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Gastroösophagealer Reflux

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Hallo Cetus,

das schreibt ein erfahrener Kinderorthopäde und leitender Klinikarzt, der es selbst ausprobiert hat.

Eine biomechanische Ente ist das keineswegs, sondern völlig logisch nachvollziehbar aufgrund mechanischer Gesetze.

Zum Nachlesen hier nochmals der Zusammenhang:

...

Die Schräglagedeformität macht sich klinisch [d.h. ärztlich feststellbar] durch eine Rumpfneigung zu einer Seite bemerkbar. Auf der Konkavseite [das ist diejenige, die nach innen gewölbt ist] steht das Becken höher, sodass der Eindruck einer Beinlängendifferenz entsteht. Gewinnen die Kinder die erste Kopfkontrolle, versuchen sie, die Verkürzung der Halsmuskulatur auszugleichen. Dann wird der Kopf als Ausgleich für die gesamte C-förmige Rumpfverbiegung zur Seite der Konkavität geneigt und zur Konvexität [der nach außen gewölbten Seite] gedreht.

Warum ist nun der Dens axis auf den Röntgenaufnahmen dezentriert [nicht genau in der Mitte, dem Zentrum stehend]? Handelt es sich dabei um eine Blockierung? Aus Erfahrung vieler Operationen an der kindlichen Halswirbelsäule lässt sich sagen, dass eine Blockierung im Bereich der oberen Halswirbelsäule im Säuglingsalter nicht möglich ist.

Versucht man im Rahmen von Operationen beide oberen Halswirbel gegeneinander zu bewegen, gleiten die hyalinen [glasigen, sehr glatten] Gelenkflächen wie auf Schmierseife, wobei die Gelenke einen großen Bewegungsspielraum haben. Die Dezentrierung des Dens ist lediglich Folge der kompensatorischen Rotation [also Folge des Versuches, die Muskelverkürzung durch die Körperdrehung auszugleichen].

Im Rahmen der Entwicklung einer jeden Skoliose [nach seitwärts gerichtete dauerhafte Verkrümmung der Wirbelsäule, Skoliose siehe auch hier] gibt es oberhalb und unterhalb einer Primärkrümmung [der ursprünglichen, der Hauptkrümmung] Sekundärkrümmungen [daraus folgende und diese ausgleichende Nebenkrümmungen] in die Gegenrichtung. Bei der Schräglagendeformität ist jedoch die Halswirbelsäule in eine große C-förmige Krümmung einbezogen. Eine Gegenkrümmung oberhalb der Halswirbelsäule ist natürlich nicht möglich. Als Ersatz für diese Gegenkrümmung entsteht deshalb eine Gegenrotation im Segment C1/2. Diese Gegenrotation ist im Röntgenbild als dezentriert stehender Dens axis nachzuweisen. Neigt man den Kopf im Rahmen einer röntgenologischen Untersuchung in die Konkavität, ist diese Gegenrotation nicht mehr nachzuweisen und der Dens axis steht zentriert.

...

Der Kopf wird in diesem Versuch in die Konkavität geneigt, also in die gleiche Richtung wie die primäre Wirbelsäulenkrümmung, so dass der Bogen sozusagen verlängert wird und eine fortgeführte Linie bildet. In diesem Rahmen steht der Dens Axis optisch zentriert. Aber der Kopf wäre geneigt und darum macht der Körper im Alltag spontan eine Gegenbewegung, damit der Kopf selbst möglichst gerade steht.

Da die Halswirbelsäule hier zuende ist und darum der Kopf nicht in einem Bogen in die Gegenrichtung geneigt werden kann, da hierfür weitere Wirbel notwendig wären, kommt es zu einer Drehbewegung des Kopfes als Ausgleichsversuch, die den Dens Axis dezentralisiert erscheinen lässt.

Gruß Cornelia

CRetuxs


Hallo Cornelia,

sorry, da brauche ich nicht nochmal nachzu lesen, denn mit diesem Thema - Biomechanik - stehe ich mitten und täglich in meinem Beruf und werde für die Vermittlung dieses Wissens bezahlt.

Die Kopfgelenke verhalten sich biomechanisch anders als die Halswirbelsäule.

Merke: nicht immer was Ärzte sagen ist richtig.

MfG. C.

C_ornel\ia-etxc


Hallo Cetus,

ich habe nirgendwo behauptet, dass Ärzte nie Unrichtiges sagen oder schreiben. Im Gegenteil. Das gilt aber ebenso auch für jeden anderen, auch für dich. Ob du dafür bezahlt wirst oder nicht sagt nichts darüber aus, wie korrekt einzelne Aussagen von dir sind. Dieser Arzt hat viele Kinder selbst operiert und dabei die komplette Anatomie der Wirbelsäule kleiner Kinder hautnah erlebt. Du auch?

Die Kopfgelenke verhalten sich biomechinsch anders als die Halswirbelsäule.

Eben das hat der Arzt erklärt.

Darum habe ich den Zusammenhang zitiert. So kann sich jeder Mitleser ein eigenes Bild machen. Einzelne Sätze zu zitieren zerstört meist den Zusammenhang und so kann von anderen nicht mehr nachvollzogen werden, worum es eigentlich genau geht.

Vielleicht hast du ja etwas von dem, was der Arzt schrieb, überlesen und so jenen Satz anders gedeutet, als er gemeint ist? Anders kann ich deine Anmerkungen dazu nicht nachvollziehen.

Wir können hier beide keine kindliche Wirbelsäule ins Forum zaubern, um damit anschaulich zu machen, wovon wir schreiben. Insofern muss jeder für sich selbst abwägen, wessen Aussagen überzeugender sind. Mich überzeugen die ausführlichen und wissenschaftlich gesicherten Ausführungen dieses Arztes und die vieler andere Ärzte, die seine Erklärungen bestätigen. Jedes gute Anatomiebuch kann seine Argumente illustrieren.

Gruß Cornelia

kPa\ronxik


@Cetus Biochemik

Hallo, Cetus, schön, dass du hier geschrieben hast und was du schreibst, finde ich wahnsinnig spannend und bereichernd, hab schon selbst meinen Kopf zergrübelt und war ziemlich iritiert ob einiger Behauptungen dort. Werde meine Fragen an dich in einem neuen Thread setzen, damit dieser hier nicht noch mehr das eigentliche Hilfeanliegen in den Hintergrund drängt. Vielleicht kann ich dort auch Hoffnung auf "ungestörte" Antwort auf meine Frage haben! danke für deinen Beitrag!

Liebe Grüße! Karonik

PBrofPSchaaxr


minimal invasive Behandlung des hartnäckigen Säurereflux

Das Sodbrennen bzw. der Säurerückfluß (Reflux) aus dem Magen in die Speiseröhre ist im Kindesalter mit 6 auf 1000 Kinder selten, kommt aber bei behinderten Kindern mit erheblicher Häufung vor (bei spastischer Parese z.B. über 1/3 der Kinder). Bei manchen Syndromen wie dem Cornelia de Lange oder Sandifer Syndrom gehört der Säurerückfluß fast immer zum Krankheitsbild, kann aber operativ beseitigt werden.

Bei 90% heilt der Säurereflux innnerhalb des ersten Lebensjahres von selbst aus.

Aber in schweren Fällen führen Behandlungversuche wie Nahrungsandickung, Säureblocker oder Medikamente zur verbesserten Magenentleerung nicht zu einer Besserung und das Kind hat weiter Schmerzen (Sodbrennen), Erbrechen, Gewichtsabnahme und manchmal Lungenentzündungen,. seltener Krämpfe, Atempausen oder Atemstillstände durch Säureüberlauf in die Luftröhre.

In diesen Fällen sind die Ursachen des Säurerückflusses meist eine fehlende Schlußfähigkeit des Mageneingangsventils durch einen zu weiten Zwerchfellschlitz und eine mangelnde Befestigung der Speiseröhre an den Rändern des Zwerchfellschlitzes. Diese angeborenen Defekte des Mageneingangsventils können und müssen frühzeitig operativ korrigiert werden, da der unbehandelte Säurerückfluß neben Lungenentzündungen zu Geschwüren der Speiseröhre und schließlich nach ca. 2 Jahren zur narbigen Schrumpfung und dauerhaften Einengung der Speiseröhre führt.

Der Säurerückfluß wird durch eine 24-Stunden-Säuremessung in der Speiseröhre und durch eine Spiegelung von Magen und Speiseröhre (Gastroskopie), Untersuchungen, die wir auch selbst durchführen, nachgewiesen oder ausgeschlossen.

Fachinformation für den Arzt

Bei Kindern hat sich die laparoskopische Hemifundoplikatio nach Thal (270° Manschette) seit 1993 bei 105 Kindern (Alter: 2 Monate bis 17 Jahre, meistens zwischen 1 und 2 Jahren) bewährt. Die Zugänge sind vier Schnitte von 0,5 cm: einer im Nabel (Optik mit Videokamera) und drei Schnitte für die Instrumente

Die Diagnose wird bei uns durch eine 24h Säuremessung gestellt, wobei der normale Säurewert in der Speiseröhre um 7 liegt und nicht unter 4 abfallen darf. Abfall von (7 auf 4 bedeutet 1000 fache Säuremenge in der Speiseröhre).

Die Säurewerte werden durch die Operation deutlich verbessert und bleiben auch im weiteren Wachstum im Normalbereich. Schwerer Reflux vor Operation 2 Jahre nach Operation

Seit 1993 wird Säurerückfluß von uns nur noch durch eine Bauchspiegelung operiert. Damit kann dem Kind 80-90% der Operations-belastung erspart werden, die Methode der Korrektur ist gleich wie beim großen Oberbauchschnitt: Neben der Vernähung der Ränder des zu weiten Zwerchfellschlitzes miteinander und mit der Speiseröhre (mangelnde Befestigung) wird aus der Magenwand ein Ventilmechanismus gebildet. Beim Erwachsenen wird dazu der Magenfundus rund um die Speiseröhre gewickelt (Fundoplikatio nach Nissen, 360°), was bei Kindern aber in über 30% zu hartnäckigen Schluckstörungen führt. Es hat sich daher bei Kindern bewährt, die als Ventil gedachte Magenmanschette um die Speiseröhre nicht ringförmig zu schließen (führt oft bei Wachstum zur Enge) sondern hinten hufeisenförmig offen zu lassen (Hemifundoplikatio nach Thal, 270°), ein Verfahren daß den Säurerückfluß gleich gut behebt aber nicht die Nebenwirkung der Schluckbehinderung hat.

Dieses Verfahren wurde von uns seit 1991 bei 105 Kindern (0,6-17 Jahre alt, Mittelwert 5,8 Jahre) über eine Bauchspiegelung videochirurgisch durchgeführt, 66 Kinder waren schwerbehindert, vier hatten ein Cornelia de Lange Syndrom zwei ein Sandifer Syndrom. Die Kinder erhielten dazu einen Schnitt von 1 cm im Nabel (Optik mit Videokamera) und drei Schnitte von 0,5 cm für die Instrumente (siehe Abbildung). Bei 21 Kindern mit schweren Schluckstörungen wurden zusätzlich in gleicher Operation endoskopisch Magenernährungssonden (Gastrostomien) eingelegt. Bei 11 Kindern wurde die laparoskopische Thal-Operation als Zweit- bis Fünftoperation nach anderweitigen Refluxoperationen durchgeführt. Neben den erheblich geringeren Schmerzen (leichtere Narkose) und dem schnelleren Nahrungsaufbau nach der Operation ist das Risiko von Verwachsungen im Bauch bei der Bildschirmchirurgie rund zehnfach niedriger als bei den bisherigen Verfahren durch Bauchschnitt, so daß wir diese Operation seit 12 Jahren nur noch laparoskopisch durchführen.

weitere Informationen: [[http://www.kinder-mit-reflux.de/]] und [[http://www.klinikumbuch.de/Fachabteilungen/Kliniken/Kinderchirurgie/Kinderchirurg.html]]

Prof. Schaarschmidt,

Direktor des Helios Zentrum für Kinderchirurgie Berlin-Buch

030/94017887 abends 7888

Mail: kschaarschmidt@berlin.helios-kliniken.de

Csorne)l:ia-etEc


Hallo Professor Schaar,

vielen Dank, dass Sie hier hereingeschaut haben. :-)

Herzliche Grüße Cornelia

d|anoa68


ProfSchaar

Hallo,

ich stelle es nicht in Frage, dass in bestimmten Fällen eine Operation erforderlich ist. Vielleicht habe ich ein wahnsinniges Glück gehabt, dass mein Sohn zu den erwähnten 90% der Kinder gehört, bei denen eine Spontanheilung erreicht wurde. Vielleicht wäre er auch unters Messer gekommen, wenn er nicht mein drittes Kind gewesen wäre und weil mich als Krankenschwester mehrere Lungenentzündungen nicht umgehauen haben. Was ich aber bei all den Ärzten sehr vermisst habe, das war, was ich unter "ganzheitlichen Heilen" verstehe. Jeder Arzt hat seine Spezialisierung und jeder schaut auf seine Symptome. Es gibt aber keine Stelle, die die ganzen Untersuchungen zusammen anschaut. Bei oben genanntem Kind gibt es aber genug Anzeichen z.B auf Asymmetrien. Wäre es nicht ratsam gewesen, hier die Empfehlung zu geben das Kind einem auf diesem Gebiet erfahrenem Orthopäden vorzustellen? Oder sollte man diese Sachen wirklich voneinander trennen?

Vielleicht bin ich auch nur sehr überempfindlich, weil ich meinem Sohn viel zu viel Untersuchungen und Therapien zugemutet haben um danach zu erkennen, dass es nutzlos war.

LG Dana

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