» »

Vorhaut zurückziehen bei Kindern

A9yauxi hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben, ich muss euch mal ne blöde Frage stellen. Aber leider kenn ich mich mit kleinen Jungs null aus und hab auch keine in meiner Familie :|N

Kurz zu mir, ich lebe in Japan, mein Mann ist Japaner und wir erwarten unser Kind im August.

Beim zusammen baden oder duschen erzählen wir uns öfter was unsere Eltern mit uns als wir klein waren in der Badewanne so gespielt haben, kommen ja aus zwei verschiedenen Kulturen und in Japan ist Baden ein sehr wichtiger Teil des Lebens bzw. des Tages.

Jedenfalls hat er mir jetzt schon zweimal erzählt, dass er als kleiner Junge beim Baden immer von seiner Mutter aufgefordert wurde die Vorhaut langsam zurückzuschieben, weil da die Haut weicher und elastischer ist. Er sagt, dass er es gehasst hat, weil es extrem weh tat und es Jahre gedauert hat, bis sich seine Vorhaut vollständig zurückschieben ließ...

Anscheinend ist das in Japan ganz normal und in der Schule vergleichen Jungs wie weit sich ihre Vorhaut schon zurückschieben lässt bzw. sind neidisch auf die bei denen es als Baby gemacht wurde. Was er erzählt hat, machen das manche Mütter angeblich nämlich im Babyalter selbst mit einem Ruck(?) was wohl recht blutet, sodass das Kind sich später nicht selber plagen muss und sich nicht an die Schmerzen erinnert. Seine Mutter konnte sich aber nicht dazu überwinden (und die ist Krankenschwester!).

Ich war überrascht sowas zu hören, auf der anderen Seite hatte ich mir darüber auch noch nie Gedanken gemacht weil ich eben mit kleinen Jungs nie was am Hut hatte.

Ich hab im Internet ein bisschen recherchiert und es scheint als wenn sich die Vorhaut doch von selbst langsam immer mehr zurückschieben lässt je älter der Junge wird ??? und wenn eine Verengung besteht wird diese eben behoben bzw. manche lassen ihre Jungs beschneiden.

Für mich klingt das wie wenn in Japan alle Jungs eine Vorhautverengung haben und die durch die "konservative Methode" (selbst langsam zurückziehen) anstatt operativ behoben wird, aber das kann ja wohl auch nicht sein, dass sowas eine ganze Nation hat ??? Andere Männer kann ich zu dem Thema hier leider schlecht fragen, deshalb dachte ich mal, ich frag euch westliche Männer bzw. Jungsmütter ]:D

Nachdem ja die Chance besteht, dass unser Kind ein Junge wird, mach ich mir halt über sowas auch bisschen Gedanken, ich will ihn weder beschneiden lassen noch jahrelang quälen müssen :-/

Ich hoffe es kann mich da wer aufklären :)* :=o

Antworten
EJlaf RemiDch0815


Anatomisch sind männliche Babys bereits "voll" entwickelt. Auch sie sind beispielsweise in der Lage eine Erektion zu bekommen, was auch in dem Alter schon vorkommt. Aber das war ja nicht die Frage.

Im Baby-Alter würde ich die Vorhaut in Ruhe lassen! Normale Waschung und Hygiene "von außen" ist natürlich normal. Ein zurück ziehen der Vorhaut ist in so jungen Jahren bei den meisten tatsächlich noch nicht möglich, da die Vorhaut an der Eichel quasi fest klebt. Vermutlich als Schutz der doch recht empfindlichen Haut.

Er soll schließlich einen ganz natürlichen Umgang mit seinem Körper und später seiner Sexualität entwickeln. Passives Totschweigen oder gar aktives Unterdrücken (aus Scham oder Unsicherheit der Eltern) ist völlig falsch.

Der Kleine wird sich automatisch von ganz alleine auch mit diesem Teil seines Körpers aus Neugier befassen. Dadurch löst sich die Vorhaut ganz natürlich. Diesen "Spieltrieb" würde ich nicht unterbinden! (Ich würde ihm nur erklären das er das nur zu Hause machen soll und das man das nicht "in der Öffentlichkeit" macht.)

Man kann ihn, in der Badewanne sitzend, auch mal auffordern selber vorsichtig zu versuchen die Vorhaut zurück zu ziehen. (Und ich würde ihm im Kleinkind-Alter erklären das das geht/gehen wird, damit er 1. nicht erschreckt wenn es passiert und 2. damit sein "Spieltrieb" geweckt wird. Wird selbiges mit "Gewalt" versucht kann es zu Verletzungen führen die erst recht eine Vorhautverengung auslösen.

Wie es bei mir selber war weiß ich nicht mehr. Allerdings hatte ich tatsächlich eine Vorhautverengung bzw. Verklebung und wurde mit ca. 9 Jahren beschnitten. Ob das tatsächlich anatomische Ursachen hatte oder ob ich mich nur nicht genug mit dem "Teil" beschäftigt hatte weiß ich auch nicht mehr. Heute hole ich diese Beschäftigung alerdings umso intensiver nach. ;-D

A"yaxui


@ ElafRemich0815

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort *:)

So in etwa hatte ich mir das auch vorgestellt, dass das "bei uns" so gemacht wird mit kleinen Jungs, aber wie gesagt, genaue Gedanken mache ich mir dazu erst jetzt.

Also ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass kleine Jungs bewusst von den Eltern aufgefordert werden sich mit der Vorhaut zu beschäftigen, sondern eher nur, dass in Japan da wohl mehr Fokus drauf liegt und es mehr "direkt" als spielerisch passiert :-/ Wieder was dazugelernt :)z

f[lowe#rxli


Nie bei einem kleinen Kind an der Vorhaut mit Gewalt herumziehen! [[http://flexikon.doccheck.com/de/Entwicklung_der_Vorhaut]]

E.layfRemlicNh0881x5


Ja, bzw. muss das nicht bei jeder Badesitzung angesprochen werden. Wenn es nicht klappt oder nur teilweise, nicht gleich an Vorhautverengung bzw. ganz radikal an Beschneidung denken. Spätestens aber wenn sich die Vorhaut ganz natürlich zurück ziehen lässt muss man ihm natürlich erklären das er das beim Waschen auch machen "muss".

Von ritueller Beschneidung aus anderen Gründen als rein medizinische halte ich übrigens überhaupt gar nichts.

Diese natürliche Verklebung sollte mit ca. 5-6 Jahren verschwunden sein, spätestens mit 9-10 Jahren. Solange problemlos uriniert werden kann besteht kein Problem. Das war übrigens der Auslöser für meine Beschneidung.

Heutzutage gibt es noch andere medizinische Möglichkeiten und Methoden dieses "Problem" zu lösen ohne gleich zu beschneiden.

Frühestens mit 2-3 Jahren würde ich ihn beim Waschen/Baden auffordern es mal selber zu versuchen, falls man nicht schon mitbekommen hat das er das ohnehin macht.

Eine Ursache für eine echte, problematische Vorhautverengung kann z.B. Diabetis sein.

M(etxa4


Bei meinem Sohn meinte die Kinderärztin mit etwa 3 Jahren, die Vorhaut sei etwas zu eng und wir sollten in der Badewanne diese vorishct

M=etxa4


Again:

Also wir sollten sie in der Badewanne vorsichtig zurückschieben, was wir ab und zu gemacht haben, also nur selten. Als er dann aufhörte, Windel zu tragen (mit 4 Jahren), da hat er das voll ausgenutzt, dass er nun freien Zugriff hatte und die Verengung hat sich gegeben.

Ich würde demnach auch empfehlen, das Spiel mir dem eigenen Penis nicht zu unterbinden, zumindest zu Hause nicht.

Msaria CWernxer


Hallo Ayaui,

das gewaltsame Zurückziehen der kindlichen Vorhaut durch Erwachsene wäre so ziemlich das Schlimmste, was Du tun kannst. Fast alle Jungen (in Japan: 100 %) werden mit einer natürlichen Vorhautverengung geboren (sog. "physiologische Phimose"). Das ist keine Krankheit, sondern der Normalzustand, der Deinen Sohn vor Verletzungen und Infektionen schützt. Außerdem ist die Vorhaut im Zeitpunkt der Geburt noch fest mit der Glans verwachsen (sog. "Adhäsion"), etwa wie ein Fingernagel mit dem Nagelbett. Manipulationen können hier zu feinen Mikrorissen, Verletzungen und Infektionen führen, die im schlimmsten Fall narbig verheilen. Nur der Junge selbst darf an seiner Vorhaut herumspielen, und zwar dann, wenn er soweit ist. Denn er selbst kennt seine eigene Schmerzgrenze und wird, wenn die Zeit gekommen ist, durch das Spielen an seinem Pipimann den Lösungsprozess der Vorhaut von der Glans unterstützen. Wann sich die Vorhaut von der Glans löst, ist von Junge zu Junge ganz unterschiedlich. Der Altersdurchschnitt hierfür liegt bei 10,4 Jahren. Wichtig: es gibt überhaupt keine feste Altersgrenze dafür, wann die Vorhaut zurückziehbar sein sollte. In der medizinischen Literatur werden hierzu völlig unterschiedliche, sich widersprechende Angaben gemacht - nicht eine einzige dieser angeblichen Altersgrenzen kann sich jedoch auf irgendeine wissenschaftliche Grundlage beziehen. Laß doch Deinen Jungen sich selbst entwickeln, die Natur regelt das schon seit zehntausenden von Jahren ganz von alleine. Hat er in der Pubertät (und keinen Augenblick vorher!) noch immer Schwierigkeiten mit der Zurückziehbarkeit der Vorhaut, so kann eine Salbentherapie in 80 % aller Fälle helfen. In Ausnahmefällen kann auch ein vorhauterhaltender Eingriff wie die "Triple Inzision" zielführend sein.

Zur besseren Information über die Pflege der kindlichen Vorhaut darf ich Dir hier eine sehr gute Broschüre des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zur Hand geben:

[[http://www.kinderaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Broschueren_Dr._B._Stier/Bvkj-com-0161_Vorhautbrosch.pdf]]

Auch in Japan bestätigten Wissenschaftler das, was ich hier geschrieben habe und was der BVKJ offiziell vertritt (Kayaba H., Tamura H., Kitajima S. et al., "Analysis of shape and retractability of the prepuce in 603 Japanese boys." J Urol 1996; 156 [5]: 1813-5. / Imamura E.,"Phimosis of infants and young children in Japan." Acta Paediatr Jpn 1997; 39[4]: 403-5. / Ishikawa E, Kawakita M., "Preputial development in Japanese boys". Hinyokika Kiyo 2004; 50 [5]: 305-8.)

Hier noch die Stellungnahmen einiger anderer Ärzteverbände zur Zurückziehbarkeit der Vorhaut:

[[http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/infos-fuer-eltern/zurueckziehbarkeit-der-vorhaut-erklaerungen-von-aerzteverbaenden-und-anderen-medizinischen-autoritaeten.html]]

Dir, Deiner Familie und Deinem Sohn alles Gute!

M?ariaH Waerxner


Nochmals kurz zur Verdeutlichung, ich schreibe manchmal etwas zu schnell: der Altersdurchscnitt für die vollständige Zurückziehbarkeit der Vorhaut liegt bei 10,4 Jahren, nicht derjenige der Lösung der Adhäsion.

Hat sich die Vorhaut im Kleinkindalter schon vollständig gelöst und geweitet, ist der Kleine aber noch nicht in der Lage, sich selbst zu waschen, kann man das als Erwachsener tun, muss aber ganz extrem vorsichtig dabei sein (am Besten in der Badewanne und man muss das vor der Pubertät keinesfalls jeden Tag machen). Das Beste und Sicherste ist immer, wenn der Junge lernt, sich selbst zu waschen.

Mit 9 Jahren ein Problem darin zu sehen, dass noch eine "Phimose" vorliegt, wie es etwa ElafRemich0815 schildert, halte ich für höchst problematisch. Christoph Kupferschmid vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat die mangelnde Evidenz für diese künstlichen Altersgrenzen offen angeprangert. [[https://books.google.de/books?id=YT4TAwAAQBAJ&pg=PA84&lpg=PA84&dq=kupferschmid+phimose&source=bl&ots=hVuM0SNYY7&sig=rfjg1r6R69sTWIRl8bUWHeyOgkA&hl=de&sa=X&ei=WfurVOXlB8qBU4WxgLAL&ved=0CEIQ6AEwAw#v=onepage&q=kupferschmid%20phimose&f=false]]

EElafRem|ic@h0x815


Das primäre Problem bei mir war nicht die nicht zurückziehbare Vorhaut (das hätte sich evtl. noch gegeben) sondern Probleme beim pinkeln, es ging nämlich ab einem Zeitpunkt schlicht nicht mehr. Dieses "aufblähen" der Vorhaut wie auf einigen Internetseiten beschrieben hatte ich vorher auch. Eigentlich ein Zeichen das sich die Vorhaut anfängt abzulösen.

Ich kann mich noch genau erinnern... Denn es war genau am Tag meiner Kommunion, die als große Feier mit allen Verwandten abgehalten wurde. Und am Nachmittag, nach dem großen Festmahl beichtete ich mein Problem meinen Eltern. Am nächsten Tag waren wir beim Arzt...

"Damals" waren Alternativen zur irreversiblen Beschneidung nicht so bekannt/verbreitet in den Köpfen der ältlichen Chefärzte mit denen ich es dank guter PKV immer zu tun hatte.

Mmari}a Wxerner


Hallo ElafRemich0815,

vielen Dank für Ihre Erläuterung! Mich hatte an Ihrem Beitrag der Satz irritiert:

"Diese natürliche Verklebung sollte mit ca. 5-6 Jahren verschwunden sein, spätestens mit 9-10 Jahren."

Daher meine Einwände. Probleme beim Urinieren sind natürlich pathologisch und behandlungsbedürftig. Allerdings hatte man auch schon zu früheren Zeiten alternative Behandlungsmethoden gekannt, etwa regelmäßiges Baden in salzhaltigem Badewasser, wobei die Vorhaut manuell gedehnt werden sollte. Bei meinem Cousin, der in den 70er Jahren unter einer schmerzhaften Vorhautverengung mit tröpfchenweise Urinieren litt, wirkte diese Badetherapie. Das ist allerdings z.B. bei einer "Narbenphimose" nicht sonderlich wirksam, also einer solchen Phimose, die in der Regel dadurch erst entsteht, dass die Vorhaut regelmäßig von Erwachsenen gewaltsam zurückgezogen wurde, um das Kind darunter zu waschen. Dann können sich unter Umständen so viele Narben bilden, dass sich die Haut insgesamt zusammenzieht. Haut kann überaus dehnbar sein, Narben allerdings nicht.

Ich möchte mir keinesfalls anmaßen, über Ihre damalige Diagnose und Therapie irgend ein Urteil abzugeben! Mir ging es nur darum, Irritationen zu verhindern. Denn angebliche Altersgrenzen für die Zurückziehbarkeit der Vorhaut kursieren noch immer durch die Praxen und verunsichern die Eltern. Ich halte es für sehr bedeutsam, sich darüber klar zu werden, dass die physiologische Phimose, also die Vorhautverengung, bei der es keine Schmerzen oder Probleme gibt und bei der der Junge problemlos urinieren kann, unter Umständen bis ins Jugendalter bestehen bleiben kann. Mit 15, 16 Jahren sollte der Junge auch sicherlich etwas dagegen unternehmen, falls sich das immer noch nicht von selbst gegeben hat, aber wie Sie richtig sagten, gibt es heutzutage ausreichend Alternativen zu einer Vorhautamputation.

A8ya?ui


Vielen Dank für eure Antworten!! @:)

Hab (noch) keinen Jungen, deswegen ist es auch nicht so relevant jetzt, aber kann ja nicht schaden sich mal Gedanken zu machen ;-) jetzt weiß ich jedenfalls was mich evtl. erwartet und wie ich damit umgehen soll.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kinder- und Jugendmedizin oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Säuglinge · Kinderwunsch · Sternenkinder · Kinder nach Geburtsmonaten


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH