» »

Sohn psychisch krank und ich kann bald nicht mehr!! (Lang!)

tkotaltrauarig201x5 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich weiß nicht, ob ich besser hier oder im pschologischen Faden schreiben sollte, dachte aber, hier lesen mehr Mamas, die mich verstehen können.

Ich weiß, dass mir eigentlich keiner helfen kann, aber ich muss meine Geschichte hier niederschreiben, um einfach mal Platz zu schaffen in meinem Kopf.

Es geht um meinen Sohn, der 14 geworden ist. Im Alter von 10 Jahren hatte er eine schwere Erkrankung, dadurch bedingt längere Krankenhausaufenthalte und sehr lange Krankengymnstik. Er war lange in seiner Bewegung eingeschränkt und musste sein Hobby, das Fußballspielen, aufgeben. Durch die langen Fehlzeiten hatte er Probleme in der Schule und es kam so weit, dass er sich innerlich nur noch mit seiner Krankheit beschäftigte, dass er in der Schule (4. Klasse) extrem absackte und nur noch vor sich hin träumte. Wir versuchten ihn mit Nachhilfe zu unterstützen, was ihm aber nicht half, da er "leer im Kopf" war, wie er es selbst beschrieb. Er bekam Bauchweh, Kopfweh. Wurde alles organisch abgeklärt, nichts gefunden. Er fehlte immer wieder in der Schule und dann kamen die Herbstferien und danach ging gar nichts mehr. Er verweigerte den Schulbesuch. Er weinte, schrie, schlug, drehte total durch, wenn er in die Schule sollte. Und bitte - ein Kind, dass dermaßen Panik hat, bekommt man nicht aus dem Haus, falls jetzt irgendjemand meint, warum habt ihr ihn nicht einfach gebracht? So habe ich früher auch gedacht, jetzt weiß ich, dass das nicht so einfach geht. Auch so hat sich sein Verhalten total verändert. Er schlief nur noch bei uns im Bett, er war aggressiv und extrem unzuverlässig. Er kam dann in eine psychosomatische Klinik für über 3 Monate, die ihm sehr gut tat. Das Problem war die Wartezeit: 8 Monate. So lange wurde er zuhause beschult und das funktionierte. Ich hatte wieder ein ausgeglichenes Kind ohne Aggressionen. Nach der Klinik kam er wieder auf seine Grundschule zurück, sollte die 4. Klasse wiederholen. Kurze Zeit später hatte er wieder Ängste und immer die Aussage:"Ich schaff das alles nicht. Alles ist so laut und alles ist mir zuviel." In Absprache mit der Klinik und der Schule wechselte er zur Schule für Lernförderung. Dort konnte er ohne Stress mitlernen, die Lehrer nehmen sich viel Zeit und es sind kleine Klassen. Er fühlte sich gleich wohl, es klappte wunderbar. Das erleichterte uns natürlich alle. Er ist durchschnittlich begabt, aber fühlt sich sehr schnell überfordert. Und hier passte es einfach. Auch wenn es mir nicht leicht fiel, da ich wusste, dass er eigentlich mehr kann. Aber das hilft ja nichts, wenn man es nicht anwenden kann.

Im Anschluss an den Klinikaufenthalt machte er eine Verhaltenstherapie, die Anfang letzten Jahres beendet wurde. Alles war erfolgreich, kleine Probleme gab es zwischendurch. Er will bis heute nicht woanders schlafen, fuhr nicht mit auf Klassenfahrt, sondern ging in eine andere Klasse. Zwischendurch gab es auch mal Tage, an denen er nicht zur Schule gehen konnte. Aber wir bekamen es immer wieder gut in den Griff.

So nach der langen Geschichte nun zu meinem Problem: Letztes Jahr hatte mein Sohn wieder einen Krankenhausaufenthalt, fehlte gleich nach den Sommerferien zwei Wochen in der Schule. In den Sommerferien starb seine Tante sehr jung an Krebs, das hat uns alle auch sehr mitgenommen. Den Krankenhausaufenthalt meisterte er ganz gut, obwohl er ja nicht woander schlafen möchte. Aber seitdem ist er wieder wie verändert. Stück für Stück ging er wieder unregelmäßiger in die Schule. Jezt ist er wieder zuhause und ich habe das Gefühl, er geht gar nicht mehr.....Bin sooo verzweifelt. Heute hatte er einen wichtigen Termin mit der Schule zur Berufsvorbereitung. Die Lehrerin hat extra mit ihm gesprochen, wie wichtig das ist und dass die Plätze extra gebucht sind. Gestern rief sie mich noch an, ob mein Sohn heute kommt. Und er sagte noch, ja, er weiß ja, dass es wichtig ist. Und heute? Saß er hier wie ein Häufchen Elend....er schafft es nicht....ja, er weiß, dass das nicht geht...er versteht es selbst nicht. Und ist nicht gegangen. Ich hab noch angeboten, mit ihm wenigstens dorthin zu fahren. Aber darauf ging er nicht ein. Ich kann bald nicht mehr, ganz ehrlich...Ich sehe, dass er gerne will und es nicht geht. Ich könnte ihn schütteln, weil er sein Leben selbst kaputtmacht. Nein, nicht er selbst, seine Krankheit. Aber er muss doch kämpfen gegen seine Ängste. Und das tut er nicht. Oder er kann es wirklich nicht.

Einen Praktikumsplatz für April hat er sich auch nicht gesucht. Ich kann ihm keinen suchen, das ist nicht Sinn der Sache. Und er schafft es sicherlich auch nicht, 3 Wochen lang jeden Tag dorthin zu gehen.

Ich fühle mich schon wieder ständig unter Druck und hab das Gefühl, mir wächst alles über den Kopf. Mein Mann ist mir da keine große Hilfe, er kommt damit noch weniger klar. Aber es ist auch wirklich schwierig. Auch Freunde und andere Verwandte können es nicht wirklich verstehen. Alle haben gedacht, er ist doch wieder gesund. Das Thema psychische Krankheit ist eines, da können sich viele nicht reinversetzen. Es sagt zwar keiner direkt, aber ich merke es an den Reaktionen.

Wenigstens haben wir in der Kinder-und Jugendpsychiatrischen Ambulanz wieder Termine. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass mein Kind wieder von zuhause weg muss. Und dass tut mir unendlich weh, weil er ein toller Junge ist, der beste Sohn, den ich mir wünschen kann. Aber es wird das Beste für ihn und auch für mich sein. Ich muss wieder Kraft schöpfen können. Angst macht mir die Zukunft, wie soll er jemals zuverlässig in einem Beruf arbeiten? Und wenn wir jetzt wieder so lange auch einen Klinikplatz warten....

Vielen Dank fürs Lesen. Das Aufschreiben hat mir schon geholen, wieder klarer zu werden und nicht den ganzen Morgen heulend hier zu sitzen. Vielleicht gibt es ja auch jemanden unter euch, der eine ähnliche Geschichte hat oder kennt. *:)

Antworten
INna8x7


Es war mir ein Bedürfnis dir zu schreiben, dass ich es ganz toll finde, wie du mit deinem Sohn umgehst!

Ich kann mich selbst schon gar nicht mehr so recht dran erinnern, aber ich war als Kind ab der 5. Klasse auch dermaßen überfordert am Gymnasium. Nicht vom Intellekt her, aber weil das halt so eine riesige laute Schule war. Meine Eltern hatten zu der Zeit aber andere Probleme und ich war allein mit meiner Überforderung, meinen Ängsten. "Stell dich nicht so an du faule verwöhnte Göre" Ich hatte seitdem bis vor kurzem noch übelste Migräne durchschnittlich zweimal pro Woche und komme heute allgemein nicht mit dem Leben klar, habe mit 28 Jahren immer noch keine abgeschlossene Ausbildung.

Ihr macht das super! Gebt eurem Sohn Zeit und das Gefühl, dass er okay ist, so wie er ist und er wird seinen Weg gehen! Setzt ihm und euch kleine erreichbare Aufgaben und Ziele.

Alles Liebe!

H1ybrNidX99


Kommt mir etwas bekannt vor. Ich habe eine ähnliche Situation bei mir.

Zuerst mal: Fühl dich gedrückt :°_

Das große Problem ist: Vermeidung macht es schlimmer. Wenn er weiterhin alles vermeidet, kommt er da nicht raus. Es ist verdammt schwer und ich spreche da aus erfahrung. Er muss nicht von heute auf morgen alles tun, was er sollte. Aber es sollte zumindest in kleinen Schritten voran gehen. Das fängt an bei mal alleine einen Spaziergang machen, vielleicht mal woanders übernachten (anfangs kannst du ja in einem anderen Raum dort auch nächtigen), auch wenn er sich gerade nicht so fühlt, trotzdem in die Schule gehen. Es ist schwer und es ist furchtbar für jemanden mit dieser Art erkrankung, sich dem zu stellen. Aber das ist der Weg.

Das Thema psychische Krankheit ist eines, da können sich viele nicht reinversetzen.

Das ist ein riesenproblem. Es ist wirklich sehr schwer sich da reinzuversetzen. Hätte ich nie eine Panikattacke gehabt, wüsste ich auch nicht mit welcher Heftigkeit einen sowas einfach übermannt und einem die Kontrolle nimmt. Hat dein Sohn denn jemanden, mit dem er über sowas sprechen kann? Vielleicht kennt ihr jemand anderen der eine derartige Erkrankung hat/hatte? Es gibt auch Selbsthilfegruppen (ich GLAUBE die heißen "Das Sprungbrett" und gibt es in vielen Regionen). Mir hilft es, mit anderen, die mich auch verstehen (und keine Therapeuten sind, was nicht heißt das eine Therapie mist ist, aber es hilft manchmal, sich eben nicht-analytisch drüber einfach mal auskotzen zu können).

Cvara'malah 2


Hallo totaltraurig,

du hast mein vollstes Mitgefühl, für diese Lage. Das, was dein Sohn durchlebt, ist im Grunde klassisch für Ängste. Er ist noch recht jung. Es gibt mehrere Methoden, um ihnen zu begegnen. Kämpfen kann man nicht gegen Ängste, denn dann wird es zu einem Kampf gegen das eigene Ich.

Man kann aber ein gewisses Verständnis für die Gefühle bekommen und man kann aus diesem Verständnis handeln lernen. Verhaltenstherapien, sind da zwar hilfreich, sie sollen zu einem anderen Denken und zu einer Umprogrammierung verhelfen, was bei einigen guten Erfolg hat. Aber es ist auch nicht immer von Dauer. Leider hat man dann selbst keine Worte für dass, was einen dann runterzieht.

Durch einen langen Krankenhausaufenthalt und durch eine Krankheit, die du nicht näher benannt hast, werden seelische Grundeigenschaften massiv verletzt.

Diese seelischen Grundeigenschaften sind: Das man sich innerlich durch sich selbst, nicht durch andere, in Sicherheit fühlt, sich angenommen fühlt, sich geliebt fühlt und das da jemand ist, der einem all das geben kann, damit das eigene Leben gelingt. Das ist sozusagen die Hardware der Seele. Durch eine Krankheit in jungen Jahren, entsteht gerne Hilflosigkeit, ein Ausgeliefert sein an äußere Umstände. Man verliert praktisch die Kontrolle über das eigene Leben und dass kann zu Ängsten führen. Diese Ängste, die im Grunde nur eines aussagen: Meine Grundbedürfnisse werden nicht befriedigt, haben eine gewisse Struktur. Sie bestehen aus einem inneren Gefühl des Mangels an Sicherheit, an Versorgtsein, sich vielleicht auch nicht geliebt fühlen usw. Und daraus entstehen entsprechende Gedanken, die in neuen Situationen sofort da sind und einem sagen, das klappt nicht. Man braucht dann sehr viel Sicherheit durch äußere Maßnahmen, wenn möglich im eigenen Wohnbereich, ein Nest, dass einem all das gibt, was man innerlich nicht mehr fühlen kann. Dann funktioniert es auch bei deinem Sohn. Er kann nichts dafür, die Ängste auch nicht. Gefühle sind sozusagen der Energieträger des Lebens und die Gedanken bringen es in Bewegung. In der Regel funktioniert das Zusammenspiel sehr gut, denn dieser Mechanismus dient der eigenen Bedürfnisbefriedigung. Sobald man ein Bedürfnis hat, bekommt man aufbauende und lösungsorientierte Gedanken, die dieses Bedürfnis stillen wollen. Ist dieser Mechanismus verletzt worden, dann funktioniert er nur noch auf Sparflamme oder gar nicht mehr.

Wie man damit umgehen kann. Ich denke es ist individuell und mit Wollen alleine ist es meist nicht getan. Denn dann steht das eigene Wollen gegen das Gefühl, dass einem etwas anderes sagt. Dein Sohn kann sich selbst die Frage stellen, was braucht er jetzt für sich, um dieses oder jenes tun zu können. Meist ist die eigene Antwort, die Richtige und hilfreicher als alles, was einem von Außen als Zwang aufgedrückt wird.

Ralf Bihlmaier hat hier ein Buch und eine DVD herausgebracht. Eine Bekannte von mir leitet eine Selbsthilfegruppe für Angst- und Panikpatienten. Die DVD kenne ich deshalb und fand sie recht ansprechend vom Inhalt her. Das Buch kenne ich nicht. Du kannst ja selbst mal googlen, ob das irgendwie hilfreich sein könnte.

Ich halte es für wichtig, dass man ein eigenes Verständnis für die Gefühle und Gedanken bekommt und dass man selbst lernt sie auch verändern zu können. Meiner Meinung nach sollte man lernen nach sich selbst zu schauen, was braucht man selbst, was macht einem selbst Freude und demnach kann man handeln lernen. In unserer Gesellschaft sind Angsterkrankungen keine Seltenheit und auch das hat eine Ursache, denn der Druck von außen ist groß und doch sollte man ihn nicht mitmachen.

D7ecem]berx80


Ich kann nicht wirklich was produktives beitragen, da ich selbst aufgrund einer Erkrankung starke Ängste entwickelt habe.

Was ich aber unbedingt los werden muss:

@ Caramala

Das war wahrscheinlich der beste Post, den ich jemals in diesem Forum gelesen habe. Er hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Vielen Dank dafür.

@ Totaltraurig

Denke ihr könnt nur weiterhin mithilfe von Therapeuten an seinen Ängsten arbeiten. Damit er versteht, dass er immer noch die Kontrolle über sich und sein Leben hat. Wichtig ist es langfristig zu denken und nicht an das z. B. anstehende Praktikum. Er selbst wird sich unter Druck gesetzt fühlen und das gibt den Ängsten neue Nahrung. Wichtig ist es eine stabile Basis zu haben, dann können wir auch mit den Anforderungen des Lebens umgehen

Erhema\liger NuWtzer (r#528x611)


Ich habe auch diverse Ängste und Phobien und x andere Probleme.

Ich kann da auch nicht wirklich helfen, aber ich habe einen ganz anderen Ansatz für mich gefunden: Die TOTALE AKZEPTANZ des IST Zustandes.

Ich habe es akzeptiert wie ich bin,und bin dadurch entspannter. Der Druck ist raus.

Ich würde auch vorschlagen, dass dein Sohn sich eine Selbsthilfegruppe sucht. Vielleicht erstmal online. Oder eine, die ihr bei euch zu Hause abhalten könnt.

Und meinen Respekt für deine Leistung als Mutter! :)_

puelztiFerx86


Mh, dein Sohn schien ja vor der organischen Erkrankung keine psychischen Probleme gehabt zu haben . Kinder, die sehr sensibel sind, und lange Zeit im Kranlenhaus verbringen müssen, können schon mal eine Art posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Und genau nach einer solchen liest sich das für mich - das Gefühl der Überforderung in der Schule, die Panikattacke, die Sensibilität bzgl. Geräuschen. Oftmals erleben diese Patienten Flashbacks, die durch alltägliche Situationen(wie das Hören eine bestimmten Geräuschs erinnert an Schüsse bei Veteranen, die an PTBS leiden) getriggert werden.

Welche psychiatrische Diagnose hat denn dein Sohn? Wie gesagt, eine PTBS ist ja etwas ganz anderes als eine "originär " psychische Erkrankung, und das Wissen darum, wenn es eine solche wäre, würde vll deinem Sohn wie euch als Eltern helfen, damit klarzukommen.

wsillgesgundsein


Hab nicht alles weiteren Beiträge gelesen und muss leider was machen aber wollte dich wissen lassen, dass ich es herzerwärmend, wundervoll und rührend finde, wie du deinen Sohn behandelst! Ich war auch ein angesgehemmtes "schwieriges" Kind, bin oft depressiv und habe viele Probleme! Wenn ich lese, wie du ihm helfen willst kommen mir die Tränen und ich wünsche mir auch so viel Hilfe!

Und vor allem euch beiden und vor am aller meisten deinem Sohn alles alles alles beste!!!

:)* :)* :)*

t-otalt+rauHrigG2015


Vielen lieben Dank erst einmal für eure Antworten.

Ich habe in den Jahren gelernt, vieles zu verstehen und hinzunehmen. Wir haben zusammen gearbeitet und uns hat das Ganze wirklich zusammengeschweisst. Ich habe eine sehr enge Bindung zu meinem Sohn, was wiederum auch Teil des Problems ist (Trennungsangst)

Als Diagnose hatten wir: Angststörungen, Trennungsangst, depressive Verstimmungen

Von PTBS war nie die Rede, aber in der Klinik gab es Punkte, die offen blieben, weil die Diagnose nicht eindeutig war. O-Ton der Therapeuten und Ärzte: Ihr Sohn gibt uns Rätsel auf.

Und er hat sooooo viel geschafft: Den Wechsel auf die neue Schule (Förderschule), wo auch viele schwierige Kinder sind. Da kann er sich prima durchsetzen und ist sehr beliebt. Die Zugfahrt dorthin mit Umsteigen. Das waren alles Dinge, die vorher nicht vorstellbar waren, die er aber bewältigt hat. Er hat am Boys-Day teilgenommen und sich dafür einen eigenen Platz gesucht. Ich war super-stolz deswegen und hab es ihm auch gesagt.

Und jetzt schmiert alles wieder so ab. Er kümmert sich um nichts, macht mir teilweise einen depressiven Eindruck. So lange man ihn machen lässt, geht es ihm gut. Sobald man irgendetwas von ihm will, fühlt er sich gleich unter Druck gesetzt. Es ist nicht so,dass er nur depressiv hier zuhause sitzt. Nein, nur wenn es um das Thema Schule, Praktikum, von zuhause weggehen geht, macht er total dicht.

Natürlich ist ein Praktikum nicht das Wichtigste. Aber es wird von der Schule erwartet und alle machen eines. Ich rede schon gar nicht mehr davon, weil er dann nur noch mehr zu macht. Ich habe es der Lehrerin auch schon gesagt, dass es wohl nicht funktionieren wird. Sie meinte zu ihm, er solle es doch versuchen. Wenn es so einfach wäre.

Wichtig ist, dass er zur Schule geht. Und da wählt er leider den Weg der Vermeidung, so verkehrt es auch ist. Das haben der Therapeut und ich ihm auch klar gemacht. Er sieht auch alles ein....bis zum nächsten Morgen. Umso mehr er jetzt vermeidet, umso eher wird er gar nicht mehr gehen. Er lässt da aber auch nicht mit sich reden. Ich habe ihm angeboten, ihn hinzufahren und abzuholen. Habe ihm offen gelassen, wann er nach Hause kommt. Und wenn er erstmal nur eine oder zwei Stunden da bleibt, Hauptsache, er geht erstmal. Aber nichts greift. Und Schule ist nunmal Pflicht. Da gibt es nichts dran zu rütteln.

Traurig bin ich vor allem deshalb, weil wir so viele Dinge gemeinsam geschafft haben und er so viel für sich erreicht hat. Und im Moment bricht alles zusammen und er kann mir gar nicht sagen, warum.

Den Tipp mit der Selbsthilfegruppe finde ich übrigens gut, da muss ich mal googlen. Das würde uns wahrscheinlich allen gut tun. Auch meinem Mann, der sehr unter der Situation leidet und es so schlecht nachvollziehen kann. Denn es geht absolut an die Substanz, die Verantwortung für ein psychisch krankes Kind zu haben.

LG

p elztiieKr86


Wie gesagt, ich habe zwar keine persönliche Erfahrung mit PTBS (wenn asicht Urchristentum traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit schwerer somatischer Krankheit und deren "Behandlung"), weiß aber, dass PTBS sich entwickeln können bei Kindern mit schweren Erkankungen. PTBS können sich ganz unterschiedlich äußern, aber natürlich auch in Depressionen etc. ich finde es halt nur auffällig, dass dein Sohn zuvor offensichtlich völlig verhaltensunauffällig war, und meist manifestieren sich psychische Erkältungen im frühen Kindesalter dann doch schon früher (wenn auch vll subtil, aber trotzdem ist da meist schon etwas vorhanden )

Es gab auf youtube mal das Video "the girl who never ate". Das ist jetzt vordergründig ein ganz anderes Problem, dieses Kind aß nämlich nichts, aber nicht, weil es "magersüchtig" gewesen wäre, sondern weil sie es aufgrund einer Art von PTBS, die sich infolge zahlreicher schwerer Operationen an der Speiseröhre im Babyalter, gebildet hatte, nicht mehr konnte; sie hatte keinen Zugang zum Essen.

Ebenso kenne ich einige Leute mit meiner seltenen Erkankung, die aufgrund der Situationen in den Krankenhäusern und der Behandlung dort (meist schlechte, aber auch durchaus adäquate) eine PTBS entwickelt haben.

Was hatte denn eigentlich dein Sohn, wenn ich fragen darf?

p,elSz^tiFer86


Oh mein Gott - diese Autokorrektur...ich meinte: (wenn auch durchaus mit traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit schwerer somatischer Erkankung)

Ist deinem Sohn damals eigentlich gleich adäquat geholfen worden oder gab es da Probleme?

p7elztOier8x6


Vll solltest du dir mal den Wikipedia Artikel durchlesen - der ist zu dem Thema ganz gut:

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsstörung_bei_Kindern_und_Jugendlichen

p]elz_ti3erx86


Hier vll auch noch ein ganz interessanter Link für dich:

[[http://www.ahg.de/AHG/Standorte/Beelitz/Klinik/Wie_behandeln_wir/Therapiekonzept/Konzept1.html]]

p/elztpier826


Auffällig finde ich auch, dass sich das Verhalten deines Sohnes zu bessern schien, bis er wieder ins KH kam und seine Tante an Krebs verstarb. Das spricht für mich mich für eine Retraumatisierung im Rahmen einer PTBS.

hast du diese Beobachtung mal bei den Ärzten angesprochen?

ich fände es nur sehr schade, wenn er in die Schublade "psychisch krank für immer" abgeschoben werden würde, wenn es sich dabei eigentlich um ein sekundäres Phänomen handeln würde, dessen Ursache erkannt und angegangen werden könnte.

teotalt$raurimg201x5


Ich habe von der Verschlechterung nach dem Krankenhausaufenthalt und dem Tod der Tante erzählt. Dabei waren sein Verhaltenstherapeut und eine Kinder-und Jugendpsychiaterin. Im Moment ist es so, dass sie uns noch nicht viel gesagt haben. Unser Sohn hat Gesprächstermine und Ende diesen Monats haben wir wieder gemeinsam einen Termin. Auch wieder zu viert. Was ich ganz gut finde, da der Verhaltenstherapeut andere Ansätze und Erfahrungen hat als die Psychiaterin. Dann soll besprochen werden, wie sie die Situation einschätzen und was weiter passieren soll. Ich werde das Thema PTBS aber auf jeden Fall ansprechen.

Dass er vor seiner Erkrankung ein ganz "normales" Kind war, kann ich auch nicht ganz sagen. Er hatte am Anfang starke Probleme in der Schule, weil er nicht da bleiben wollte. Das ging die ersten 3 Schulwochen so, dass er nur geschrien hat und ich ihn oft mit nach Hause nehmen musste, weil nichts ging. Er ist der Typ, der sich so da reinsteigert, dass er nicht mehr denkt, sondern nur durchdreht. Jetzt, wo er älter ist, hat sich das gelegt. Aber als er klein war, war ihm dann echt alles egal. Er hat schon extrem an mir geklebt und wollte ungern zu anderen Kindern nach Hause. Er wollte sich auch nie besonders gern verabreden, sondern war lieber für sich. Und wenn dann sollte nur ein Kind kommen. Mehrere Kinder haben ihn überfordert. Eine gut gemeinte Geburtstagsparty hat er dann geschmissen, weil er nur noch geheult hat. War ihm alles zuviel. Ich habe das bis zu diesem Zeitpunkt nur nicht wirklich kapiert. Einfach war es mit ihm nie, aber er ist trotzdem ein tolles Kind: total tierlieb, sensibel, liebevoll, absolut zuverlässig und sehr ehrlich. Auf der anderen Seite aber auch ein Rabauke, gern mal mit einem frechen Spruch und kleinen Raufereien. Also beileibe kein total angepasster Musterknabe.

Was ich seltsam finde, ist, dass sich seine Gründe verändert haben. Also früher hat er gesagt, er hat Angst in die Schule zu gehen. Jetzt sagt er, Angst ist es nicht mehr, er kann nur nicht. Aber er weiß nicht, wieso er nicht kann. Das finde ich schon auffällig. Ich bekomme immer zur Antwort:"Ich bin zu müde, ich schaff das nicht, das ist mir alles zuviel, ich kann nicht, es geht einfach nicht." Das war früher nicht so. Da konnte er eindeutig sagen, dass er Angst hat und nicht von zu Hause weg möchte. Jetzt kommt er mir eher depressiv vor...Ich muss dazu sagen, er hat in der Schule überhaupt keine Probleme, schreibt gute Noten ohne Stress. Da er ja eigentlich auf gar keine Förderschule gehört, vom Lernen her gesehen. Er kommt mit Lehrern und Mitschülern klar. Da ist kein Mobbing und eigentlich null Überforderung. Und doch ist ihm alles zuviel. Und das ist schwer zu verstehen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kinder- und Jugendmedizin oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Säuglinge · Kinderwunsch · Sternenkinder · Kinder nach Geburtsmonaten


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH