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Ritalin bei eigentlich entspanntem Ads Kind?

Rjockbwreauxer hat die Diskussion gestartet


Hallo :)

Es geht um den Sohn meines Partners. Der Sohn lebt bei der Exfreundin, aber es besteht regelmäßiger Kontakt zwischen Vater und Sohn. Vor ca 2 Jahren erhielt der Sohn die Diagnose ADS. Untersucht wurde es, weil er regelmäßige Ausraster hatte und auch sonst wohl sehr schwierig im Umgang war, viel Aufmerksamkeit brauchte, unruhig war etc. Ich kenne dies lediglich aus Erzählungen, da er heute ganz anders ist.

Es wurden einige Tests gemacht, auch auf Asperger, bei 2 Psychologen. Ein IQ Test ergab einen IQ von um die 150, also hochintelligent.

Nach der Diagnose hat er eine Ergotherapie angefangen, die bis heute andauert. Die Therapie scheint sehr gut zu funktionieren, da er selten noch Ausraster bekommt und auch sonst wesentlich ausgeglichener und entspannter ist. Auf mich persönlich macht er einen normalen Eindruck, meckert wenig, selbst wenn ihm eigentlich langweilig ist, ist ansonsten normal aktiv, bzw ein typisches Draußenkind. Powert sich auch gerne mal aus, aber alles im Rahmen.

Das Einzige, was bei ihm durchkommt sind seine sozialen Schwächen. Er mag es sehr gerne mit anderen Kindern oder Erwachsenen zu spielen, sowohl ruhig, als auch aktiv. Durch die Anfänge in der Schule, als die Therapie erst angefangen hat, hat er leider kein soziales Umfeld aufbauen können, sondern wird im Gegenteil gemieden oder geärgert (gemobbt). Da kommt er auch wieder an seine Grenzen und rastet dann quasi aus und schlägt wild um sich. Es tut ihm danach auch furchtbar leid und er weiß, dass das falsch ist, weiß aber in seiner Hilflosigkeit nicht anders zu reagieren, die Lehrer helfen leider auch nicht. Aber er wünscht sich eigentlich Freunde, er weiß nur nicht wie (da kann einem echt das Herz brechen, wenn ein 8 jähriger Junge einem das reflektiert erzählt :°( ).

In der Schule hat er teilweise Schwierigkeiten, zumindest im Bereich Deutsch. Lesen und schreiben fällt ihm sehr schwer (ich persönlich würde auf Legasthenie tippen und hoffe, das wird demnächst untersucht). Zudem kann (oder will?) er sich zeitweise nicht auf eine Aufgabe konzentrieren, wenn ihn diese langweilt. Dadurch entstehen ab und an natürlich Flüchtigkeitsfehler.

Seine Mutter hat daraufhin jetzt beschlossen, dass ihr Sohn Ritalin bzw Methylphenidat bekommen soll, damit er sich konzentriert und die Leistungen besser werden, vor allem in Deutsch.

Mein Partner ist davon nicht begeistert, das Kind mit Medikamenten vollzupumpen, gerade wenn man die Nebenwirkungen liest. Auch die Langzeitwirkungen bzw die folgen für die Persönlichkeit sind nicht außer Acht zu lassen. Der Junge hat eine tolle Persönlichkeit, ist reflektiert, versucht immer positiv an sich zu arbeiten,versucht für seine Fehler selbständig Lösungen zu finden, hat viel Fantasie, lacht gerne und und und. Und Ritalin bzw Methylphenidat beeinflusst die Persönlichkeit und die Persönlichkeitsentwicklungen, mein Partner befürchtet, dass der Junge quasi ein Zombie wird (mal überspitzt gesagt).

Gibt es hier Jemanden, der Erfahrung damit hat, wie sich das auswirkt? Gibt es nicht doch wesentlich bessere Alternativen?

Antworten
cxriec9ha)rlie


Mein Partner ist davon nicht begeistert, das Kind mit Medikamenten vollzupumpen, gerade wenn man die Nebenwirkungen liest.

Kannst Du das bitte anders ausdrücken? DAs ist immer ein Schlag in's GEsicht aller Eltern bzw. aller Kinder, die die Tablette morgens normal mit ihrem Frühstückskakao runterschlucken, freiwillig, weil sie sonst z.B. soziale Außenseiter in ihren Klassen sind, was sie gar nicht wollen. Mein Teeniesohn setzt sich damit auseinander, was er nimmt und es kostet ihn viel Kraft, sich gegen dieses "vollpumpen" abzugrenzen, allmählich geht es, aber wir hatten Zeiten, da saß er weinend beim Kinderarzt, weil er nicht wusste, ob er nicht was falsch macht, weil er immer so etwas lesen oder auch hören (!) musste.

Bis jetzt hat die Verbesserung seines Lebens immer noch gesiegt, aber diese Stigmatisierung von Leuten wie Dir, die noch keine Ahnung haben, ist schon heftig für die Betroffenen.

EIluafR-em)ich~08x15


:|N

Das ein solches Medikament unter Umständen hilfreich sein kann, bedeutet ganz sicher nicht das man Nebenwirkungen, die durchaus auftreten können, verharmlosen muss! Nicht immer heiligt der Zweck die Mittel.

s|ensiqbelxmann99


Ich empfehle [[https://www.youtube.com/watch?v=rBh6Mya6sOk das hier]].

ckryieuchatrlxie


Keiner verharmlost diese Nebenwirkungen und bis man seinem Kind Medis gibt, macht man sich viele Gedanken.

Aber alle Sorgfaltspflicht wird durch dieses "stopfen" oder "pumpen" in's Lächerliche stigmatisiert;

das haben die Eltern dieser Kinder nicht verdient. Klar gibt es auch Idioten unter diesen,

die kritiklos allen Empfehlungen folgen (wobei es ein langer Weg der Testung etc.. ist, bis Dir ein Arzt das Rezept auf den Tisch legt, wenn es ordentlich läuft) - aber man kann doch auch davon ausgehen, dass nicht jeder so handelt.

sklowgxan


Ich würde eher empfehlen, sich unter betroffenen ADHSlern zu informieren, zum Beispiel auch Erwachsenen, die immer noch Methylphenidat nehmen, um die Konzentrationsfähigkeit zu erleichtern. Der Herr aus dem Link von Sensiblemann ist selbst sehr umstritten und seine Projekt mit Kindern, die auf die Alm in so eine Art Erziehugscamps geschickt wurden oder werden sind genauso zu hinterfragen, wie die Medikamentengabe.

Ich befürworte die Medikamentengabe auch nicht unter alle Umständen, aber das gesellschaftliche Stigma und und die Meinungen der Menschen, die selbst nicht betroffen sind und durch Medien meinen zu wissen, wovon sie reden, helfen da auch nicht weiter. Ich kenne viele Menschen, denen Methyphenidat hilft und wie ein "Zombie" ist mir da noch keiner vorgekommen. Es geht hier ja nicht um Ruhigstellung wie in Kliniken des letzten und vorletzten Jahrhunderts.

Zuallererst wäre Verständnis für das Kind wichtig. Formulierungen wie

Zudem kann (oder will?) er sich zeitweise nicht auf eine Aufgabe konzentrieren, wenn ihn diese langweilt

deuten darauf hin, dass dies leider noch nicht so möglich scheint. Ich kann es nicht sagen, ob ADHS eine angeborene Störung ist oder eine erlernte oder was auch immer, aber es gibt viele Menschen, die die Diagnose haben und für die das "bei der Sache bleiben" eine oft sehr viel grössere Anstrengung bedarf als bei anderen. Ich finde das Buch "Die Einsamkeit in unserer Mitte" von Karsten Dietrich sehr empfehlenswert, um die Schwierigkeiten bzw Verhaltensweisen zu verstehen. Nach meinen Erfahrungen beschreibt er sehr gut, was viele mit dieser Diagnose empfinden bzw warum sie teilweise so handeln.

Eine Kernaussage ist, dass der ADHSler dazu neigt, schneller als andere in das Handeln überzugehen, das von den vorderen Hirnregionen gesteuert wird. Diese wird normalerweise aktiviert, wenn man in extremen Gefahrensituationen ist, wo man nur noch mit "freeze, fight oder flight", also Erstarren, Kämpfen und Fliehen reagieren kann. Genau wie bei dem Jungen beschrieben:

Da kommt er auch wieder an seine Grenzen und rastet dann quasi aus und schlägt wild um sich

Woher diese Neigung kommt ist nach meinem Wissen nicht eindeutig bewiesen und ich mag da mit denen, die meinen, es sei alles nur eine "Modekrankheit" auch gar nicht diskutieren. Aber sie ist sehr typisch bei Menschen, die dieses Problem haben. Nicht alles schlagen um sich, einige Erstarren dann eben auch oder vermeiden usw. und das eben bei niedrigerer Schwelle als andere.

Wie man damit umgeht, ist letztendlich der zweite Schritt. Aber ich fände es wichtig, dass Phänomen ersteinmal mehr zu verstehen und sich einzulesen oder auf Berichte von Betroffenen zu hören.

cGriec5harlxie


....schwierig ist auch, dass wenn man als Betroffener dann iwann merkt ,was dann passiert und sich sofort einbremst, wenn es dazu kommen könnte...

und man dann erfolgreich darin ist...

iwann der Bumerang kommt: hey, Du bist aber arrogant und gefühlskalt. Die Mitte zu finden ist echt schwer. Irgendwie ist es immer falsch und die Medis können helfen, das zu schaffen. Klar sind der Preis die Nebenwirkungen, aber ich habe erlebt, wie mir mein 13 jähriger erzählt hat, warum er so spät aus der Schule gekommen ist,

er hatte nämlich überlegt, sich vor den Zug zu werfen. Das vergessen wir nie.

d/ana%e8x7


Mh, also ich finde es eigentlich nicht soo ungewöhnlich das ein 8 jähriger mal irgendwo nicht mitarbeitet oder in einem Fach eine gewisse Schwäche hat. Belastet ihn das sehr?

Was die Ausraster angeht: Auch die finde ich nicht unnormal, zieht man den sozialen Druck durch die Klassenkameraden mit in Betracht. Ausgrenzung am Arbeitsplatz bringt auch gesunde Erwachsene an den Rand der Verzweiflung und Mobbing sowieso. Vorallem weil man aus der Rolle so schwer wieder ausbrechen kann, sich ja aber auch irgendwie wehren muss. Wenn dem Jungen da auch noch die Unterstützung der Lehrer fehlt frage ich mich dann schon was von dem Kind erwartet wird? Soll der Zen-buddhistisch da sitzen und sich immer wieder vorsagen das es nur noch knapp zehn Jahre sind? Das überfordert doch jeden.

Wäre da nicht vielleicht ein Schulwechsel drinne? Das machen wir Erwachsenen ja auch wenn die Arbeitsatmosphäre völlig untragbar geworden ist. Wir gehen weg, eben weil bestimmten Dynamiken nicht mehr viel anderes möglich ist als Flucht oder körperliche Gewalt. Wieso da von Kindern mehr erwartet wird werde ich nie verstehen.

Vielleicht könnte er ja an einer neuen Schule neu starten und da dann auch endlich Freunde finden, ohne das Gepäck alter Fehler.

sFensibel1mannx99


Ich kenne viele Menschen, denen Methyphenidat hilft und wie ein "Zombie" ist mir da noch keiner vorgekommen. Es geht hier ja nicht um Ruhigstellung wie in Kliniken des letzten und vorletzten Jahrhunderts.

Doch- genau darum geht es weitgehend- es geht ums ruhigstellen.

c%rieclharlxie


es geht um's Ruhigstellen, aber nicht um das Zombiefizieren. Die Kinder werden "ruhiger", weil sie ihre sieben Sachen endlich zusammenbringen und sich auf was konzentrieren können;

auch haben sie eine bessere Impulskontrolle, d.h. Zugang zu dem was eigentlich in ihnen ist, an das sie aber ohne den fehlenden Botenstoff, der ihnen durch Medis zugeführt werden, nicht herankommen.

cNriec6harulixe


....die "Kinder" von 11 bis von mir aus 19 können nämlich auch sehr wohl erzählen, was sie dabei empfinden, können Vergleiche zu jetzt und vorher anstellen...

das geht in solchen Diskussionen immer unter, dass man sich mit den Kindern ja auch unterhält über das, was man nun so zusammen angeht. Oder meinen die Außenstehenden wirklich, man "stopft sie voll", indem man ihnen den Mund aufspreizt und die Tablette reindonnert? Oder einen Schlauch in den Hals für die Ritalingabe, wie bei der Tierzucht? Normalerweise diskutiert man die Medigabe mit seinen Kids und zwar über Jahre hinweg (!) immer wieder, mit und ohne Ärzte, es geschehen Verlaufskontrollen und wenn das Kind sagt:

ich will nicht, weil... wird das auf jeden Fall abgewägt. Aber in allen Fällen, die ich kenne, haben die kids das sich regulierende Sozialverhalten als Erleichterung im Vergleich zu vorher wahrgenommen.

sOensibe[lmannx99


Kinder werden "ruhiger", weil sie ihre sieben Sachen endlich zusammenbringen und sich auf was konzentrieren können;

auch haben sie eine bessere Impulskontrolle, d.h. Zugang zu dem was eigentlich in ihnen ist, an das sie aber ohne den fehlenden Botenstoff, der ihnen durch Medis zugeführt werden, nicht herankommen.

Da offenbar ADS in den meisten Fällen keineswegs genetisch mitgegeben wurde, sondern ihnen durch Fehlbetreuung (mitunter schon unmerklich in der vorgeburtlichen Phase) hervorgerufen wird, haben sie oft infolge Ritalins keineswegs eine bessere Impulskontrolle sondern lediglich fehlenden Antrieb.

Durch Ritalin kommen die Kinder trotzdem nicht an fehlende Botenstoffe heran- das müsste über das Sozialverhalten über einen schweren und langwierigen Weg antrainiert werden und setzt zuallererst voraus, in die Seele des Kindes zu dringen.

Oft wäre es notwendig, nicht das das Kind ruhigzustellen, sondern ihm eine angemessene und passende Beschäftigung zu geben. Schule, die auf diverse Spezialfälle oft nicht eingehen kann (dazu sind die Klassen zu groß und individuelle Betreuungsmöglichkeiten zu schwer möglich) kann damit nicht umgehen- jedenfalls nicht so, wie sie derzeit organisiert ist. ADS Kinder bräuchten Spezialbetreuung.

Ritalin wirkt keineswegs entwicklungsfördernd, sondern entwicklungshemmend (was die Persönlichkeitsentwicklung betrifft). In jedem Fall ist Ritalin der Pharmaindustrie sehr dienlich ...

M1ire#yxa


Ich kann es nicht sagen, ob ADHS eine angeborene Störung ist oder eine erlernte oder was auch immer,

Ich kann es nicht im Detail sagen, aber es ist auf jeden Fall eine organische Erkrankung.

Jemand mit ADHS wird "gehypt" von Beruhigungsmittel und kommt runter durch Amphetamine. Das wäre ungefähr so, als wenn man Kaffee in Massen zum beruhigen trinken würde. Das Medikamente so ganz unterschiedlich auf ADHS/ADS-Erkrankte wirken spricht deutlich für eine unterschiedliche Wirkungsweise im Gehirn der Betroffenen, wodurch vermutlich auch die Symptome entstehen.

Spannend fände ich eher, wie die Diagnostik bei dem Jungen zustande kam. Wie konnte er sich so gut auf den IQ-Test konzentrieren, dass er den mit einem IQ von 150 abschloss?

Powert sich auch gerne mal aus, aber alles im Rahmen.

Wie oft darf er sich denn auspowern?

Ich habe das schon oft bei Kindern gesehen, die sich nicht konzentrieren konnte, wenn sie sich nicht ausreichend bewegen konnten. Wenn sie dann regelmäßige Bewegung bekamen, wo sie sich fast täglich gut auspowern konnten, wurden sie ruhiger. Nein, keine mit AD(H)S-Diagnose. Aber vor der Verhaltensänderung, hätte man durchaus daran denken können.

Ich glaube schon, dass es AD(H)S gibt, aber ich befürchte auch, dass es da heutzutage vielzuviele falsch positive Diagnosen gibt. :-/

J>ezexbel


ADS Kinder bräuchten Spezialbetreuung.

Könntest du das bitte näher und detaillierter erläutern?

c;rie0charxlie


Ritalin wirkt keineswegs entwicklungsfördernd, sondern entwicklungshemmend (was die Persönlichkeitsentwicklung betrifft).

Das ist einfach Unsinn. Bitte lies' Dich endlich mal in die Materie ein,

bevor Du hier ständig immer bei was querschießt, von dem Du nur als Zuschauer mit DDR-Erziehung und schon längst erwachsenen Kindern was weißt.

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