» »

Ist Er ein Autist? Begleitet mich auf meinen Weg

E(hemalXiger +Nutzer (m#50812x5) hat die Diskussion gestartet


Guten Morgen.

Es geht um meinen Sohn, der 2 1/2 Jahre alt ist. Das er vielleicht etwas anders sein könnte, dachte ich mir schon vor einem Jahr. Ich schob es aber darauf, dass der Papa plötzlich mehr arbeiten musste und ich schwanger war. Aber das es sich so entwickeln würde, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht hole ich erstmal aus und erkläre, was ich meine.

Mein Sohn war schon immer sehr früh mit allem dran. Mit 3 Monaten rollte er sich durch die Wohnung und erkundete die Welt. Dabei haben ihn zu dem Zeitpunkt schon zwei Zähne begleitet. Und so rasant ging es mit seiner Entwicklung dann auch weiter. Mit 13 Monaten lernte er das Laufen und sprach schon viele Wörter deutlich aus. Vor allem konnte er sie auch schon in den richtigen Zusammenhang bringen. Da war ich die Mama und wenn er das aussprach, schaute er mich auch an. Irgendwann kam aber der Punkt, wo keine neuen Worte mehr hinzukamen. Das war in Ordnung, das muss er ja auch nicht. Doch nach und nach verblasste seine alte und offene Persönlichkeit. Das war im letzten Herbst. Er schaut mit zwar ins Gesicht, aber immer an den Augen vorbei. Er hat bis heute keine neuen Worte mehr gelernt. Was viel schlimmer ist, er sagt auch keine der Worte mehr, die er mal konnte. Er verliert sie nach und nach. Aufforderungen etwas nachzusprechen kommen bei ihm nicht an. Und so zieht es sich durch den Tag. Jede Aufforderung wird nicht gehört und auf ein Spiel lässt er sich auch nicht ein. Es ist als würde er in seiner eigenen Welt leben. Er hat seinen ganz eigenen Rhythmus und auch eine eigene Sprache, die ich nicht verstehe. Er spielt auf seine ganz eigene Art und Weise und gegessen wird nur noch selten. Er lebt von flüssiger NAhrung und die seltenen Momente, in der er vielleicht wirklich mal eine Nudel schluckt oder ins Brot beißt. Das ist die nächste Auffälligkeit. Er kaut kaum. Ganz oft erwische ich ihn dabei, wie er Stunden nach dem Essen noch immer das Essen im Mund hat.

Er gibt keine Signale mehr, ob er Hunger oder Durst hat. Auch körperliche Nähe ist für ihn schrecklich. Was aber am auffälligsten ist, dass er seinen Bruder zwar inzwischen wahrgenommen hat, aber ihn nicht sieht. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Es ist schwer den Alltag mit allen zu gestalten und nicht zu wissen, ob alles mit ihm ok ist.

Letzte Woche war ich dann mit ihm beim Ohrenarzt. Das war der erste Gedanke, einfach um auzuschließen, dass er einfach nur schlecht hört. Die ersten Tests, die die Ärztin machen konnte, waren unauffällig. Weder ein Paukenerguss noch eine andere Auffälligkeit konnten entdeckt werden. Aber auch da fiel auf, wie er sich verhielt. Er reagiert nicht auf Ansprachen und verhält sich anderen gegenüber wie in einem Schema. Er sagt Tschüss und Hallo, reagiert aber auf keine Nachfragen. Also bin ich mit ihm zum Kinderarzt und habe es dort angesprochen. Mein Kinderarzt macht sich Sorgen und hat uns die dringende Empfehlung ausgesprochen, ihn in unserem SPZ vorzustellen.

Und das war vorgestern. Seither dreht sich alles bei mir und ich bin mir unsicher. Ich wechsel immer von "Mit ihm ist alles in Ordnung" hin zu "Wie soll nur die Zukunft werden?". Ich habe aber auch den größten Fehler gemacht. Ich habe gegooglet.

Was ich mir von diesem Thread erhoffe? Dass ich vielleicht die Sorgen, die ich im Alltag mit Niemandem besprechen kann, hier loswerde. :-)

Danke fürs Lesen!

Antworten
n{ul7li&Ypri.esemut


Du hast alles richtig gemacht! Ohrenarzt, Kinderarzt, SPZ, das ist super. Ich würde dir vorschlagen, dich bei rehakids.de vorzustellen. Auch wenn es jetzt noch keine Diagnose gibt und selbst wenn sich, was natürlich wünschenswert wäre, am Ende alles als harmlos herausstellt. Dort kann man dir wirklich gut helfen. Alles Gute!

djan>aex87


Mach einen Termin und versuche dich zu entspannen. Noch ist gar nichts klar und es gibt ja mehr als einen Grund des es haben kann. Außerdem ist er noch jung, da kann man noch gut helfen. :)_

E6hemaliMger Nutzner (#s508125)


Den Termin habe ich gestern angefordert. Heute oder morgen kommt ein Fragebogen, den ich ausfüllen und vom Kinderarzt ausfüllen lassen muss.

Shüntxje


viel Papierkram wird da kommen.

Das musst du quasi immer parat haben, seine Entwicklung, wann war was, wann ist was genau aufgefallen usw.

Am besten kannst du dir dazu selbst ein paar Notizen machen, das wirst du immer wieder brauchen.

Alles Gute

S3ororman


Wie verhält er sich denn in der Kinderkrippe/im Kindergarten, wo doch auch viele andere Kinder dabei sind?

Deine Beobachtungen insgesamt klingen für mich so, dass die doch relativ dichten Untersuchungen von Kindern in den ersten Lebensmonaten/jahren doch auch regelmäßig dafür sorgen sollten, dass die Eltern in den Ärzten Ansprechpartner für mögliche Entwicklungsstörungen haben. Der Gang zum SPZ wurde dir ja schon von ärztlicher Seite dringend empfohlen.

Systematisch würde man wohl mit Tests der Wahrnehmung bei ihm anfangen: Sehen, Hören, Schmecken/Riechen, Tasten. Beim Hören hast du ja schon begonnen. Dann Nahrungsaufnahme und Verdauuung (Mund, Zähne, Speiseröhre, Magen, Darm) - da er so komisch isst, Diagnostik der Ausscheidungen. Und sich seine Kommunikation anschauen: verbal wie nonverbal. Sowie sein Blut und einfache Reiz-Reaktions-Muster.

Dass ich vielleicht die Sorgen, die ich im Alltag mit Niemandem besprechen kann, hier loswerde. :-)

Es gibt ja noch den Vater des Kindes, ggf. deine Eltern/Geschwister, Kinderärzte, Kinderkrippenerzieher/Kindergartenerzieher, Eltern anderer Kinder, vielleicht auch Freunde und Verwandte, also ich finde, da sind so einige mögliche Ansprechpartner dabei.

Rma/lph_pHH


Schön zu lesen, daß Du das Thema nun endlich so ernst nimmst, daß Du Dich auf den Weg zu Ärzten machst. Ich drücke die Daumen, daß die etwas finden, was im Grunde harmlos ist und leicht kurierbar. Warum versteifst Du Dich schon jetzt ohne jede Diagnose auf Autismus? Laß doch die Ärzte erstmal die Ursache finden. Vielleicht ist es eine heilbare temporäre Krankheit und keine dauerhafte Behinderung.

E1hema ligeCr Nut%zer (}#50812x5)


Ich versteife mich nicht da drauf. Es ist ja nur die Frage, ob die Ärzte damit recht haben. Der Weg im SPZ ist der, der gerade am meisten Sinn macht. Die Wahrscheinlichkeit, dass seine Auffälligkeiten alle gleichzeitig von der Zunge, den Ohren, dem Verdauungstrakt etc kommen, ist eher unwahrscheinlich.

SbeveXn.of.iNinxe


Der Weg im SPZ ist der, der gerade am meisten Sinn macht. Die Wahrscheinlichkeit, dass seine Auffälligkeiten alle gleichzeitig von der Zunge, den Ohren, dem Verdauungstrakt etc kommen, ist eher unwahrscheinlich.

Das siehst Du völlig richtig. :)^

Ansonsten schließe ich mich der Empfehlung von Süntje an, mach' eine Liste und beschreibe ganz genau, was Dir an Deinem Sohn alles auffällt:

er sagt auch keine der Worte mehr, die er mal konnte. Er verliert sie nach und nach.

Aufforderungen etwas nachzusprechen kommen bei ihm nicht an.

Das kannst Du entweder stichpunktartig tun oder noch besser, gleich mit einem Beispiel verbinden (behält das Essen stundenlang im Mund), das erspart Dir nachher bei der Diagnostik wertvolle Zeit und Du kannst sicher sein, daß Du nichts Wichtiges vergessen hast.

S9orofmxan


Die Wahrscheinlichkeit, dass seine Auffälligkeiten alle gleichzeitig von der Zunge, den Ohren, dem Verdauungstrakt etc kommen, ist eher unwahrscheinlich.

Aber bei den körperlichen Basisfunktionen: Atmung und Verdauung anzufangen ist schon sinnvoll. Sie sind die Energieversorgung für den gesamten Körper inkl. des Gehirns. Und damit der Wahrnehmungsverarbeitung.

Und ja: auch neurologisch wird der Junge wohl untersucht werden. Aber eine Diagnose kommt am Ende raus, nachdem man mal die Ergebnisse zusammengezogen hat. Und sie kann sich verändern und konkretisieren - eben mit den Veränderungen und Entwicklungen, die beim Kind passieren.

Ich wünsche dir und dem Vater des Kindes - der sich da gleichwertig engagieren sollte - viel Kraft für die Zeit der Unsicherheit.

PS: Mein Halbbruder ist geistig deutlich behindert - auch mit autistischen Einflüssen.

Das kannst Du entweder stichpunktartig tun oder noch besser, gleich mit einem Beispiel verbinden (behält das Essen stundenlang im Mund), das erspart Dir nachher bei der Diagnostik wertvolle Zeit und Du kannst sicher sein, daß Du nichts Wichtiges vergessen hast.

- Seven.of.Nine

Ja, und mit Datumsbezug der Beobachtungen der TE wird auch der zeitliche Bezug klar und die Veränderungen lassen sich besser einordnen.

E\hemalige&r YNutzer (V#508125x)


Danke für eure Antworten. Die letzten Tage waren einfach hart für mich. Immer wieder denke ich, dass ich jetzt an der Situation Schuld bin. Dass ich ihn nicht ausreichend gefördert habe oder nicht genug mit ihm gesprochen. Und dann fange ich innerlich erst recht das straucheln an. Ob es wirklich so schlimm ist, wie ich gerade denke. Aber dann zeigt er mir doch sehr stark die Realität. Er schläft kaum und wenn, dann ist er unruhig und schreit oft im Schlaf. Heute Morgen ist er so aufgebracht aufgewacht, dass er sich fast übergeben musste. Er isst auch kaum noch. Jedes Mal wenn ich ihn frage, ob er was essen möchte, reagiert er entweder garnicht, oder eben trotzig. Ich glaube das ist auch das, was es gerade noch ein bisschen schwerer machte. Die Trotzphase, die noch zusätzlich oben drauf kommt. Dadurch dass er sich in manchen Situationen mitteilen möchte, ich ihn nicht verstehe und er dann wütend ist. Ich habe nun überlegt, dass ich ein Tagebuch machen werde. Einfach, um vielleicht auch für mich die Dinge etwas klarer zu sehen. Was am Tag gut war und wo ich mir Gedanken mache. Auch den Verlauf werde ich festhalten.

Gestern kam auch der Brief aus dem SPZ. Den werde ich dann später noch ausfüllen.

S-even5.fof.NNine


Er isst auch kaum noch. Jedes Mal wenn ich ihn frage, ob er was essen möchte, reagiert er entweder garnicht, oder eben trotzig.

Mag er auch das nicht mehr, was er vorher mit Begeisterung gegessen hatte?

Vielleicht kannst Du es ihm erleichtern, in dem Du ihn nicht fragst, sondern ihm einfach etwas hinstellst, worauf er dann nur zeigen braucht.

Macht er das denn, auf Dinge zeigen, die er haben will?

E`hemaligPer N|utzer (I#508x125)


Nein. Er isst selbst das nicht mehr, was er mal gerne gegessen hat. Eine ganze Zeit lang hat er mit Vorliebe Bananen gegessen. Sogar so viel, dass ich es runterschrauben musste, weil er Durchfall davon bekam. Ich stelle ihn einfach was zu Essen hin, wenn ich denke, er könnte Hunger haben. Aber er isst es nicht. Entweder er setzt sich davor, rührt es aber nicht an, oder er setzt sich erst gar nicht hin. Manchmal zeigt er auf die Dinge, die er haben möchte. Meistens sagt er aber irgendein Wort, zum Beispiel Mi für Milch und meint dann aber etwas anderes. Gebe ich ihm dann die Milch, ist er frustriert.

mZonyd+ste<rne


Was ich mir von diesem Thread erhoffe? Dass ich vielleicht die Sorgen, die ich im Alltag mit Niemandem besprechen kann, hier loswerde. :-)

Das finde ich schon mal einen erfolgversprechenden Ansatz. ;-)

Wenn Du Deine Sorgen hier los wirst, musst Du Deinen Sohn nicht damit belasten.

Also, was soll ich sagen? Kotz Dich aus!

@:)

E)hemapli5ger NLutdzerb (#50812x5)


Nicht das du den Satz noch bereust. ;-D Gut, was mich wirklich belastet, ist die Angst, dass ich ihn nie reden hören könnte. Ich möchte diese ganzen witzigen und frechen Geschichten hören, die kleine Jungs in seinem Alter irgendwann erzählen. Ich möchte den besagten Kindermund hören und wissen, was in seinem Kopf vorgeht. Wie er die Welt sieht. Ich habe Angst, dass ich nie die Möglichkeit haben könnte. Ich möchte mit ihm spielen und Ritterschwerte bauen. In Höhlen kriechen und mit ihm Fussball spielen. Ich möchte auch Wissenschaftsmusen besuchen, in denen man experimentieren kann. Ich möchte ihn auch sehen, wie er sich mit seinem Bruder streitet und wie sie anschließend wieder zusammen durch den Garten toben. Ich habe Angst, dass er überall untergehen wird und wir es nicht schaffen, ihn ausreichend in der Familie zu integrieren. Und ich habe Angst, dass er einsam ist und ich ihm nicht helfen kann, dieses Gefühl loszuwerden. Das sind alles die Gedanken, die seit Wochen und Monaten in meinem Kopf schwirren.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kinder- und Jugendmedizin oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Säuglinge · Kinderwunsch · Sternenkinder · Kinder nach Geburtsmonaten


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH