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Tricholillomanie bei Schulkindern

DRie_gkleine _exine hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen!

Nach langem suchen und endloser Ratlosigkeit versuche ich mich nun doch mal in einem Forum.

Ich versuche mich kurz zuhalten aber dennoch sehr ich die ganze Geschichte wichtig.

Es geht um meinen 10 Jährigen Sohn.

In der frühe Kindheit mir etwa 5/6 Jahren hatte er das ein oder andere einschneidende Erlebnis... Zum einen hatte ich Heiligabend einen schweren Autounfall und war von einem Tag auf n anderen für mehrere Monate für meine unerreichbar. Das KIT rückte an dem Tag an, weil nicht klar war ob ich überlebe. Was von diesen Unterhaltungen mein Sohn mitbekommen hat, weiß ich nicht.

Danach folgte die Einschulung für ihn, ich war inzwischen wieder weitestgehend gesund. Mein Sohn ( im folgenden L genannt) hatte Schwierigkeiten beim Schulstart ( vermutlich hat er bereits da sein schlecht gesehn) alle Kinder saßen gemeinsam an Gruppentischen, L dagegen mit dem Rücken zu allen anderen ganz vorne neben der Lehrerin.

Ich würde zum Gespräch gebeten... L wirkt im Unterricht verträumt. Bringt sich nicht ein... Ja es wäre als sei er gar nicht da.

In der schule wurden tests gemacht. Darin lag er in verschiedenen Bereichen im unteren Durchschnitt. Dafür könnte er aber außerordentlich gut und verständlich lesen.

Mir wurde angeraten das Kind nich ein Jahr in den Kindergarten zu geben, oder aber in die Förderschule zu versetzen.

Ich entschied mich für letztes. Einige Zeit ging es ihm dort gut. Ein gern gesehener Klassenkamerad. Gute Leistungen etc.

Dann der Rat zum Kindwrpsychologen. Verdacht auf ADS aufGrund der Testberichte der Grundschule.

Diagnose ADS mit psychisch emotionaler AngstStörung.

Es folgen eine Therapie mit Ritalin. Später wurde er auf das Retard Medikament Medikinet gestellt.

Seine schulischen Leistungen stabilisierten sich weiter.

Dann aber zum Hauptproblem... Nach einigen Monaten viel mir auf, das L sich Wimpern ausreist. Und diese in einer kleinen Dose sammelt. Er bekam ständig Entzündungen in beiden Augen. Irgendwann hatte er an beiden Augen keine einzige Wimper mehr. Vom Arzt keinerlei Reaktion darauf. Ich fragte mein Kind immer wieder warum er das tut.

" Du bist schuld daran, hättest du mir nie gesagt das man sich von Wimpern was wünschen kann, wäre das nie passiert"

Worte eines 7 Jährigen Kindes.

Ab da war aber dann ruhe. Die Wimpern sind vollständig nachgewachsen.

Dann folgte dann nächste Problem.

Er erzählt das er Stimmen hört... Ähnlich wie Micky Maus. Die ihm sagt was er tun solle...

Wenn L sich dann hinlegt verschwinden die Stimmen.

Beim Arzt wurde auch das angesprochen.

Manchmal erzählen Kinder Dinge....

Eine Art Gedankenlautwerden sei das.

Ende.

Wir wechselten den Arzt... nochmals die unzählige Tests. Gleiche Diagnose.

Vermutlich aus alten Akten übernommen.

Die Stimmen sind immer wieder mal da.

L hat große Angst schlafen zu gehen und seine Augen zu schließen. Er hörst ein pfeifen und dann einen lauten knall " neben seinen Ohren"

Diesen Vorfall haben wir zweimal gehabt.

Ich hatte Angst um mein Kind und setzte diese Teufelspillen eigenhändig ab. Seine schulischen Leistungen verschlechterten sich sofort. IsT immerzu in Konflikte verwickelt.

Tabletten wieder angesetzt. Einige Zeit war dann alles gut. Impulsstörungen gegenüber seines Bruder blieben bestehen.

Mit 8 Jahren begann dann L wieder sich die Wimpern komplett auszureisen. Es schien phasenweise aufzutreten.

Er wird immer ruhiger, reden mit mir und anderen Menschen kaum noch. Wutausbrüche gehören zum Alltag. Wird immer dünner.

Immer wieder hat L Magen Darm Probleme.

Einer dieser Infekte verging gefühlt " Nie"

Krankenhaus für mehrere Wochen.

Sämtliche Untersuchung und Tests bleiben ohne Befund. Keine Bakterien im Blut. Keinen Parasiten der er sich vielleicht eingefangen haben könnte. US unauffällig. Bis auf das sein Magen voll mit Flüssigkeit war, obwohl er kaum etwas getrunken hatte.

Tagsüber ging es im immer " gut".. Am Abend jedoch ein stark aufgeblähter Bauch. Und mehrmaliges Übergeben sowie starken Durchfall. Nacht für Nacht über 3 Wochen. Man gab ihm einen Einlauf, obwohl er sich ohnehin nur noch flüssig entleerte. : wir vermuten eine Verstopfung "

Auf Us aber angeblich nix auffällig. L wurde immer dünner. Seine Knochen zeichneten sich deutlich ab.

Diagnose: Das ist psychisch bedingt, wir überweisen Sie in die Kinder Psychiatrie.

L schien wie ausgewechselt. Lebensfroh und sehr auf mich bezogen. Wir entschieden uns gegen die Klinik. Die Magen Darm Geschichte war weg.

Er wechselte die Schule und besucht eine Tagesstaette.

Weiterhin keine großen Auffälligkeiten. Gute bis sehr gute Noten. Aber sehr schüchternes Kind. Wirkt immer sehr verkrampft.

Dann sei er sich plötzlich in der schule auffällig. Er soll ein neues Medikament bekommen. ELVANSE .

Meiner Meinung nach fing es da an.

Er fing wieder die Wimper auszureisen. Diesmal aber nur bis zur ersten AugenEntzündung.

Dann aber hat er angefangen sich einzelne Kopfhaare auszureisen. Viel nur gelegentlich auf. Er sagte die Haare fühlen sich komisch an. So " rau" und das würde ihn stören. Mittlerweile ist L 10...

Nach und nach wurde eine kaale stelle am Kopf sichtbar.

Der Arzt sagte " er wäre sehr nervös "

Ich brachte öfters den Verdacht ins Gespräch, das es an dem Medikament elvanse liegt.

Das wäre aber auf keinen Fall möglich. Es sei ein sehr gutes Medikament. In den Ferien folgte der erste absetzversuch.

Das Haare auszureisen war weg.

Wenige Tage nachdem die Schule begonnen hat und er seine Medikamente wieder bekam war auch das Haare ausreisen wieder da. Mein Verdacht war somit bestätigt.

Der Arzt bleibt jedoch dabei.also habe ich auch da wieder die Tabletten abgesetzt. Er war lange ruhe. Die ganzen Sommerferien nichts. Die Haare sind vollständig nachgewachsen.

Nach den Ferien aber sehr bald der Anruf aus der schule. L stört den Unterricht massiv. SeinE Konzentration gleich null. Ich soll ihm die Tabletten wieder geben.

Daraufhin wieder die Haare. Innerhalb von einem Schultag eine ca 2x2 cm große kahle stelle am Kopf. Wenige Tage später die zweite.

Zum ersten Mal fiel das Wort tricholillomanie. Eine zwangsstörung. Und es liegt keinesfalls an dem Medikament elvanse.

Ich recherchierte im Netz nach nebeWirkungen.

Darin heißt es:

" zwanghaftes bearbeiten der Haut "

Für mich ist dieses Tricho sehr nahe gelegenen. Bearbeiten der KOPFHAUT

auch dies "unmöglich "

Er soll ein Psychopharmaka bekommen.

Abilify heißt es. Die Kasse zahlt es aber nicht, weil zu klein ist.

Nun bekommt er alternativ ein Antidepresivum. " Citalopram " sowie elvanse weiterhin.

Keinerlei Besserung. Eher im Gegenteil. Die kahle stelle ist nun handflechen groß. Er reist Sicht nicht nur einzelne Haare aus sondern gleich mehrere. Auch die Wimpern sind nun wieder weg.

Arzt " das Medikament brauch zeit zum wirken. "

L nimmt das Medikament aber nun seit knapp 5 Wochen.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Ich danke dir schonmal das du den langen Text gelesen hast.

Gibt es Eltern dessen Kind ähnliche Symptome zeigt? Was kann ich noch tun?

Ich bin um jeden Tipp sehr dankbar.

Die kleine eine ":/

Antworten
R"egeHnp)feifer


Liebe TE,

Nur ganz kurz, ich muss gleich zur Arbeit...

Mit Trichotillomanie kenne ich mich nicht aus, ich weiß gerade mal aus anderen Berichten, was das ist.

Ich kann mir vorstellen, dass die ganze Problematik mit deinem Unfall zusammenhängt. Vielleicht wurde das nicht genügend aufgearbeitet. Die Sorgen und Ängste, die so ein kleiner Krümel hat, wenn die Mama plötzlich nicht da ist und unsicher ist, ob sie wiederkommt.

Du schreibst von ADS-Medikamenten, welche ich auf keinen Fall verurteile.

Wichtig ist, dass er zusätzlich zur Medikation eine begleitende Verhaltenstherapie macht und auch du als Mutter involviert (gibts auch einen Papa? Wenn ja, sollte er auch mitziehen, zusammen ein Elterntraining besuchen). Diese drei Komponenten sind sehr wichtig in der ADS - Therapie.

Wichtig wäre noch zu wissen, wie er sich vor dem Unfall verhalten hat. War er auch schon im KiGa auffällig oder ängstlich?

_NParvaAti_


Also, ich würde mal behaupten, dass ich mich mit Trichotillomanie recht gut auskenne, da ich selbst betroffen bin und gerade (wieder) mitten in einer Verhaltenstherapie stecke. Bei mir hat es mit 12 Jahren angefangen und jetzt bin ich 32.

Die Erkrankung ist sehr sehr schwer zu behandeln. Sagte mir auch mein Therapeut. Es gibt nämlich keine Behandlung, die so richtig gut anschlägt. Das beste ist, die Erkrankung so früh wie möglich zu behandeln. Umso mehr Zeit vergeht, umso schwieriger wird es.

Man weiß wohl auch noch nicht so richtig, was der Auslöser von Trich ist. Hauptsächlich tritt diese Erkrankung eher in der Pubertät auf. Selten schon eher. Es ist auch keine Zwangsstörung sondern eher eine Impulskontrollstörung (wie Nägel kauen) bzw. eine Zwangsspektrumsstörung. Die Erkrankung soll auch mit den Tic-Störungsbild verwandt sein. Also man geht davon aus, das es auch eine Art von neurologischer Störung ist.

Soviel zur Theorie. Jetzt zu deinen Sohn:

Mir ist nicht bekannt, dass Medikamente Trich auslösen können. Was ich mir aber eher vorstellen kann ist, dass der Körper, sobald dein Sohn das Medikament bekommt, einen anderen Kanal sucht, um inneren Druck abzubauen. Also mir scheint, dass dein Sohn Druck entweder durch auffälliges Verhalten oder durch Haare reißen abbaut. Es kann aber auch sein, dass er so oder so die Haare reißen würde. Aber es ist ja nicht so, dass man ständig Haare reißt, es gibt auch mal reißfreie Zeiten. Und wenn du sagst, dass die gesamte Ferienzeit über kein Haare ausreißen stattfand, dann kann das auch schlicht daran liegen, dass dein Sohn keinem (Schul)stress ausgesetzt war, nicht aber, weil du das Medikament abgesetzt hast.

So oder so würde ich behaupten, dass dein Sohn dringend psychologische Hilfe benötigt. Schon allein des Unfalls wegen, wo wir nicht wissen, wie er diesen verarbeitet hat. Es kann durchaus sein, dass er davon traumatisiert ist und eventuell davon seine Verhaltensauffälligkeiten kommen.

Ich bin während meiner Kindheit auch traumatisiert worden und ich gehe auch mal stark davon aus, dass das mit zu meiner Erkrankung (Trich) beigetragen hat. Dazu kommt noch, dass diese unschönen Erlebnisse meine Eltern nie ernst genommen haben, mit mir nicht darüber geredet haben und das Thema mit "es war ja nicht so schlimm" abgebügelt haben.

Als ich dann Trich bekam, konnte ich von meiner Mutter auch nur Vorwürfe anhören. Ihr war nur wichtig, wie ich aussehe, nicht aber, wie es mir innerlich geht. Mache diesen Fehler bitte nicht bei deinen Sohn. Absolut vermeiden solltest du Aussagen, wie: "Warum machst du das?" Du würdest eh keine befriedigende Antwort erhalten. Außerdem wissen es Betroffene meist selbst nicht, warum sie es tun. Oder vermeide auch zu sagen: "Hör auf deine Haare zu reißen", "Du hast schon wieder deine Hand an den Haaren." usw. Ich kann verstehen, dass der Drang besteht, es irgendwie beim Kind zu unterbinden, aber durch solche Aussagen feuert man nur das Verhalten an, weil sich das Kind immer mehr unter Druck gesetzt fühlt und der Druck wird dann wiederum durch das Reißen abgebaut. Ein Teufelskreislauf.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen :-)

_CPaSrvarti_


Wenn du der englischen Sprache mächtig bist, kann ich dir bei Youtube noch den Kanal "TrichJournal" empfehlen. Da berichtet eine Betroffene und dokumentiert ihre Erkrankung.

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