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Impetigo? Erysipel, Erreger? Antibiogramm oder Blickdiagnose?

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Hallo zusammen,

in den letzten Wochen sind mir viele Fragen im Hinblick auf Infektionen und ihre Behandlung begegnet und ich möchte sie hier einmal zur Diskussion stellen:

1. Nagelbettentzündung oder Impetigo?

In den Ferien auf Reisen hatte meine Tochter ein gelbes Krüstchen unter der Nase (ich dachte mir nichts dabei) und sie bekam dann eine Entzündung am Fingernagel, die sich innerhalb weniger Stunden als Eiterblase um den Nagelrand ausbreitete.

Beim ärztlichen Notdienst hieß es "Nagelbettentzündung", die Blase wurde geöffnet der Eiter abgelassen und in Antiseptikum gebadet. Wir sollten weiter in Antiseptikum baden, dann würde das abheilen. Wir badeten den Finger mehrmals täglich darin, aber Blasen verschwanden und neue entstanden wieder und wanderten so den Finger hinauf.

Also nach einigen Tagen wieder zum Arzt in einer anderen Stadt, wieder hieß es "Nagelbettentzündung" mit einem aggressiven Staphylococcus aureus, Blasen geöffnet, Antbiotikum verschrieben und zwar Cefuroxim. Nach der Einahme wurde der Finger zusehends besser und auch das gelbe Krüstchen unter der Nase verschwand.

Ein Kinderarzt, bei dem wir zur Kontrolle waren sprach wieder nur von "Nagelbettentzündung".

Danach hatte ich endlich Zeit mich dazu zu informieren und stieß unter dem Stichwort "eitrige Blasen" auf Impetigo. Und genau das traf nach meiner Ansicht bei meiner Tochter zu, Impetigo bullosa als großblasige Form, verursacht durch Staphylococcus aureus, und am Nagelrand als Bulla repens.

Es wäre wichtig gewesen uns das mitzuteilen, den Impetigo ist ansteckend, man darf damit keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen und die Angehörigen sollten über die Ansteckungsgefahr informiert werden (s. RKI). Man hatte uns gegenüber aber immer nur harmlos von "Nagelbettentzündung"gesprochen, 3 verschiedene Ärzte!

Warum teilt man uns das nicht mit (mir wäre vielleicht einiges erspart geblieben)? Zumal Arzt No. 2 offenbar richtig diagnostiziert hat, denn Cefuroxim ist das Mittel der Wahl bei Bulla repens.

2. Erysipel?

Während ich noch in diesem Recherche- und Erkenntnisprozess steckte, entzündete sich ein (aufgekratzter, soll man nicht, ich weiß) Mückenstich an meiner Wade. Binnen zwei Stunden hatte ich fast 40 Fieber, ziehende Schmerzen am inneren Oberschenkel und einen geröteten Hof um den Mückenstich. Also in die Ambulanz des nächsten Krankenhauses und stationäre Aufnahme. Total benommen wie ich war, versuchte ich noch auf die mögliche Ansteckung bei meiner Tochter und deren erfolgreiche Therapie durch Cefuroxim hinzuweisen, wurde aber nicht ernst genommen.

Erstes intravenöses Antibiotikum schlug gar nicht an, zweites (Benzyl-Penicillin-Natrium 10Mega 3x täglich i.v.) nur zögerlich, wobei sich die Entzündung da schon weiter im Bein ausgebreitet hatte (Erysipel und Lymphadenitis). Angeblich hatte ich einen aggressiven Staphylococcus aureus (kam mir irgendwie bekannt vor) und als die sehr hohen Entzündungswerte gar nicht richtig zurückgehen wollten, bekam ich noch ein Antibiotikum in Tablettenform (Ciprofloxacin).

Nach 8 Tagen wurde ich nach Hause entlassen, soll hier hochlagern, bekomme noch das Ciprofloxacin und es geht gar nicht mehr voran (jetzt 12. Tag seit Ausbruch). Der Unterschenkel ist geschwollen, gerötet und schmerzhaft.

Ich habe noch 5 Tage AU, aber es ist absehbar, dass ich in 6 Tagen nicht wieder flott bin. Angeblich sollen Erysipel in 7 bis 10 Tagen mit Antibiotikum problemlos ausheilen. Ich habe jetzt Sorge mir was Resistentes eingefangen zu haben.

Was ich daran nicht verstehe:

- wenn es ein Staphylococcus aureus war/ist, warum behandelt man mit Penicillin, wo viele Stämme von Staphylococcus aureus Penicillin-resistent sind?

- bei Tieren lassen verantwortungsvolle Züchter im Infektionsfalle ein Antibiogramm erstellen, um gezielt das wirksame Antibiotikum für den Erreger anzuwenden, damit weiterer Resistenzbildung vorgebeugt wird. Warum wird das nicht beim Menschen durchgeführt?

(mit dieser Frage habe ich eine Ärztin im Bekanntenkreis konfrontiert: "In meinem Fall Erysipel sei das eine Blickdiagnose, das kämen ja nur Hautkeime in Frage, dann würde eben standardmäßig mit Penicillin behandelt." Ich war ziemlich platt und sprachlos von soviel Borniertheit, denn "Blickdiagnosen" helfen bei resistenten Keimen relativ wenig.)

- haben Überlegungen im Hinblick auf resistente Keime noch keinen Eingang in irgendwelche Behandlungsleitlinien gefunden?

Ich habe nicht vor in der Sache irgendeinen Streit anzuzetteln, ich würde es einfach gerne verstehen und bin deshalb für jede Überlegung dankbar, die mich dem näher bringt.

Danke Euch, wenn Ihr es bis hierher geschafft habt, meinen Aufsatz zu lesen!

Plumpa

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