-)

Zur Abgrenzung: Ich habe mittlerweile kein oder kaum Sekretbildung, Juckreiz, Niesen bei Kontakt mit Allergenen "nur" die Schmerzen in NNH.

Es reichen auch schon kleinste Allergenmengen, d.h. ein kurzer Aufenthalt in einem Raum mit Teppich oder kurzes sitzen auf einem Stoffsofa um die Schmerzen herbeizuführen. Damit sind starke Einschränkungen im Alltag verbunden.

Diagnose:

- Beim Pricktest wird die Allergie gegen Hausstaubmilbenkot angezeigt.

- Über bildgebende Verfahren ist eine Vergrößerung der linken Nasenmuschel zu erkennen. Außerdem eine leichte Krümmung der Nasenscheidewand, die aber nicht medizinisch relevant sein soll. Keine auffällige Verschleimung oder Polypen.

Therapie:

- Encasings (mittlerweile bin ich auf ein Wasserbett umgestiegen)

- Orales Antiallergikum (Cetirizin, Loretadin usw.)

- Kortisonspray

- Kortison oral

- Hypodesensibilisierung per Spritze

- Verkleinerung der linken Nasenmuschel (1x örtliche Betäubung, 1x Vollnarkose)

- Nasenspülungen

- Inhalieren

- Saltpipe

- Vernebler

- Diäten mit Elimination von Gluten und Laktose

- Orale Hypodesensibilisierung (gerade erst angefangen)

Alle Therapiemaßnahmen haben eines gemeinsam: Sie haben nicht wesentlich zu einer Reduzierung der Schmerzen in den NNH geführt oder der hohen Sensitivität geführt.

Symptomauslöser:

- Hausstaubmilben(kot): Wie oben beschrieben in kleinsten Mengen

- Zigarettenrauch: Auch geringste unvermeidliche Menge wie z.B. in einer Fußgängerzone und auch "Third Hand Smoke", das heißt wenn ich in nahem Kontakt mit jemanden bin, der gerade geraucht hat.

- Alle Feinstaubquellen: Laserdrucker, Kohlegrill, offenes Feuer, Abgase ...

- Trockene Heizungsluft

- Starkes Parfeum/Deo

In dem jetzigen Maße ist das einfach eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Ich bin euch für alle Tipps dankbar, die ihr mir geben könnt! Wenn es Leute mit ähnlichen Erfahrungen gibt, die einfach nur über ihre Erlebnisse berichten wollen ist mir das auch sehr recht, denn ich habe alle mir bekannte medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft.

Matthias

Antworten
P^romot=hYeuIs86


Ich führe jetzt nochmal ausführlich den Krankheitsverlauf aus um einen Einblick in die Details zu geben:

Als ich ca. 17 Jahre alt war hatte ich eine Erkältung, die mit einer hartnäckigen Sinusitis einherging. Es wurde dann ein Allergietest gemacht, der eine Milbenkotallergie anzeigte. Ich habe dann Encasings für meine Matratze, Decke und Kopfkissen bekommen und die Sinusitis klang auch wieder ab. Danach habe ich die Allergie eigentlich weitestgehend vergessen und eine Zeit lang keine Symptome mehr gehabt.

In der Rückblende erinnere ich mich dann an ein Erlebnis, das im Sommer als ich 18 wurde vorgefallen sein muss: Ich machte ein Praktikum bei einem Unternehmen und sollte eines Tages große Mengen an Kopien erstellen. Es gab einen separaten Raum in dem die Kopierer standen. Hier habe ich plötzlich Schmerzen in den Nnh. gehabt, die ich heute damit erklären kann dass Laserdrucker Feinstaub emittieren und so meine Nnh. gereizt wurden.

In den folgenden Jahren hatte ich nie wirkliche Probleme damit und habe auch mal in Betten ohne Encasings geschlafen ohne das es zu allergischen Reaktionen kam. Allerdings war mir Zigarettenrauch glaube ich ab einem bestimmten Zeitpunkt schon unangenehm.

Als ich 22 war habe ich zum ersten Mal dann zum ersten Mal bewusst Zigarettenrauch mit Schmerzen in den Nebenhöhlen in Verbindung gebracht. Ich war bei der Arbeit in einem Raum, der an den Innenhof grenzt und das Fenster war auf Kipp geöffnet, so dass Rauch in den Raum kam. Von der Menge her lächerlich wenig aber es hat gereicht um schmerzende Symptome einer Sinusitis auszulösen.

In dem Jahr in dem ich 23 wurde hat sich dann die Allergie deutlich verschlechtert. Im späten Herbst 2009 bekam ich dann einen Fließschnupfen mit transparentem Sekret, d.h. wahrscheinlich allergisch bedingt. Vom HNO-Doc bekam ich dann zum ersten Mal Cetirizin ein orales Antiallergikum verschrieben. Hätte damals nicht gedacht, dass ich das 7 Jahre durchgehend nehmen würde. Es half auch gegen den Fließschnupfen, aber der Winter 2009/10 war trotzdem hart. Morgens nach dem Aufstehen war ich meistens total fertig, das Encasing half nur noch unzureichend und ich hatte Schmerzen in den Nnh. Habe dann morgens meistens zwei Nasenduschen hintereinander gemacht um halbwegs klarzukommen.

Das orale Antiallergikum half soweit ich das heute noch erinnern kann gegen die Sekretbildung und das auch ziemlich gut aber gegen die Schmerzen in den Nnh leider nicht.

Im Frühjahr 2010 war ich bei einem neuen HNO-Arzt der mir Nasonex (Glucocorticoid) verschrieb, was leider nicht zu einer Besserung der Schmerzen in den Nnh führte. Danach bekam ich Kortison als Tabletten aber auch das half nicht weiter. Zusätzlich habe ich zu diesem Zeitpunkt auch schon tägliche Nasenspülungen mit Emser Salz durchgeführt.

Im Sommer 2010 fing ich dann mit einer Hypodesensibilisierung an bei der ich Spritzen mit dem Allergen bekam. Ich erinnere mich noch daran wie ich 2010 auf Geschäftsreisen gehen musste und wie schlimm es war in Hotelbetten zu übernachten, der Morgen danach war furchtbar. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon oft einen gereizten Hals durch die Allergene und konnte nicht für längere Zeit sprechen.

Der Winter 2010/11 war wieder ziemlich schlimm mit den o.g. Symptomen. Mittlerweile hatte ich eine neue Ursache erkannt, die Schmerzen in meinen Nnh auslöst: Ich arbeitete in einem kleinen Raum mit einem Kollegen, der Raucher war. Immer wenn er von draußen vom Rauchen wiederkam bekam ich die Schmerzen. Man nennt das wohl "Third Hand Smoke", wenn man mit mit Rauch kontaminierten Gegenständen wie Kleidung, Haaren usw. in Kontakt kommt. Mag für Einige ziemlich albern klingen aber für mich wurde meine Berufstätigkeit dadurch zum Spießroutenlauf.

Meine Beschwerden zu dem Zeitpunkt waren eigentlich schon so, dass ich kaum noch eine Sekretbildung und das typische Niesen hatte sondern direkt Schmerzen in den Nebenhöhlen. Ich kann nur spekulieren, dass es durch ständige Allergenbelastung zu gereizten Schleimhäuten kam, was wiederum zu einer "trockenen" NNH-Entzündung führte, bei der schon geringste Mengen von Allergenen oder anderen Irritationen ausreichen um zu Schmerzen zu führen.

Im Jahr 2011 war es dann bei der Arbeit kaum noch auszuhalten und ich bin in ein Studium "geflüchtet" und habe meinen Job nur noch halbtags gemacht. Das war natürlich auch keine Lösung aber ich habe so meinen Schleimhäuten etwas mehr Regenerationszeit gönnen können.

Die Hypodesensibilisierung ging dann im Jahr 2013 zu Ende ohne dass sie zu einer Verbesserung geführt hat. Ich nahm zu diesem Zeitpunkt jeden Tag 10 mg Cetirizin oder ein vergleichbarer Antiallergikum und machte tägliche Nasenduschen. Ich hatte mich schon mit dem Zustand arrangiert und sah auch keine medizinischen Möglichkeiten mehr, die ich noch nicht ausprobiert hätte.

Im Laufe der Jahre 2014-15 verschlechterte sich mein Zustand aber weiter und ich konnte mich nicht mal mehr für kurze Zeit in Räumen mit Teppichen aufhalten ohne Schmerzen in den NNH zu bekommen. Ich war nicht mehr in der Lage meinen Halbtagsjob zu machen und habe den Arbeitsvertrag auslaufen lassen. Mein Studium führte ich weiter auch wenn es auf Grund der stark sensibilisierten NNH auch sehr schwer wurde. Ich habe das Glück dass meine Eltern mich finanziell unterstützen können.

Anfang 2016 habe ich mich dann nochmal aufgerafft und einen neuen Versuch unternommen die Krankheit in den Griff zu bekommen. Ich mache jetzt eine orale Hypodesensibilisierung, die seit diesem Jahr erhältlich ist und mir hoffentlich langfristig hilft. Ich habe auch nochmal Kortisonsprays ausprobiert, die aber leider keinen Erfolg zeigten. Seit einigen Wochen habe ich jetzt die tägliche Einnahme von oralem Antiallergikum, die ich 7 Jahre lang durchgenommen habe, beendet. Änderungen der Symptome haben sich daraus nicht ergeben.

Mein Studium wird jetzt zum 30.08 zu Ende gehen und danach wird es wahrscheinlich schwierig für mich werden. Sowohl meine Ausbildung als auch mein Studium gehen in die kaufmännische Richtung. Es ist sehr schwierig so einen "Bürojob" zu finden bei dem man keinem Teppich ausgesetzt ist. Ich war bisher auf gut Glück bei einem Vorstellungsgespräch, das im Prinzip auch sehr positiv verlief, bis auf die Tatsache, dass ich den Job ablehnen musste, weil ich auf Grund des Teppichs Schmerzen in den NNH bekam. Bei meinen weiteren Bewerbungen habe ich versucht schon im Vorfeld abzuklären, ob ich dort arbeiten könnte oder nicht. Bisher leider noch ohne Erfolg, Büros sind halt doch von Teppich dominiert.

Vor der Zeit nach dem Studium habe ich deshalb schon etwas Angst. Ich bin mir für nichts zu schade und würde fast jeden Job machen, bei dem ich keine Schmerzen hätte. Aber ich befürchte, dass ich bei unqualifizierten Tätigkeiten wegen "Überqualifizierung" abgelehnt werden würde. Ich habe auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, aber ob die Versicherung mein ungewöhnliches leiden anerkannt halte ich für zweifelhaft. Ich blicke also in eine unsichere und ungewisse Zukunft.

Wenn Du bis hierhin gelesen hast: In jedem Fall vielen Dank für dein Interesse! Falls Du etwas zu diesem Thema beitragen zu kannst zögere bitte nicht hier zu schreiben.

Matthias

BRenitxaB.


Ich glaube nicht, dass so etwas für eine Berufsunfähigkeit reicht.

Zuvor würde ich mich einmal mit einer Umweltklinik z. Bsp. in Bredstedt in Verbindung setzen, die testen ganz anders aus, gehen andere Wege als Feld-Wald-Wiesen-Doktoren.

Die haben auch Schmerztherapeuten und man muß sich zusätzlich auch psychotherapeutisch damit auseinandersetzen.

Könnte sein, dass danach ein sehr befreites Leben beginnen kann...

P$romo'theu{sx86


Vielen Dank Benita, für deinen Beitrag :)^

Zu einer Umweltklinik in Bredstedt konnte ich leider gar nichts finden. Nur alte Einträge, die schon mehrere Jahre alt sind. Heute sind dort anscheinend Spielsüchtige untergebracht.

Aber es gäbe natürlich noch andere Umweltkliniken und ich werde mich mal mit dem Thema befassen. Das ganze geht ja in die Richtigung MCS, was ich mir auch schon mal zur Differentialdiagnose angeschaut habe aber zu dem Schluss gekommen bin, dass ich das eher nicht habe. Ich reagiere ja tatsächlich auf ein bestimmtes Allergen konkrekt mit einer Schleimhautreaktion. Auf andere irritierende Stoffe bin ich dann noch auf die gleiche Weise empfindlich.

Bei MCS-Patienten, soweit ich es verstehe, ist es ja eher so, dass sie auf sehr viele Sachen reagieren und zwar mit verschiedenen abstrakten Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit. Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, aber ich denke das trifft auf mich so nicht zu.

Matthias

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