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14.03.10 18:04
Hallo,
ich arbeite zur Zeit in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Auf unserer Wohngruppe haben wir auch einen Jungen mit ADHS. Ich hatte vorher noch nie mit ADHS zu tun und kenne mich deswegen noch nicht so gut aus. Ich habe gehört das ADHS Patienten oft noch mehr aufdrehen wenn sie Zucker bekommen. Aber es wurde hier auch mal erwähnt das dies wohl nicht bei allen Dingen vorkommen würde. Also das zum Beispiel Fruchtzucker weniger ausmacht.
Deswegen wollte ich mal nachfragen ob das stimmt. Sollte er wirklich garnichts mit Zucker essen oder gibt es doch noch ein paar Ausnahmen? Wenn ja, welche?
Falls sonst noch jemand Tips für eine ADHS gerechte Ernährung hat wäre ich sehr dankbar.
LG
Abby
14.03.10 18:33
Nein, das stimmt nicht
Die ADHS verstärkt sich nicht durch das vermehrte Ernähren mit Zucker. Das ist leider eine der oft zu höreden fälschlichen Annahmen, wenn von dieser Erkrankung die Rede ist. Diese Vermutungen hinsichtlich des Zuckers wurde in kontrollierten Studien nicht bestätigt.
Diese Störung resultiert aus einer angeborenen (vererbten) Stoffwechselstörung insbesondere im Frontalhirn, vor allem was die dopaminergen, noradrenergen u. serotonergen Transmittersysteme betrifft. Inwieweit sich diese Störung bei einer Person bemerkbar macht, ist individuell verschieden.
Eine besondere Ernährung, die speziell für ADHS-Patienten sinnvoll wäre, gibt es nicht. Die Ursache, das Ungleichgewicht im Hirnstoffwechsel, kann letztlich nur medikamentös behandlet werden, um diese Störungen im Hirnstoffwechsel zu regulieren. Betroffene sollten sich jedoch genauso gesund ernähren wie nicht Betroffene auch, die Ernährung wirkt sich jedoch - auch nach den wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen - nicht auf die Ausprägung/Stärke dieser Störung aus.
14.03.10 21:31
hallo abbyfreak 
grundsätzlich gebe ich shelly recht, was die ursachen von adhs und die ausprägung der symptomatik betrifft. adhs wird weder durch "falsche" ernährung ausgelöst oder verschlimmert, noch durch "richtige" ernährung geheilt oder gemildert. das sind prinzipiell einfach zwei verschiedene baustellen.
aber: es gibt einige kinder (auch mit adhs), die auf bestimmte nahrungsmittel "reagieren". und das kann total unterschiedlich sein. zum beispiel drehen manche durch das coffein in cola total auf, auf andere kann es aber beruhigend wirken. einige kinder mit adhs reagieren auf geschmacksverstärker (mononatriumglutamat und dinatriumglutamat) mit verstärkter motorischer unruhe und impulsivität, anderen macht es überhaupt nichts aus. genauso ist es mit farbstoffen und zucker in lebensmitteln.
eine "adhs-gerechte-ernährung" in dem sinne gibt es nicht! denn im prinzip sind diese ganzen zusatzstoffe in unserer nahrung für NIEMANDEN vorteilhaft, weder für personen mit adhs noch für nicht betroffene. aber diejenigen MIT adhs reagieren häufig EXTREMER auf die zusatzstoffe, als andere.
das einzige was du tun kannst, ist beobachten, ob das kind mit adhs "anders" drauf ist, wenn es zucker (glutamat, farbstoffe, lactose....und und und....) gegessen hat, oder nicht. wenn nicht, dann ist auch keine besondere ernährung notwendig.
wichtiger sind klare regeln und strukturen, die mit liebevoller konsequenz erklärt, eingefordert und umgesetzt werden und absolute einschätzbarkeit der bezugspersonen. kurze, knappe anweisungen sind wirkungsvoller als lange "moralpredigen". positive verstärkung von erwünschtem verhalten sind wesentlich effektiver als bestrafung bei fehlverhalten.
wenn du noch weitere fragen hast, kannst du dich gerne an mich wenden 
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