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Sohn (13) nässt tagsüber regelmäßig ein, was tun?

Olxymomronx_74 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

mein Stefsohn (13 Jahre, kommt im Sommer in die 8. Klasse) nässt regelmäßig tasüber ein. Genauer: Er nässt beinahe ausschließlich an Wochentagen und während der Schulzeit ein. Wenn er am frühen Nachmittag aus der Schule kommt, ist die Hose an ca. 3 von 5 Schultagen nass. Das Besondere ist: An Wochenenden, nachts oder in den Ferien ist die Hose beinahe immer trocken. Es kommt dann sehr selten vor, dass er einnässt, es ist schon die Ausnahme.

Er hat dieses Problem seit rund 10 Jahren. Damals ging er noch in den Kindergarten und war im Prinzip schon "trocken". Als der Kindergarten einige Zeit wegen Hochwasser geschlossen wurde, kam die gesamte Gruppe in einen nahegelegenen Gemeindesaal unter, wo sich ca. 50 Kinder zwei Toiletten teilen mussten. Seitdem ist er wieder "nass", also durch die restliche Kindergartrenzeit hindurch, durch die gesamte Grundschulzeit bis heute, einschließlich der 7. Klasse.

Die Gründe dafür und auch Wege, um diesen Konflikt zu lösen, liegen für uns völlig im Dunkeln. Vor knapp 6 Jahren haben sich seine Eltern getrennt, kurze Zeit später haben beide Elternteile neue Partner kennengelernt, mit denen sie heute verheiratet sind. Auf der Seite des Vaters gibt es mittlerweile ein (bald zwei) Halbgeschwister. Beide neuen Partner (also seine Stiefmutter und ich) sind nicht die Gründe für die Scheidung gewesen, es gab keinen anderen Mann oder Frau als Trennungsgrund.

Heute praktizieren wir ein Wechselmodell – unser Sohn wechselt jede Woche zwischen Vater und Mutter, geografisch liegen beide Wohnung nahe beieinander, Schule und Musikschule genau in der Mitte.

Das Verhältnis zwischen den Eltern war nach der Scheidung nicht das beste, einige Konflikte sind bis heute nicht ganz gelöst. Da spielen auch andere Familienmitglieder eine nicht unbedingt glückliche Rolle. Allerdings muss ich betonen, dass sich das Verhältnis aktuell normalisiert und hoffen lässt. Doch haben wir erst vor Kurzem erstmalig in Ruhe(!) einen ganzen Abend über diesen Konflikt gemeinsam reden können, nur wir vier Erwachsenen, ohne Kind, dass wir da weitestgehend raushalten möchten.

Wir wollen ihm signalisieren, dass er nicht alleine dasteht, dass wir ihn begleiten, auch wenn wir glauben, dass er mitziehen muss, da es ohne ihn nunmal nicht geht.

Im Alter von 10 bis 12 hat der Junge eine Kinder-Psychotherapie durchlaufen, die aber hinsichtlich des Einnässens nichts bewirkt hat. Auch medizinisch wurde er sehr eingehend und umfassend untersucht – ohne Befund.

Obwohl er nachweislich (durch IQ-Test während der Therapie) überdurschnittlich begabt in seiner sprachlichen Ausdrucksweise ist, ist es ihm nicht möglich, sich in irgendeiner Weise zu diesem Konflikt zu äußern. Entweder er sagt gar nichts, oder ein "Weiß nicht.." und meistens weint er nur still.

Wir haben mit ihm ruhig geredet, diskutiert und gestritten. Eine Zeit lang haben wir auch das Problem wortlos ignoriert, um unserem Kind mehr Raum zu geben und ihn nicht unter Druck zu setzen – ohne Erfolg.

Auffällig ist auch seine komplette Ambivalenz: Er ist, was sein sonstiges Verhalten angeht, ein völlig normaler 13-jähriger. Er hat gute Laune, ist aufgeweckt und lustig, hat mitunter ein sehr ausgeprägtes Kuschelbedürfnis zu seiner Mutter (weniger zu mir, wie es sich mit Vater und Steifmutter verhält, kann ich nicht sagen..). Natürlich gibt es auch pubertäre Streitereien, die sehe ich aber als normal an.

Natürlich taucht auch der Verdacht des Missbrauchs auf, allerdings gibt es dafür keinerlei andere Hinweise, wie etwa Verhaltensauffälligkeiten. Andererseits scheint er seinen Unterkörper mitunter komplett ignorieren, mitunter gar nicht wahrzunehmen, was da passiert. Wenn er bemerkt, dass die Hose nass ist, dann ist ihm das Ganze natürlich hochgradig peinlich. Aber er äußert überhaut keinen Ärger, keinen Frust, keine Wut, keine Trauer, kein "Helft mir!". Im Zweifelsfall will er es alleine schaffen, was natürlich nicht geht..

Ich glaube, er hat sich mittlerweile damit arrangiert, auch wenn er es natürlich niemals gutheißen würde. Doch wie soll das weitergehen? Wird er eines Tages dafür gemobbt? Was wird, wenn er mal eine Freundin kennenlernt? Was wird in den nächsten Jahren?

Die Frage ist: Was können wir tun? Was können Vater und Mutter tun? Was können Steifvater und Stiefmutter tun?

Und vor allem: Gibt es Eltern, denen es ähnlich geht?

Antworten
LradyMaIdonna


Grundsätzlich gilt die Formel : Bettnässen ist ein Weinen nach unten .

Da ist ein ursächliches Problem in ihm, das ihn innerlich weinen lässt , still u heimlich .Er kann es nicht kontrollieren.

C(orne&lsiax59


Wird er eventuell zum jetzigen Zeitpunkt in der Schule gemobbt? Oder ist das etwas, was ihr schon ausgeschlossen habt?

Oder könnte damals in der Kindergarten-Ausnahmesituation irgendwas passiert sein? Ich meine, es klingt schon sehr nach verdrängtem Mißbrauchserlebnis. Gerade dieses Ignorieren des eigenen Unterkörpers.

.1X.


Auf jeden Fall würde ich bei der Ursachenforschung beim ersten Auftreten beginnen. Also Scheidung usw. erst mal außervor lassen. Ist das Kindergartenerlebnis bei der Psychotherapie berücksichtigt worden?

SVilEberteigexr


Geht er auf die Schultoilette? Ich kenne einen ähnlichen Fall, der Junge ist inzwischen auch 10 Jahre alt und nässt und kotet sich regelmäßig ein, weil (Aussage der Mutter) "alles andere wichtiger ist als Auf-Klo-gehen". Könnte es sein, dass er - gerade nach dem Erlebnis im Kindergarten - nicht auf eine öffentliche Toilette gehen möchte und es irgendwann einfach nicht mehr halten kann?

Die anderen Ansätze (Missbrauch, traumatisches Erlebnis) müssen natürlich auch berücksichtigt bzw. untersucht werden.

LG

OSxymodronx_74


Ich glaube auch, dass da etwas in ihm ist, was er durch sein Einnässen kompensiert, also ein "Weinen nach unten".

Ob das Kindergarten-Erlebnis bei der Therapie berücksichtigt worden ist, weiß ich leider nicht. Die Therapeutin hat den (leiblichen) Eltern gegenüber sehr wenig über den Therapieverlauf erzählt und sich mitunter auf ihre Schweigepflicht berufen (was ich sehr merkwürdig finde..). Aber das ist auch unser erster Ansatz, dass damals etwas passiert ist, was bis heute nachwirkt, was auch immer. Das beinhaltet auch den Gedanken an einen Missbrauch, wobei das natürlich eine hochsensible Angelegenheit ist.

Vielleicht ist das Einnässen aber auch mittlerweile zu einem generellen Mittel des "Druck ablassens" geworden, unabhängig davon, ob es im Kindergarten mal ein traumatisches Erlebnis gab..!? Und da könnte vieles eine Rolle spielen: Hohe Erwartungen einzelner Familienmitglieder (zumindest früher), wenig Selbstbewusstsein, Scheidung, die Auseinandersetzungen innerhalb der Familie, dass vielleicht auch von Elternseite aus die Scheidung dem Kind gegenüber nicht richtig aufgearbeitet wurde, eine Grundschule, die nach meiner persönlichen Einschätzung in der Betreuung ihrer Schüler völlig versagt hat...

Auf die Schultoilette geht er in der Tat äußerst ungern, allerdings hat er keine Probleme, im Restaurants oder sonstigen Einrichtungen auf die Toilette zu gehen. Allerdings ist es ihm wichtig, dass er sich in einer Kabine einschließen kann.

Gemobbt wird er nach alldem, was wir wissen, nicht. Wir sind sehr nah dran an dem, was in der Schule passiert und generell in einem engem Austausch mit der Klassenlehrerin oder anderen Eltern (meine Frau ist im Elternrat).

OJxysmoroNn_74


@ Silbertiger:

Wie gehen denn die Eltern des Jungen damit um?

S1ilbe"rtiger


hab dir ne PN geschickt

*:)

OjxymorCoVn_74


Danke! :-)

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